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Geschichte der Völkerwanderung

Felix Dahn: Geschichte der Völkerwanderung - Kapitel 34
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Völkerwanderung
authorFelix Dahn
firstpub1880
year1997
publisherPhaidon Verlag
addressEssen
isbn3-88851-198-4
titleGeschichte der Völkerwanderung
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B. Von des Maxentius Tod am 27. Oktober 312 bis zu des Licinius Sturz im Jahre 324

Bereits zu Anfang des Jahres 313 (s. Tillemont IV, S. 232) trat Constantin die Rückkehr nach Gallien an. In Mailand traf er Licinius, mit dem er sich schon vor Beginn des Krieges mit Maxentius verständigt und dem er die Hand seiner Schwester Constantia zugesagt hatte, welche ihm daselbst vermählt ward. Der zu dieser Feier geladene Diokletian entschuldigte sich mit Altersschwäche, was ihm als Begünstigung Maximins ausgelegt worden sein soll. (Epitom. c. 391 7.) Bald darauf endete der würdige Mann.

In Gallien angelangt, eilt Constantin an den Niederrhein, jenseits dessen die Franken ein Heer drohend zusammengezogen hatten. Um sie herüber zu locken, gebraucht er die Kriegslist eines plötzlichen Abzugs gegen stromaufwärts eingebrochene Scharen, verbirgt aber ein angemessenes Korps in der Nähe: dieser Plan gelingt: nach einer Niederlage der Franken folgt ein verheerender Strafzug durch deren Gebiet, übrigens das ganze Vorgänge von anscheinend geringerer Bedeutung, der Panegyriker VIII, 22–24 ihnen beilegt. Auch diesmal wurden die Gefangenen den wilden Tieren vorgeworfen (a. a. O. 23, 3).

Maximin, der schon auf die Nachricht von des Licinius Verlobung mit Constantins Schwester nach Lactanz (c. 33) ein geheimes Bündnis mit Maxentius abgeschlossen haben soll, merkte nach der Vermählung die Absicht und eilte, dem drohenden Ungewitter zuvorzukommen, noch in den ersten Monaten des Jahres 313 unter den größten Marschhindernissen nach Bithynien, von wo er, über den Bosporus setzend, in Thrakien einfiel, Byzanz und Korinth oder Heraklea einnahm und zwischen diesem Orte und Adrianopel auf den im Fluge herbeigeeilten Licinius stieß, der dessen 70 000 Mann nur 30 000 entgegenzusetzen hatte. Vor der Schlacht soll, nach Lactantius c. 46, der einzigen Spezialquelle über diesen Krieg, Maximin dem Jupiter die Vertilgung aller Christen gelobt haben, Licinius aber in der Schlacht ein Engel erschienen sein, der ihm das neun Zeilen lange deistisch-christliche Gebet vorsagte (– selbst in der Legende ein ungewöhnlich langes Mirakel! D.) –, welches der Kaiser am andern Morgen mit der Parole an die Soldaten ausgeben läßt, was diese mit Siegvertrauen erfüllt haben soll. Am 30. April 313, dem Vorabende seiner sechsjährigen Regierungsfeier, führt Maximin sein Heer zur Schlacht. Die Licinianer nehmen die Helme ab, erheben die Hände und sprechen dreimal das ihnen vorgesagte Gebet nach. Ein Gespräch der Imperatoren führt zu keinem Verständnis.

Des Licinius Truppen, welche Maximin fruchtlos ihm abtrünnig zu machen versucht, greifen mutig an: die des letztern vermögen, erschrocken, weder das Schwert zu ziehen, noch ihre Geschosse zu werfen, werden daher ungestraft in so großer Zahl von so wenigen niedergehauen.

Die Hälfte bleibt, die andere ergibt sich oder flieht: Maximin selbst entweicht in Sklaventracht über die Meerenge und zwar in sechsunddreißig Stunden vom Schlachtfeld bis zu dem zweiunddreißig deutsche Meilen entfernten Nikomedien.

So Lactantius (c. 36–37), dessen Darstellung wir hier genau wiedergeben, deren Kritik unsern Lesern anheimstellend, mit dem Bemerken jedoch, daß einige Hinneigung zum Christentume bei dem soeben von Constantin gekommenen Licinius nicht unwahrscheinlich ist. Eusebius (K.-G. IX, 10) drückt sich nur so aus, wie ein Christ es darf und soll, indem er dem Herrn auch diesen Sieg im Allgemeinen zuschreibt; Zosimus (c. 17) läßt in der Schlacht erst Maximin im Vorteil sein, dann aber Licinius siegen.

Lactantius läßt diesen erst im nächsten Jahre seinen Gegner verfolgen, welche Unwahrscheinlichkeit selbst Tillemont, sonst dessen blindem Nachbeter, zu stark ist. (IV, S. 247.)

Maximin floh von Nikomedien über den Taurus, besetzte dessen Pässe, suchte in Syrien und Ägypten ein neues Heer zu sammeln, starb aber, wie man vermutet, bereits im August desselben Jahres 313, anscheinend zu derselben Zeit, da Licinius den Taurus zu forcieren suchte. Qualvoll war, nach Eusebius (X, 10) und Lactantius (c. 4), der ihn Gift nehmen läßt, dessen Tod, dem aber in den letzten Tagen noch Bekehrung zum Christentume vorausgegangen sein soll.

Auch Maximin wird von den christlichen Schriftstellern unstreitig schlimmer dargestellt, als er war. Die Epitome (Aur. Vict. c. 40, 18) legt ihm Sinn für Bildung, ruhigen Geist, aber Trunksucht bei, so daß er, was ihm jedoch zur Ehre gereicht, befohlen habe, die Vollziehung seiner im Zustande der Trunkenheit gegebenen Befehle bis zu dem der Nüchternheit zu verschieben.

