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Geschichte der Völkerwanderung

Felix Dahn: Geschichte der Völkerwanderung - Kapitel 33
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Völkerwanderung
authorFelix Dahn
firstpub1880
year1997
publisherPhaidon Verlag
addressEssen
isbn3-88851-198-4
titleGeschichte der Völkerwanderung
created20051128
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Dreizehntes Kapitel
Constantin der Große und seine MitherrscherFür Constantins Leben treten drei neue Quellen hinzu: Zosimus, dessen Lücke nun aufhört, Eusebius Leben Constantins des Großen und die Exzerpte eines Ungenannten, die Valesius herausgegeben hat (Anonymus Valesii).

Zosimus ist wie immer ungleich: vollständig und anziehend in manchem, namentlich den Kriegen der Mitherrscher unter sich, aber lückenhaft, nicht Unwichtiges ganz übergehend, endlich voll fanatischen Christenhasses, daher in seinen Urteilen über Constantin kein Geschichtsschreiber, sondern Parteimann und Pamphletist. Wie unähnlich darin dem würdigen Eutrop, der ebenfalls Heide, aber doch unbefangen und gerecht ist (Eutrop, Ausg. v. Grosse, Leipzig 1825, Prooem. S. XIV; jetzt ed. Droysen in Monum. Germ. hist. 1879).

Eusebius will, wie er (T II der Vita C.) sagt, keine politische Geschichte, sondern nur die von Constantins religiöser Wirksamkeit schreiben. Diese Äußerung und dasjenige, was wir zur Entschuldigung der Parteinahme und Leidenschaftlichkeit der christlichen Schriftsteller jener Zeit sagten, entwaffnet die Kritik.

Wollten wir aber dessen Werk aus einem andern Gesichtspunkt betrachten, so würde kaum ein Verdammungsurteil genug sein, was der Begründung nicht bedarf, da es wohl noch kein unbefangener Geschichtsforscher je bezweifelt hat.

Als Geschichtsquelle ist dasselbe bis auf wenige einzelne Notizen völlig unbrauchbar.

Eusebius war für seine Person übrigens weit mehr Hofmann als Glaubensschwärmer, mehr politisch als fanatisch, wie sein Verhalten in der arianischen Streitsache bewiesen. Das Christentum, aber mehr wohl noch seine Person, den Söhnen Constantins zu empfehlen, war der Zweck jener Lebensbeschreibung. Dies Urteil über ihn wird selbst von kirchlichen Schriftstellern alter wie neuerer Zeit bestätigt. Der gegen achtzig Jahre spätere Sokrates sagt in seiner Kirchengeschichte I, 1: dem Eusebius habe, wie in dergleichen Lobreden zu geschehen pflege, die Lobpreisung Constantins mehr am Herzen gelegen, als die genaue Erzählung der Tatsachen.

Der so strengkatholische Friedrich Leopold Graf Stolberg sagt X, S. 222 von ihm: »Er war, bei großem Verstande und erstaunlicher Gelehrsamkeit, schwach und eitel und haschte nach Hofgunst.«

Die Kirchengeschichte des Sokrates selbst sowie die des Sozomenos können wir für die politische Geschichte Constantins als selbständige Quellen kaum betrachten, da sie für solche fast nur ein Abklatsch des Eusebius sind.

Der Anonymus Valesii ist eine wertvolle Quelle, für manches die einzige, kurz, aber klar. Der Verfasser muß, wenn die Exzerpte de Odoacro et Theodorico von demselben sind, dem Ende des sechsten Jahrhunderts angehören, aber gute Nachrichten gehabt haben. Er ist Christ, beweist dies aber mehr in dem, was er verschweigt, als in dem, was er sagt.

Gründlicher als vorstehend geschehen, hat Manso, Leben Constantins des Großen, in der ersten seiner Beilagen die Quellen dieser Zeit behandelt, worauf wir verweisen.

Er steht mehrfach in entschiedenem Gegensatze zu Gibbon, der, durch Geist und Urteil verleitet, freilich nicht selten Geschichte erst macht, aber nicht schreibt.

Je länger man Tillemont benutzt, um so mehr wächst das dankbare Anerkenntnis seines seltenen Forscherfleißes. Sein Urteil aber ist durch blinde Ehrfurcht vor der Autorität der Kirchenväter dergestalt beschränkt, daß es, wo er irgend auf solcher Quelle fußt, ohne allen Wert ist.

Burkhardts Werk hat minder Constantins Regierungs- und Lebensgeschichte als die Schilderung der damaligen Zeitverhältnisse überhaupt zum Zwecke.

Dieses Kapitel ist in drei Abschnitte zu sondern, je nachdem zuerst nur ein kleinerer, dann ein größerer Teil, endlich das gesamte Reich Constantin unterworfen war.

A. Vom 12. Mai 305 bis zu des Maxentius Sturz 312

Zwei Kaiser hatten freiwillig, wenn auch der eine ungern, den Purpur mit dem Bürgerkleide vertauscht. Aber noch galt Diokletians Regimentsordnung. Daher rückten die bisherigen Cäsare, Constantius im Westen und Galerius im Osten, ohne weiteres zu Imperatoren und Augusten auf, an deren statt nun wieder zwei Cäsaren zu ernennen waren.

Die Wahl letzterer ward selbstverständlich mit Diokletian beraten: die Entscheidung aber hat dieser sicherlich, wenn auch gegen seine Überzeugung, den neuen Kaisern überlassen.

