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Geschichte der Völkerwanderung

Felix Dahn: Geschichte der Völkerwanderung - Kapitel 29
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Völkerwanderung
authorFelix Dahn
firstpub1880
year1997
publisherPhaidon Verlag
addressEssen
isbn3-88851-198-4
titleGeschichte der Völkerwanderung
created20051128
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B. Zentralverwaltung

Wir kommen hier, den obersten Hofchef (praepositus sacri cubiculi) bei Seite lassend, sogleich auf die kaiserlichen Ministerien, und zwar

1) auf den obersten derselben, den Magister officiorum. Wir können ihn nur mit einem Staats- oder Reichskanzler späterer Zeit vergleichen. Die Wirksamkeit desselben hatte früher dem Praefectus Praetorio oder bei mehreren einem derselben zugestanden (s. Lydus II, 11 und 24). Diese Abzweigung jeder Zentralverwaltung von der vormals allmächtigen Präfektur, welche dadurch von der obersten Reichsbehörde zur bloßen Provinzialbehörde herabsank, war unstreitig eine der wichtigsten Veränderungen.

Vor den Magister officiorum gehörten alle Zweige der Zentralverwaltung mit alleiniger Ausnahme der Finanzen, daher

alle allgemeinen Gesetzgebungs- und Verfassungsangelegenheiten, wohin auch die Oberaufsicht über die gesamte Staatsdienerschaft gerechnet wurde;

die auswärtigen Angelegenheiten, welche jedoch damals, weil es keine stehenden Gesandtschaften gab, minder umfänglich waren, als in neuerer Zeit;

die Justiz und Verwaltung.

Derselbe muß aber auch eine gewisse, wahrscheinlich kontrollierende Mitwirkung im Kriegswesen gehabt haben, weil (nach C. Just. I, 31, 4) regelmäßige Übersichten über die Zahl der Soldaten und den Zustand der Festungen an den Grenzen ihm einzusenden waren.

Man hat jedoch nicht außer acht zu lassen, daß der Wirkungskreis der Zentralverwaltung überhaupt damals ein beschränkter war, weil die wichtigsten Angelegenheiten, selbst in oberster Instanz, durch die Praefecti Praetorio erledigt wurden. Nichtsdestoweniger mag die Wirksamkeit dieses Reichskanzlers eine höchst bedeutende gewesen sein, da unzweifelhaft alle Berichte der oberen und in vielen Fällen auch der unteren Landesbehörden durch ihn an den Kaiser gelangten und ihm besonders die Überwachung derselben, namentlich auch die Wahrung tunlichster Gleichförmigkeit in Grundsätzen und Verfahren, obgelegen haben mag.

Fremde Gesandte hatten ihre Botschaft ihm zuerst vorzutragen, er vermittelte deren Audienzen bei dem Kaiser, denen er hinter einem Vorhange (Velum) beiwohnte.

Auch stand ihm die Gerichtsbarkeit nicht nur über die ihm unmittelbar untergebenen, sondern auch über die Hofdienerschaft im engern Sinn und, was ganz eigentümlich erscheint, über die Militärbefehlshaber an den Grenzen (comites et duces limitanei) zu (s. die von Böcking II, 212 angeführten Gesetze), was darin seinen Grund gehabt haben mag, daß man diese, ihrer hohen Wichtigkeit halber, von den Oberfeldherren, magistris militum, nicht allzu abhängig machen wollte.

Unter dem Magister officiorum unmittelbar standen nun

a) verschiedene Scholae Bewaffneter (nach der Not. dign. im Orient sieben, im Occident fünf), die nach Bewaffnung und Herkunft benannt waren, als Scutarii, Sagittarii, Clitanarii, Gentiles. Sie waren wesentlich zum Wachdienste im Palast und zum Glanze des Hofes bestimmt, mögen aber auch sonst vom Magister officiorum gebraucht worden sein und wahrscheinlich zugleich als Vorschule für die sofort zu erwähnenden agentes in rebus und diejenigen Staatsbedienungen, für welche wissenschaftliche Bildung nicht erfordert ward, gedient haben, was deren Unterordnung unter den Mag. offic. erklärt. Ursprünglich wurden dazu nur kriegstüchtige und auserlesene Soldaten genommen, die nötigenfalls im Krieg als Elitecorps verwandt wurden, was von denen der Scularii und Gentiles an vielen Stellen durch Ammian bezeugt wird. Erst im spätem byzantinischen Reiche trat seit Kaiser Zeno deren gänzlicher militärischer Verfall ein, so daß sie unter Justinian nur noch als glänzend uniformierte Livreebediente zu betrachten waren. (Siehe Agathias, Bonn. Ausg. V, 15, p. 310.)

Deren ursprüngliche Anzahl wird von Prokop (Hist. arcan. c. 24, p. 135) zu 3500, also die Schola zu 500 Mann angegeben. Die Löhnung war merklich höher als die des Linienmilitärs.

b) Die Schola der agentes in rebus.

