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Geschichte der Völkerwanderung

Felix Dahn: Geschichte der Völkerwanderung - Kapitel 38
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Völkerwanderung
authorFelix Dahn
firstpub1880
year1997
publisherPhaidon Verlag
addressEssen
isbn3-88851-198-4
titleGeschichte der Völkerwanderung
created20051128
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Fünfzehntes Kapitel
Constantin des Großen Söhne als Gesamtherrscher und Constantius als AlleinherrscherZu den uns schon bekannten Quellen kommen für Constantius hinzu: die Lobreden Julians, seines Nachfolgers, und des Rhetor Libanius in Antiochien, vom Jahre 353 aber Ammianus Marcellinus.

Jede Zeit hat ihre Mode und Manier. Die unmäßige Eitelkeit der vornehmen Römer, welche sie Hunderttausende für den leeren Namen Konsul ausgeben ließ, hatte das Gewerbe der Lobrednerei aufgebracht. Die Lateiner dieser Zunft haben wir bereits kennengelernt, auf die Griechen kommen wir nun. Sicherlich sind diese die Meister, d. h. die griechische Schwatzhaftigkeit hat das leere Phrasengeklingel der Lateiner noch zu überbieten gewußt. Es ist unmöglich, sich eine schlechtere Manier zu denken: Prunken mit historischer Gelehrsamkeit, die, bei den Haaren herbeigezogen überall eingemischt (wie z. B. die Belagerung von Nisibis mit der Trojas verwebt wird), dazu absichtliche Verschweigung von Namen-, Orts- und Zeitangaben, weil die Zuhörer diese zu ergänzen wußten, unklare Bezeichnungen, selbst oft ein Verschmähen der Logik der Zeitfolge charakterisieren diese Lobreden. Von Ehre und Gewissen war dabei gar keine Rede: auf Bestellung oder zum eignen Nutzen ward mit einer Kindlichkeit der Unverschämtheit geschmeichelt, welche man damals, gleich einem gewöhnlichen Handwerksvorteile, ganz selbstverständlich gefunden haben mag.

Doch müssen wir in jeder Beziehung Julian immer noch über Libanius setzen. Hat jener doch in seiner ersten Rede den abscheulichen Verwandtenmord des Jahres 337 nicht verschwiegen, wenn gleich er Constantius vorsichtig nur die unterlassene Verhinderung desselben vorwirft. Dies kann übrigens, weil dann schon p. 73 und 88 des Magnentius Tod erwähnt wird, nicht vor den letzten Monaten des Jahres 353 geschrieben sein, während die zweite aus der ersten Hälfte 355 sein muß, da p. 182 des Silvanus Tod im Winter 354/5 darin vorkommt. Beiden würde übrigens, wenn sie vor Julians Ernennung zum Cäsar geschrieben wurden, wie wir dies glauben, das an sich löbliche Streben zum Grunde gelegen haben, sich aus scheinbar geehrter Untätigkeit, ja selbst Gefangenschaft, zu würdiger Wirksamkeit zu erheben.

Jedenfalls ist hiernach dasjenige, was wir oben über die Zeit der Abfassung dieser Reden gesagt haben, zu beurteilen.

Daß nun aber in Quellen wie Julians und des Libanius Lobreden nicht jede Phrase für Tatsache zu nehmen ist, versteht sich.

Über Ammian, dessen großes Verdienst als Historiker der Text hervorhebt, ist hier nur zweierlei noch zu erwähnen und zwar zunächst, ob er Christ oder Heide war. Ersteres behaupten die älteren gelehrten Ausleger Petrus Pithoeus und Chiffletius († 1660), letzteres Hadrian Valesius, der die nach der ersten Ausgabe Ammians fortgesetzten unschätzbaren Arbeiten seines Bruders Heinrich, über diesen Schriftsteller erst nach jenes Tode herausgab. (S. Henr. Vales. praefatio in Gronovs Ausg., S. 4.) Weder Heinrich Valesius selbst übrigens noch Gronov in seiner neuern Ausgabe, Amsterdam 1693, haben sich über obige Frage ausgesprochen. Unsere Ansicht darüber ist folgende:

Es gab zu jener Zeit im römischen Reiche zahllose Namen- und Scheinchristen. Die schlechtern derselben folgten nur der Mode oder weltlichen Antrieben, die besseren erkannten zwar mehr oder minder dunkel oder fühlten mindestens die ewige Wahrheit und Reinheit des Christentums, hatten sich aber von den alt überlieferten heidnischen Anschauungen, vor allem von dem darin wurzelnden Aberglauben noch nicht losmachen können. Man vergesse doch nicht, daß letzteres ja auch dem Christentum selbst nicht vollständig gelungen ist und daß die Weissagung aus Vogelflug und Eingeweideschau ebenso berechtigt oder vielmehr unberechtigt war, als die aus vielen andern später aufgekommenen Dingen.

Daß auch Ammian zu den Christen dieser Gattung gehörte, ergeben die drei von Adrian Val. zu Begründung seiner Meinung angeführten Stellen XV, 11, XVI, 5 und XXI, 1, von denen die zweite völlig nichtssagend, die letzte die bedeutendste ist. Aus dieser erhellt allerdings dessen Glaube, daß Gott oder der Allgütige (deus, benignitatis numen) solcher Mittel sich bedienen könne, um den Menschen Zukünftiges zu offenbaren. Auch in diesen philosophisch-theologischen Exkursen aber hebt er mehrfach hervor, was die alten Theologen (theologi veteres) lehren, worunter er offenbar die heidnischen versteht.