Nachdem Constantius, dem zuverlässigen Eutropius (X, 1 u. 2) zufolge, jede Erweiterung seiner Herrschaft abgelehnt hatte, ernannte Galerius diese allein. (Galerius etc., cum Italiam quoque, sinente Constantio, administrationi suae accessisse sentiret, Caesares duos creavit.)

So nahe es ihm dabei lag, zunächst auf Maximians Sohn, seinen eigenen Schwiegersohn Maxentius, und, wenn dieser nicht würdig war, jedenfalls auf des Constantius Sohn, den hochausgezeichneten Constantin, die Wahl zu lenken, so stand doch beiden gerade das eigne Recht, letzterem überdies die Überlegenheit seiner Persönlichkeit entgegen. Galerius wollte nur unterwürfige Kreaturen, berief daher zu Mitherrschern seinen Schwestersohn Daja oder Daza, der nun Maximin genannt ward, einen Hirtensohn, der vom gemeinen Soldaten zum Protector, dann zum Tribun aufgerückt, so wie den Severus, der wahrscheinlich ein rechtschaffener und tüchtiger General, aber dem Trunk ergeben war (Lact. c. 18): diesen für Italien und Afrika, jenen für den Orient. Dem Severus ward der Name Flavius, wahrscheinlich um Constantius zu schmeicheln, beigelegt.

Constantin ward im Jahre 274 zu Naissus in Obermösien, wo kurz zuvor Claudius gesiegt, dem Constantius von Helena geboren. Ob diese dessen rechtmäßige Frau oder nur Konkubine gewesen, darüber widersprechen sich die Quellen, selbst die christlichen, und die Forscher, indem Tillemont (S. 534) für und Manso (S. 235) gegen deren Legitimität eigene Abhandlungen geschrieben haben.

Wir halten, ohne in diese Frage tiefer einzugehen, mit Gibbon (C. 14, not. 9) nach dem einstimmigen Zeugnisse Eutrops (X, 1 ex obscuriori matrimonio), des Aurelius Victor (de Caes. 39, c. 22) und des Anonymus Valesii Tillemonts Ansicht für die richtigere. Spätere Schriftsteller haben aus Irrtum oder Haß aus der Mißheirat mit einer Person niedrigen Standes ein Konkubinat gemacht.

Seit des Constantius Ernennung zum Cäsar unstreitig hatte Diokletian dessen Sohn, unter dem Vorwande der Ausbildung und Auszeichnung, in Wahrheit aber als Geisel, bei sich behalten, sicherlich indes auch den jungen Mann bald geschätzt.

(In Palästina sah ihn Eusebius, durch Größe, Schönheit und Kraft vor allen hervorragend, zur Rechten des Kaisers reiten, vit. Const. I, 19.)

Anders Galerius, dem solche Persönlichkeit höchst drückend gewesen und gefährlich erschienen sein mag. Durch Anreizung seines Kriegsmuts und Ehrgeizes mag er den jungen Mann, der ihn gewiß auf Feldzügen begleitete, in allerlei Gefahr gestürzt haben.

Der furchtlose Held aber gewann im Zweikampf über den Barbarenfürsten wie über einen Löwen und in einem tiefen Sumpfe über Sarmaten den Sieg. (Pan. VI, 3, 3. Anon. Val.; ein Fragm. des Praxagoras bei Müller, V, S. 2 d. Pariser Ausgabe v. 1851 und Lact. S. 24.)

Offener oder geheimer Gewalttat wider Constantin mag des Galerius Gewissen aber doch entgegengestanden haben, da wir deren Unterlassung bloßer Furcht vor dessen so weit entferntem und zuletzt schon körperschwachem (Lact. c. 20) Vater oder vor den Soldaten, die jenen liebten, kaum zuschreiben können.

Nun aber forderte Constantius, der erste der beiden Kaiser, wiederholt seinen Sohn zurück. Galerius durfte nicht entschieden weigern, nur hinhalten. Eines Tages aber, nach Empfang des Postpasses, reiste Constantin vor der erst auf den nächsten Tag bestimmten Abschiedsaudienz mit Anbruch der Nacht heimlich ab und hinderte seine Einholung bei der vorausgesehenen Verfolgung durch Lähmung oder Tötung der Postpferde. (Aurelius Victor d. C. 40, 2; Zosimus II, 8; Lact. c. 24.) Im Flug erreichte er seines Vaters Gebiet und traf diesen im Begriff, nach Britannien abzusegeln, unstreitig im Spätsommer 305, noch in Boulogne. (Pan. VI, 7 a. Schl. u. Anon. Val.) Ein Frühjahrsfeldzug gegen die Caledonier in Schottland im Jahre 306 schloß den Heldenlauf des edlen Constantius: am 25. Juli 306 verschied er in York. (Pan. VI, 7, 1 und über den Tag Tillem., Not. 9, S. 545.)

In dessen Preise stimmen Heiden und Christen überein. (Eutrop. X, 1 und Eusebius V, Const. I, 13–17.) Der ruhmvolle Sieger ward S. 273 f. geschildert, des Cäsars weiser Sinn war mehr auf Bereicherung der Untertanen als des Fiskus gewandt, des Menschen mildes und liebevolles Gemüt gewann ihm alle Herzen, so daß er nur von den Feinden gefürchtet ward. Dabei war er ohne Ehrgeiz und Herrschsucht und hierin vor allem reiner und edler als sein Sohn, wie sehr ihn dieser auch an äußerer Herrschergröße übertroffen hat.