Die offene Bestimmung derselben war, wichtige Nachrichten, z. B. die Konsulatswahlen, kaiserliche Siege, neue Gesetze zur Kenntnis der Behörden und des Publikums in den Provinzen zu bringen, weshalb man sie mit unsern Feldjägern und Kurieren vergleichen könnte. Hauptsächlich aber wurden sie als Polizeiagenten und Spione gebraucht, die vor allem jede dem Kaiser feindliche oder auch nur bedenkliche Regung auszukundschaften und zu berichten hatten. Die Geschicktesten derselben wurden unter dem Titel curiosi bleibend oder für längere Zeit an geeigneten Punkten im Reiche stationiert. Auch zu Ausführung geheimer Aufträge, wie zu Verhaftung und Beseitigung höherer, dem Kaiser verdächtig erscheinender Beamten wurden die erprobtesten Offiziere derselben verwandt.

Viele solcher Agenten wurden auch den Landesbehörden bleibend zur Unterstützung beigegeben, so daß die aus diesem Korps Abgeordneten, deputati ejusdem scholae, eine besondere Abteilung bildeten.

Unzweifelhaft konnte das despotische Regiment eines Weltreichs solcher Polizeiorgane nicht entbehren: ja es erscheint zweckmäßig, daß der Zentralverwaltung, nächst den ordentlichen Landesbehörden, noch ein zweites Auge zu Wahrnehmung sowohl von hochverräterischen Bestrebungen als auch von Ungerechtigkeiten und Bedrückung zu Gebote stand: in Wirklichkeit aber mag bei der Verderbnis der Zeit der Mißbrauch den nützlichen Gebrauch weit überwogen haben, wovon sich mehrfache empörende Belege ergeben, wie dies auch die wider deren Anmaßung erlassenen Gesetze beweisen (C. J. XII, 22 de curiosis et stationariis).

Das ganze Korps war militärisch organisiert und sollte nach einer freilich viel späteren Verordnung im byzantinischen Reiche 248 Offiziere (Ducenarii und Centenarii), 250 Unteroffiziere und 750 Gemeine, einschließlich 400 zu Pferd, stark sein. (C. J. XII, 20, 3.)

Die obersten, principes, derselben hatten den Rang der zweiten Klasse, waren aber auch in ihrem Amte großen Gefahren ausgesetzt. (C. J. XXII, 21, 6.)

Ein Teil dieser Geschäfte ward früher durch die Frumentarier besorgt, die ursprünglich für die Ermittelung und Aufzeichnung der Getreidevorräte zu Versorgung der Hauptstadt und der Heere bestimmt, aber ganz in Polizeispione ausgeartet waren.

Diese »Pestilenz«, wie sich Aur. Vict. d. Caes. 39, 44 ausdrückt, schaffte Diokletian zu allgemeiner Zufriedenheit ab, der daher gewiß auch schon die agentes in rebus an deren Stelle errichtete, welche jedoch, späterhin wenigstens, gewiß eher schlimmer denn besser als jene geworden sein mögen.

c) Die Mensores und Lampadarii, von denen erstere hauptsächlich als Quartiermacher bei den Reisen des Kaisers und hoher Beamten fungierten, die Letztern den Luxusdienst des Vortragens der Fackeln am Hofe besorgen hatten.

d) Die Ministerialbureaus (scrinia).

Deren waren vier:

aa) Scrinium Memoriae, das man wohl als das Verfassungsdepartement bezeichnen könnte. Dahin gehörten adnotationes, unstreitig Cabinetsordres aus eigener Bewegung im Gegensatz zu Rescripten auf Anträge und Anfragen, Gesuche (preces) persönlicher Art, mutmaßlich alle Gnaden- und Anstellungssachen, überhaupt wohl alles, was nicht die nachfolgenden Spezialdepartements betraf.

bb) Epistolarum, unzweifelhaft für die auswärtigen Angelegenheiten, neben welchem im Orient noch ein besonderes Bureau für die griechische Korrespondenz bestand (graecarum epistolarum).

cc) Libellorum, das Justizdepartement.

dd) Dispositionum, das sich mit Ausführung administrativer kaiserlicher Anordnungen, z. B. bei Reisen und Feldzügen, aber auch mit Besoldungsanweisungen und anderen auf den Dienst bezüglichen Angelegenheiten, unstreitig mehr exekutiver als normativer Natur, beschäftigt haben soll. (S. Not. dign. I, p. 237.)

Jedem der drei ersten Departements stand ein Magister scrinii, d. i. Direktor oder Unterstaatssekretär vor, der der zweiten Rangklasse angehörte. Im ersten (memoriae) sollten nach einer späteren Verordnung allein für das Ostreich (C. J. XII, 19, 10) achtundsechzig, im zweiten und dritten je vierunddreißig Bureaubeamte angestellt sein.

Das minder wichtige Bureau der Dispositionen stand nur unter einem Comes.