Uns bestimmen nächst mehreren andern hauptsächlich diejenigen Stellen, worin Ammian ein mehr oder minder entschiedenes eignes Urteil ausspricht, das ein Heide nicht fällen konnte, und zwar folgende:

1. II, 10 a. Schl. und XXV, 4, II, wo er den von ihm so hoch bewunderten Julian deshalb tadelt, weil er den Christen untersagt habe, Grammatik und Rhetorik öffentlich zu lehren, was doch ein Heide unmöglich rügen konnte.

2. XXII, 11, wo er das Amt der Bischöfe »ein nur Gerechtigkeit und Milde empfehlendes« nennt. (Professionis suae oblitus, quae nihil nisi justum suadet et leae.)

3. Ebenda, wo er von den Märtyrern folgendes sagt: »Diejenigen, welche, indem sie durch Zwang von ihrem Glauben abgebracht werden sollten, qualvolle Strafen erduldeten und bis zu ihrem ruhmvollen Tode in unbeflecktem Glauben beharrend, nun Märtyrer genannt werden« (adusque gloriosam mortem intemerata fide progressi, et nunc Martyres appellantur). Man vergleiche, was der edle und weise M. Aurelius über die christlichen Märtyrer sagte und frage sich, ob ein heidnisches Bewußtsein deren Tod einen ruhmvollen nennen, deren Beharren in unbeflecktem Glauben hervorheben konnte. Ferner:

4. XXII, 3, wo er den Luxus der römischen Bischöfe tadelnd, von einigen Provinzialbischöfen sagt: quos tennitas edendi potandique parcissime, vilitas etiam indumentorum, et supercilia humum spectantia, perpetuo numini verisque ejus cultoribus ut puros commendant et verecundos, worin die Ausdrücke: die ewige Gottheit und dessen wahre Verehrer keines Kommentars bedürfen.(Obige Stellen scheinen mir nicht entscheidend: sie enthalten nur Zeugnisse der kühlen objektiven Würdigung der Staatsreligion. Nirgends findet sich ein warmes Bekenntnis zu spezifisch Christlichem. Ammian war innerlich nicht Christ; ob er getauft war, ist ziemlich gleichgültig, aber unwahrscheinlich; er war Heide nach der jetzt herrschenden Ansicht. Vergl. Teuffels Lit.-Gesch. D.)

Die Unvollständigkeit von Ammians Werk in seiner jetzigen Gestalt wird allgemein anerkannt. Hadrian Valesius führt in seiner Vorrede, welche in der Gronovschen Ausgabe leider nicht paginiert ist, p. 11 vor deren Schluß mehrfache Belege dafür an, denen wir selbst aus der Geschichte der gallischen Kriege noch andere hinzufügen könnten.

Unerwähnt aber läßt er die hier und da dann vorkommenden Widersprüche, welche gewiß nicht dem trefflichen Historiker, nur der Verstümmelung des Textes zuzuschreiben sein dürften.

Abgesehen nämlich von denjenigen Lücken, welche die uns erhaltenen Handschriften darbieten, die daher auch in den gedruckten Ausgaben angedeutet, glücklicherweise aber doch nur unbedeutend sind, muß die gegenwärtige Fassung des Werkes einem weit älteren Abschreiber oder Herausgeber zur Last fallen. Möge nun deren Unvollständigkeit unverschuldet oder verschuldet sein, so hat derselbe doch auch ersteren Falls darin sehr gefehlt, daß er die Lücken seiner Quelle nicht nur nicht angegeben, sondern sogar noch verdeckt hat, was ohne kleine Einschaltungen und Abänderungen nicht möglich gewesen sein dürfte.

Noch ist hinsichtlich der zu den frühern Quellen gehörigen Epitomatoren zu bemerken, daß diese, selbst der von uns so geschätzte Eutrop, von Constantius mit eigentümlicher Schonung, ja zum Teil ungerechtfertigtem Lob sprechen. Doch erkennen die wichtigsten derselben, Eutrop und Aur. Vict. d. C. (die sogenannte Epitome ist unvollständiger), dessen Fehler an: daher liegt die Vermutung nahe, daß eine gewisse Pietät gegen ihren Dienstherrn, vielleicht Wohltäter, auf die Milde ihres Urteils eingewirkt habe,

Dürftig, mehr noch dunkel durch anscheinenden oder wirklichen Widerspruch sind die Quellen über Constantins Nachfolger während sechzehn langer Jahre.

Da tritt plötzlich mit dem Jahre 353 Ammianus Marcellinus auf, der erste lateinische Geschichtsschreiber nach Tacitus, dem großen Meister zwar nicht an Geist und Gemüt vergleichbar, ja demselben durch seine schwülstige, gesuchte und schwerverständliche Sprache höchst unähnlich, in Darstellung der Fülle selbst erlebter Ereignisse aber so vollständig, treu und lebendig, daß man nicht nur mit Überzeugung, sondern auch mit Freude ihm zu folgen sich gedrungen fühlt.