Die Christen mag er gründlich gehaßt und deshalb auf administrativem Wege die Wirkungen der durch des Galerius Edikt vom Jahre 311 ausgesprochenen Duldung möglichst zu schmälern gesucht, sogar Intrigen gegen sie veranlaßt haben. Auch mögen Freveltaten gegen einzelne, namentlich drei Bischöfe (Euseb. IX, 16), unter irgendwelchem Vorwande verübt worden sein. Nur Mißverstand der offenbar einseitigen und haßerfüllten Berichte des Eusebius (IX, 2 bis 8) und des Lactantius (c. 36) aber würde die Erneuerung einer allgemeinen Christenverfolgung unter ihm behaupten können.

Des Galerius Witwe, die würdige Valeria, wurde (wieder nur nach Lact. c. 39–41) durch das stürmische Verlangen nach ihrer Hand in Verzweiflung gesetzt, so daß sie in der syrischen Wüste ein Versteck gesucht haben soll: Diokletians wiederholtes Verlangen um deren Rücksendung wurde angeblich zurückgewiesen.

Noch Härteres aber stand der Ärmsten bevor, als sie in des Licinius Hand gefallen war. Unzweifelhaft wilderen Gemüts als Maximin ließ er nicht nur des letzteren Haus, Gemahlin und zwei Kinder, wie dessen vertrauteste Beamte, sondern auch den Sohn des Galerius, Candidianus, und den Severs, Severianus, vor allem aber die unglückliche Valeria, seines Freundes und Wohltäters Galerius Witwe, und deren Mutter, nachdem sie sich fünfzehn Monate lang vor ihm verborgen hatten, töten. (Lact. c. 50 und 51; Euseb. IX, 11.)

So war nun die Zahl der Herrscher im Reiche von sechsMaximian, Galerius, Constantin, Licinius, Maximin und Maxentius. auf zwei herabgesunken: Constantin aber war nicht der Mann, sich mit der Hälfte zu begnügen.

Treffend sagt Eutrop (X, 5): »Der gewaltige Mann, alles zu vollbringen strebend, was er im Geiste vorbereitet und nach der Gesamtherrschaft über die Welt Begier tragend, begann den Krieg wider Licinius, obgleich seinen nahen Verwandten.«

So im Wesentlichen auch Zosimus (c. 18). Der Anonymus des Valesius dagegen berichtet: Constantin habe dem Gemahl seiner zweiten Schwester Anastasia, Bassianus, die Cäsarwürde und Italien versprochen, Licinius aber seine Zustimmung verweigert, zugleich aber den Bassianus durch dessen ihm befreundeten Bruder, Senecio, gegen Constantin aufgewiegelt, worauf derselbe, im Versuche des Aufstands betroffen, getötet worden sei. Darauf habe Constantin Senecios Auslieferung von Licinius verlangt und als diese abgelehnt, überdies auch jenes Bildsäule bei Aemona herabgeworfen worden sei, demselben den Krieg erklärt. Gibbons Scharfsinn erläutert diese, wie sie erzählt wird, schwer erklärliche Geschichte durch die Vermutung, Constantin, den das voreilige Versprechen gereut, habe falsches Spiel mit Bassianus getrieben und letztern, als Licinius ihm die Augen darüber geöffnet, dadurch zur Wut und Empörung gereizt. Eine reine Conjectur, sicher aber eine ansprechende. Daß um diese Zeit übrigens eine Verschwörung der Verwandten des Kaisers wider ihn entdeckt worden sei, bestätigt auch Eusebius (V. C. I, 47).

Constantin, der (nach dem Anon. Vales.) nur 25 000 Mann hatte, drang in Pannonien auf der Militärstraße bis Cibalis an der Drave, etwa 1½ deutsche Meilen von der Donau entfernt, in der Nähe des jetzigen Esseck vor, wo er auf Licinius stieß. Von des Zosimus ausführlicher Beschreibung der Schlacht absehend bemerken wir nur, daß diese, von Tagesanbruch bis zum Abende dauernd, eine der hartnäckigsten war, die man je erlebt. Nur im Nahkampf ward gefochten, die illyrischen Legionen zeigten sich den gallo-germanischen, Licinius Constantin ebenbürtig. Ganz spät erst schlug Constantin, der den rechten Flügel selbst befehligte, seine Gegner – mutmaßlich Reiterei und leichte Truppen – worauf des Licinius anscheinend noch unerschütterte Legionen, zumal sie auch den Feldherrn selbst zur Flucht sich anschicken sahen, in guter Ordnung zurückgingen und sich in das acht deutsche Meilen entfernte Sirmium warfen.

Licinius ernannte Valens, Grenzbefehlshaber in Obermösien, um dessen Treue und wirksameren Beistandes sicher zu sein, zum Cäsar und setzte den Rückzug bis Thrakien fort. Constantin entsandte sofort 5000 Mann Legionssoldaten, wohl eine Legion, zur Verfolgung und rückte nach Wiederherstellung der abgebrochenen Savebrücke (bei Semlin) mit der Hauptarmee nach. In Thrakien (wahrscheinlich unseren Philippopel) fand er den inzwischen wieder verstärkten Licinius gelagert. Am Morgen nach Constantins Ankunft Angriff und Schlacht mit gleicher Ausdauer und Tapferkeit beider Heere. Selbst als nach längerem Verlaufe des Kampfes jene früher zur Verfolgung abgesandte Legion unerwartet von der Höhe herab in des Licinius Flanke und Rücken erschien, hielt derselbe noch, auch gegen diese Front machend, die Schlacht, so daß sie schließlich, unentschieden, mit dem Rückzuge beider Teile endigte.

