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Geschichte der Völkerwanderung

Felix Dahn: Geschichte der Völkerwanderung - Kapitel 39
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Völkerwanderung
authorFelix Dahn
firstpub1880
year1997
publisherPhaidon Verlag
addressEssen
isbn3-88851-198-4
titleGeschichte der Völkerwanderung
created20051128
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Des Magnentius Eigenschaften mögen mehr blendend als wertvoll gewesen sein; Aurelius Victor (d. C. 41, 26) sagt, er habe es dahin gebracht, daß man Constans zurückgewünscht und die Epitome läßt ihn große Furchtsamkeit unter dem Scheine von Kühnheit verstecken.

Mit dessen Tod mag Ammians verlornes XIII. Buch aufgehört haben: von nun an ist der treffliche Mann unser Leiter, auf dessen Grund wir zunächst das zu Anfang dieses Kapitels über Constantius ausgesprochene Urteil zu rechtfertigen haben.

Zu seinem schweren Unheil ward dieser Sohn eines der größten Kaiser im Purpur geboren und hatte sogleich nach der Muttermilch das Gift der Schmeichelei eingesogen. Im siebenten Jahre schon ward er Cäsar. Trefflich seine Erziehung: aber was M. Aurelius bei Commodus nicht vermochte, gelang auch Constantin bei Constantius nicht. Noch mehr verdarb ihn sein Glück im Bürgerkriege, welches er allerdings auch der eignen Geschicklichkeit zum Teil zu verdanken hatte.

Wie er, scharfen Verstandes, die bösen Neigungen der Menschen durchschaute, so fürchtete er, schwachen Herzens, wie einst Dionys, der Tyrann von Syrakus, überall Verrat und Empörung. Von dieser Seite faßte ihn die verworfene Camarilla, deren Haupt ein Verschnittener, der Oberkammerherr Eusebius war, von welchem Ammian (XVIII, 4) ironisch sagt, daß der Kaiser allerdings viel über ihn vermocht habe. Auf seiner Person beruhe ja, hohnredeten die Schmeichler, das Wohl des Erdkreises: daher sei deren Schutz die höchste und heiligste Pflicht gegen die Menschheit.

Für diesen sorgte nun im Dienste jener Camarilla eine Bande verworfener Späher, Verleumder und Angeber, die, blutgierigen Spür- und Hatzhunden gleich, auch die Unschuld verfolgten.

Hatten sie ein Wild erjagt, so folgten Fesseln und Kerker, falsche, durch die furchtbarste Folter erzwungene Geständnisse oder Zeugnisse, endlich Tod oder mindestens Verbannung, in beiden Fällen aber Einziehung des Vermögens, mit dem die Ruchlosen, Herren wie Diener, sich mästeten.

Nur zwei Fälle der Art mögen hier Platz finden.

Obwohl Constantius nach der Schlacht bei Mursa, offenbar in eignem Interesse, eine allgemeine Amnestie verkündet hatte (Jul. or. 1, 2, p. 69 u. 107), so scheint doch, nachdem durch des Magnentius Tod volle Sicherheit erlangt war, schwere Verfolgung der Anhänger desselben eingetreten zu sein, wiewohl unstreitig nur derjenigen, welche sich in Folge jenes Aufrufs nicht sogleich unterworfen hatten.

Da ward (Ammian XIV, 5) aus dem Hauptquartier zu Arles, nach der dreißigjährigen Regierungsfeier des Constantius (von seiner Ernennung zum Cäsar 323 an gerechnet) zu Anfang Oktober 353 der Notar Paulus, der den Beinamen die: »Kette«, »catena«, führte, einer der schlimmsten jener Rotte, als kaiserlicher Kommissar nach Britannien abgesandt, um einige Militärs aus obigem Grunde zu verhaften. Dieser aber, viel weiter gehend, schmiedete aus Raubgier erdichtete Verbrechen und schlug auch Schuldlose in Fesseln. Da erhob sich entrüstet Martinus, der Vicar von Britannien, wider die Unbill, bat dringend um Schonung der Unschuld und drohte schließlich, seinen Posten zu verlassen.

Das hatte aber nur die Folge, daß der Bluthund nun auch den Landeschef selbst und dessen oberste Beamte gefesselt an das Hoflager zu schleppen drohte. Solchem Untergange zuvorzukommen, wollte ihn Martinus niederstoßen, traf aber den Frevler nicht zum Tode und hatte nur noch so viel Kraft, die eigne Brust zu durchbohren. Wohl ihm: denn Folter, Tod oder mindestens Verbannung traf die Unglücklichen alle, welche der verwundete Paulus mit zurückschleppte. Nicht leicht, fügt Ammian am Schluß hinzu, wird man sich erinnern, daß unter Constantius irgend jemand, wo auch nur ein Gemurmel wider ihn vorlag, freigesprochen worden sei.

Noch scheußlicher folgendes (nach Ammian XV, 5):

Der um Constantius so verdiente Silvanus war als Magister peditum zur Verteidigung des hart bedrängten Galliens abgeordnet worden und wirkte dafür mit gutem Erfolge.