Dieser in keiner andern Regierungsgeschichte so grell hervortretende Gegensatz zwischen Dunkel und Licht wird es entschuldigen, wenn wir die ersten sechzehn Regierungsjahre des Constantius, zumal sie germanische Verhältnisse wenig berühren, kürzer, die letzten acht aber ausführlicher behandeln. Ammians Unbefangenheit und Wahrheitsliebe ist von keinem uns bekannten Historiker in Zweifel gezogen worden.

Der so streng katholische Leopold Graf von Stolberg sagt (in seiner Gesch. d. Relig. J. Chr. XII, Abschn. 45, S. 88) über ihn folgendes:

»So erzählt Ammianus Marcellinus, dessen Zeugnis einige gern entkräften möchten, durch die ihm angeschuldigte Parteilichkeit gegen die Christen. Diesen Vorwurf scheint er mir nicht zu verdienen, vielmehr das Lob einer seltenen Unbefangenheit, welche nicht auf die Person sieht, sondern die Taten seiner Zeit berichtet.«

Von Ammians trefflichem Werke sind nur die letzten achtzehn Bücher, in welchen er die Ereignisse vom Jahre 353 bis 379 als Zeitgenosse beschreibt, uns erhalten, die dreizehn ersten aber, welche die Zeit vom Jahre 98 bis 353 ungleich kürzer behandelt haben müssen, verloren. Kaum aber vermag der christliche Geschichtsschreiber den Wunsch zu unterdrücken, daß diese Ungunst des Schicksals, mußte sie einmal stattfinden, auch das vierzehnte und fünfzehnte Buch noch verschlungen haben möge.

Zuerst tritt uns nämlich dann ein durchaus christlich erzogener Kaiser entgegen, der, obwohl fanatischer Dogmatiker, doch jedes christliche Gefühl so entschieden verleugnet, daß er uns die Greuel eines Caligula, Domitian und Commodus zurückruft. Und nicht einmal die Macht großartiger Leidenschaft, nur die Schwächen gemeiner Seelen: Argwohn, Furcht, Neid und Eifersucht sind es, die ihn dazu treiben.

Erst nach des Vaters Tode kam Constantius in Nikomedien an. Der glanzvollen Ausstellung und Bestattung des Verewigten folgten nun Begebenheiten, über denen zwar ein undurchdringlicher Schleier ruht, die jedenfalls aber mehr eine türkische als eine christliche Thronfolge kennzeichnen.

Umgestoßen ward Constantins Reichsteilung und letzter WilleDaß Constantin ein Testament hinterlassen habe, gründet sich allein auf Sokrates (I, 39) und Sozomenos (I; 34), wird aber selbst von Eusebius nicht erwähnt. Möglich, ja nicht unwahrscheinlich, daß nur die Übergabe dieses letzten Willens an einen der eifrigsten arianischen Priester, der ihn Constantius aushändigte, die Anführung jener an sich in dieser Form wenig glaublichen Tatsache veranlaßt habe. Ist sie aber auch begründet, so muß doch entschieden angenommen werden, daß jenes Testament die frühere Reichsteilung nicht umgestoßen, vielmehr bestätigt habe, da eine Erklärung von solcher Wichtigkeit in der Geschichte, namentlich bei des Constantius Lobrednern, nicht verschwunden wäre.

Dagegen ist das Anführen des spätern Arianers Philostorgius (II, 16), Constantin habein jener Schrift den Verdacht der Vergiftung durch seine Brüder ausgesprochen und seinen Sohn zur Rache aufgefordert, offenbar ein Märchen.

, ermordet Dalmatius der Cäsar und Hannibalianus der König von Pontus, ja deren ganze Sippe, das gesamte Haus zweiter Ehe des edlen Constantius Chlorus, zwei noch lebende Söhne und sechs Enkel, einschließlich obiger, hingeschlachtet, darunter des Mörders eigner Schwiegervater und Schwager. (Julian ad Athen, p. 497.) Daß Constantius der Urheber dieser Greueltaten war, ist unbezweifelt: wir wollen jedoch gern glauben, daß der zwanzigjährige Jüngling von bösen Ratgebern – dem Fluch seines ganzen Lebens – dazu verleitet und von diesen die Sache mit Geschick so eingeleitet ward, daß der Schein der Schuld auf die Eigenmacht der Soldaten geschoben werden konnte, da einige Quellen, namentlich Eutrop (X, 9) ausdrücklich sagen: er habe solche mehr zugelassen als befohlen (sinente magis quam jubente).

Ganz abgesehen von entgegenstehenden Zeugnissen aber waren Constantins Legionen keine zuchtlose Rotte: und Dalmatius namentlich, den Eutrop von den glücklichsten Anlagen und dem Oheim nicht unähnlich nennt, ward sicherlich nicht von den Seinigen, sondern, verräterisch nach Konstantinopel gelockt, durch die Tücke des Constantius umgebracht.Dies scheint uns durch des Zosimus Ausdruck II, 40: καὶ Δαλματίω τω̃ καίσαρι ράπτει τὴν ομοίαν επιβουλὴν, der offenbar auf hinterlistige Nachstellung deutet, außer Zweifel gesetzt.