Am nächsten Morgen Waffenstillstand und Frieden: Constantin mochte seinen Gegner kennen und fürchten gelernt haben. Licinius trat ihm die europäischen Provinzen Noricum, beide Pannonien, Obermösien, Makedonien und Griechenland ab, nur Niedermösien mit Kleinskythien (Dobrutscha) und Thrakien behaltend (ungefähr das heutige Bulgarien und Rumelien). (Zosimus II, c. 18–20, wovon jedoch der Anonym. Valesius, was die Hergänge vor dem Frieden betrifft, etwas abweicht.)

Valens, der neue Cäsar, ward als Opfer der Eintracht getötet. Dieser Krieg fällt nach den Fasten, in welchen Constantin und Licinius im Jahre 315 als Konsuln erscheinen in Verbindung mit einer Stelle des Anon. Vales., unzweifelhaft in das Jahr 314.

Von dem an aber wird die Zeitrechnung teils wegen Lückenhaftigkeit, teils wegen offenbaren Widerspruchs der Quellen, ganz unsicher. Wir folgen den gründlichen Forschungen des Jac. Gothofredus und Tillemonts und der fast durchaus nach diesen mit guter eigener Kritik und großem Fleiß entworfenen, sehr übersichtlichen Zeittafel, welche Manso seinem Leben Constantins des Großen (unter II, S. 274–304) beigefügt hat.

Nachdem Constantin im Jahre 316, wahrscheinlich zu Rom, seine Decennalien gefeiert hatte, für welche der ihm im Jahre 312 gewidmete Triumphbogen vollendet worden war, erfolgte am 1. März 317 im Einverständnis mit Licinius die Ernennung von drei Cäsaren, nämlich des etwa sechzehn- bis achtzehnjährigen Crispus, Constantins Sohn erster Ehe, des ihm aus der zweiten kurz zuvor geborenen Constantins des Jüngern und des Licinius zwanzigmonatlichen Sohnes Licinianus.

Constantin wählte von nun an die neuerworbenen Donauprovinzen zu seinem Aufenthalte, teils um Grenzschutz und Verwaltung, ebenso wie er dies früher am Rheine getan, hier zu ordnen, teils aber gewiß auch, um Licinius für Beobachtung und künftigen Angriff, der sicherlich schon in seinem geheimen Wunsche lag, näher zu sein.

Seinem hoffnungsvollen Sohn Crispus übertrug er die Hut des immerwährend bedrohten Gallien.

Den Vater scheint damals, nächst den laufenden Regierungsgeschäften, vor allem die allgemeine Reichsgesetzgebung beschäftigt zu haben, deren wir, weil außerhalb unseres Bereiches liegend, späterhin nur kurz gedenken werden.

Von den Ereignissen jener Zeit wissen wir nur, daß Crispus anscheinend im Jahre 320 seine erste Waffenprobe gegen die Germanen ruhmvoll bestand (Pan. IX, 37, 2 u. 38, 3). Näheres darüber entbehrend haben wir darin nur die Zurückschlagung und Züchtigung einiger fränkischer und alemannischer Scharen (s. Eckhel VIII, p. 100) vorauszusetzen. Bald darauf, unstreitig um sich im Schmucke des ersten Lorbeers dem Vater vorzustellen, eilte er im rauhesten Winter durch tiefen Schnee im Fluge zu diesem, der damals wahrscheinlich zu Sirmium Hof hielt. (Pan. IX, 365.)

Am 1. März 321 hielt nun Nazarius zu Rom, in Abwesenheit Constantins und seines Sohnes (IX, 38, 6), die gedachte Lobrede (I, X) zur fünfjährigen Gedenkfeier des Antrittes der beiden Cäsaren, von denen Constantin der Jüngere freilich noch Kind war. Mit ihm hören leider für diese Zeit die Panegyriker auf.

Daß Constantin bei diesem festlichen Anlaß nicht in Rom erschien, erklären wir durch den damals bereits ausgebrochenen oder drohenden Krieg gegen die Goten, den wir (mit Tillemont S. 293 und Gothofredus in der daselbst angeführten Stelle, gegen Manso, Beil. II, S. 297Manso gründet seine den gewichtigsten Autoritäten widersprechende Ansicht, daß auch der Gotenkrieg vor 321 stattgefunden habe, im Wesentlichen nur darauf, daß schon in Nazar. (Paneg. IX) vom 1. März 321 der Kriege wider die Sarmaten und Franken gedacht werde, begeht aber dabei nicht nur den Fehler, diese Stelle nicht speziell zu zitieren, sondern hat sich auch in der Sache selbst geirrt.

Wenigstens kann die Stelle c. 3, 3: »cumque aliae felicissimae tuae prius (d. i. vor dem Sieg über Maxent.) et deinceps expeditiones non minus in se operis amplexae sunt, quam ex ipsis faucitus fati Roma servata« obige Behauptung nicht rechtfertigen. Unter den spätern Feldzügen sind hier nämlich offenbar der unerheblichere gegen die Franken im Jahre 313 und wohl auch der wider Licinius im Jahre 314 gemeint, den Nazarius aus Anstandsgefühl damals, da zwischen beiden Kaisern und Schwägern noch äußerliche Freundschaft bestand, nicht näher hervorheben wollte und durfte. Hätte der Kaiser aber unmittelbar vor dem Jahre 321 wesentliche Siege über die äußeren Reichsfeinde erfochten, so hätte der Lobredner, der doch dessen viel frühere über Franken und andere germanische Völker (von c. 16–20) umständlich erwähnt, diese wahrlich nach dem Maxentiussiege (also von Kap. 36 an) nicht verschwiegen, während daselbst im Wesentlichen nur noch von den Cäsaren, dessen Söhnen die Rede ist, indem sich die Worte (c. 38, 3): Jacet in latere Galliae aut in sino suo fusa barbaria offenbar nur auf Crispus und dessen Siege über Germanen beziehen, wobei übrigens die Franken, die Manso ebenfalls anführt, gar nicht einmal genannt werden, wenngleich daran, daß Crispus auch Vorteile über diese erfocht, selbst abgesehen von dem (in Jägers Ausgabe II, S. 17 zu c. 3, 5 angeführten) Zeugnis des Porphyrius, nicht im geringsten zu zweifeln ist.