Dynamius, ein bei dem Train angestellter Zahlmeister, bittet ihn vor dem Abgange um Empfehlungsbriefe an einige seiner Freunde und erhält sie. Darauf verbindet er sich mit dem Praefectus Praetorio Lampadius und zwei Genossen desselben, dem früheren Domänenminister Eusebius und dem früheren Praefectus memoriae Aedesius, welche nach dem Konsulat strebten, zu folgender Niederträchtigkeit. Der Inhalt jener Briefe wird bis auf die Unterschrift mit Kunst vertilgt und ein anderer, jene Freunde zur Mitwirkung bei beabsichtigtem Thronumsturz einladender, darauf gebracht. Diese Schreiben werden im Geheimenrate vorgelesen und sogleich Befehle zu Verhaftung der entfernten Adressaten erteilt.

Zugleich wird auf Vorschlag Arbetios, des zweiten, von Neid gegen Silvanus erfüllten Generals der Reiterei, Apodemius, ein ähnlicher Bube, mit einem kaiserlichen Schreiben, welches Silvanus an das Hoflager beruft, an diesen abgesandt: derselbe gibt das aber nicht ab, sondern spioniert und intrigiert dort nur unter der Hand gegen Silvanus, der nichts ahnend auf seinem Posten bleibt.

Da schreibt, um den Beweis zu verstärken, Dynamius einen neuen falschen Brief im Namen Silvans und seines Stammgenossen Malarich, Befehlshabers der Gentilen, welcher schon im Geheimenrate sich des ersteren angenommen hatte, an den Vorstand der Waffenfabrik zu Verona: er möge das Nötige schleunigst vorbereiten.

Dieser aber sendet den ihm unverständlichen Brief durch denselben Boten, von einem Soldaten begleitet, zur Aufklärung an Malarich zurück. Entrüstet erhebt dieser nun, auf die zahlreichen Franken am Hofe gestützt, seine Stimme wider solche Verruchtheit. Der Kaiser befiehlt Untersuchung, bei welcher der als Minister officiorum fungierende Florentius endlich die Spuren der in Silvans ersten Briefen vertilgten Schrift und somit den ganzen Betrug entdeckt. Nun soll gegen dessen Urheber mit der Folter verfahren werden, welcher der Praefectus Praetorio jedoch, obwohl bei Majestätsverbrechen sonst kein Rang davon befreite, durch das Zusammenwirken aller Großen noch entgangen zu sein scheint. Eusebius dagegen soll das Verbrechen gestanden, Aedesius aber durch Leugnen obgesiegt haben.Die Stelle ist schwer verständlich: jedenfalls aber bedeutet, nach des Valesius Anmerkung p. 87 der Gronovschen Ausgabe, das suspensus nicht gehängt, sondern nur suspensus in eculeo. Schließlich aber wurden doch, was kaum glaublich scheint, weiter unten aber erklärt werden wird, alle Angeschuldigten freigesprochen, ja der verruchte Dynamius, unstreitig als eins der geschicktesten Werkzeuge, ward sogar zum Gouverneur der Tuscischen Provinz ernannt.

Nichtsdestoweniger ward der unglückliche Silvanus ein Opfer dieser Büberei. Er erfuhr endlich die ihm drohende Gefahr, noch nicht aber den Ausgang der Untersuchung. Wissend, daß Unschuld keine Rettung sichere, dachte er diese durch Flucht zu seinen Volksgenossen, den Franken, zu finden. Einer seiner Offiziere desselben Stammes stellte ihm aber vor, daß ihn diese als Abtrünnigen(Es ist dies ein seltener Ausnahmsfall. Meist finden die Germanen keinen Frevel in dem Eintritt in römischen Waffendienst, auch wenn dieser gegen Stammgenossen geleistet wird. Silvan muß den Franken stark geschadet haben. D.) entweder töten oder für Geld ausliefern würden. Da erblickte er das einzige letzte Rettungsmittel in Vollziehung der Tat, deren man ihn fälschlich beschuldigt hatte. Er nahm den Purpur.

Das schlug wie ein Blitz in des Constantius Seele. Nun galt es, einen Mann zu finden, den man Silvan entgegenstelle: und man verfiel auf einen der tüchtigsten im Reiche, auf den Magister der Reiterei Ursicinus.

Er war bitter gehaßt von der Camarilla und seinem unwürdigen Kollegen Arbetio: diese hatten bereits zu Anfang des Jahres 354 seine Abberufung aus dem Orient und ein heimlich zu vollstreckendes Todesurteil wider ihn ausgewirkt, als der Kaiser in einer Anwandlung besseren Gefühls dies noch zu vertagen beschloß (Ammian XV, 2, S. 45.). Ursicinus machte den Ungrund jener Beschuldigung des Silvanus geltend, ward aber von Constantius in geschickter Rede bedeutet, daß bei der gegenwärtig so dringenden und gefährlichen Sachlage darauf nicht weiter zurückzukommen sei. Mit einem Schreiben, worin der Kaiser, des Vorgefallenen sich noch unkundig stellend, Silvanus freundlich einlud, den Befehl an Ursicinus abzugeben und zu ihm zurückzukehren, so wie mit gemessener geheimer Instruktion reiste letzterer ab, mit ihm auch unser Ammian. Silvanus empfing ihn inmitten eines starken Heeres in Köln und nahm ihn, wissend, daß auch dieser Mann zu den am Hofe Gehaßten gehöre, freundlich auf. Nach peinlichster Verlegenheit, wie er seinen Auftrag erfüllen könne, gelang es Ursicinus endlich, einen Haufen der Braccaten und Cornuten zu gewinnen, welche für ein großes Geldgeschenk Silvanus niederstießen.