Nur ein zwölf- bis dreizehnjähriger kränklicher Knabe, Gallus, und ein sechs- bis siebenjähriges Kind, Julian, Söhne von Constantins Bruder, Julius Constantius, wurden verschont: dafür aber gingen der mächtige Praefectus Praetorio Ablavius, vermutlich weil die Ratgeber ihn fürchteten, und der Patricius Oplatus, anscheinend mit Anastasien, einer Schwester Constantins, vermählt, in demselben Blutbade unter.Gregor von Nazianz (s. Anm. 322) sagt Orat. 4 § 21 über diese Ereignisse folgendes: tum scilicet, cum exercitus, rerum novarum metu res novas moliens, adversus proceres arma cepit, ac per novos praefectos aulicae res constituebantur. Dies verstehen wir so: Constantius ernannte zuerst neue Oberbefehlshaber, welche aus Furcht vor den alten, namentlich dem so mächtigen Ablavius, dem Heere vorspiegelten, daß eine von letzterem begünstigte Thronrevolution zugunsten der für legitim zu erklärenden Nachkommen aus des Constantius Chlorus zweiter Ehe zu besorgen sei, welcher nur durch die gewaltsame Tötung letzterer zu begegnen sei.

Daß des Constantius Schuld, sollte sie auch nur eine passive gewesen sein, dadurch irgend vermindert werde, finden wir nicht.

Die Zeit dieser Ereignisse ist ebenso unbekannt, als die – gewiß höchstens mittelbare – Mitwirkung von des Constantins Brüdern. Daß diese nach des Vaters Tod in Konstantinopel gewesen seien, ist zwar wahrscheinlich, aber nirgends bezeugt.

Da jedoch die Erhebung der drei Brüder zu Kaisern nach des Idatius Chronik erst am 9. September 337 durch den Senat öffentlich proklamiert ward, so dürfte des Dalmatius und des Hannibalian Tötung dem unstreitig vorausgegangen sein, obwohl andere Quellen diese erst in das Jahr 338 setzen (s. Tillemont IV, Not. 2, p. 1086).

Die endliche Reichsteilung, über die wir in gleichem Dunkel sind, scheint erst im Sommer 338 bei einer Zusammenkunft der drei Kaiser zu Sirmium in Pannonien erfolgt zu sein.

Unzweifelhaft erhielt von des Dalmatius Ländern Constantin der Jüngere, als der älteste der Brüder, Thrakien mit der Hauptstadt, Constans die Diözese Dakien, und Constantius das Gebiet Hannibalians in Kleinasien.

Ob die Diözese Makedonien schon seit 330 zu des Dalmatius oder zu des Constantius Anteile gehörte, wissen wir nicht. Wäre ersteres der Fall gewesen, so dünkt uns eine Teilung derselben zwischen Constantius und Constans wahrscheinlicher als deren volle Abtretung an erstern.

Die augenfällige Ungelegenheit der Provinz Thrakien für Constantin, den Herrscher des Westens, mag diesen jedoch bewogen haben, sie schon nach Verlauf eines Jahres (Chron. Paschale, p. 534) an Constantius abzutreten, welcher dafür unstreitig einen Teil von Griechenland an Constans überlassen und dieser wiederum Constantin den Jüngern in Afrika entschädigen sollte, wo ihm Tingitanien, das zu Spanien gerechnet ward, bereits gehörte. Über letzteres, weniger wohl über den Grundsatz als über die Ausführung, entbrannte jedoch Hader zwischen den Fürsten. Constantin wollte sein Recht erzwingen und rückte im Frühjahr 340, aus Gallien über die Alpen ziehend, gegen Constans in Dakien vor.

Unfern AquilejaDies erhellt daher, daß er bei Aquileja fiel. gegen Anfang April stieß er auf dessen Vorhut, griff unvorsichtigen Kriegsmuts diese in Person an, ließ sich bei deren Verfolgung in einen vorher gelegten Hinterhalt locken, durch welchen er im Rücken und zugleich von den wieder Standhaltenden in der Front angegriffen, umzingelt und niedergestoßen ward.Die Epitome Aur. Vict. braucht von Constantins des Jüngeren Angriff den Ausdruck: latrocinii specie, der, vom Raubkrieg entlehnt, den Sinn hat, daß er nicht an der Spitze seiner Armee, sondern an der eines kleinen Haufens unvorsichtig angriff. Die Quellen schweigen über die Persönlichkeit des jungen Kaisers, der schon im sechzehnten Jahre im Gotenkriege gesiegt hatte und wohl die persönliche Kampflust, aber nicht die Besonnenheit des Vaters geerbt haben mag.

Dessen Reichsteil nahm Constans, als durch Eroberung erworben, an sich. Julian schreibt in seiner zweiten Lobrede auf Constantius der Weisheit und Großmut dieses letzteren einen Verzicht auf Gebietserweiterung zu, der aus dessen Unvermögen, in den tiefsten Nöten des Perserkrieges seinem Begehr Nachdruck zu geben, natürlicher zu erklären sein dürfte.

Um diese Zeit nämlich wütete der Krieg in Osten, der, vom Jahre 337 bis 350 dauernd, großes Blutvergießen, unendliche Landesverwüstung, aber nicht den geringsten politischen, ja nicht einmal militärischen Erfolg herbeiführte, da ein solcher weder irgendwo angeführt noch den Umständen und der Geschichte der Folgezeit nach anzunehmen ist.