) erst in das Jahr 321 oder 322, vielleicht in beide setzen.

Nur Zosimus (II, 21) enthält darüber Näheres, hat dafür aber unstreitig keine vollständige Quelle, sondern nur das Bruchstück einer solchen vor sich gehabt und verwirrt alles durch seine bekannte ethnographische und geographische Unwissenheit.

Die Goten, teils durch des Claudius und durch Aurelians Siege geschreckt, teils, und dies war die Hauptsache, durch die Abtretung der großen Provinz Dakien, die gegen 4000 deutsche Quadratmeilen umfaßte, befriedigt, hatten seit nahe fünfzig Jahren Rom nicht beunruhigt(Man sieht: bei Gewährung hinreichenden Landes ruht der Andrang dieser Völker, wie sie Mangel an Ackerland zur gewaltsamen Ausbreitung und Landerkämpfung zwingt. D.) Ob der kluge Diokletian Frieden und Freundschaft von diesem gefährlichsten Grenzfeinde durch einen jährlichen Tribut erkauft habe, wissen wir nicht, halten dies aber für nicht unwahrscheinlich., werden namentlich auch unter den Nordvölkern, mit welchen Galerius vom Jahre 292 an kriegte, nicht genannt.

Zosimus berichtet nun (am g. O.): Nachdem Constantin erfahren, daß die dem Mäotischen Pfuhl benachbarten Sarmaten in Schiffen über die Donau gegangen seien und sein Gebiet (τήν ου̃σαν υπ' αυτω̃ χώραν) plünderten, zog er gegen sie zu Felde.

Das Unhaltbare dieser Erzählung liegt auf der Hand. Die östlichste Grenze von Constantins Gebiet war noch über sechzig Meilen vom Pontus entfernt. Nördlich dieser, jenseits der Donau, saßen die so mächtigen als kriegerischen Goten. Wie hätten irgendwelche Anwohner der so viel entlegeneren Mäotis es wagen können, das ganze Gotenland quer zu durchziehen, um von diesem aus die Römer anzugreifen? Gibbon (Kap. 14 vor Not. 99) hilft sich dadurch, daß er die Sarmaten als Untertanen oder Bundesgenossen der Goten darstellt, was aber mit Zosimus, der eben jene ausschließlich als Feinde anführt, nicht übereinstimmt. Die Sache würde sich, wenn wir nicht noch eine andere Quelle darüber hätten, durch eine jener so häufigen Namensverwechselungen bei Zosimus erklären lassen. Die Goten werden von ihm ja sonst Skythen genannt, Skythen und Sarmaten aber häufig als identisch gebraucht. Die Nachbarschaft der Mäotis kann sich eben so gut auf die Goten selbst beziehen, welche ursprünglich bis an deren Ufer hin saßen und die Herrschaft über jene Ostlande, großenteils wenigstens, gewiß auch nach Besetzung Dakiens noch behaupteten.

Noch findet sich aber eine Hindeutung auf diesen Krieg bei dem abgeschmackten Verskünstler Optatianus, welche wir in Anm.Publilius Optatianus Porphyrius war von Constantin verbannt und suchte durch sechsundzwanzig kleinere Gedichte, die er Panegyricus nannte, dessen Gunst wieder zu gewinnen. Welcher Art diese sind, wird die Beschreibung des hier fraglichen zweiundzwanzigsten ergeben. Dasselbe bildet ein Quadrat von fünfunddreißig Buchstaben, d. i. fünfunddreißig Zeilen zu je fünfunddreißig Buchstaben, durch welches die beiden Verse:

Dissona Musarum vinciri stamine gaudens
Grandia conabor Phoebeo carmina plectro

mittelst rotgeschriebener Buchstaben ausgezeichnet, sich in regelmäßigen mathematischen Figuren mehrfach durchziehen, wovon in den nochmals in der Schreibart des Originals besonders beigefügten beiden Ecken der sieben letzten Verse ein Beispiel durch Buchstaben in gesperrter Schrift gegeben ist. Bei solchem Spielwerke mußte es nun selbstredend mehr auf Zahl und Wahl der Buchstaben als auf Sinn und Grammatik ankommen.

Das betreffende Gedicht lautet nun, in Worte abgeteilt, von der vierzehnten Zeile an, wie folgt:

Ostentans artem vinciri scrupea praebet
Sarmaticus usum strages sed tota peracta
Vota precor faveas sub celio condita visu
Factorum gnarum tam grandia dicere vatem
Jam totiens Auguste licet Campona cruore
Hostili post bella madens artissima toto
Corpora fusa solo submersas amne repleto
Victrix mirotur turbas aciemque ferocem
Plurima conabor phoebeo carmine gaudens
Margensis memorare boni coelestia facta
Introitus et bella loqui perculsa ruinis
Quis devicta jacet gens duro marte caduca
Testis magnorum vicina Bononia praesens
Sit voti compos excisaque agmina cernens
Det juga captivis et ducat caetera praedas
Grandia victori molimur praelia plectro
Dicere nec satis est votum si compleat ore
Musa suo quaecunque parat sub lege sonare
Scrupo sis innexa modis perfecta camenis
Vult resonare meis et testis nota tropaea
Depictis signare metris cum munere sacro
Mentes devotae placari in fata procellas.