Unstreitig hat Constantius ihn selbst zu seinem Nachfolger gewünscht, wozu der älteste seiner Söhne zweiter Ehe, etwa 294 geboren, noch nicht reif war; auch riefen die Soldaten Constantin gleich im ersten Augenblick seines Erscheinens dazu aus (Pan. VI, 8), wozu nach der Epit. A. Vict. C. 41, 3 der in dessen Geleit befindliche Alemannen-Fürst Krokus wesentlich beigetragen haben soll.

Galerius, so erbittert er auch schon über jene Flucht gewesen, mußte gute Miene zum bösen Spiele machen, gestand ihm aber nur Rang und Titel eines Cäsars zu. Bald jedoch traf Galerius ein härterer Schlag. Maxentius, der Gemahl seiner Tochter aus früherer Ehe (vergl. Lact. c. 50), der Sohn des Maximian, dessen Legitimität jedoch bezweifelt ward (Epit. A. Vict. c. 40, 13 u. Anon. Val.), usurpierte am 27. Okt. 306 (Lact. c. 44) die Kaiserwürde in Rom, in dessen Nähe er auf einer Villa wohnte (Epit. A. V. c. 40, 2). Constantins Vorgang mochte reizen: die Mißstimmung der durch die Erhebungsweise der neuen Steuern erbitterten Römer, vor allem aber die der schon von Diokletian zurückgesetzten Prätorianer gegen Galerius erleichterte das Unternehmen. (Lact. c. 26 u. Zosim. II, 9.)

Maxentius rief seinen in Lucanien weilenden Vater, auf der Soldaten Anhänglichkeit vertrauend, zu Hilfe, der mit Freuden den ungern abgelegten kaiserlichen Purpur wieder annahm.Wir folgen hierin Lact. c. 26, gegen Zosim. c. 10 u. Anon. Val., welche dies erst nach des Severus Niederlage erwähnen, weil die erstere Meinung ungleich wahrscheinlicher ist.

Sofort sandte Galerius den Cäsar Severus, der eigentlich der unmittelbar Beraubte war, von Mailand aus wider Maxentius ab. Severus führte Maximians alte Truppen, welche, für ihren Kaiser und dessen Sohn leicht gewonnen, von dem neuen Herrscher abfielen. Severus floh nach dem festen Ravenna, aus dessen Mauern und Sümpfen der alte Maximian ihn mit trügerischen Versprechungen hervorlockte, ihn dann eidbrüchig als Gefangenen nach Rom bringen und zu tres tabernae auf der Via Appia im Jahre 307 töten ließ. (Anon. Val.)

Des Galerius Rache fürchtend, eilte derselbe hierauf nach Gallien, Constantin für sich zu gewinnen. Dieser hatte inzwischen schon in seinen ersten Waffentaten als Feldherr das Pfand künftiger Siege gegeben. Frankenscharen waren nach des Constantius Tod in römisches Land eingebrochen. Constantin siegte und nahm, wahrscheinlich im Rücken angreifend, deren Führer Askarich und Gaiso gefangen, die er bei einem feierlichen Festspiele den – wilden Tieren vorwerfen ließ. (Eutrop. X, 3; Pan. V, 4, 2; VI, 10, 2 und 11 und IX, 16, 5.)

Unser Gefühl empört sich: die römische Kriegsraison aber glaubte, daß Abschreckung der Führer das sicherste Mittel gegen vertragsbrüchige(Daß die »treulose« Verletzung abgezwungener Verträge von den Germanen nicht immer aus Mutwillen, sondern meist wohl aus zwingender Not geschah, erstaunte oder würdigte man nicht. Seine christliche Frömmigkeit hat den großen Constantin, den »Heiligen«, von Scheußlichkeiten gegen Christen und Heiden nicht abgehalten. D.) Germanen sei. Auch Alemannen, deren Eutrop ebenfalls als Besiegter gedenkt, müssen sich damals geregt haben. Dies geschah, wo nicht noch Ende des Jahres 306, spätestens Anfang 307.

Maximian gab seine Tochter Fausta Constantin, der sich deshalb von seiner frühern Gattin Minerva trennte, zur Gemahlin und gab ihm mit ihr den Titel eines Augustus (was der V. Panegyricus feiert), vermochte ihn aber, wie man mit Sicherheit annehmen darf, zu sofortigem Angriffe gegen Galerius nicht zu bewegen, kehrte vielmehr allein nach Rom zurück, um mit Maxentius der Herrschaft zu pflegen.

Unstreitig fand Constantins Scharfblick es geratener, die Machtgenossen sich untereinander aufreiben zu lassen und nachher erst selbst auf den Plan zu treten.

Inzwischen war Galerius in Person gegen Rom aufgebrochen, sein Heer aber nicht stark genug, die Stadt, in welche sich Maxentius, jedwede friedliche Unterwerfung ablehnend, eingeschlossen, zu belagern: ja ein Teil der Truppen ging, verlockt, zu diesem über, so daß er, Severus Schicksal fürchtend, eilend wieder abzog und den Soldaten, diese zu versöhnen, das vom Marsche betroffene Italien zur Plünderung preisgab.