Die genaue Geschichte dieses Kriegs würde, selbst wenn sie an sich mit einiger Sicherheit möglich wäre, nicht hierher gehören. Das Zusammenhängendste darüber, obwohl mit merklichen Irrtümern (oder Textverfälschungen), enthält der Epitomator Sextus Rufus, nach welchem neun Schlachten, und zwar zwei unter des Constantius persönlicher Führung, im Laufe desselben stattfanden.

Aus dem Westen wissen wir bis zum Jahre 350 nur, daß Constans im Jahre 341 einen harten Kampf mit fränkischen Scharen zu bestehen hatte, so wechselnden Erfolges (vario eventu), daß ihm deren völlige Besiegung erst im Jahre 342 gelang (Hieronymus und Idatius).

Libanius, der wortreiche Rhetor Antiochiens, schildert in seiner Lobrede auf Constantius (Or. 3, p. 138 der Pariser Ausgabe vom Jahre 1647), wenn auch nicht gerade bei diesem Anlaß (wie Tillemont IV, 2, S. 676 meint), die Franken in folgender Weise:

»Untätigkeit ist ihr höchstes Unglück, der Krieg der Gipfel ihres Glücks, so daß sie verstümmelt noch mit dem gesunden Teile des Leibes fortfechten; im Siege findet die Verfolgung keine Grenze und wenn sie einmal geschlagen werden, wird das Ende der Flucht zum Anfange des neuen Angriffs.

»Ihnen gegenüber gibt es keine Rast: nicht ohne Waffen in der Hand ist zu essen, nicht mit abgelegtem Helme zur Ruhe sich zu legen erlaubt.

»Wie bei stürmischer Meerflut, wann die erste Woge sich am Damme gebrochen, dieser sogleich die zweite, dann die dritte nachfolgt und der Anprall nicht eher aufhört, als bis der Wind sich gelegt hat, so folgen sich, hat der Kriegsdurst sie einmal zur Tollwut gereizt, Schlag auf Schlag die Angriffe der Franken.«

Man sieht hieraus, wie diese gefährlichsten Bewerber um Gallien bis in den tiefen Osten hinein gekannt und gefürchtet waren.

Constans hatte noch unreif, siebzehn Jahre alt, den Thron bestiegen. Zunächst waltete die gute Natur in ihm vor, die sich in Kriegstüchtigkeit und Tapferkeit, in Strenge ohne Grausamkeit gegen die Soldaten wie in Kraft und Gerechtigkeit bewährte. Der Tod und die Beerbung seines Bruders Constantin aber, der die Feindseligkeit allerdings begonnen, erzeugte Übermut und Gehenlassen. Leidende Gesundheit, weit mehr aber noch schlechte Freunde – die so gewöhnliche Klippe jugendlicher Imperatoren – führten ihn schweren Lastern zu, unter denen die verwerflichste Wollust und übermäßige Jagdpassion genannt werden. Er ward den Untertanen unerträglich und verlor selbst die Anhänglichkeit des Heeres (Eutrop. X, 9; Aur. Vict. d. C. 41, 23; Zosimus II, 42 u. Ammian VI, 7).Ungleich günstiger lauten die bei Tillemont IV, S. 716 zusammengestellten Urteile der orthodoxen Kirchenväter über Constans.

Da diese jedoch von Parteinahme fast nie frei sind, des Constans Tod aber für die Rechtgläubigen, die in ihm ihren einzigen Beschützer gegen die Arianer fanden, ein schwerer Verlust war, so haben wir dem Urteile der unbefangenen Profanhistoriker beizupflichten.

Die Großen, an deren Spitze Marcellin der Finanzminister stand, konspirierten wider den Tyrannen. Magnentius, der Befehlshaber der Jovianer und Herculianer, ward zum Nachfolger ersehen. Bei einem schwelgerischen Nachtmale, das dieser zu Autun den Ersten des Hofes und Heeres gab, entfernte er sich und kehrte, als die Gemüter vom Wein erhitzt waren, im kaiserlichen Purpur zurück, worauf er von den Anwesenden sogleich als Herrscher begrüßt wurde. Das Volk und was von Truppen und Führern in der Nähe war, fiel ihm zu. Constans floh nach den Pyrenäen, ward aber von den unter Gaiso nachgesandten Verfolgern eingeholt und am 18. Januar 350 niedergestoßen. (Idat. Fast.)

Magnentius war der Sohn eines »Laeten«, wohl eines Franken, und hatte sich durch kriegerisches Verdienst schon unter Constantin (Jul. Caes., p. 20 d. Paris. Ausg.) emporgeschwungen.Wenn man, wie Tillemont, aus Julians Reden (S. 61 und S. 177) ableiten will, daß Magnentius selbst durch Constantin den Großen oder dessen Vater zum Gefangenen gemacht worden sei, so lassen die keinesweges historisch-präzisen Ausdrücke jener Lobreden füglich auch die Deutung zu, daß Magnentius als Kind eines Gefangenen, der Laete wurde, diesem gefolgt sei. Dies ist auch den Jahren nach gar nicht anders möglich, da er bei seinem Tod erst nahe an fünfzig Jahre alt war (Epit. Aur. Vict. G. 42, 6), folglich selbst bei Constantins letztem Feldzug im Jahre 303 noch nicht zehn Jahre erreicht gehabt haben könnte. Auch nennt ihn Julian selbst (or. 1, S. 67) jugendlich und blühend.