Wiederholung der sieben letzten Verse in der Schreibart des Originals:

Grandiavictorimolimurpraeliaplectro
Dicerenecsatisestvotumsicompleatore
Musasuoquaecunqueparatsublegesonare
Scruposisinnexamodisperfectacamenis
Vultresonaremeisettestisnotatropaea
Depictissignaremetriscummuneresacro
Mentesdevotaeplacariinfataprocellas.

Die roten Buchstaben ergeben links Dissona, von unten auf gelesen und Grandia, die Anfangsworte der beiden Hauptverse sowie rechts plectro doppelt.

Dieses Zitat, nebst der Beschreibung der ganzen Quelle, schien um deswillen angemessen, weil Gibbon, der doch großen Wert darauf legt, gar nichts, Tillemont (IV, S. 293 und 253) wenigstens nur Allgemeines und Oberflächliches bemerkt.

aus der nur mit größter Schwierigkeit leserlichen Scriptura continua in Worte abgeteilt wiedergeben.

Nach dem schon in der neunzehnten seiner fast sinnlosen Buchstabenspielereien Sarmaten und Geten, freilich aber auch Meder und Franken genannt werden, erscheinen in der zweiundzwanzigsten wiederum sarmatische Niederlagen, sowie die Städte Campona (bei Ofen), Margus (bei Semandria an der gr. Morava) und Bononia (bei Neusatz). Da das Gedicht dem Jahre 326 angehört, so können sich diese Erwähnungen nur auf obigen Krieg beziehen. Wollte man in dessen Worten einen tieferen Sinn suchen, was aber bei einem Autor, dem es nur auf Zahl und Folge der Buchstaben ankam, nicht gerechtfertigt sein würde, so könnte man annehmen, Campona habe eine längere, blutige Belagerung erlitten (totiens cruore hostili madens), Margus sei zwar von den Feinden genommen, aber wiedererobert worden (Margensis introitus et bella loqui perculsa ruinis) und bei Bononia sei eine siegreiche Schlacht gewesen.

So unklar und wertlos diese Erwähnungen an sich sind, so gewinnen sie doch dadurch große Bedeutung, daß nach der bekannten Lage jener Städte, deren Namen hier doch sicherlich nicht willkürlich erdichtet, sondern aus der Zeitgeschichte entlehnt sind, der Angriff des römischen Gebietes nur von den sarmatischen Jazygen ausgegangen sein kann.

Hiernach würde des Zosimus Irrtum darin bestehen, daß er den in seiner Quelle gefundenen Ausdruck: Sarmaten, unter welchem so häufig die sarmatischen Jazygen genannt werden, auf ferne Ostsarmaten, von denen er gehört hatte, bezogen habe.

Die Wahrheit ist nicht zu ermitteln, am wahrscheinlichsten aber, daß die Jazygen mit Goten, wenn auch nicht mit dem ganzen Volke verbündet, die Angreifer waren.

Den Hergang berichtet nun Zosimus, Kap. 21, wie folgt: Zuerst griffen die Barbaren unter ihrem Könige Rausimodus (unstreitig Rausimut, ein germanischer Name) eine mit genügender Besatzung versehene Stadt an, die auf der unteren Seite nach der Ebene hin eine steinerne, auf der oberen aber nur eine hölzerneD. i. eine doppelte Wand von starken Balken, deren Zwischenraum durch Stein und Erde ausgefüllt und von hinlänglicher Breite war, um sich hier aufzustellen, so daß das Ganze wohl mehr einem mit Holz bekleideten Walle zu vergleichen war. Mauer hatte. Die Sarmaten glaubten nun am leichtesten das Holzwerk, unter Beschießung der Verteidiger mit Wurfspeeren, in Brand stecken zu können. Diese wehrten sie aber von oben her durch Herabschleudern von Wurfgeschossen und Steinen mit großem Verluste derselben ab, bis der zum Entsatz eilende Constantin die Belagerer im Rücken angriff, viele derselben niederhieb und eine größere Zahl gefangen nahm, so daß nur der Rest sich durch Flucht rettete. Nach diesem Verluste des größten Teils seines Heeres ging Rausimut über die Donau zurück, in der Absicht (woher kennt diese Zosimus?), eine neue Raubfahrt in das römische Gebiet zu unternehmen. Als dies Constantin erfuhr, verfolgte er ihn über den StromGibbon C. 14 vor Note 100 läßt Constantin auf der von Trajan errichteten Brücke über die Donau gehen, während Zosimus II, 21, die einzige Spezialquelle über jenen Krieg, nur sagt: er überschritt den Ister. Diese Kleinigkeit charakterisiert Gibbons Manier.

Derselbe hat aber dabei vergessen, daß schon Hadrian nach Cassius Dio (LXVIII, 13 a. Schl.) den oberen Teil dieser Brücke, d. i. sämtliche Bogen, da zu Dios Zeit nur noch die Pfeiler standen, wieder abbrechen ließ.

Am wenigsten hätte dieselbe nach der Abtretung Dakiens noch beibehalten werden können.

und griff ihn an einem mit dichtem Walde bewachsenen Hügel mit solchem Erfolge an, daß der König mit vielen blieb, viele zu Gefangenen gemacht wurden, das übrige Heer sich ergab und der Kaiser mit einer großen Menge Gefangener in das Hauptquartier zurückkehrte.