Ferner standen unter dem Magister officiorum:

e) Das Officium admissionum d. i. das Zeremonienmeisteramt, dessen Personal sehr zahlreich gewesen sein muß, da ihm ebenfalls ein Magister und ein Vizepräsident (proximus) vorstand. (Not. dign. I, p. 237.)

f) Cancellarii, was nach Lydus d. Mag. III, 11 und 36, Cassiodor. Var. XI, 60 und XII, 1, B.-Hollw., S. 190 und 192 und Böcking II, S. 305–309 höhere Aufwärter waren.

g) Alle Waffenfabriken im Lande, deren die Not. dign. im Orient fünfzehn, im Occident zwanzig aufführt.

h) Zur unmittelbaren Dienstleistung bei dem Magister officiorum waren angestellt

aa) ein Adjutor, Adjutant, im Wesentlichen eine Art von Generaladjutant im Zivildienst, ein hoher Vertrauensposten, der den Rang eines Vicars hatte;

bb) zahlreiche Unteradjutanten, subadjuvae, namentlich auch für die Waffenfabriken und die einzelnen Landesteile.

Endlich waren, wie die Not. dign. zuletzt erwähnt, demselben noch untergeben:

i) ein Oberpostinspektor (curiosus cursus publici);

k) alle im Reiche angestellte curiosi (s. oben unter b), so wie

l) die Dolmetscher für fremde Sprachen, besonders barbarische.

Diesem Allen zufolge stand der Magister offic. oder Reichskanzler nicht nur an der Spitze der gesamten zivilen Zentralverwaltung, mit Ausschluß der Finanzen, sondern es waren ihm auch das Reichspostwesen, wichtige Zweige des Kriegsministeriums und selbst zum Teil des obersten Hofdepartements untergeben. In der Tat würde er hiernach fast die Macht eines Großwesirs gehabt haben, wenn nicht diese durch den

2) Quaestor, der vollkommen ein Kabinettsminister neuerer Zeit war, wesentlich gemindert worden wäre. Der Magister offic. kann dem Kaiser nämlich nur schriftliche Vorträge erstattet oder die der Landesbehörden, gehörig präpariert, unterbreitet haben. Den mündlichen Vortrag hatte allein der Quästor: er allein empfing die höchsten Resolutionen und setzte sie in derjenigen vom Kaiser signierten Fassung auf, welche der weitern Ausfertigung zur Grundlage diente.

Ein solches Verhältnis, daß die Minister nicht unmittelbar mit dem Souverän arbeiten, sondern an die Dazwischenkunft von Kabinettsministern, wo nicht gar bloßen Räten, gebunden sind, hat in vielen modernen Staaten bis zur neuesten Zeit bestanden.

Als besonderer Gegenstand der Amtstätigkeit des Quästors wird die Gesetzgebung hervorgehoben.

Zu dessen Ressort gehörten zugleich aber auch alle in dem laterculus minor (dem kleinern Buche) einzutragenden Anstellungen, wohin Gesetze alle praepositurae, tritunatus et praefecturas rechnen. Wir vermuten, daß sich dies, wo nicht ausschließlich, doch wesentlich auf unter diesem Namen fungierenden Stabsoffiziere des Militäretats bezog, da die praepositi, welche als Unterbeamte der Finanzminister vorkommen, und die Tribunen der Notarien schwerlich darunter begriffen gewesen sein mögen.

Es erklärt sich diese wunderbare Anomalie, da dergleichen Anstellungen der Natur der Sache nach vor das militärische Generalkommando gehörten, welches dieselben fortwährend auch wieder an sich zu bringen wußte (s. C. Theod. I, 8, 3 und Böcking II, 330), nur dadurch, daß man die immer noch gefährlichen magistri militum behindern wollte, durch Ernennung ihrer Kreaturen zu Stabsoffizieren das ganze Heer in noch höherem Grade von ihrer Person abhängig zu machen.

Alle übrigen sowohl der Landes- als Zentralverwaltung einschließlich des Hofdepartements angehörigen Stellen hingegen wurden im großen Buche (laterculus major) verzeichnet, von dem weiter unten die Rede sein wird.

Der Quästor hatte kein eignes Bureau, sondern wählte die ihm nötigen Arbeitskräfte aus den betreffenden Bureaus des Reichskanzlers, und zwar sollten zwölf aus dem scrinium memoriae und sieben je aus dem der auswärtigen Angelegenheiten und der Justiz, also sechsundzwanzig überhaupt, ihm als adjutores beigegeben sein. (C. J. XII, 19, 13.)

3) Der Comes sacrarum largitionum, d. i. der Reichsfinanzminister. Unter ihm stand die Leitung des direkten und indirekten Steuerwesens, namentlich auch der Naturallieferungen, die Beaufsichtigung des Handels, wohl nur in fiskalischer Beziehung, die Verwaltung des Schatzes, Bergbau und Münze, die Magazine und Fabriken (Webereien und Färbereien) für das Staatsbekleidungswesen und die öffentlichen Transportanstalten für Naturalvorräte aller Art.