Erst nachher wohl traf Maximian wieder in Rom ein, gefiel sich aber neben seinem Sohne so wenig, daß er aus Begier nach Alleinherrschaft diesem vor versammeltem Heere den Purpurmantel abriß. Allein der Staatsstreich mißlang: die Soldaten, denen sich Maxentius in die Arme warf, mochten die Schwäche des Sohnes des Vaters Strenge vorziehen, so daß dieser, aus Rom verbannt, wieder nach Gallien flüchtete. (Eutrop. X, 3; Pan. VI, 14, 6; Lact. c. 28 und Zosim. II, 11.)

Da Galerius bald darauf Diokletian in Carnuntum aufsuchte, eilte auch Maximian dahin, diesen zu Wiederannahme der Regierung zu bewegen. »Wenn ihr, erwiderte ablehnend der Weise, meinen in Salona gepflanzten Kohl sehen könntet, würdet ihr mir dies Wagnis nicht anraten.«

Darauf ernannte Galerius seinen alten Waffengefährten im Perserkriege, Licinius, und zwar sofort zum Augustus, Maximian aber kehrte nach Gallien zurück.

Diese Ereignisse von Severs Niederlage an werden von Tillemont (Not. 19 über Const., S. 559) und von Manso (S. 289) alle in das Jahr 307 gesetzt, was kaum möglich scheint. Wir nehmen mit Idatius Fasten den 11. November 308 für des Licinius Erhebung an. Dessen Bevorzugung aber erbitterte Maximin, der schon seit drei Jahren Cäsar war: Galerius wollte dadurch nachhelfen, daß er die Cäsarwürde ganz aufhob und Maximin nebst Constantin zu Kaisersöhnen (filios Augustorum) ernannte: der Gekränkte aber beharrte auf seinem Willen und nahm eigenmächtig den Kaisertitel an (Lact. c. 32), was Galerius niemals anerkannt hat, wie dies das unten anzuführende Widerrufsedikt vom Jahre 311 außer Zweifel setzt.

Der herrschsüchtige Alte ruhte nicht; was gegen den Sohn mißglückte, mochte gegen den Schwiegersohn gelingen. Liebevoll nahm ihn dieser, der eben am Rheine kriegte, auf und eilte, auf des kriegserfahrenen Maximian Rat, mit einem nur schwachen Heere wieder dahin zurück. Kaum aber war er hinreichend entfernt, als der Treulose die Herrschaft usurpierte, des Schatzes sich bemächtigte und damit wenigstens einen Teil des Heeres gewann. Auf die Nachricht, daß Constantin zurückkehre, warf er sich in das feste Marseille. Mit Blitzes-Schnelle folgte dieser nach, Maximians Soldaten öffneten ihm die Tore: dem Verräter ward der Purpur entrissen, das Leben aber vergönnt. (Pan. VI, 20, 3 und Lact. 29.) Der Vergebung unwürdig sann er, offener Gewalt nicht mehr fähig, auf Meuchelmord. Die von Lact. (c. 30) erzählte Geschichte, wie er seine Tochter Fausta beredet, des Gemahls Schlafgemach offen zu lassen, diese zusagt, es letzterem aber verrät, Maximian hierauf an Constantins statt einen Eunuchen in dessen Bett ermordet, auf der Tat ergriffen und sich selbst zu töten genötigt wird, klingt zu romanhaft, um vollen Glauben zu verdienen, obwohl die Hauptsache feststeht. (Aur. Vict. d. C. c. 21, 22 u. Epit. 40, 5.)

So endete im Jahre 310 der Mann, der zwanzig Jahre hindurch, so lange er von Diokletians Geist und Willen getragen ward, wenn auch nicht fleckenlos, doch ruhmvoll regierte, von seinem guten Genius verlassen aber zum Spielball des niedrigsten Ehrgeizes herabsank, durch welchen er in gleicher Verblendung wie Verruchtheit unterging.

Während dieser Zeit 307 bis 310 strebte Constantin, Gallien gründlich gegen die Germanen zu sichern.

Die Quellen darüber sind nur die Panegyriker Eumenes (VI, 12 13) und Nazarius (IX, 18 u. 19), so wie, äußerst dürftig, Euseb. K.-G. I, 25. Die Sprache der Lobhudelei verwirrt und verwischt die Tatsachen, der Hergang scheint indes folgender gewesen zu sein.

Constantins Sieg über Franken, mehr noch dessen Verfahren wider deren Fürsten, mag alle Germanen am Rhein, von jenen aufgewiegelt, zu einem Gesamtbunde gegen ihn getrieben haben. »Wie erwähne ich, sagt Nazarius c. 18, die Brukterer, wie die Chamaver, wie die Cherusker, Vangionen (nach anderen Handschriften Chabionen), Alemannen, Tubanten? Diese alle, zuerst einzeln, dann gleichmäßig in Waffen, waren in bundesgenössische Verschwörung entbrannt.«

Solche Vereinigung bedurfte der Zeit: und noch ehe sie vollbracht war, fiel der Cäsar, wahrscheinlich bei Köln übergehend, in das Gebiet der Brukterer ein. (Exercitu repente trajecto inopinantes adortus es. Eum. VI, c. 12.) Sofort dringt er auf deren Hauptheer vor, reitet verkleidet mit nur zwei Begleitern an die feindlichen Vorposten heran, redet mit ihnen und beteuert die Abwesenheit des Cäsars. Plötzlich aber greift er die sicher Gewordenen an und schlägt sie auf das Haupt. Innumerae simul gentes ad bellum coactae, sed uno impetu tuo fusae, dum collativam vim comparant, compendiosam victoriam praestiterunt. Nazar. c. 18 a. Schl.) Darauf ergoß sich das Heer in jene systematische Verheerung des Brukterer-Landes, wofür die Römer so furchtbares Geschick hatten. Unzählige wurden niedergehauen, sehr viele gefangen, alle Dörfer verbrannt, was sich an Vieh fand, genommen oder getötet, alle erwachsenen Männer, weil zum Kriegsdienste zu unzuverlässig, zur Knechtschaft zu trotzig, in Festspielen den wilden Tieren vorgeworfen, »welche sie durch ihre Menge ermüdeten«.