Offenbar kann dies Ereignis weniger Wochen, wenn Optatians Nachricht irgendwie begründet ist, nicht den ganzen Krieg ausgefüllt, sondern nur dessen Schluß gebildet haben, indem Zosimus nach diesem, Kap. 22, sogleich der Verteilung der Gefangenen in verschiedene Städte gedenkt und dann Constantin nach Thessalonich sich begeben läßt.

Dürfen wir eine Vermutung aussprechen, so scheint uns der erste, von Zosimus nicht erwähnte Teil des Krieges längs der Südrichtung der Donau von Ofen-Pest bis Neusatz zwischen den Jazygen und den Römern verlaufen zu sein, erst gegen dessen Ende aber der von erstem in Bedrängnis zu Hilfe gerufene Gotenführer Rausimut jene verunglückte Diversion auf Bononia unternommen zu haben, nach deren Fehlschlagen dann auch die Sarmaten Frieden geschlossen, mindestens jede weitere Feindseligkeit aufgegeben haben werden.

In Thessalonich legte Constantin nach Zosimus (II, 23) sogleich einen ganz neuen Hafen an, worüber das Jahr 322 und ein Teil von 323 verstrichen sein dürfte.

Wohin das zielte, liegt auf der Hand, da eine hier versammelte Flotte sowohl Thrakien als Asien, also des Licinius Besitz, aber auch nur diesen, bedrohte.

In der Tat begann denn auch schon im Jahre 323 der Krieg zwischen ihm und Licinius, über dessen wahren Grund kein Zweifel sein kann. Derselbe war nur der zweite und letzte Akt des ersten, wie denn auch Eutrop seine angeführte treffliche Motivierung für beide zugleich ausspricht.

Gewiß aber hatte auch das Ergebnis jenes ersten tiefen Haß in des Licinius Brust gesät, der nach dessen wilder Gemütsart aufwuchernd, wenn gleich scheinbar verdeckt, doch in mancher Feindseligkeit sich offenbart haben mag. Namentlich trug letzterer seine Gesinnung gegen Constantin auf dessen Schützlinge, die Christen, über, eben so wenig zwar, wie Maximin im Wege offener Rücknahme ihrer gesetzlichen Duldung, aber in dem der Schikane. Er verbot die Versammlungen der Bischöfe, entfernte die Christen von seinem Hofe und aus seinem Heere (gewiß nur teilweise), gestattete deren gottesdienstliche Versammlungen nur unter Absonderung der Geschlechter, sowie im Freien u. a. m., die Grausamkeit, mit der man gegen Angeklagte dieses Glaubens, selbst Bischöfe verfuhr, ungerechnet. (Euseb. K.-G. X, 8. V. C. 1, 51–56; II, 1 u. 2.) Deshalb läßt denn auch der angeführte Schriftsteller (V. C. II, 3) seinen Constantin nur zum Schutze der Christen die Waffen ergreifen, wobei er vergessen hat, daß er in seiner Kirchengeschichte (X, 8) Kriegsentschluß und Erklärung von Licinius ausgehen läßt.

Von den übrigen Quellen erwähnt allein der Anon. Valesii folgenden Anlaß zum Kriege: »Während Constantin in Thessalonich war, brachen die Goten in des Licinius Gebiet über die nachlässig bewachte Grenze (Donau) und begannen Thrakien und Mösien zu plündern. Darauf durch Constantins schreckenden Angriff zurückgetrieben gaben sie ihm in dem erlangten Frieden die gemachten Gefangenen zurück. Darüber aber habe Licinius als einen Vertragsbruch geklagt, weil ein anderer sich seines Amtes angemaßt habe. Hierauf bald bittende, bald stolze Botschaften sendend, habe er endlich Constantins gerechten Zorn erregt.«

Es liegt jedoch sehr nahe, hierin nichts anderes als eine kürzere Erwähnung des vorstehend berichteten Gotenkrieges vom Jahre 322 zu erblicken, in dessen späterem Verlaufe möglicherweise allerdings auch des Licinius Gebiet berührt worden sein könnte. Wie aber der Ausdruck des Ungenannten: Thrakien und Mösien jedenfalls ungeschickt ist, da umgekehrt das Vorland Mösien zuerst genannt werden mußte, so erscheint es auch, bei dem damaligen Zustande der Grenz- und Heerverfassung, höchst unwahrscheinlich, daß die Goten nicht allein über die Donau, sondern sogleich über den Hämus (Balkan) nach Thrakien vorgedrungen sein sollten. Diese Vermutung wird auch dadurch noch unterstützt, daß die von derselben Quelle angeführten mehrfachen Verhandlungen doch geraume Zeit weggenommen haben müssen, die Hauptschlacht des zwischen Constantin und Licinius ausgebrochenen Krieges aber, der doch die letzte Vorbereitung und ein Marsch von nahe sechzig Meilen vorausgehen mußte, schon am 3. Juli 323 stattfandTillemont bezieht sich (S. 298), um erst das Jahr 323 für den Krieg gegen die Goten zu rechtfertigen, auf zwei den 28. April 323 erlassene Gesetze (C. J. XII, 36, 9 und 40, 1), findet aber selbst (Note 44, S. 599) diesen Grund schwach. Das ist er auch in der Tat. Das erste verpönt, bei Strafe des Feuertodes, die Begünstigung der Räubereien der Barbaren, das zweite die eigenmächtige Beurlaubung von Soldaten durch die Grenzbefehlshaber, und zwar, wenn diese zur Zeit eines Barbareneinfalls erfolge, bei Lebensstrafe. Gab es denn an den mehr als tausend Meilen langen römischen Grenzen keine andern Barbaren als Goten? Tillemont hätte noch für sich anführen können, daß der Anon. Val. ausdrücklich den Einfall in die Zeit setzt, wo Constantin in Thessalonich war, wohin dieser aber nach Zosimus erst nach Rausimuts Besiegung sich begeben hatte. Kann aber Constantin nicht auch schon im Jahre 321 oder 322 bei Beginn des von Zosimus geschilderten Krieges behufs der Vorbereitung des Hafenbaues in Thessalonich gewesen sein, das er, wie die Folge ergibt, zur Basis seiner Operationen gegen Licinius machen wollte?