Die Erhebung, wahrscheinlich auch Verteilung der Steuern aber besorgten die Landesbehörden und unstreitig behielt jeder Präfekt davon so viel für sich zurück, als für den etatsmäßigen Zivil- und Militärbedarf seines Bezirks erforderlich war, so daß nur die Überschüsse in die kaiserliche Zentralkasse flossen.

Die Unterbeamten dieses Ministeriums waren so zahlreich, daß deren spezielle Angabe hier kaum nötig scheint, zumal die Not. dign. des Orients hierin von der des Occidents merklich abweicht.

Im Wesentlichen waren es

a) Provincialbeamte, als:

aa) in jeder Diözese ein comes largitionum oder Finanzdirektor,

bb) in mehreren zu dem Ende zusammengeschlagenen Provinzen je ein rationalis, welcher wohl eine gewisse Kontrolle auszuüben und bei bestimmten Finanzangelegenheiten mitzuwirken, vor allem aber alle fiskalischen Prozesse zu entscheiden hatte. Die Appellation von ihm ging durch den Minister an den Kaiser.

cc) Vorstände der einzelnen Provinzialkassen, Münzen, Fabriken und Transportanstalten.

b) Dessen Bureau, das im Orient in fünfzehn, im Occident in dreizehn verschiedene Scrinia oder Spezialbureaus für die verschiedenen Geschäftszweige zerfiel, unter denen die der tabulariorum das Rechnungswesen zu besorgen hatten.

4) Der Comes rerum privatarum.

So nahe es liegt, in diesem den Verwalter des kaiserlichen Fiskus, im Gegensatze zu dem unter dem Com. sacr. largit. stehenden Aerar, zu vermuten, so würde dies doch ganz irrig sein, da der Comes rerum privatarum lediglich die Staatsdomänen zu verwalten hatte, indem sogar die Schatullegüter des Kaisers in Kappadokien nicht unter ihm, sondern unter dem obersten Hofchef standen. Wohl aber war ihm der vom Staatsschatze getrennte Kronschatz untergeben.

Die Domänen bestanden teils aus kaiserlichen Schlössern (divinae domus), teils in Gütern und Waldungen, hauptsächlich aber in Dominialgefällen, da wahrscheinlich der größte Teil der Grundstücke gegen Zins (emphyteutisch, nach Art unserer Erbpacht) ausgetan war. Auch konfisziertes Privatvermögen, wie unter Valentinian das des Gildo in Mica, herrenlose Güter und dergleichen fielen dessen Verwaltung zu. Nicht minder waren ihm die Stutereien (greges et stabuli) und die Transportanstalten für seine Zwecke untergeben.

Die Beamten dieses Ministeriums sind dem des Reichsfinanzministers ganz ähnlich. Sie waren teils in der Provinz als Rationalen (s. oben) und Verwalter oder Aufseher, Prokuratoren, teils im Ministerialbureau selbst angestellt, das jedoch weit kleiner war, als das seines unter 3) gedachten Kollegen.

Mit den vier Ministern schließt die erste Rangklasse; wir kommen nun (indem wir die Befehlshaber der Leibgarde, wenngleich es zweifelhaft ist, ob diese nicht mehr zu den Zivilbeamten gerechnet wurden, dem Militäretat vorbehalten und auch die im Range diesen folgenden Hofchargen des primicerius sacri cubiculi und des castrensis übergehen),

5) auf den primicerius notariorum, den Oberhofnotar.

Diesem war die Führung des großen Buchs (laterculus major) übertragen, das nach der Not. dign. das Verzeichnis aller dignitates (sowohl Ämter als bloßer Titel) des Zivil- und Militäretats enthielt.

Dies konnte um deswillen nicht im Bureau des Reichskanzlers geführt werden, da es zugleich die Beamten des Hof-, Finanz- und Militärdepartements umfaßte. Ein gutachtlicher Vorschlag bei den Anstellungen selbst kann dem primicorius notariorum kaum zugestanden haben. Es scheint sogar, nach obigem Worte »aller« (omnium dign.), daß auch die Würden des kleinen Buches, welches der Quästor zu führen hatte, darin, wahrscheinlich abgesondert, mit aufgeführt wurden. Dieser letztere hohe Beamte hatte aber unstreitig mehr als die bloße Eintragung zu besorgen, also eine gewisse Mitwirkung bei der Anstellung der dahin gehörigen Beamten selbst, während die Wirksamkeit des Primiceriats zunächst eine rein notarielle sein sollte, daher einem Heroldsamte zu vergleichen war, das namentlich die Rang- und Anciennetätsstreitigkeiten zu entscheiden hatte. Nach dem hohen Range dieses Beamten, der nach seinem Abgange sogleich Rang und Titel eines fungierenden Magister offic. erhielt (C. J. XII, 7, 2 a. Schl.), muß derselbe jedoch ein besonderes Vertrauen genossen haben. Wir vermuten daher, daß ihm, zu Verhütung der damals so häufigen Unredlichkeiten und Mißbräuche, zugleich eine genaue Überwachung des gesamten Anstellungswesens zur Pflicht gemacht war.