So endete der würdige, um Constantius so hochverdiente Mann. Neue Nahrung gewannen nun Übermut und Schmeichelei.

Folter und Blutgericht gegen des Silvanus Freunde, wobei sich der »höllische« Paulus (tartareus ille delator) wieder hervortat, schlossen die Tragödie.

Wir vermuten nun, daß die allmächtige Camarilla Silvans wirkliche Empörung benutzt habe, um, den richtigen Blick des Dynamius und seiner Genossen hervorhebend, die Freisprechung dieser Schurken vom Kaiser zu erlangen.

Nach dieser Abschweifung kehren wir zum Faden der Zeitgeschichte zurück.

Im Orient hatte der Cäsar Gallus, nachdem er im Jahre 362 eine Empörung der nimmer rastenden Juden unterdrückt hatte (Aur. Vict. d. C. 42, 10 u. a.), nichts zu tun, da sich die Perser bis auf Streifereien ruhig verhielten. (Amm. XIV, 2 u. 3.)

Aber im Müßiggange zu Antiochien übte er sehr argen Mißbrauch der Gewalt; neben ihm seine Gemahlin Constantia, des großen Constantinus Tochter, die, wie Ammian sagt, einer sterblichen blutgierigen Megäre gleich, den ohnehin Wilden unablässig anfeuerte.

Sein Praefectus Praetorio versuchte nichts gegen diese Mißwirtschaft, setzte aber Constantius davon in Kenntnis. (Amm. XIV, 1.)

Und nicht mit Offenheit und Kraft, sondern mit abscheulichster Heimtücke schritt dieser ein, übrigens nicht wegen der »Frevel« des Gallus, welche seinen eigenen weit nachstanden, sondern vor allem weil er, damals noch ohne jeden Grund, Empörung seines Cäsars fürchtete. Er suchte deshalb, unter dem Vorwande des Mangels an Beschäftigung, des Gallus Heer zu mindern(Wie später Julians. D.), und sandte an die Stelle des verstorbenen einen neuen Praefectus Praetorio, Domitian, in den Orient, den oft eingeladenen Cäsar durch arglistige Freundlichkeit nach Italien zu locken. Domitian aber verging sich gegen diesen gröblich in der Form und forderte ihn endlich mit drohenden Worten zur sofortigen Abreise auf, worauf ihn der Cäsar verhaften ließ. Mißbilligend äußerte sich über diesen Schritt der Quästor Montius gegen die Offiziere der Garde. Da wiegelte Gallus unter der Klage, Montius habe ihn der Rebellion beschuldigt, die zusammengerufenen Soldaten wider jenen auf und er sowohl als bald darauf auch Domitian wurden unter Mißhandlungen umgebracht. (XIV, c. 1.)

Gallus mag nun ängstlich geworden sein, ließ daher seine Gemahlin, die der tückische Bruder wiederholt auf das Zärtlichste eingeladen hatte, abreisen. Als diese aber unterwegs plötzlich verschied, wuchs seine Furcht auf das Höchste. Schwankend zwischen offener Empörung (von welcher das Gefühl, vom Volk gehaßt zu sein, abmahnte) und Nachgiebigkeit, ward er endlich doch durch die glatten Worte eines dazu abgeordneten Meisters der Schmeichelei und Lüge zur Abreise bewogen. Je mehr er sich von seinem Gebiet entfernte, um so mehr ward er als Gefangener behandelt, bald des Purpurs beraubt, endlich von der Straße bei Pötobium (Petiau in Steiermark) abwärts nach Pola geschleppt und daselbst gegen Ende 354 unter Vorhalt seiner Missetaten enthauptet.

Verwerflich war sonder Zweifel die heimtückische Form, verdient aber das Todesurteil, was Julian (des Gallus Bruder) selbst (ad Athen, p. 500) nicht ganz in Abrede stellt, so hart er auch des Constantius Arglist anklagt.

Des Gallus Freunde und Diener traf das gewöhnliche Los: ja selbst Julian, der bereits nach Como transportiert worden war, wäre dem nicht entgangen, wenn nicht die Kaiserin Eusebia dies verhütet und seine Entlassung nach Athen durchgesetzt hätte. Mit dieser schönen, edlen Frau hatte sich Constantius, nach dem Verluste der ersten, des Gallus und des Julian Schwester, Ende 352 oder Anfang 353 vermählt.

