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Geschichte der Völkerwanderung

Felix Dahn: Geschichte der Völkerwanderung - Kapitel 20
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Völkerwanderung
authorFelix Dahn
firstpub1880
year1997
publisherPhaidon Verlag
addressEssen
isbn3-88851-198-4
titleGeschichte der Völkerwanderung
created20051128
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Fünftes Kapitel
Rom und die Germanen vom Tode Caracallas bis zum Tode des Gallienus

Nach dem Tode des vom Heere tief betrauerten Caracalla ward Macrinus Kaiser: ihn betrifft eine ziemlich unklare Nachricht Xiphilins LXXVIII, 27, nach welcher

»die Daken einen Teil Dakiens verwüstend noch weiter gekriegt hätten, nachdem sie die Geiseln, welche Caracalla zu Bekräftigung des Bundes- und Hilfstruppen-Vertrags von ihnen empfangen, zurück erhalten.«

Es handelt sich hier wohl um einen Einfall der Gebirgsdaken, derselben, die schon unter Commodus unruhig waren, welche gerade umgekehrt vielleicht durch Rückgabe der Geiseln und ein nie fehlendes Geldgeschenk wieder beruhigt worden sein dürften.

Von seinem Nachfolger Heliogabal erfahren wir (Lampridius c. 9), daß er die Markomannen bekriegen wollte, wozu es aber nicht gekommen zu sein scheint.

Die Quellen über seinen Nachfolger Severus Alexander sind ungenügend. Dio verläßt uns mit ihm. Herodian, der, wie immer anziehend, klar, voll scharfer Charakteristik ist, steht Lampridius gegenüber, der in fünfundsechzig Kapiteln voll des Edlen und Lobenswerten freilich meist kleinlicher Details nur vier Zeilen Tadel hat.

Während der Kaiser durch die persischen Gefahren im Osten voll in Anspruch genommen war, wurde ihm von Illyrien gemeldet: die Germanen hätten Rhein und Donau überschritten und durchzögen räuberisch verheerend das römische Gebiet, die dortige Streitmacht sei der Abwehr nicht gewachsen, seine und des ganzen Heeres Gegenwart daher unerläßlich. In der Tat mochte die Schwächung der Grenzarmeen für den Bedarf gegen die Perser jene Angriffe erleichtert haben.

Da der Krieg gegen die Germanen, zu dem Alexander im Jahre 234 auszog, und dessen Beendigung durch den Nachfolger, unten im Anschluß an die über das Zehntland und die Alemannen gewonnenen Resultate besonders zu behandeln ist, genügt hier die Bemerkung, daß der Kaiser, als er auf dem linken Rheinufer standHerodian IV, 7. Wenn er an das Rheinufer rückte (επέστη τοι̃ς του̃ ‘Ρήνου όχθαις), so kann dies nur von Gallien her geschehen sein. Die Germanen auf dem linken Ufer mögen vor ihm zurückgewichen sein, er aber über den Rhein zu verfolgen gezögert haben., mehr verhandelnd, auf Erkauf des Friedens bedacht, als kraftvoll handelnd auftrat, was die Soldaten gegen ihn einnahm. Die Mißstimmung hatte noch andere Gründe. Das durch Septimius Severus und Caracalla verwöhnte Heer hätte die gerechte Strenge, welche Alexander übte, einem kriegerisch siegreichen Führer vielleicht nachgesehen: gegen den unkriegerischen Jüngling murrte es: das Weiberregiment der überall gegenwärtigen, sich in alles mischenden Kaiserin-Mutter empörte es.