Nach der Not. dign. des Orients hatte er auch ein Verzeichnis sämtlicher Scholae und Truppen-Abteilungen zu führen, was jedoch in der des Occidents nicht vorkommt.

Seine Gehilfen wählte er aus der Schola der Notarien.

6), 7) und 8) Die bereits oben erwähnten Magistri Scriniorum memoriae, epistolarum und libellorum, d. i. die Direktoren der drei Hauptabteilungen der Reichskanzlei.

Dies waren die Zentralbeamten, worauf in der Not. dign. die (von uns bereits unter A. abgehandelten) Landesverwaltungsbehörden, von den Prokonsuln ab, folgen.

Für beide Kategorien (A. und B.) ist aber noch die nach gleichen Grundsätzen geordnete Bureau-Verfassung in das Auge zu fassen, die sowohl ihrer großen Eigentümlichkeit als ihrer Wichtigkeit wegen besonderer Darstellung bedarf.

Die Bureauverfassung

In der Republik war der öffentliche Dienst, einschließlich der Advocatur, lediglich Ehrensache, zugleich aber die Vorschule zu den höchsten Staatswürden, ward daher nur von den höhern Klassen, mindestens von den Vermögenderen, gesucht. Unter den Kaisern aber, als die Staatsbedienungen zahlreicher und besoldet wurden, bildete sich eine eigene Erwerbs- und Berufsklasse dafür aus, wie dies auch in unserer Zeit der Fall ist. Man studierte die Rechte, wofür die Universität zu Berytus (Beirut in Syrien) damals die berühmteste war. Nach dieser Vorbereitung wurden die jungen Leute Notarien im weitesten Sinne des Worts, wie ihn Lydus (III, 6) auffaßt, was unseren »Rechtskandidaten« zu vergleichen ist.

Die wissenschaftlich Befähigtesten waren zum sofortigen Eintritt als Supernumerare berechtigt.

Andere meldeten sich bei den Landesbehörden zu Übernahme verschiedenartiger praktischer Aufträge in den Provinzen, gewißermaßen als agentes in rebus der Provinzialbehörden. Man nannte sie nach dem einen Postpferde, das ihnen ordonnanzmäßig zukam, singulares.

Eine dritte Klasse der Notarien endlich fungierte als Rechnungsführer (rationales) und Schreiber bei den Brotverbackungs- und Verteilungsanstalten in Rom, Konstantinopel, Alexandrien und anderen Städten, welche anscheinend seit Aurelian (Fl. Vop. Aur., c. 35 und 47) an die Stelle der früheren Getreidespenden getreten waren, sowie bei den sonstigen Verabreichungen, z. B. von Öl und Schweinefleisch, worüber zahlreiche Titel des Theod. Cod. Aufschluß geben, wie denn unter anderem (in XIII, 17, 6) demjenigen Schreiber, welcher sich hierbei um Geld oder Gunst einer Widerrechtlichkeit schuldig mache (dem gratificanti oder vendenti scribae), Todesstrafe angedroht wird. Leider ist jedoch Lydus hierüber (namentlich III, 7) sehr dunkel und verworren.

Ein großer Teil dieser Rechtskandidaten muß sich aber auch der Privatpraxis (mit Ausnahme jedoch der advokatorischen im engeren Sinne, welche nur den dafür Angestellten zustand) ergeben haben. Dahin gehörten die Prokuratoren, sowie die Tabellionen. Die Reste letzterer sind heute noch, wiewohl in viel unwürdigerer Form, auf den öffentlichen Plätzen und Straßen der italienischen Städte zu finden.

Die sich zum Staatsdienst meldenden Notare hatten ihre Befähigung durch Zeugnisse und Specimina zu erweisen (Lyd. III, 2), worauf sie durch ein kaiserliches Rescript, was durch den Mag. offic. erging, zu Behilfen, Adjutoren im weitesten Sinne dieses Worts, ernannt wurden.

Sie traten nun gleich unseren Accessisten, Protokollanten, Auscultatoren usw. als überzählige Hilfsarbeiter ein und konnten sich dazu nach freier Wahl, mit Genehmigung des Vorstandes, welche anscheinend nicht versagt wurde, bei irgend einem beliebigen Bureau und beziehentlich bei einer bestimmten Abteilung eines solchen melden.

In der Kanzlei des Praefectus Praetorio, von der wir durch Lydus genauesten unterrichtet sind, gab es (nach III, 4) fünf solcher Abteilungen, wohin z. B. die für Zivilsachen des cornicularius und die für Kriminalsachen des commentariensis gehörten, im gesamten Staatsdienste aber überhaupt fünfzehn dergleichen, die ordines oder scholae genannt wurden. (S. Lydus III, 6.) Zu einer solchen Schola (d. i. Verein, Körperschaft, Zunft) gehörten nun nicht bloß die Supernumerare, sondern auch die in der betreffenden Geschäftsabteilung Angestellten selbst. Von des Lydus Person selbst erfahren wir (III, 26), daß er nach absolvierten Studien zuerst bei den memorialibus aulae, d. i. bei zum Scrinium memoriae in der Reichskanzlei gehörigen Hilfsarbeitern eintreten wollte, von dem damaligen Praefectus Praetorio des Orients, seinem Landsmann, aber veranlaßt ward, sich den Notarien der Präfektur und zwar der Abteilung des Cornicularius anzuschließen.