Wie die meisten Heere, wenn es zum Kaisermachen kam, nicht der fremden Wahl beizustimmen, sondern eine eigne zu treffen pflegten, so rief auch diesmal das illyrische sogleich seinen Oberbefehlshaber Vetranio zum Imperator aus, einen zwar hochbejahrten und ganz ungebildeten, aber höchst würdigen Mann, so erprobten Kriegsglücks als wohlwollenden Gemüts.

Constantius, sich als legitimen Nachfolger seines Bruders betrachtend, lehnte würdig jede Verhandlung über den Kronraub ab, scheint sich aber mit Vetranio, den er nach Julian (or. 1, p. 55) sogar durch Geld und Truppen unterstützte wider Magnentius, verständigt zu haben. Die Rüstung zum Krieg und die Vorkehrungen zum Schutz der Ostlande gegen Persien verzögerten indes Aufbruch und Abmarsch. Vetranio, schwankenden Sinnes, war inzwischen von Magnentius gewonnen worden und Beider Gesandten trafen Constantius in Konstantinopel, wo sie, das Übergewicht der vereinten Macht ihrer Herrscher hervorhebend, demselben nochmals Frieden, gegenseitige Verschwägerung und ruhigen Besitz seines Reichsteils anboten. Im Gefühl seiner Schwäche ward er erschüttert: der Traum der nächsten Nacht aber, in welchem sein Vater ihn zur Sühne des an Constans verübten Mordes gemahnt haben soll, ermutigte ihn; er beschloß, der guten Sache und dem Schwerte zu vertrauen. (Petrus Patric. p. 129–131 ed. Bonn.) Unzweifelhaft war dies der größte Moment in des Constantius Leben.

Im Dezember erreichte er Vetranio, in welchem die Ehrfurcht vor dem Sohne seines gewaltigen Kriegsherrn noch nicht ganz erloschen gewesen sein kann, bei NaissusDieser Ort wird von Hieronymus in seiner Chronik bezeugt, ist auch ungleich wahrscheinlicher als Sirmium im inneren Lande, was Sokrates II, 28 und auch Sozomenos, der jedoch unstreitig nur ersterem folgt, angeben. Gibbons Annahme von Sardica wird von keiner Quelle bestätigt. in Dakien. Von Constantius als Kollege anerkannt bot er die Hand zum Frieden und gestattete willig eine gemeinsame Beratung vor der Versammlung beider Heere.Den Vorwand zu dieser öffentlichen Beratung kann nur der Abschluß des Friedens und des Offensivbündnisses gegen Magnentius überhaupt gegeben haben, was häufig vor einer Heeresversammlung verhandelt ward, keinesweges aber der spezielle Kriegsplan des Feldzuges selbst. Dies ist auch der betreffenden Stelle des Zosimus (II, 44): »σκέμμα κοινὸν des Krieges« keinesweges unbedingt widersprechend.

In dieser sprach der legitime Kaiser zuerst, nicht gegen Vetranio, nur gegen Magnentius donnernd, von seines Vaters Größe, Ruhm und Wohltaten gegen die Soldaten, wie von der heilig gebotenen Bestrafung jenes verruchten Mordes. Das wirkte zündend auf die Gemüter der Truppen, von denen viele der Führer freilich vorher schon durch Geld, Versprechungen und sonst gewonnen waren (Zosimus II, 44): »Fort mit den unrechtmäßigen Imperatoren, Du allein sollst herrschen,« rief das Heer. Vetranio sah sich verraten, legte aber, durch des Constantius Güte aufgerichtet, am 24. Dezember 350 (Idatius) willig den Purpur ab und beschloß in unbelästigter, ehrenvoller Zurückgezogenheit nach sechs Jahren zu Prusa in Bithynien sein Leben, glücklicher unstreitig als auf dem Throne.

Nun war noch Magnentius übrig, der inzwischen bereits in einem Nebenakte gesiegt hatte.

Rom hatte ihm scheinbar gehuldigt, mag aber mehr Constantius als dem Ursurpator geneigt gewesen sein. Dies benutzte Nepotianus, ein Sohn von Constantins des Großen Schwester Eutropia, und ließ sich durch eine Bande zusammengerafften Gesindels am 3. Juni 350 zum Kaiser ausrufen. Siegreich gegen die von des Magnentius Stadtpräfekt, Anicetus, in Ermangelung regulärer Truppen gegen ihn ausgesandten Scharen gleichen Schlages erlag er schon nach achtundzwanzig Tagen dem oben erwähnten von Magnentius selbst wider ihn abgeschickten Marcellinus, der zum Magister officiorum ernannt worden war. Nepotians Tode folgte ein furchtbares Blutgericht, das nicht nur Hochgestellte, namentlich alle weiblichen Nachkommen und Verwandten Constantins des Großen, sondern auch Viele des Volkes traf. (Sokr. II, 32; Jul. or. 2, p. 107/8.)