Dies benutzte der Thraker Maximin, der durch seltene Körperstärke und Mut zu den höchsten Militärwürden sich emporgeschwungen hatte, von Alexander insbesondere geehrt und erhoben und zuletzt mit der obersten Leitung der Ausbildung der zahlreichen Rekruten, unter denen sich viele seiner Landsleute befanden, betraut worden war. Diese riefen den als tapferen Haudegen, wenn auch nicht als Feldherrn Bewährten zum Kaiser aus, was Maximin, dem Worte nach, widerwillig annahm; aber in der Tat marschierte er sofort gegen Alexander, der von den ihn umgebenden Truppen, die er vergeblich zu seiner Verteidigung aufrief; verlassen, in den Armen der Mutter mit dieser und allen seinen Anhängern niedergestoßen ward. Dies geschah, nach Lampridius (c. 58), »in Britannien, oder, wie andere wollen, in einem Dorf Galliens, das Sicila hieß«; nach Aurelius Victor in einem Dorf Britanniens, Namens Sicila. Man hat diesen Widerspruch mit der geschichtlichen Wahrheit, da Severus Alexander zweifellos damals am Rhein stand, dadurch erklärt, daß das Dorf Bretzenheim eine halbe Stunde von Mainz, am linken Rheinufer, welches vormals Vicus britannicus (vermutlich von dahin verpflanzten Briten angelegt) genannt worden, dessen Todesstätte gewesen sei (s. Lehne im rheinischen Archiv nach Luden, G. d. d. Volks. II, S. 81 u. 486).

Maximinus soll (perhibetur) nach Capitolin (c. 1) in einem thrakischen Dorf von einem gotischen Vater und einer alanischen Mutter geboren, zuerst Viehhirt gewesen und dann zur Reiterei ausgehoben worden sein.

Leider ist Capitolin unzuverlässig und da er die gotische Abstammung Maximins nicht einmal mit Sicherheit anführt, so würde die Tatsache hiernach als feststehend nicht zu betrachten sein. Jordanis (c. 15) aber, der sie fast mit denselben Worten anführt, versichert, dieselbe aus der Geschichte des Symmachus entnommen zu haben, was sonach vielleicht gleicher Weise von Capitolin geschehen sein dürfte. Dieser Schriftsteller (der mit dem späteren Rhetor, welcher beinahe ein Jahrhundert nach Capitolin lebte († 403), nicht zu verwechseln ist) ist uns freilich völlig unbekannt.

Da es den Römern aber, namentlich durch Dexippus, an Quellen über die Ankunft der Goten nicht gefehlt haben kann, so muß jener Schriftsteller es mindestens der Zeit nach für möglich gehalten haben, daß Maximins Vater Micca Gote gewesen sei. Das Geburtsjahr dieses Kaisers, der nach dem Chron. Paschale ed. Bonn I, 501, im 65., oder nach Zonaras XII, 16 dieser Ausg., p. 579, im 74. (was jedoch minder richtig scheint) Jahre starb, fällt hiernach auf das Jahr 173, wo nicht gar schon 164, woraus sich zweifellos ergibt, daß dessen Vater schon unter Marc Aurel in Thrakien einwanderte, wonach am wahrscheinlichsten wird, daß er sich unter den von Marc Aurel im Reich angesiedelten Germanen (s. oben) befunden habe.

Unzweifelhaft läge hierin ein neuer BeweisIndessen, abgesehen von der Möglichkeit, daß Micca von seinem Volke getrennt, als einzelner Gefolgsgenosse unter Viktofalen oder Vandalen gedient habe, steht doch die gotische Abstammung durchaus nicht fest genug, um darauf gebaute Schlüsse zu tragen. Verwechslung von Goten mit Geten und andern nordöstlichen Barbaren ist häufig genug. »Micca« wäre allerdings auf gotisch »mikils«, »groß«, zurückzuführen. Maximin, d. h. »der Große«, maß angeblich acht Fuß; sein Vater Micca war vermutlich auch »mikils«. D.) für die schon oben ausgesprochene Vermutung, daß die Ankunft der Goten am Pontus bereits längst vor deren erster Erwähnung in den Quellen um das Jahr 215 erfolgt sei.