Jedenfalls ist hier der Anonymus, der den ganzen Krieg mit den Sarmaten verschweigt, viel zu ungenau, um gegen die aus speziellen Quellen und der Natur der Sache geschöpften Gründe etwas beweisen zu können.

, daher für einen längern Krieg Constantins gegen östlichere Goten, wobei er des Licinius Gebiet berührte, kaum Zeit gewesen sein dürfte.

Von dem mit Sicherheit niemals zu erörternden nächsten und unmittelbaren Anlaß oder Vorwande des Krieges absehend, woran es den Herrschsüchtigen aller Zeiten niemals gefehlt hat, gehen wir zu diesem selbst über, für den wir uns ganz an den ausführlichen Zosimus (II, c. 22–26 u. 28) halten.

Mächtig war die Rüstung auf beiden Seiten. Constantin brachte nur 200 Dreiruderer, anscheinend aus Griechenland, zusammen, während Athen allein in seiner Blüte deren 300 bis 400 gehabt hatte, über 2000 Transportschiffe aber für das HeerJedenfalls für den Übergang nach Asien: wahrscheinlich aber ging er, statt den so beschwerlichen Landweg zu wählen, teilweise wenigstens, schon zu Schiff an die Südküste Thrakiens, was Zosimus, der ihn mit dem Landheere nach Adrianopel marschieren läßt, nicht widerstreitet, weil bis dahin immer noch ein langer Landweg war., 120 000 Mann Fußvolk, nebst 10 000 Mann Schiffssoldaten und Reiterei; Licinius dagegen, der ungemeine Tätigkeit entwickelt haben muß, 350 Schiffe aus dem küstenreichen Orient, 150 000 Mann Fußvolk und 15 000 Reiter aus Phrygien und Kappadokien.

Nicht die Zahl aber, die Tüchtigkeit entscheidet: und darin welch anderes Verhältnis, als das frühere im Jahre 314, da Constantin nunmehr auch die kriegerischen Illyrier, Licinius nichts als Orientalen hatte.

Bei Adrianopel am Hebrus (Marutza) trafen sich die Heere: Licinius lagerte auf einer Höhe oberhalb der Stadt, rechts des Hebrus, da wo sich der Tonus (Tundscha) in diesen ergießt, Constantin links des Hebrus, wo beide mehrere Tage beobachtend einander gegenüberstanden. Constantin lockt die Feinde nach einem Punkte, an dem er einen Scheinübergang vorbereitet, setzt aber plötzlich auf der vorher dazu rekognoszierten geeignetsten Stelle (wahrscheinlich einer Furt), in deren Nähe er 16 000 Mann Fußvolk mit achtzig Reitern in dichtem Walde verborgen hatte, über und stürzt sich in Person mit nur zwölf Reitern auf die dort aufgestellten überraschten Feinde, die sofort niedergehauen oder in die Flucht geschlagen werden.Die von Zosimus hier angegebenen Zahlen von nur achtzig und zwölf Reitern sind höchst unwahrscheinlich, beruhen daher entweder auf unrichtiger Lesart oder Mißverständnis seiner Quelle.

So ist namentlich vielleicht im zweiten Falle das regelmäßige, gewiß ziemlich starke persönliche Gefolge des Kaisers nicht mit berechnet worden.

Nachdem hierauf die übrigen Reiter mit dem ganzen Heere übergesetzt sind, wird die Schlacht allgemein, in welcher 34 000 Licinianer bleiben und bei Sonnenuntergang das unstreitig gut befestigte Lager selbst genommen, Constantin aber am Schenkel leicht verwundet wird, während Licinius nach Byzanz zur Flotte entflieht.

Am andern Morgen ging der ganze Rest des Heeres, selbst der mit Licinius geflohene, aber etwas zurückgebliebene Teil desselben, zu Constantin über.

Europa war verloren: aber die Flotte und mit ihr Asien blieb dem Besiegten. Constantin belagerte Byzanz und gab nun seinem tapfern Sohne Crispus, der die Flotte kommandierte, Befehl und Instruktion zum Angriff auf die feindliche. Crispus drang mit nur achtzig der leichtesten Schiffe, zu je dreißig Rudern, von Süden her in den Hellespont ein, wo ihn Abantus, des Licinius Admiral (den der Anon. Vales. Amandus nennt), seine geringe Macht verachtend, nur zweihundert erwartete. Klug aber hatte jener die Enge des Meeres berechnet, dieser sie außer Acht gelassen. Dadurch an freiem Manövrieren behindert gerieten des Abantus Schiffe bald in Unordnung, stießen an einander, wodurch die Ruder zerbrochen werden mußten, und boten so dem in guter Ordnung angreifenden Feinde Gelegenheit zur Versenkung und verschiedenartigen Zerstörung derselben. Die Nacht endete den Kampf, aus dem ein Teil von des Licinius Flotte sich nach Eläunt in Thrakien (an der Südspitze des Hellespont), ein anderer nach dem gegenüberliegenden Hafen des Ajax, auf der asiatischen Seite, zurückzog, woraus zu entnehmen ist, daß deren Schlachtordnung von Crispus im Zentrum durchbrochen und in zwei Teile getrennt worden war.