Zu dem nun folgenden schweren Kriege zwischen Constantius und Magnentius bereiteten sich beide zuvörderst dadurch vor, daß sie für die von ihnen verlassenen Reichsteile Cäsare ernannten: Constantius am 15. März 351 (Idat. Chr.) seinen bei dem Verwandtenmord im Jahre 337 verschonten Vetter Gallus, den er mit seiner Schwester Constantia, Hannibalians Witwe, vermählte, für den Orient: und Magnentius seinen Bruder Decentius für Gallien. (Eutrop X, 12; Aur. Vict. d. C. 42, 8.)

Der Krieg selbst wird von Zosimus (II, 45–63) sehr umständlich, jedoch gewiß nicht ohne geographischen Irrtum beschrieben.Zosimus erwähnt (c. 45) zuerst des nahen Zusammentreffens beider Heere bei Sirmium, dann des Hinterhalts in den adranischen Pässen, hierauf der Verhandlung über den Kampfplatz bei Siscia und endlich der Niederlage der Constantianer in jenem Hinterhalte.

Auf den alten Karten findet sich nur ein Adrans in Kärnten zwischen Aemona und Celeja (Laibach und Cilly), etwa vier Meilen unterhalb des erstern, das von Sirmium unweit des Einflusses der Save in die Donau gegen fünfzig Meilen entfernt ist. Der betreffende Paß muß auch, wie dies besonders aus der Natur des Kampfes hervorgeht, nach welcher Steine auf die Constantianer hernieder geworfen wurden, im Felsgebirge gelegen haben, kann also, sollte es auch ein anderes, uns unbekanntes Adra oder Adrana gegeben haben, kaum viel weiter unterhalb, wo das Flußtal ebener wird, gesucht werden.

Jene erste Annäherung der Heere bei Sirmium ist daher offenbarer Irrtum, wahrscheinlich aus dem Versuche, die Angabe einer zuverlässigen, aber ganz allgemeinen Quelle, welche des Kampfes Ende vor Augen hatte, mit denen einer andern speziellen zu vereinigen, hervorgegangen, wobei dem Griechen seine bekannte geographische Unkunde der Länder des Westens einen üblen Streich gespielt hat. Hiernach erscheint der im Text angenommene Verlauf des Krieges, in der Hauptsache wenigstens, der einzig denkbare. Auch ergibt eine wichtige Stelle Julians (or. 1, S. 65), daß Constantius sich vor der Schlacht aus dem Gebirge (δυσχωρία) in die Ebene (ευρυχωρία) zurückgezogen habe, weshalb er notwendig schon gegen Kärnten vorgerückt gewesen sein muß.

Wir denken uns den Verlauf so. Beide Feldherren operierten an der Save: Constantius mag mit der Hauptarmee oberhalb Siscia (Sisseck am Einfluß der Culpa in die Save), Magnentius noch aufwärts von Laibach gestanden haben. Da verhandelte letzterer über freies Vorrücken bis SisciaSo ungewöhnlich auch eine solche Verhandlung der Feldherren über die Wahl des Kampfplatzes erscheint, so nötigt uns doch des Zosimus ausdrückliche Versicherung (c. 45), eine solche anzunehmen., worauf Constantius, der seines Übergewichts an Reiterei wegen ebenfalls die Ebene suchte, gern ein und nach Siscia zurück ging.

Eine starke Vorhut des letzteren muß aber schon gegen Magnentius im Anzug und bis in die Nähe von Laibach vorgerückt gewesen sein.

Diese geriet nun bei ihrem Rückzug in einen in den Gebirgspässen von Adrans ihr gelegten Hinterhalt und erlitt schweren Verlust, der Magnentius um so mehr zu entschlossenem Angriff ermutigte. In der Nähe von Siscia traf ihn des Constantius Friedensbote, zugleich aber auch Späher: Philippus. Durch Marcellin eingeführt durfte dieser vor der Heeresversammlung reden und wußte das Angebot des westlichen Reiches für Magnentius gegen Abtretung aller übrigen, das ursprüngliche Erbe des Constans bildenden Länder so geschickt durch Erinnerung an den großen Constantin einzuleiten, daß die Wiederholung der Szene von Naissus nahe war, als Magnentius, noch im rechten Augenblicke seine Zustimmung zum Frieden erklärend, die Versammlung aufhob, Philippus aber zurückbehielt. Tags darauf gelang es ihm jedoch, zunächst die Führer, dann auch die Soldaten wieder für sich und des Krieges Fortsetzung zu gewinnen.

Bei Siscia, das Constantius besetzt hielt, wollte das ihm feindliche Heer über die Save gehen, muß damit auch bereits begonnen haben, als es durch einen kräftigen Angriff mit großem Verluste zurückgeschlagen und zum Teil in den Fluß geworfen ward. Entmutigung ergriff es; schon drängten die Constantiner verfolgend über die Brücke nach, als Magnentius in der äußersten Gefahr mit Zeichen und Wort erklärte, nicht Krieg, sondern Frieden auf des Philippus Bedingungen wolle er und darüber mit Constantius verhandeln, worauf dieser auch wirklich die Seinigen zurückrief. Dabei soll zugleich dessen Wunsch, bei Cibalis zu schlagen, wo sein Vater einst Licinius besiegt und er eine treffliche Stellung gewählt und vorbereitet hatte, mitgewirkt haben.