Zunächst ist nun zweier Feldzüge gegen die Alemannen zu gedenken.

Im Frühjahre 354 zog der Kaiser gegen die Alemannenkönige Gundomad und Vadomar, Brüder, die von Basel abwärts am obern Rheine sitzen mochten, um sie für das unausgesetzte Eindringen in Gallien zu züchtigen.

Das bei Châlons sur Saone versammelte Heer rückte nach Augst (Augusta Rauracorum) bei Rheinfelden an den Rhein, der Brückenschlag aber ward durch den Geschoßhagel der am jenseitigen Ufer in Masse aufgestellten Germanen gehindert.

Ein Ortskundiger zeigte für Lohn eine Furt, durch die man während der Nacht hätte übersetzen und den Feind umgehen können.

Ob dies, wie man vermutete, durch höhere römische Offiziere germanischer Abkunft ihren Volksgenossen verraten ward oder ob nur ungünstige Anzeichen die Germanen schreckten, bleibt dahin gestellt; genug, sie baten durch Gesandte um Verzeihung und Frieden, der ihnen auch, mit Zustimmung des darum befragten Heeres, gewährt und in Form eines Bündnisses feierlich abgeschlossen ward. Dabei soll, wie Ammian meint, auf Seite der Truppen die Erwägung mitgewirkt haben, daß Constantius zwar wohl im Bürgerkriege, niemals aber gegen äußere Feinde Glück gehabt habe. (XIV, 10.)

Etwas ernster verlief der Feldzug des Frühjahrs 355, der gegen die östlichen Nachbarn obiger Könige, die LinzgauerDer Linzgau lag am Nordufer des westlichen Bodensees und mag einen großen Teil des jetzigen Badenschen Seekreises umfaßt haben. Alemannen (Lentienses) unternommen ward, weil auch diese häufig weit in das Römische hinein heerten (collimitia saepe Romana latius irrumpentibus). Wie für die westlichen Alemannen der Elsaß, so mag für diese, die zwischen dem Bodensee und der Aare über den Rhein gingen, der heutige Kanton Aargau Tummelplatz gewesen sein.

Nicht um eine gewöhnliche Streiferei aber – denn wegen kleiner Dinge erhob sich Constantius nicht –, sondern um eine ernstere Besorgnis muß es sich damals gehandelt haben. Wahrscheinlich, ja gewiß suchten sich die Alemannen in dortiger Gegend bleibend festzusetzen, was dann die Hauptplätze Vitodurum (Winterthur) und Vindonissa (bei Baden), vor allem aber die so wichtige Militärstraße von Rätien nach Gallien südlich des Bodensees gefährdet haben würde.

(Die Germanen suchten eben nicht mehr bloß Beute: – Land suchten sie in Gallien. D.)

Daher zog der Kaiser in Person nach Rätien, blieb aber anscheinend in der Nähe von Bregenz stehen und schickte von da den schon genannten Arbetio, magister equitum, voraus, um am Ufer des Sees, d. i. auf der Militärstraße von Bregenz über Rheineck (ad Rhenum) bis Arbon (Arbor felix) etwa vier Meilen weit vorzugehen und von hier aus die Barbaren anzugreifen.

Über den nun folgenden Kriegsverlauf sind wir, weil im Manuskript eine vier Zeilen lange Lücke (nach den Worten: ad usque ... confinia) ist, unvollständig unterrichtet. Der Hergang scheint folgender gewesen zu sein. Arbetio verließ etwa in der Richtung von Winterthur die Militärstraße, den Feind aufzusuchen. Dabei mag seine Vorhut (denn gewiß nur von dieser, nicht vom Hauptcorps ist die Rede) unvorsichtig vorgegangen und dadurch in einen Hinterhalt gefallen sein, wo sie von allen Seiten so ungestüm angegriffen ward, daß sie nicht zu widerstehen, nur durch Flucht in völliger Auflösung sich zu retten vermochte, was die eingebrochene Nacht und der Wald erleichterten, so daß viele am Morgen im Hauptkorps sich wieder einfanden. Der Verlust muß aber, da allein zehn Tribunen blieben oder vermißt wurden, sehr groß gewesen sein.

Arbetio verblieb nun in dem verschanzten Lager, das die Feinde täglich, besonders im Frühnebel, herausfordernd umschwärmten, ohne jedoch einen offenen Sturm zu wagen, dem die germanische Taktik und Bewaffnung nicht gewachsen waren.

Da gingen eines Tages die Schildträger (scutarii, eine der scholae der Garde) gegen die feindliche Reiterei vor, wurden aber zurückgedrängt und riefen die Ihrigen zum Succurs. Allein die Erinnerung des erlittenen Unfalls und Arbetios zaudernde Besorgnis lähmten den Mut. Da stürzten endlich drei entschlossene Tribunen, Arintheus, Seniauchus und Bappo, mit ihren Scharen, anscheinend ebenfalls Reiterei (? D.), heraus und führten einen so gewaltigen Stoß auf die Alemannen, daß diese, völlig zersprengt, in wilde Flucht gejagt wurden. Nun beteiligten sich auch die zurückgeblieben Truppen an der Verfolgung, welche für die Germanen um so vernichtender wurde, da Terrainhindernisse (impediti, vielleicht durch dichtes Gestrüpp) sie zum Teil aufhielten, wobei auch die römischen Reiter auf Abteilungen des feindlichen Fußvolks (barbaram plebem) stießen.