So der Lobredner Eum. c. 12: er spricht die Sprache der Übertreibung, aber Sieg und Züchtigung waren gewiß bedeutend.

Damit aber sein Schwert fortwährend über ihren Häuptern hänge, erbaute Constantin eine stehende Brücke über den Rhein, mit der er eben beschäftigt gewesen sein muß, als die Ankunft seines von Rom verbannten Schwiegervaters ihn im Jahre 308 für einen Augenblick in das Innere, etwa in die Gegend von Besancon oder Lyon, zurückrief.

Von weiteren Taten in Gallien wissen wir nichts, können aber nicht zweifeln, daß die Vollendung jener Brücke (welche nach Fiedler, Geschichte und Altertümer des unteren Germaniens, 1824, S. 105, noch zu Kaiser Ottos I. Zeiten bestanden und dann zum Bau der Pantaleonskirche abgebrochen worden sein soll) und vermehrte Grenzbefestigung ihn vor allem beschäftigt haben. Gewiß war der Grenzschutz damals, besonders auch durch eine starke Rheinflotte, wieder vollkommener als seit langer Zeit (Eum. VI, 13 und Pan. VIII v. J. 313, c. 2.)

Aber auch im Innern mag er sorglich, weise und milde gewaltet haben, was wir, wenigstens vom Autuner Bezirk (aus Eumenes Dankrede vom Jahre 311) mit Sicherheit wissen, nach welcher derselbe hier die Grundsteuer um ein Vierteil herabsetzte und fünfjährige Rückstände erließ. (Pan. VII, 11, 3 und 13, 1.)

Es ist hier der Ort, im Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte der Franken die fortdauernde politische Sonderexistenz der Brukterer und der übrigen von Nazarius (c. 18) genannten Völker hervorzuheben. »So viel Staaten (regna), so viel Völker, so großer Nationen Vereinigung«, sagt er bald darauf (c. 18) von obigen gegen Rom verbündeten Germanen.

Das Hauptvolk in diesem Kriege müssen die Brukterer gewesen sein, weil Eumenes (VI, c. 12) diese und die Verwüstung ihres Landes allein erwähnt; auch die anderen bekannten Nachbarvölker mögen mit Heerbann zugezogen sein, von den so entfernten Cheruskern(Alle diese Namen für bloße archaisierende Rhetoren-Phrasen zu erklären sind wir doch kaum befugt. D.) gewiß aber nur einzelne Gefolgsscharen, ebenso von den Chaibonen, in denen wir die Reste der von Maximian vernichteten Raubfahrer zu erkennen haben, indem wir diese Lesart der »Vangionen« vorziehen, da letztere römische Untertanen waren, obwohl allerdings auch ein Teil von ihnen, vielleicht im Anschluß an Alemannen, auf das rechte Rheinufer übergesiedelt haben könnte.

Von den übrigen Reichsteilen wissen wir aus jener Zeit wenig. Galerius erwarb sich durch (teilweise) Trockenlegung des Plattensees in Pannonien ein Verdienst und bildete in der Umgegend eine neue Provinz unter dem Namen seiner Gemahlin: »Valeria«. (Aur. Vict. d. C. c. 40, 9.) Maxentius schwelgte und raubte in Rom, hatte aber in Afrika einen schweren Kampf mit dem Empörer Alexander zu bestehen, den er erst nach mehreren Jahren besiegte, worauf er an dem unglücklichen Karthago und den schönsten Teilen Afrikas furchtbare Rache übte. (Aur. Vict. a. a. O. 17, 19; Zosim. II, c. 12 u. 13.)

Im Jahre 310 hatte Galerius ein krebsartiges Übel ergriffen, dessen Fortgang Lactantius (c. 33) und Eusebius (VIII, 16) mit der ekelhaftesten Umständlichkeit beschreiben. Auf dem Gipfel der Schmerzen und Gewissensangst erließ er nun am 30. April 311 in seinem, Constantins und Licinius NamenHieraus erhellt, daß Galerius Constantins Erhebung zum Augustus durch Maximian anerkannt, Maximin aber fortwährend nur als Cäsar behandelt haben muß, obwohl dies mit Lactantius (c. 32 a. Schl.) nicht übereinstimmt. Das Widerrufungsedikt aber ward auch von letzterem anerkannt. jenen merkwürdigen Widerruf des Diokletianischen Edikts gegen die Christen, den uns Eusebius (VIII, 17) und (minder vollständig) Lactantius (c. 34) aufbewahrt haben, worin er zwar die Rechtmäßigkeit und gute Absicht des ersteren wieder hervorhebt, dessen Zweck aber für verfehlt erklärt, daher aus Milde die Rückkehr zu der früheren Duldung der Christen verordnet.