In jeder solchen Schola rückten nun die Eingetretenen nach dem Dienstalter allmählich bis zur höchsten Stelle hinauf, wobei Lydus erst nach vierzig Jahren zu der des Cornicularius gelangte.

Dies ward dadurch erleichtert, daß nach dem Gesetze jährlich zwei Notare aus dem aktiven Dienst ausschieden (Lyd. III, 9), was sich jedoch nicht einmal auf das ganze Bureau, sondern nur auf jede Spezialabteilung desselben beziehen kann, da Lydus (III, 66) ausdrücklich bemerkt, daß vor dem zu seiner Zeit unter Justinian eingetretenen Verfalle der Officien überhaupt, d. i. im gesamten Staate, deren jährlich tausend ausgeschieden seien. Bethm.-Hollw. (S. 187, Anm. 156) nimmt zwar an, daß diese Stelle nicht von den Ausgetretenen, sondern von der Gesamtzahl der überhaupt vorhandenen Notarien (ταχυγράφοι) rede, es ist aber dagegen einzuwenden, daß a. a. O. ausdrücklich von den Austretenden (τοι̃ς παυομένοις τω̃ν πόνων) die Rede ist und der ganze Zweck der Bemerkung, den Sportelverlust des Matricularius zu beweisen, sich eben nur auf die Dienstveränderungen beziehen kann, bei welcher die Neueintretenden etwas zu entrichten hatten. Bethm.-Hollw. scheint zu glauben, daß Lydus a. a. O. nur von den Excerptoren (Protokollanten) im engeren Sinne rede: es ergibt sich aber (aus III, 9, 13, 16, 25 und sonst), daß derselbe unter den Tachygraphen oder Notarien das ganze teils aktive, teils ruhende Bureaupersonal, namentlich alle Adjutoren (βονθοί) der höheren Stellen versteht, wobei dann eine Gesamtzahl von nur tausend überhaupt Angestellter bei den von Bethm.-Hollw. selbst S. 167 für einzelne Bureaus beispielsweise angegebenen Zahlen völlig undenkbar erscheint.

Die einzelnen Stellen im Bureau wurden nun in der Regel nur ein Jahr bekleidet (Bethm.-Hollw. S. 196), worauf die Betreffenden austraten, immer aber noch in der Kanzlei, wo sie nach Lydus (III, 13) einen eignen Platz hatten, blieben und mit Arbeiten für die dafür zu entrichtenden Sporteln beschäftigt wurden, aber auch, wie aus derselben Stelle am Schluß hervorgeht, andere Rechtsgeschäfte betreiben konnten, was durch des Lydus eigenes Beispiel (III, 27 a. Anf. u. Schluß) erläutert wird. Nach gleicher Frist trat nun der Ausgeschiedene wieder in eine andere höhere Stelle, wenn auch derselben Kategorie, ein, so daß er z. B. vom zehnten Protokollanten zum neunten hinaufrückte.

Die Gesamtkanzlei umfaßte nun folgende Abteilungen und Vorstände derselben:

a) Den Cornicularius, welcher militärische Titel unzweifelhaft den im Range obersten Beamten bezeichnet, der jedoch speziell nur die Abteilung von Zivil- und wahrscheinlich auch Verwaltungssachen unter sich gehabt zu haben scheint. Nun erwähnt zwar die Not. dign. in allen Bureaus der Landesbehörden, aber nicht in denen der Zentralverwaltung, noch einen Princeps, der unzweifelhaft über dem Cornicularius stand. Dies ist jedoch nach des Lydus bestimmter, im Wesentlichen mindestens nicht zu bezweifelnder Angabe (III, 22) ein erst unter Arcadius (allerdings aber auch im Occident) zu dem Zwecke angestellter Beamte, den Vorstand der Behörde, Präfekt, Vicar etc. selbst zu überwachen, vielleicht auch bisweilen zu vertreten, der als solcher an der Bureauverwaltung keinen notwendigen und wesentlichen Anteil hatte.

Für die Praefecti Praetorio war derselbe wahrscheinlich ein höherer kaiserlicher Kommissär, für sämtliche Vicare ein dazu abgeordneter Offizier der agentes in rebus, für die konsularischen Provinzialstatthalter im Occident ein Beamter aus der Kanzlei des Praefectus Praetorio, nur für den Prokonsul von Asien und alle übrigen Provinzialstatthalter aus deren eignen Bureaus (de eodem officio) entnommen, ward aber in diesem Falle nicht von dem Statthalter selbst, sondern von dessen vorgesetzter Behörde ernannt.

b) Der Adjutor, wie ihn die Not. dign., oder primiscrinius, wie ihn Lydus nennt, nach welchem deren übrigens zwei waren.