Jedes derartige Handgemenge aber war für die nackten, mit genügenden Schutzwaffen nicht versehenen Germanen höchst mörderisch.

Mit diesem Ausgange, der allenfalls der Waffenehre genügte, aber ohne allen politischen Erfolg war, kehrte der Kaiser hochvergnügt nach Mailand zurück. (XV, 4.)

Solcher Art waren des Constantius Feldzüge gegen die Germanen: wahrlich denen seiner großen Ahnen nicht vergleichbar und nicht geeignet, Feinde in Schreck und Zaum zu halten, die, den sturmgepeitschten Wogen gleich, ohne Rast und Furcht gegen die römische Grenzwehr und weit über sie landein drangen.

Für Gallien überhaupt war mit des Constans Tode 350 der Wendepunkt eingetreten. Ihn fürchteten noch, wie Ammian (XXX, 7) sagt, die Germanen. Als aber Magnentius, der Truppen für den Bürgerkrieg bedürftig, die Grenzbesatzungen schwächte, als des Constantius verwerfliche Politik vor allem die Germanen zum Angriff einlud und bezahlte –: da trat jener Zustand ein, den Zosimus (III, 1) und Julian (ad Athen, p. 511 und 512) im Jahre 356 also schildern: »Alemannen, Franken und Sachsen schwärmten heerend im Lande; fünfundvierzig Städte – kleinere Burgen und Kastelle ungerechnet – waren zerstört und ein gegen acht Meilen breiter Grenzstreif vom Ursprunge des Rheins bis zum Ozean im festen Besitze (– man bemerke dieses Sichseßhaftmachen wohl – D.) der Barbaren, von dem aus sie das Innere verwüstend durchzogen. Zahllose Einwohner waren in die Sklaverei geführt, unermeßliche Beute fortgeschleppt, andere Städte noch vor dem Angriffe aus Furcht verlassen.«

Wird es doch von Silvanus, den Constantius nach des Magnentius Sturz zuerst in diese Provinz sandte, als besonderes Wagnis und Glück berichtet (Amm. XVI, 2), es sei ihm gelungen, mit nur 8000 Mann auf waldigen Pfaden (die Hauptstraße muß also in Feindeshand gewesen sein) von Autun (Saone et Loire) nach Rheims (Marne), also im Herzen Frankreichs, mühevoll durchzudringen. Doch scheint es unter diesem tüchtigen Mann auf besserm Wege gewesen zu sein; da verfiel durch dessen Tod all es aufs neue, zumal auch Ursicinus das Kommando bald wieder verloren haben muß (Ammian. XVI, 2, S. 84); ja selbst das feste Köln ward nunmehr von den Germanen im Jahre 355 erobert und (teilweise D.) zerstört.

Rettung erblickte Constantius, eigne Übersiedlung nach Gallien nicht ohne Grund für bedenklich erachtend, unstreitig aber auch seine Unfähigkeit fühlend, einzig in der Ernennung eines Cäsars: er verfiel dabei auf Julian, seinen letzten noch übrigen Verwandten. Die Camarilla bot alles auf, ihn sowohl von der Idee überhaupt als von dieser Wahl insbesondere abzubringen und möchte wohl obgesiegt haben, wenn nicht die vielvermögende Kaiserin Eusebia mit richtigem Blick für das Gemeinwohl den Gemahl entschieden hätte.

So ward denn der fünfundzwanzigjährige junge Mann am 6. November 355 zu Mailand vor feierlicher Heerversammlung zum Cäsar ernannt und wenige Tage darauf mit des Kaisers Schwester Helena vermählt. Nur so viel vermochte der Haß der Camarilla über die kleinliche Seele ihres Herrn, daß Julian von seinen Freunden und Dienern getrennt und von Spähern umgeben sowie durch offene wie geheime Instruktionen an die unter ihm dienenden Generale zu einem fast willenlosen Werkzeuge herabgedrückt werden sollte.

Am 1. Dezember reiste er ab.

Wir unterbrechen hier die Zeitfolge und behalten des Cäsars glänzenden Heldenlauf in Gallien, der zum Teil an den des großen Julius erinnert, dem folgenden, dieser merkwürdigen Persönlichkeit ausschließlich gewidmeten Kapitel vor.

Nur so viel daher an diesem Orte, daß Julian in wenig mehr als vier Jahren nicht nur Gallien vollständig von den Barbaren befreite, sondern auch die Alemannen und Franken jenseits des Rheins so nachdrücklich bezwang und demütigte, wie dies seit Probus nicht geschehen war.