Wenig Tage nachher starb der Kaiser, über dessen Persönlichkeit die Urteile der Quellen im schroffsten Gegensatze stehen.

Nach Lactantius (c. 21, 23, 25, 31 u. 32) ein Ungeheuer, wie kaum eines zuvor den Thron der Welt besudelt, war er nach Eutrop (X, 2) ein Mann, wohlgeartet (oder rechtschaffen, probe moratus) und ausgezeichnet im Kriegswesen. Die Epitome (c. 40, 15) nennt ihn gerecht, wenn auch in roher und bäurischer Weise (inculta agrestique justitia), hinreichend lobenswert, schön und so hervorragend wie glücklich als Kriegsführer: auch Aurelius Victor scheint (de Caesaribus c. 40), obwohl die Stelle etwas dunkel ist, von dessen glücklichen Anlagen zu sprechen.

Wir würden, wenn es der Mühe lohnte, einem Schriftsteller wie Lactantius gründliche Widerlegung zu widmen, selbst aus einer eignen Stelle desselben (c. 20), sowie aus des Eusebius Schweigen über Galerius, Waffen gegen erstern entnehmen können, beschränken uns aber auf unser eignes Urteil. Nach diesem war Galerius keineswegs bösartig, vielmehr das Gute wollend und ohne Herrschsucht: denn wie hätte er sonst drei Vierteile seiner Gewalt abtreten können? aber ungebildet, ohne Seelenadel, nur physischen, aber nicht moralischen Muts.

Sogleich nach seinem Tode eilte Maximin sich der erledigten Lande zu bemächtigen, gelangte aber, da Licinius ihm entgegentrat, nur zum Besitze von Bithynien, während alle europäischen Provinzen Licinius verblieben.

Maximin vertraute sich des Galerius Witwe und deren Mutter Prisca mit dessen natürlichem, damals siebzehnjährigen Sohne Candidianus an (Lactantius c. 20), wobei die nicht zu lösende Frage nahe liegt, ob diese zu Diokletian, ihrem Vater und Gemahl, nicht zurückkehren wollten oder nicht durften.

Noch in demselben Jahre bereitete sich einer der Kämpfe vor, die den Wendepunkten der Menschengeschichte angehören – der zwischen Constantin und Maxentius. Wir haben darüber (in den Pan. VIII u. IX) gute, aber ihres Zweckes halber nicht unbefangene Quellen. Dies gilt besonders von des Krieges Veranlassung.

Maxentius, der an Frevel wollüstiger Begier, an Raubsucht und schonungslosem Morden den schlechtesten der schlechten Kaiser nahe gestanden haben mag, muß doch viel politischen Verstand, namentlich großes Geschick für Bildung einer furchtbaren Armee, für Gewinnung und Erhaltung nicht nur der Soldaten, denen er alles nachsah, sondern auch tüchtiger und treuer Führer besessen haben. Seine Herrschaft umfaßte lange Zeit hindurch nur Italien, da sich der Tyrann Alexander Afrikas bemächtigt hatte (s. Zosimus II, 12 u. Aurelius Victor de Caesaribus c. 40, 17–20), welches er erst im Jahre 311 (wie auch Eckhel VIII, p. 60 annimmt) ganz wieder erobert haben kann, während das zu seines Vaters Reichsteil noch gehörig gewesene westliche Illyricum nach Zosimus (II, 14) in des Licinius Besitz war. Gleichwohl wagte Galerius, vielleicht auch weil er wegen seines Zerwürfnisses mit Maximin auf diesen nicht rechnen durfte, keinen neuen Angriff. Sicher nach dieser Seite mag daher Maxentius mit Recht den gefährlichsten Gegner seiner Zukunft in dem kriegerischen Constantin erkannt haben. Indes muß die erste Berührung zwischen beiden nach Nazarius (Pan. IX, c. 9, 1) von letzterem ausgegangen sein, der »obwohl von Maxentius noch nicht gereizt, doch ein Feind seiner Laster gewesen sei«. Verlangte Constantin vielleicht, der andere solle sich ihm, dem Augustus, als Cäsar unterordnen?

Wir wissen nur, daß Maxentius (nach c. 10, 3) alle Anträge zurückwies, worin der Panegyriker allein hinlänglichen Grund zu dessen Bekriegung findet. Vermutlich rüsteten nun sowohl Constantin als sein Gegner, der diesem unter anderem auch die Tötung seines Vaters vorgeworfen haben soll. (Zosim. II, 14.) In dieser Zeit offenen Haders ließ nun auch Maxentius Constantins unstreitig durch obige Gesandtschaft ihm übersandte Bilder herabnehmen und verunzieren. (Naz. a. a. O. c. 12, 2.) Darauf entbrannte der Krieg, in welchem sich Constantin ebenso tüchtig zum Siege, als mild nach dem Siege bewährte.