Nach fruchtloser Verhandlung, weil Magnentius nunmehr des Constantius ganzes Reich forderte, mag letzterer sich nach Cibalis zurückgezogen haben, worauf ersterer sofort Siscia nahm und bis Sirmium (bei Mitrowitz, sieben Meilen oberhalb Semlin) den Fluß hinabzog, von diesem Hauptplatz aber abgewiesen wurde. Nun wandte er sich, an Constantius, den er vermutlich in jener Stellung nicht angreifen wollte, vorbei marschierend, nach Mursa (bei Esseck) an der Drave, das er mit größter Heftigkeit, wiewohl vergeblich, angriff, wodurch er aber doch Constantius aus seiner sichern Stellung zum Entsatz hervorlockte. Ein letzterem für die bevorstehende Schlacht gelegter Hinterhalt ward ihm von der Stadt her entdeckt und endete mit dem Niederhauen der ganzen von Magnentius dazu detachierten Truppe, an vier Bataillonen Gallier.

Vor der Schlacht noch ging Silvanus, ein geborner Franke, mit seinem Reiterkorps zu Constantius über, wodurch dessen Übergewicht in dieser Waffe noch verstärkt wurde.

Über das Treffen selbst, das nach Idatius, übereinstimmend mit Julian (or. 1, p. 69)Die lateinischen Übersetzer haben in dieser Stelle οπώρα, was unseren Hundstagen sich anschließt, ganz falsch durch autumnus wiedergegeben., am 28. September 351 stattfand, ist Zosimus sehr kurz. Nach Julian (or. 1, p. 65 und 2, p. 105 u. folg.) habe Constantius, der, den rechten Flügel an die Drave lehnend, seine ganze Reiterei auf dem linken vereinigt hatte, mittelst dieser sogleich den rechten feindlichen geworfen und umgangen, worauf Magnentius alsbald geflohen sei, während dessen Fußvolk im Mitteltreffen noch mit so viel Tapferkeit angriff und mit solchem Verzweiflungsmute Stand hielt, daß die Entscheidung hier lange schwankte.

Die Germanen, deren Magnentius viele geworbene, namentlich Franken und Sachsen, bei sich hatte, formierten sich zuletzt noch in kleinere, geordnete Massen und brachten, entschlossen bis auf den letzten Mann zu kämpfen, der nationalen Waffenehre freudig Blut und Leben dar.

Endlich sprengten wiederholte Kavallerieangriffe, namentlich der Panzerreiter (Kataphrakten), die noch Stand haltenden Haufen. Alles wandte sich nun zur Flucht, wobei viele in der Drave, durch welche sie sich retten wollten, umkamen, darunter wahrscheinlich auch Marcellin, der, noch zuletzt auf dem Schlachtfelde gebietend, nie wieder gesehen ward.

Des Magnentius voreilige Flucht ist unstreitig Phrase des Lobredners des Constantius, da sie gewiß erst nach dem Verluste jeder Siegeshoffnung erfolgte.

Eben so unbegründet dürfte die Angabe des Sulpicius Severus, eines sechzig bis siebzig Jahre späteren Kirchenhistorikers sein, daß Constantius während der Schlacht in einer Kirche bei Mursa gebetet habe (Tillemont, p. 744 und 1110). Kein Held wie sein Vater, hat er doch vor- und nachher in Schlachten und Gefechten kommandiert. Die kirchlichen Geschichtsschreiber behandeln das Weltliche als Nebensache, mithin häufig ohne Kritik, wovon sich viele Beweise finden. Daher ist auch dies einzige Zeugnis für eine an sich so unwahrscheinliche Tatsache um so weniger für begründet zu halten, als alle übrigen Schriftsteller, selbst die dem Constantius als Christen und beziehentlich Arianer so gehässigen, darüber schweigen.

So viel Römer- und Bundesgenossenblut, dessen das Reich gegen seine äußeren Feinde dringend bedurfte, war seit zweihundertundfünfzig Jahren, seit des Septimius Severus Schlachten im Bürgerkriege nicht vergossen worden, was Constantius noch während des Kampfes tief erschüttert haben soll. (Zosim. II, 51.)

Erst gegen Mitte des Jahres 352 setzte letzterer den Krieg fort, nachdem er vorher Italien, Afrika und Spanien, wohin er Flotten abgesandt, wieder gewonnen, den Senat nach Pannonien berufen und die Germanen – zu seiner Schande sei es gesagt – durch Gold zu Einfällen in Gallien aufgereizt hatte. (Julian or. 1, p. 73, 74, 77, 78, 88 u. or. 2, p. 180 u. Zosim. II, 53.)

Eine den Alpenpaß sperrende Festung nahm Constantius im Flug, anscheinend durch Kriegslist, ein (Jul. or. 2, p. 132), worauf Magnentius aus Aquileja, wo er bis dahin verweilt, floh und sich in Italien, unerachtet eines am Ticin über des Constantius Truppen erlangten Vorteils, nicht behaupten konnte.

Erst spät im Jahre 353 ward er wieder angegriffen, nachdem er vorher im Rücken umgarnt und seiner Hilfsmittel selbst in Gallien, wo sich Trier wider ihn erklärte, großenteils beraubt worden war. Er verlor noch eine Schlacht in den cottischen Alpen (Jul. or. 2, p. 137) und kam im Anfang August durch Selbstmord seiner Gefangennehmung zuvor. Eben so endete der Cäsar Decentius.

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