Die Hochverratsprozesse, in deren einem Arbetio verwickelt, aber doch losgesprochen ward (Amm. XVI, 6), und alles, was sonst noch nur zu des Constantius Charakteristik dient, übergehend – gedenken wir zunächst seines, wie man annehmen muß, ersten Besuchs in Rom, wo er am 28. April 357Nach Idatius, während die Annahme des Jahres 356, nach dem Chronicon Paschale, durch Ammian unzweifelhaft widerlegt wird. S. Tillem., Not. 39, p. 1128. Auch die Gronovsche Ausgabe des Amm. Marc, der des Valesius folgend, irrt in der für die Kap. 7, 8, 9 und 10 angegebenen Chronologie, weil im Kap. 11 das Konsulat von 357 erwähnt wird. eintraf. Es gibt nichts Anziehenderes, als Ammians Bericht darüber (XVI, 6): der asiatische Prunk des Einzugs, die unbewegliche, einem Erzbilde gleiche Haltung des Kaisers, vor allem aber die monumentalen Wunderwerke der ewigen Stadt und deren erschütternder Eindruck auf diesen.

Als Constantius, von dem Riesenbau des trajanischen Forums ergriffen, nur das den unsterblichen Helden tragende Roß nachbilden zu wollen erklärte, bemerkte der am Hofe weilende, persische Prinz Hormisdas: »Wohl, so schaffe aber auch denselben Stall dafür, damit Dein Roß so weit vorschreite, als dieses.«

Um dieselbe Zeit ward Barbatio der an Silvans Stelle zum Magister militum ernannt worden war, gegen die in Rätien eingedrungenen Juthungen gesandt, welche Ammian hier einen Teil der Alemannen nennt. Sie versuchten, was sonst nicht geschehen war, sogar der festen Plätze sich zu bemeistern.Wenn Ammian sagt: Juthungi Alamannorum pars, Italicis contermina tractitus, so kann er unter Tractus Italici hier nur Rätien selbst verstanden haben, das damals eine Provinz Italiens war. Völlig undenkbar nämlich ist, daß sie in Noricum bis zu den carnischen und julischen Alpen gesessen hätten.

Der Feldherr war verzagt: aber der auflodernde Kriegsmut der Truppen riß ihn fort: die Juthungen wurden auf das Haupt geschlagen; nur ein kleiner Teil derselben entrann verzweifelnd in die Heimat. (Amm. XVII, 6.)

Wie verräterisch derselbe Barbatio sich gegen Julian benahm, werden wir im nächsten Kapitel sehen; wie er bald nachher dem Verhängnisse seiner Zeit als – damals wenigstens – schuldloses Opfer fiel, ergibt Ammians XVIII. Buch, Kap. 3.

Ein Bienenschwarm hatte sich in seinem Hause angesetzt; das bedeute Großes, versichern die von seiner abergläubischen Frau befragten Zeichendeuter.

Von Wahn ergriffen schreibt diese dem Gemahl im Felde, ihn beschwörend, sie doch ja nicht um der schönen Kaiserin Eusebia willen zu verstoßen, wenn er nach des Constantius Tode zur Herrschaft gelange. Dies schrieb sie durch die Hand einer Sklavin, welche verräterisch dem Arbetio Abschrift des Briefes zustellt. Sofort wird Barbatio, der den Empfang des Schreibens nicht leugnen kann, und mit ihm die Frau enthauptet, der Folter furchtbares Spiel aber gegen die vermeinten Mitschuldigen in Tätigkeit gesetzt, von denen der völlig unschuldige und unwissende Valentinus, nachdem er die mehrmalige Marter überlebt, zur Entschädigung zum Kommandierenden (dux) in Illyrien ernannt wird. (Amm. XVIII, 2.)

Wie die Alemannen und Juthungen am Rhein und der obern Donau, so hausten die Sarmaten (Jazygen) und Quaden an der niedern in Pannonien und Mösien. Constantius verlegte deshalb sein Hauptquartier nach Sirmium, wo er den Winter 357/8 verbrachte, um im Frühjahr gegen diese Feinde zu ziehen. Leider bietet Ammians so ausführliche als lebendige Darstellung der Feldzüge des Jahres 358 die größten Schwierigkeiten.

Die Knechte der Jazygen, welche von Ammian und überhaupt in den späteren Quellen immer nur mit dem Stammnamen »Sarmaten« bezeichnet werden, hatten das Joch ihrer Herren gebrochen und diese vertrieben. Schon damals zerfielen jene Sarmaten in zwei Sonderstaaten: die südlichen führten den Namen Limiganten. Von diesen entwichen die verjagten ehemaligen Herren, 300 000 an der Zahl, in das nahe römische Gebiet, Obermösien, worauf sie in geeigneten Provinzen kolonisiert wurden. Aus dem nördlichen Volk aber flohen dieselben zu den zwar nicht ganz nahen, aber doch gewiß durch kein Zwischenvolk geschiedenen Viktofalen, die in Oberungarn an der oberen Theiß und deren Zuflüssen zu suchen sind.

Dort aber mögen sie sich nicht behaglich gefühlt haben; wir ersehen mindestens, daß sie ihre Wiederaufnahme in der Heimat erlangten.