Des Maxentius Heer hatte (nach Zosimus c. 15) die Stärke von 170 000 Mann Fußvolk und 18 000 Reitern, Constantin, der bedeutende Streitkräfte zu Galliens Deckung zurücklassen mußte, aber doch auch wieder viel Germanen angeworben hatte, nur 90 000 zu Fuß und 8000 zu Roß.Diesen Zahlen steht freilich das Zeugnis des Paneg. VIII, 3, 3: »vix enim quarta parte exercitus contra centum millia hostium Alpes transgressus est« entscheidend entgegen. Auch verdient derselbe, der nur ein Jahr nachher gehalten ward, an sich mehr Glauben, als der so viel spätere Zosimus. Der Lobhudelei allein kann auch nur die Schwäche von des Constantius Heer im Verhältnis zum feindlichen, die sicherlich höchst übertrieben ist, nicht aber die bestimmte Angabe der Stärke dieses letzteren beigemessen werden. Zosimus muß aber für diesen Krieg eine gute Spezialquelle gehabt haben, da er nicht allein die Truppenzahl des Gesamtheeres, sondern auch die der einzelnen Bestandteile desselben anführt. Wir haben daher kein Bedenken gefunden, die genauere Berechnung, die an sich nicht unverhältnismäßig ist, der völlig vagen des Panegyrikers vorzuziehen, obwohl erstere gewiß auch von der in römischen Angaben so gewöhnlichen Übertreibung nicht ganz frei ist.

Im Fluge zog letzterer über den Mont-Cenis und nahm sogleich die Grenzfestung Susa mit Sturm, wobei er das ausgebrochene Feuer, zur Rettung der Stadt, mit größter Anstrengung wieder zu löschen suchte.

Vor Turin stieß er im Po-Tale auf das feindliche Heer, dessen Kern die im Zentrum aufgestellte schwere Reiterei (Clibanarier, Cataphracten) bildete, die, Mann und Roß gepanzert, durch gewöhnliche Waffen unverwundbar waren. Er aber bewehrt seine Truppen mit schweren eisenbeschlagenen Keulen und weicht vor diesen Panzerreitern, wie sie in keilförmiger Schlachtordnung auf ihn eindringen, so weit zurück, bis er die auf der Verfolgung unstreitig schon in einige Unordnung Geratenden mit seinen ungleich beweglicheren Truppen umzingelt hat. Da dringen diese, mit ihren Keulen auf die Köpfe schlagend, gegen sie ein, die plumpe Masse verliert Schluß und Haltung, wodurch sie allein gefährlich war, über einen Niedergeschlagenen stürzen viele andere, wieder aufstehen kann keiner, so daß endlich alle, wie der Panegyriker Nazarius (c. 24) wohl nicht ohne Übertreibung sagt, auf dem Platze bleiben.

Turin und Mailand nehmen den Sieger mit Freuden auf. Des Maxentius Heer wirft sich in das feste Verona – merkwürdiger Beweis für den gleichen Kriegsverlauf in alter und neuer Zeit, wo die Natur der Strategie die Bahnen vorzeichnet. (Pan. VIII, 5, c. 6 u. 8 u. IX, 21 bis 21)

Bei Brescia stieß Constantin noch auf ein starkes Reiterkorps, das sich aber, anscheinend ohne ernstlichen Widerstand, sogleich nach Verona zurückzog (IX, 25, 1.)

Hier kommandierte Ruricius, des Maxentius tüchtigster Feldherr. Das linke Ufer der Etsch war wohl verteidigt, Constantin aber setzte, die feindlichen Positionen umgehend, oberhalb derselben über den Strom und schloß die Festung auf beiden Ufern ein. Ruricius machte, eine bedeutende Verstärkung an sich zu ziehen, einen Ausfall, der auch vollkommen gelungen sein muß, da der Succurs in die Festung gelangte. Bald darauf, wenn nicht noch am Abend desselben Tages, brach er unerwartet mit vermehrter Kraft aufs neue aus. Weit in die Nacht hinein wütete die Schlacht.O nox illa aeternis seculis mandanda! ruft Nazarius c. 26 aus. Constantin muß in äußerster Bedrängnis gewesen sein: denn dies nur, nicht gemeine Tollkühnheit, kann ihn getrieben haben, sich persönlich in das dichteste Schlachtgewühl zu stürzen, um anfeuernd und mit riesiger Kraft Bahn brechend Sieg oder Tod zu suchen. Ruricius fiel – das entschied. (VIII, 8–10, IX, 26.)

Über das weitere Schicksal des Platzes findet sich nichts, indes scheinen die Anfangsworte des 11. Kap. Pan. VIII: »Als Du, nach der den Belagerten gewährten Zeit zur Reue, auch Aquileja eingenommen«, auf Übergabe beider Städte zu deuten. Diese muß auf Gnade und Ungnade erfolgt sein: denn es wird von Constantin gerühmt, daß er den Besatzungen das Leben geschenkt und sie nur, zur Verhütung der Desertion, in Fesseln habe schlagen lassen, welche, weil es an fertigen Ketten gebrach, aus den Schwertern der Soldaten geschmiedet wurden, worüber Eumenes drei Kapitel (11, 12 u. 13) verliert.

Fest war die Treue der Maxentianer gegen ihren unwürdigen Herrn! Des Severus und Galerius Soldaten gehen zu ihm über, keiner der Seinen zu Constantin.

Nachdem dieser hierauf Modena eingenommen (IX, 27, 1), zog er gegen Rom. Die Apenninen waren unverteidigt.

Maxentius unterdrückte die bösen Nachrichten, versteckte sich, verließ sogar zwei Tage vor Constantins Anmarsch den Palast (VIII, 16, 5). Rom war mit großen Getreidevorräten versehen: eine langwierige Verteidigung der Stadt, wie gegen Galerius, schien zu erwarten.