Nach einem Verheerungszug in Germanien zog Maximin im Herbst 237 (Herod. VI, a. Schl. u. Eckhel p. 291: s. das Folgende) nach Sirmium in Pannonien (Petrovitz) an der niedern SaveDie Wahl dieses Hauptquartiers beweist, daß die gefährlichsten Feinde damals zwischen Donau und Theiß – dem Lande der Jazygen – standen. und ging mit Kriegsplänen gegen die nördlichen Barbaren, die er ganz vernichten wollte, um, als die Aufstände gegen ihn ausbrachen, in denen er im Jahre 238 unterging.

Schwerfällig näherte sich Maximins Heerzug, für den nichts vorbereitet war, der Grenze Italiens, die Gegenkaiser zu vernichten. Eine große Menge germanischer Reiter, wohl meist von suebischen Völkern für Geld gestellte Hilfstruppen (σύμμαχοι), folgte ihm.

Schon von Aemona (Laibach) an fand das Heer nur eine menschenleere Wüste, alle Lebensmittel und Fourage, selbst die Hausgeräte und Türen, fortgeschleppt oder verbrannt.

Noch einmal erfüllte der unverteidigt gefundene Übergang über die julischen Alpen Maximin mit Hoffnung, als ein neues schweres Hindernis sich entgegenstellte.

Die Bürger der reichen und großen Stadt Aquileja, den Widerstand der Verzweiflung schimpflicher Flucht vorziehend, versperrten dem Heere den Weg. Die Geschichte der Belagerung dieser Stadt wird von Herodian anziehend erzählt. Zwei dahin abgesandte Senatoren, Crispinus und Menophilus, leiteten die Verteidigung, in der Mut und Kunst wetteiferten, so daß alle Stürme mit dem größten Verlust der Belagerer zurückgeschlagen wurden.

Dem Heere aber mangelte es an allem, weil der Gegenkaiser Pupienus zu Ravenna, Meister der Flotte, jede Zufuhr zu Wasser wie zu Lande abschnitt.

Endlich machte ein Haufe italienischer Soldaten ein Ende, indem sie Maximin nebst seinem schon im Jahre 235 zum Cäsar ernannten Sohn unter Mittag in seinem Zelt niederstießen.

Aber der Triumph der »Senatskaiser« war ein kurzer, da die Prätorianer dieselben bald ermordeten, was der innere Zwiespalt beider erleichterte, indem Balbinus die Herbeiziehung der Pupienus treuen germanischen Söldner gehindert hatte. Nur drei bis vier Monate hatte deren Herrschaft gedauert.

Wir stellten oben die Vermutung auf, das neue, gegen Rom zusammengetretene Bundesvolk der Alemannen sei durch Caracalla im Jahre 213 nicht vollständig aus dem Zehntlande wieder vertrieben worden, jedenfalls aber doch das Land zwischen Rhein, Main und Neckar wieder in ruhigen römischen Besitz gelangt. Dasselbe gilt unzweifelhaft von Rätien südlich der Donau.

Im VI. Buch Kap. 7 berichtet nun Herodian folgendes:

»Severus Alexander glaubte die persischen Angelegenheiten friedlich beigelegt zu haben und eine Erneuerung des Kriegs nicht besorgen zu dürfen, als ihm plötzlich (im Sommer 233) von den Provinzialstatthaltern in Illyricum die Meldung zuging, die Germanen hätten wiederum Rhein und Donau überschritten, und verheerten das römische GebietLampridius sagt Alex. Sev. c. 58: Germanorum vastationibus Gallia diripiebatur. Dies ist zwar nicht notwendig auf Gallien im engern Sinne zu beziehen, weil Germ. prima rechts und links des Rheins im weiteren Sinne auch zu Gallien gerechnet wurde, wahrscheinlich aber doch hiernach, daß Germanen auch bis in das Innere des eigentlichen Galliens drangen., indem sie sowohl die an den Flüssen bestehenden Festungslager als Städte und Dörfer mit großer Macht durchstreiften. Die illyrischen Provinzen, aber auch das benachbarte Italien, seien in nicht geringer Gefahr, seine Gegenwart samt dem ganzen bei ihm jetzt befindlichen Heere daher nötig.«