Die Beamten a) und b) scheinen die Direktoren der beiden Hauptabteilungen gewesen zu sein.

c) Der oder die Commentarienses, Vorstände der Kriminalabteilungen, deren Ansehen und Gewalt, da Verhaftung und Folter zu ihrer Verfügung standen, sehr groß war (s. Lyd. III, 16–18).

d) Der oder die ab actis, welche die spezielle Verhandlung aller Zivilsachen und die Ausfertigungen hierin zu leiten hatten, obwohl dies nach Lydus (III, 20), der ihnen nur χρηματικὰς υποθέσεις (pecuniarias causas) zuweist, zweifelhaft scheinen könnte.

e) Der Vorstand der cura epistolarum, welche wohl besonders die Abfassung der Schreiben in Steuerangelegenheiten zu besorgen hatte.

f) Der oder die Regendarien, unter welchen die Postanstalten des Bezirks standen.

Jeder dieser Abteilungsvorstände hatte nun ein eignes scrinium (Spezialbureau) unter sich, mit welchem eine besondere Schola verbunden war, welche sowohl die wirklich besoldeten, als die ruhenden Bureaugehilfen, einschließlich der Überzähligen, umfaßte.

Da jedoch Lydus (III, 4) ausdrücklich nur fünf Kataloge (der technische Ausdruck für das Verzeichnis der Mitglieder einer Schola) anführt, nämlich die der obbenannten Vorstände a), b), c), e) und f), dabei aber den ab actis d) wegläßt, so ist zu vermuten, daß dieser zur Schola des Cornicularius gehörte.

Unter den Bureauofficianten werden nun, nach der Natur ihrer Geschäfte, die wissenschaftlich gebildeten von denen unterschieden, die dies nicht sind, oder wenigstens die für erstere vorgeschriebene Prüfung, wir würden sagen das zweite Examen, nicht bestanden hatten.

Zu ersteren gehörten namentlich die in den verschiedenen Abteilungen fungierenden numerarii, auch tabularii oder Rechnungsbeamten, die adjutores, welche der Vorstand, nachdem sie neun Jahre lang protokolliert hatten (Lyd. II, 18), zu seiner persönlichen Unterstützung zu beliebigen Arbeiten verwenden konnte, und die exceptores oder Protokollanten. Die mit Spezialgeschäften beauftragten Expedienten wurden nach solchen mit entsprechenden Namen bezeichnet, z. B. Instrumentarius, Vorstand der Zivilregistratur, der oben erwähnte Matricularius, sowie die Sekretarien und Cancellarien (wenn letztere überhaupt zu den Literaten gehören, was wir bezweifeln müssen).

Zu den Illiteraten gehörten die oben erwähnten Singularier, welche indes nach Lydus (III, 6) auch Rechtskandidaten, nur minder befähigte, gewesen sein dürften und eine größere Anzahl von Officianten mit militärischen Bezeichnungen, ducenarii, centenarii, biarchi, welche als Gendarmerieoffiziere und Gendarmen zu betrachten sind und besonders zu Vollstreckung mündlicher Aufträge (Lydus III, 15) wie Exekutionen, Verhaftungen und sonst gebraucht wurden.

Noch niederere Beamte kommen unter sehr verschiedenartigen Bezeichnungen, wie Ausrufer, Schließer u. a. m., vor.

Die auffälligste Verschiedenheit dieses Bureauwesens von dem modernen liegt darin, daß die in letzterem so wichtige Sonderung der geistigen Arbeit von der mehr oder minder mechanischen ganz vermißt wird, dieselben Personen also, welche späterhin zu Räten und Direktoren aufrückten, vorher zum Teil anscheinend auch zu Geschäften verwendet wurden, welche bei uns durch Kanzlisten und Registratoren besorgt werden.

Höchst eigentümlich dagegen erscheint das System der sorgfältigsten Überwachung und Kontrolle, welches sich durch die ganze Einrichtung hinzieht. Die Regierung mag von der allgemeinen Unrechtlichkeit aller Beamten (Lyd. III, 17) so erfüllt gewesen sein, daß sie deren Verhütung allenthalben vor Augen hatte, wie denn z. B. die Exekutivmandate, damit nicht etwas weggelassen oder zugesetzt würde, von drei Oberbeamten zu unterschreiben waren (Bethm.-Hollw. S. 178). Nur aus diesem Motive allein kann die an sich so zweckwidrige Einrichtung des fortwährenden Stellenwechsels, des Aus- und wieder Eintretens der Bureauofficianten erklärt werden, indem der Nachfolger jederzeit der natürliche Aufpasser seines Vorgängers war, durch dessen Dienstentlassung er avancierte.