Diese Wiedervereinigung beider Teile ist es nun, auf deren Grund Ammian die nördlichen Sarmaten fortwährend als freie, liberi, die südlichen aber, weil sie eben nur noch aus den alten servi bestanden, nur als servi bezeichnet.

Wie es aber kommt, daß Ammian in seiner Darstellung der Feldzüge des Jahres 358 der Viktofalen gar nicht weiter, sondern neben den Sarmaten nur der Quaden gedenkt, ist mit Sicherheit nicht zu erklären.

Im Frühjahre 358 ging Constantius, noch ehe die Hochwasser ganz verlaufen waren, mit einem starken Heer über die Donau, vermutlich in der Nähe von Kecskemet.

Die Sarmaten, welche den Angriff nicht so früh erwartet, flohen so eilig, daß nur deren wenige noch von den Verfolgern niedergehauen werden konnten. Darauf systematische Landesverwüstung, sowohl nordwärts nach Pest, als ostwärts nach der Theiß zu.Nach Amm. sowohl in dem Teile, der an das zweite Pannonien, als in dem, der an die Provinz Valeria stieß. Das brach den weitern Fluchtplan der Sarmaten. Sie rückten in drei Kolonnen dicht an das römische Heer heran, mit ihnen die Genossen wie der früheren Raubfahrten so nun der Gefahren – die Quaden. Nachdem aber in der hierauf erfolgten Schlacht Viele niedergehauen worden, floh der Rest in das benachbarte Hügelland. (Dieses findet sich erst in der Gegend von Erlau.) Darauf rückte Constantius gegen die Quaden, welche, durch den Unfall erschüttert, demütig um Frieden baten.

Bei der vor dem Kaiser hierzu festgesetzten Verhandlung erschien nun auch Zizais, königlichen Geblüts (regalis: vielleicht »Kleinkönig« D.), der die in Schlachtreihe aufgestellten Sarmaten zum Bitten anwies. Sie stürzten sich plötzlich, die Waffen wegwerfend, zu Boden. Er selbst konnte vor Schluchzen kaum zu Worte kommen, bis er, durch Zuspruch ermutigt, kniend um Verzeihung bat, worin denn sogleich das ganze Volk, an Demut den Führer noch überbietend, einstimmte. In seinem (als des Vornehmern) Gefolge (duxerat potior) waren, nebst den übrigen Sarmaten, auch die untergeordneten Häuptlinge (subreguli), Zinafer und Fragiled, und die meisten Optimaten. Auch diese boten ihr Alles, Land und Habe, ja Weib und Kind den Römern willig dar.

Allein: »Billigkeit und Milde herrschten bei Constantius vor«; sie sollten ihr Land behalten und nur die Gefangenen herausgeben. Sogleich erfolgte die Stellung der verlangten Geiseln und das Versprechen schleuniger Folgeleistung.

Durch diesen Vorgang ermutigt eilten nun auch die Scharenführer Arahar und Usafer herbei, ebenfalls regales: königlichen Geschlechts (vielleicht: Kleinkönige D.), unter den Vornehmsten hervorragend, von denen jener Quaden, dieser Sarmaten führte.

Der Kaiser, fürchtend, daß das gemeine Volk letzterer (quorum plebem veritus, wo offenbar die Jazygen gemeint sind) unter dem Vorwande des Friedens zu den Waffen greife, sonderte die Verhandlung und hieß die Wortführer der Sarmaten abtreten.

Darauf erhielten die Quaden gegen Stellung von Geiseln, was von diesen noch nie zuvor geschehen war, Verzeihung und Frieden. Als nun Usafer, der Sarmatenführer, vorgelassen ward, widersprach Arahar heftig, weil der ihm bereits bewilligte Friede auch diesem, als seinem Untergebenen, ohne weiteres zugute kommen müsse.

Bei Erwägung der Frage aber fand man (d. i. der Kaiser), daß die Sarmaten, da sie stets der Römer Klienten gewesen, fremder Botmäßigkeit ganz zu entziehen seien; sie wurden daher für sich Geiseln, als Pfand des Friedens, zu stellen angewiesen.

Hierauf strömten, durch Arahars Beispiel veranlaßt, noch eine Menge Scharen (maximus numerus catervarum) anderer Völker und Könige herbei, welche gleichen Frieden empfingen und dafür die aus dem Innern herbeigeholten Söhne der Vornehmen als Geiseln stellten.

Demnächst beschäftigte sich der Kaiser mit bleibender Feststellung der Verhältnisse der Sarmaten, »welche mehr Mitleid als Feindschaft verdienten und denen dies Ereignis zur Quelle unglaublichen Vorteils ward.« Daß sich diese Worte nun lediglich auf die im Jahre 334 vertriebenen Herren beziehen können, deren Stellung immer noch eine sehr prekäre gewesen sein mag, ist nicht nur an sich klar, sondern wird auch noch mehr durch die nun folgende Stelle außer Zweifel gesetzt, welche deren ganze frühere Geschichte und spätere Wiederaufnahme berichtet.