Die Militär- und Kurierstraße vom Rhein zum Orient ging längs der Donau über Byzanz. Die Befehlshaber in Obergermanien und Rätien können sich zunächst an die von Illyricum, das in dieser weiteren Bedeutung westlich nur noch Noricum umfaßteDies wird für spätere Zeit gegen Ende des fünften Jahrhunderts durch die Not. dign. ed. Boecking II, p. 10, 65 und 66 außer Zweifel gesetzt. Damals gehörte Rätien unter den Vicarius von Italien., um Hilfe gewendet, und diesen die Meldung an den Kaiser überlassen haben. Herodian, der, zumal in Nebendingen, nicht immer genau ist, könnte aber auch hier die gesamten Donauprovinzen, wozu Rätien gehörte, zu den illyrischen gerechnet haben, die Meldung daher auch von hier aus erfolgt sein.

Wie vormals der markomannische Krieg durch den parthischen, so dürfte auch der gegenwärtige Angriff der Germanen zum Teil durch den Abzug der römischen Hauptmacht gegen die Perser veranlaßt worden sein.

»Diese Nachricht, fährt Herodian nun fort, beunruhigte nicht nur den Kaiser, der schon für Italien fürchtete, in hohem Grade, sondern auch die Soldaten aus jenen Provinzen, welche ohnehin schon über die mangelhafte Führung des persischen Krieges murrten. Ungern befahl er den Abmarsch. Nachdem er die zum Schutz der römischen Ufer nötigen Streitkräfte zurückgelassen, Standlager und Kastelle sorgfältig befestigt und jedes mit Besatzungen versehen hatte, eilte er mit dem übrigen Heere nach Germanien.«

Herodian verschweigt hierbei die Rückkehr über Rom, wo Severus Alexander Ende September 233 triumphierte (s. Lamprid. c. 56 und Eckhel, p. 276). Dies macht es um so zweifelhafter, ob in der letzten von Sicherstellung der Reichsgrenze handelnden Stelle die östliche gegen die Perser oder die nördliche an der Donau gemeint ist. Erscheint ersteres dem Wortlaute entsprechender, so ist doch der Kaiser vom Orient keineswegs direkt nach Germanien marschiert, am wenigsten geeilt (ηπείγετο), da er nach der von Eckhel, p. 277 beschriebenen Münze vielmehr erst im nächsten Jahre 234, unstreitig sobald es die Jahreszeit erlaubte, dahin abging.

Es ist daher leicht möglich, daß sich obiger Satz bereits auf den neuen Feldzug bezieht, der sonach zunächst mit Sicherung der Donaugrenze begonnen haben würde.

»Den Weg mit großer Eile zurücklegend stellte er sich am Rheinufer auf, und bereitete alles zum Krieg gegen die Germanen vor. Dazu hatte er eine große Menge maurischer, osroënischer und parthischer Bogenschützen mitgebracht, welche den nackten Leibern der Germanen besonders gefährlich waren, selbst den Römern in geordneter Schlacht sich entgegen zu stellen wagten und ihnen nicht selten die Waage hielten. Obwohl so gerüstet, fand Alexander doch für gut, durch Gesandte wegen Frieden zu verhandeln.

Alles, was die Germanen verlangten und Geld in Menge sollte ihnen gewährt werden, was die geldgierigen, stets den Frieden von den Römern zu erkaufen gewohnten Germanen am meisten lockte.

Alexander wollte lieber den Weg der Verhandlung als den der Kriegsgefahr versuchen.