Da plötzlich wandelt sich des Tyrannen Sinn: nach sechsjährigem feigen Schwelgen fährt ein Blitz von Mut in seine Seele: am 26. Oktober 312, dem Vorabende seines sechsjährigen Regierungsantritts, führt er (mutmaßlich durch mißverstandene Anzeichen getrieben) sein immer noch außerordentlich starkes Heer in die Schlacht und stellt es gegen Constantin so auf, daß es den Tiber mit der milvischen Brücke im Rücken hat. Das tut nur ein Feldherr, der, um des Sieges sicher zu sein, einen Platz wählt, auf dem er siegen oder fallen muß. Über den Verlauf der Schlacht wissen wir wenig: nach Paneg. (VIII, c. 17, 1) hielten nur die Prätorianer, welche keine Verzeihung hoffen durften, tapfer Stand, die Walstatt mit ihren Körpern deckend, während die anderen, bald fliehend, sich in den Tiber stürzten; nach Nazarius (c. 29) scheint es indes heißer hergegangen zu sein, da wiederum von Constantins Heldentaten auf dem bedrohtesten Punkte der Schlachtlinie die Rede ist.

Nach Zosimus (II, 16) wichen zwar die aus Italien herbeigezogenen Truppen, welche den Tyrannen haßten, bald: die übrigen, besonders die Reiterei, fochten tapfer, und erst als auch diese nach ungeheurem Menschenverluste unterlagen, zog sich Maxentius mit dem Reste zurück.

Unzählige verschlang der Tiber: unter ihnen Maxentius selbst, dessen Roß, wahrscheinlich von dem steilen, bereits erreichten jenseitigen Ufer abgleitend, sich rückwärts mit ihm in den Strom überschlug (VIII, 17, 2 »frustra conatum per abrupta ulterius ripae evadere«).

Des Maxentius Körper ward, wohl wegen seiner schweren Rüstung, tags darauf an derselben Stelle gefunden.

Eusebius (V. C. I, 38) erzählt, die geschlagene Schiffbrücke (gewiß mehrere außer der steinernen milvischen) sei, um die Feinde zu verderben, in der Mitte durch eiserne Bolzen verbunden gewesen, durch deren Herausnahme die nächsten Kähne, Spannung und Tragkraft verlierend, unter der Last sinken mußten, und in dieser Fallgrube sei Maxentius selbst untergegangen: dem folgt auch Zosimus (c. 16), der jedoch die Brücke brechen läßt.

An dieser Geschichte, die auf den ersten Blick beinahe mit Rücksicht auf Psalm 57, 7Ps. 57, 7: »Sie graben vor mir eine Grube und fallen selbst darein.« erfunden zu sein scheint, mag so viel wahr sein, daß eine ähnliche Vorrichtung für den Rückzugsfall gegen den verfolgenden Feind getroffen worden: daß aber Maxentius selbst deren Opfer geworden, ist sicherlich unwahr, da der ungenannte Panegyriker, der seine Lobrede nur ein Jahr später hielt, diesen gerade für seinen Zweck so denkwürdigen Umstand nicht erwähnt und es ohnehin ungleich wahrscheinlicher ist, daß Maxentius aus Furcht, im ungeheuren Gedränge eines solchen Brückenübergangs (Anon. Val.) gefangen zu werden, im Durchschwimmen sich retten zu können glaubte.

Das war jener durch Raphaels berühmtes Gemälde im Vatikan verherrlichte, denkwürdige Sieg, den man als den Triumph des Christentums über das Heidentum dargestellt hat. Nicht mit Unrecht, wenn man denselben als das Fundament von Constantins Größe betrachtet, der das Christentum zur Staatsreligion erhob: irrtümlich aber, insofern man Maxentius als Vertreter des Heidentums betrachten wollte, was er niemals gewesen ist. In wie weit bei der Entscheidung übrigens das christliche Element unmittelbar eingewirkt habe, wird später bei der allgemeinen Erörterung von Constantins Verhältnis zum neuen Glauben Erwähnung finden.

Lauter Jubel in Rom, als der Befreier, dem des Tyrannen Haupt vorangetragen ward, feierlich, einzog. Und nicht bloß vergänglicher Rausch des Augenblicks, Milde krönte den Sieg. Nur des Maxentius Stamm ward ausgerottet (Pan. IX, 6, 6), dessen vertrauteste Freunde wurden getötet (Zosim. c. 17) und die Prätorianer, unter Schleifung ihres Festungslagers, ganz aufgehoben, im übrigen aber die Rache- und Reaktionsgelüste der Römer unterdrückt. Blieb in so enger Grenze die Strafe, so ergoß sich desto breiter der Strom der Rettung über des Maxentius unglückliche Schlachtopfer, die Kerker öffneten sich, die Verbannten kehrten heim, geraubte Güter wurden erstattet.

Constantins Politik entsprach es, dem Senat zu schmeicheln, dem er (nach Pan. VIII, 20, 1) seine frühere Autorität wieder gegeben haben soll, was jedoch eine leere Phrase ist; der Sieger ward aber auch von diesem, dessen Lücken – Folge so vieler Tötungen – er durch ausgezeichnete Männer aus den Provinzen ergänzte, mit Dankbezeugungen überschüttet: des Maxentius Bauwerke wurden ihm gewidmet, Statuen in Masse aufgestellt und die Errichtung jenes heute noch stehenden Triumphbogens beschlossen.

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