Den Sarmaten ward nun der durch Ansehen der Geburt und sonst dazu geeignete Zizais als König vorgesetzt, der sich auch in der Folgezeit tüchtig und treu bewährte.

Keinem dieser Völker aber ward, vor Rückgabe der Gefangenen, die Heimkehr gestattet.

Nachdem dies im Lande der Barbaren vollbracht worden, wandte sich der Kaiser nach Bregetium (Comorn), dem Herzen des Quadengebiets gegenüber, um auch die dort wohnenden Quaden, welche am Kriege Teil gehabt, zu züchtigen.

Als aber das Heer deren Boden betrat, warfen sich Vitrodor, der Sohn des Königs Viduar, der Häuptling (subregulus) Agilimund und die andern Optimaten, so wie die den verschiedenen Völkern vorgesetzten Richter den Soldaten zu Füßen, erlangten auch bedingte Verzeihung, stellten ihre Kinder als Geiseln und beschworen auf ihre Schwerter, »die sie als Götter verehren«, den Frieden. (Amm. XVII, 12.)

Wir erkennen in dieser Darstellung mehrfach die Spuren des römischen Bulletinstils und dürfen wohl annehmen, daß die Beweise der Furcht und Demut der Barbaren übertrieben sind, obwohl es deren stehende Politik war, der Gefahr eines großen Kriegs, dem sie sich nicht gewachsen fühlten, durch Unterwerfung, für den Augenblick wenigstens, sich zu entziehen.

(Das Gesamtvolk der Quaden erscheint hier, ganz wie die Alemannen, gleichzeitig unter einer Vielzahl von Königen, deren größere (mehrere Gaue) oder kleinere (einen Gau) umfassende Macht durch die lateinischen Ausdrücke rex, regalis, subregulus angedeutet wird: Unterordnung der kleineren ist aber nur bei dem Sarmaten-Häuptling gegenüber dem Germanen Arahar deutlich wahrnehmbar. D.)

Nachdem dies glücklich vollbracht, wandte sich Constantius, wovon Kap. 13 handelt, gegen die südlichen Sarmaten, die er Servi nennt, die Limiganten. Diese saßen im Südwinkel des Landes zwischen Donau und Theiß bis zu deren Zusammenfluß, sicherlich aber auch teilweise jenseits letzterer. Sie waren so gefährliche Räuber, daß die kaiserliche Politik sogleich deren gänzliche Entfernung von der Grenze in das Auge faßte.

Unstreitig marschierte nun das römische Heer von Bregetium (Comorn) durch Pannonien wieder in die Nähe von Sirmium und ging dort, was zwar nicht angeführt, aber unzweifelhaft ist, über die Donau.

Als das Heer auf ihrem Gebiet erschien, erklärten sich die Limiganten zu jeglicher Unterwerfung, selbst Tributzahlung und Rekrutenstellung, bereit, verweigerten aber entschieden die Auswanderung aus ihrem trefflich gelegenen, durch Sümpfe geschützten Schlupfwinkel.

Der Kaiser beschied sie auf das linke Theißufer, wo sie sich auch, aber mehr drohend und trotzig als unterwürfig, einfanden: er hatte, deren Stimmung erkennend, seine Truppen geschickt zur Umzingelung aufgestellt. Von einer Erhöhung herab suchte der Kaiser durch milde Worte, worin er Meister gewesen sein mag, sie zu beruhigen und zu lenken.

Schwankenden Sinnes zuerst hörten sie ihn: aber bald gewannen Wut und Trotz die Oberhand. Weithin, nach ihm zu, schleuderten sie ihre Schilde d. h. vorwärts, »um unter dem Vorwande der Wiederaufnahme derselben vorzudringen.«(So argwöhnten die Römer, die aber selbst zuerst offen die Treue brachen, angeblich, um zuvorzukommen. D.)

Da griffen die Römer, »zumal schon der Tag sich neigte« (!), von allen Seiten plötzlich die Sarmaten an. Diese aber ließen sich nicht abhalten, wutentbrannt auf den Kaiser einzudringen, wozu sie sich in keilförmige Schlachtordnung formierten. Die Garde wehrte indes tapfer ab und das römische Fußvolk von der Rechten, die Reiterei von der Linken drangen so kräftig ein, daß die Schlacht bald ein ungeheures Schlachten wurde. Kein Sarmate aber bat um Gnade, keiner warf die Waffen weg: lieber Tod als Unterwerfung war die Losung. Nur eine halbe Stunde dauerte das Morden, worauf Weiber und Kinder aus den nahen Hütten hervorgezogen und zu Sklaven gemacht wurden.

Am andern Morgen ging die Verfolgung weiter mit Schwert und Feuer, die Strohhütten wurden angezündet, die Unglücklichen verbrannt oder niedergestoßen; von denen, die sich schwimmend über die Theiß retten wollten, ertranken Viele.

Darauf gingen die Römer zu Schiff über den Fluß und setzten auch dort das Mord- und Zerstörungswerk fort.

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