Die Soldaten nahmen es jedoch übel auf, daß derselbe nutzlos die Zeit verliere, nichts Entschlossenes und Mutvolles für den Krieg tue, vielmehr statt die Feinde anzugreifen und zu züchtigen, mit Wagenrennen und Wohlleben sich abgebe.«

Hiermit schließt das siebente Kapitel, worauf im achten Alexanders Ermordung und Maximins Erhebung, erst im VII. Buche Kap. 2 aber der fernere Kriegsverlauf folgendermaßen berichtet wird:

»Mit dem gesamten Heer furchtlos die Brücke überschreitend, betrieb Maximin eifrigst den Krieg gegen die Germanen. Eine große Menge Volks, fast die ganze römische Streitmacht, führte er mit hinein. Darunter in sehr bedeutender Zahl maurische Speerwerfer und Bogenschützen, so wie Osroëner und Armenier, sowohl Auxilien als Bundesgenossen, ja selbst Parther, teils geworbene, teils Überläufer und Gefangene. Die hauptsächlich schon von Alexander zusammengebrachte Armee war von ihm noch vermehrt, besonders aber für den Krieg geübt worden. Jene Speerwerfer und Bogenschützen schienen gegen die Germanen durch ihr Geschick für plötzlichen unvorgesehenen Angriff und leichten Rückzug besonders geeignet.

In Feindesland angelangt, durchzog er einen weiten Landstrich (πολλὴν γη̃ν), da die rückweichenden Barbaren nirgends Stand hielten. Er verwüstete das ganze Land, da das Getreide schon reif war. Die Dörfer wurden verbrannt und der Plünderung preisgegeben. Leicht aber verzehrt das Feuer die Städte, welche sie haben, und alle Häuser: denn an Steinen und gebrannten Ziegeln fehlt es. Die baumreichen Wälder gewähren des unerschöpfliche Material, durch dessen Zusammenfügung und Bearbeitung sie ihre Häuser bauen. So rückte Maximin lange vor, Beute wegführend, und die Herden, welche man traf, dem Heere überlassend. Die Germanen aber zogen sich aus den Ebenen und baumlosen Gegenden zurück, und bargen sich in Wäldern und Sümpfen, von wo sie, in dem verwachsenen Gestrüpp gegen Wurfspeere und Pfeile einigen Schutz findend, zum Kampf hervorbrachen. Besonders wurden die tiefen Sümpfe den Römern wegen Unkunde der Örtlichkeit gefährlich, indes die Germanen, welche die grundlosen und festern Stellen zu unterscheiden wußten, sie bis an das Knie watend leicht durchzogen.

Auch im Schwimmen sind sie geübt, da sie sich der Flüsse allein als Bad bedienen.

Nur an solchen Stellen aber kam es meist zu Treffen. Einmal zogen sich die Germanen in einen sehr großen Sumpf (ελος) zurück, und da die Römer ihnen dahin nachzudringen zögerten, stürzte sich Maximin selbst auf seinem Roß hinein und tötete, obwohl dies bis über den Bauch einsank, sofort die nächsten Feinde, so daß die Scham, den für die Soldaten fechtenden Kaiser im Stich zu lassen, das Heer zur Nachfolge trieb. In diesem Kampf, in welchem er sich vor allen hervortat, blieb von beiden Seiten viel Volkes, von den Germanen aber beinahe die ganze anwesende Streitmacht, so daß der Sumpf mit Körpern angefüllt, das Wasser mit Blut gefärbt wurde und eine Landarmee das Schauspiel eines Seegefechts gewährte. Diese Schlacht und sein eignes Heldentum brachte der Kaiser nicht allein schriftlich, sondern auch bildlich zur Kunde des Senats und Volkes, indem er es in großen Schildereien im Senatspalast ausstellen ließ, welche der Senat jedoch nach dessen Sturz nebst allen andern Ehrenzeichen desselben wieder entfernte.

Auch noch andere Gefechte kamen vor, in denen Maximin sich überall, mit eigener Faust fechtend, großen Ruhm erwarb.

Nachdem er viel Gefangene und Beute gemacht, zog er bei dem Herannahen des Winters nach Pannonien ab. In Sirminum, der größten Stadt der Provinz, wo er sein Hauptquartier nahm, bereitete er alles zum Frühjahrsfeldzuge vor.