Neben den erwähnten speziellen Scholis der Notarien bestand nun unzweifelhaft noch ein allgemeiner organischer Zusammenhang derselben, als deren Haupt wir, wenn auch nur dem Namen nach, den oben unter 5) gedachten primicerius notariorum, neben welchem (im C. J. XII, 7, 1 in der Überschrift) auch ein secundocerius erwähnt wird, zu betrachten haben.

Eben dieses Gesetz vom Jahre 380 erwähnt übrigens den ordo der Notarien als Gesamtheit, spricht von der besonderen Pietät des Kaisers für sie und verordnet, daß diejenigen, welche aus diesem Wirkungskreise ausscheiden, wenn sie irgendeine andere Dignität erlangten, die Bezeichnung dieses früheren Amtsverhältnisses beibehalten sollen (non omittant prioris vocabulum militiae). Dieser ordo (Zunft, Korps) der Notarien kann jedoch nur die im Staatsdienste selbst angestellten oben erwähnten drei Klassen umfaßt haben.

Wenn ferner des Lydus Darstellung (III, 9) richtig ist, so zerfiel das ganze Corps der Notarien in zwei Hauptabteilungen, von denen die eine das τάγμα (Schar, Corps) der Augustalen hieß, deren Vorstände, dreißig an der Zahl, den persönlichen Titel Augustalen führten, aus denen die Kaiser fünfzehn für ihren Bedarf als Protokollanten erwählten, welche, wie wir mehrfach aus Ammian Marcellin ersehen, auch zu wichtigen kommissarischen Aufträgen, meist wohl als Spione und Polizisten des Hofes, verwandt wurden.

Auch Tribune (die militärische Bezeichnung für Stabsoffiziere) der Notare (tribuni et notarii) kommen häufig vor, ohne daß jedoch genügend zu ersehen wäre, ob dies nur Ehrenauszeichnung war oder sich auf ein Amt bezog.

Von großer politischer Wichtigkeit aber ist der aus dem vorstehend entwickelten Motiv entsprungene Gedanke, die ganze zahlreiche Klasse der Juristen und Geschäftsmänner mit dem Monarchen und seiner Regierung in unmittelbare Verbindung zu bringen und dadurch den größten Teil derselben, auch die nicht unmittelbar Angestellten, zu Staatsdienern zu machen.

Dahin gehörten nun auch die Advokaten, welche nur auf Grund förmlicher Anstellung bei einem Gericht praktizieren durften. Wie dies mit den Prokuratoren stand, die sich, wie heute noch in Frankreich die avoués von den avocats (den allein öffentlich plädierenden Rechtsanwälten), unterschieden, wissen wir nicht.

Sowohl alle Staatsdiener und Notare als die Advokaten genossen für sich und ihre Angehörigen übrigens der ausgedehntesten Privilegien, namentlich der Befreiung von Kommunal- und Staatslasten, sowie andere Vorrechte, wie denn z. B. die Körperschaft der bei den Präfekturen angestellten Advokaten in späterer Zeit die eigentümliche Befugnis erlangte, jährlich zwei Individuen zur Aufnahme in die kaiserliche Garde, welche Stellen sehr gesucht gewesen sein mögen, zu präsentieren. (C. J. II, 7, 25 oder 8, 6.)

Über die Verfassung der Ministerialbureaus sind wir, zumal bei den Abteilungsdirektoren (magistris scriniorum) jede Angabe über deren Kanzleien in der Not dign. fehlt weit weniger unterrichtet. Die Kanzleien der Finanzministerien scheinen nur in sachlich abgeteilte Spezialbureaus, mit denen jedoch wahrscheinlich ebenfalls Scholae verbunden waren, zerfallen zu sein. Wir ersehen aber gelegentlich (aus C. J. XII, 23, 2), daß die zu Aufträgen und Erörterungen in der Provinz bestimmten Beamten derselben (welcher Organe keine Behörde damals entbehren konnte) den Namen mittendarii, Sendlinge, führten.

Nach dieser Darstellung der gesamten Zivilverwaltung ist noch des kaiserlichen Konsistoriums zu gedenken, das unter Diokletian und Constantin zu einer festeren Verfassung ausgebildet ward.

In ihm hatten regelmäßig Sitz und Stimme:

1) Der in der Residenz anwesende Praefectus Praetorio;

2) der oder die magistri militum in der Stadt;

3) die obengedachten vier Minister;

4) eine unbestimmte Anzahl wirklicher Geheimräte, die der zweiten Rangklasse angehörten, Comites consistoriani.

Überdies wurden in besonderen Fällen mehrere außerordentliche Mitglieder zugezogen, namentlich wohl Staatsdiener der ersten und zweiten Klasse, die für den Augenblick ohne Administration waren (vacantes), Patricier u. a. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß das Konsistorium teils als wirklicher Geheimrat, teils aber auch als Staatsrat fungierte, in welchem letzteren Falle dann wohl mehr Personen dazu berufen wurden (Bethm.-Hollw. S. 110–119).

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