Am andern Morgen verließ Abantus mit einer steifen Nordbrise letztgedachten Hafen, um die Schlacht zu erneuern. Weil ihm aber die nach Eläunt gesegelten fünfzigruderigen Schiffe fehlten, auf deren Wiederanschluß er gerechnet haben mochte, zauderte er, die Stärke der feindlichen Flotte fürchtend, mit dem Angriffe.

Da schlug gegen Mittag der Wind plötzlich in einen so heftigen Sturm aus Süden um, daß seine Schiffe teils auf den Strand, teils dergestalt gegen Klippen getrieben wurden, daß deren hundertunddreißig samt der Mannschaft und 5000 Mann Soldaten, welche aus der Garnison des überfüllten Byzanz detachiert worden waren, untergingen, Abantus selbst aber mit nur vier Schiffen nach einem asiatischen Hafen sich rettete.

So war des Licinius letztes Bollwerk auch verloren. Bereits hatten Handelsschiffe Constantin, der Byzanz belagerte, mit Proviant versorgt, woran es ihm wegen Verwüstung der Gegend fehlen mochte: da erschien nun seine gesamte Flotte und schloß die Stadt auch von der Seeseite ein.

Mit größtem Geschick und Eifer ward die Belagerung betrieben und war bereits, nach modernem Ausdrucke, bis zur letzten Approche gediehen, als Licinius in äußerster Bedrängnis mit den tüchtigsten und zuverlässigsten seiner Truppen nach dem gegenüber liegenden Chalkedon entfloh (was Constantins Flotte halber wohl nur bei Nacht geschehen sein kann).

In der Hoffnung, für den Kampf um Asien noch ein Heer zusammenzubringen, ernannte er, wie im Jahre 314 Valens, nun Martinianus, seinen Magister officiorum (welches Amt also damals schon bestand), zum Cäsar und nahm, diesen zur Deckung der Ufer des Hellespont nach Lampsatus entsendend, in Person eine feste Stellung bei Chalkedon am Bosporus.

Constantin, die Schwierigkeit der Landung an der asiatischen Küste für größere Transportschiffe erkennend, setzte auf kleinen Leichtseglern und Yachtschiffen über, und gewann auch glücklich das nur fünf deutsche Meilen von Chalkedon entfernte heilige Vorgebirge am Ausgange des Bosporus, von wo er bei Chrysopolis, dem Hafen von Chalkedon (jetzt Scutari), auf einigen Hügeln eine gute Stellung einnahm. Licinius, den Kopf nicht verlierend, rief eilig Martinian zurück und rückte aus der Stadt zum Angriff gegen den Feind vor. So tapfer aber auch sein Heer in der letzten heißen Entscheidungsschlacht für ihn focht, war doch das Übergewicht, besonders das moralische des Siegesbewußtseins, zu sehr auf Seiten der Gegner. Von seinen 130 000 Mann entrannen nach Zosimus kaum 30 000 dem Blutbade, während derselbe nach der etwas unklaren Angabe des Anon. Vales. nur 25 000 verloren zu haben scheint.

Der Schlag aber war entscheidend: sofort ergab sich Byzanz und Licinius entfloh mit dem Rest der Reiterei und wenigen Tausenden Fußvolkes nach Nikomedien.

Über die Zeit dieser Ereignisse verweisen wir auf Tillemont, der den Abmarsch von Thessalonich auf den 25. Mai, die Schlacht bei Adrianopel auf den 3. Juli und die bei Chalkedon auf den 18. Sept. 323 setzt, des Licinius Tod aber vor dem 16. Mai 324 erfolgen läßt (S. 300, 301, 308 u. 309). Ist das Datum der Schlacht bei Chalkedon richtig, so müßte des Licinius Ergebung unzweifelhaft noch in das Jahr 323 fallen, obwohl wir, der gewöhnlichen Meinung folgend, das Jahr 324 annehmen.

Der Krieg war aus: nur die Bitte um das Leben blieb übrig. Dessen Erhaltung sagte Constantin seiner Schwester, des Licinius Gemahlin, eidlich zu und wies diesem Thessalonich zum Aufenthalt an, während Martinian sofort getötet ward.

Bald darauf aber ließ er eidbrüchig (contra religionem sacramenti sagt Eutrop X, 6) auch Licinius erdrosseln.

Diesen dunkeln Fleck in Constantins Leben entschuldigt der christliche Anon. Vales. damit, daß derselbe, eingedenk seines Schwiegervaters Maximian, damit nicht auch Licinius aufs neue ihm nachstelle, dies der Forderung aufständischer Soldaten bewilligt habe, naiv übersehend, daß, wenn das Verlangen dieser wirklich ein zwingendes gewesen wäre, die Anführung des ersten Grundes völlig überflüssig war. Dagegen führt der gegen siebzig Jahre spätere Sokrates in seiner Kirchengeschichte (I, 4) an: Licinius habe sich in Thessalonich eine Zeitlang ruhig verhalten, darauf aber einige Barbaren zusammengebracht, um den Krieg wieder zu beginnen, was dessen Tötung veranlaßt habe. Dies widerstreitet jedoch, abgesehen von der hohen Unwahrscheinlichkeit, daß man Licinius die Freiheit zu solchem Beginnen gelassen habe, den gedachten Quellen, namentlich der zuverlässigsten aller, Eutrop, zu entschieden, um irgendwelchen Glauben zu verdienen. Auch ist des Eusebius Schweigen hierüber ein beredtes, da er solche Rechtfertigung seines Helden gewiß nicht unerwähnt gelassen hätte, während er (V. C. LI, 18) nur sagt: Der Gotteshasser habe die verdiente Strafe empfangen.

So hatte denn der Gewaltige mit unendlichem Blute den Alleinbesitz der Weltherrschaft errungen, deren sich sein Vorgänger Diokletian freiwillig, erst stückweis, dann gänzlich entäußert hatte.

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