Denn er drohte und beabsichtigte wirklich, alle germanischen Barbaren bis zum Ozean zu vernichten und zu unterwerfen.«

Spartian, der in c. 12 und 13 offenbar Herodians Werk benutzt hat, sagt kaum etwas Neues, außer daß auf einer Strecke von sechzig bis achtzig deutschen Meilen die Dörfer verbrannt worden. Übrigens spricht er von unzähligen (innumeris) Gefangenen, und Bereicherung der Soldaten, und schließt Maximins Bericht an den Senat mit den Worten: »Wir würden bis an die Wälder gelangt sein, wenn nicht die Tiefe der Sümpfe uns den Durchzug gewehrt hätte.« (Pervenissemus ad silvas, nisi altitudo paludum nos transire non permisisset.)

Obiger Darstellung ist nur weniges beizufügen.

Aus dem, was bei Herodian, der zwar stets in chronologischer Ordnung, aber ohne Zeitangabe, schreibt, weiter erzählt wird, sowie aus den Münzen ersehen wir, daß der Marsch nach Pannonien im Spätjahr 237 erfolgte, jener Krieg also gegen zwei Jahre gedauert hatte.

Daß die nächsten und Hauptfeinde, wenn gleich stets nur »Germanen« genannt werden, die Alemannen waren, ist zweifellos. Denn da dieselben im Jahre 213 (s. oben) am Oberrhein und Niedermain mit Caracalla fochten, da Alexander an letzterer Stelle ihnen gegenüber bei Mainz sein Hauptquartier hatte, sie auch nur wenig über zwanzig Jahre später unter Gallienus daselbst wieder genannt werden, hauptsächlich aber die aus des Severus Alexander Zeit herrührende Peutingersche Tafel dieselben hinter dem Schwarzwald aufführt, so ist über deren fortwährendes Beharren im oder am Zehntland Ungewißheit nicht möglich.

Es ist nicht zu bezweifeln, daß Maximin die Alemannen nicht bloß bis zum Limes, sondern noch über diesen hinaus verfolgt habe, wie dies nicht nur durch die Worte: feindliches, barbarisches Land (εν τη̃ πολεμία, barbarici soli) angedeutet, sondern auch durch die Ausdehnung des Verheerungszuges bestätigt wird. Unter den Wäldern (silvis) aber, bis zu denen derselbe, wenn nicht die Sümpfe ihn behindert hätten, vorgedrungen sein würde, können wir nur den großen waldigen Gebirgszug verstehen, der nördlich vom Harz herab durch den Thüringer Wald, Fichtelgebirge und Böhmerwald bis gegen Linz nach der Donau hinläuft. Dies führt uns zu der Vermutung, der erste Feldzug im Sommer 235 werde gegen die Westgermanen bis gegen die Werra hin, der der Jahre 236 bis 237 aber, vielleicht nach Verheerung der alemannischen Ansiedlungen im südlichen Zehntlande, besonders gegen die Alemannen und die angrenzenden Völker in Franken, der Oberpfalz, Nordschwaben und Niederbayern gerichtet gewesen sein, wobei denn etwa bei Regensburg (Reginum) oder Passau (castra Batavorum) 236 bis 237 überwintert wurde. Daß Maximin auf seinen Zügen zwischen Schuldigen, Zweifelhaften und Unschuldigen irgendwie unterschieden und mit der Strenge auch Mäßigung am rechten Orte gepaart habe, erhellt nirgends, und ist nach dessen Gemütsart zu bezweifeln. Es hat sich bei Oehringen eine Inschrift mit dessen Namen vom Jahr 237 oder 238 teilweise erhalten, eine zweite ward bei Tübingen gefunden, welche diesen zwar nur unvollständig angibt, aber doch wahrscheinlich auf Maximin beziehen dürfte. Daß derselbe auch für Wiederherstellung des gewiß im höchsten Grade verwüsteten römischen Zehntlandes, so wie des Limes, wenn auch nicht viel, doch einiges getan, dürfte, wenngleich durch irgendetwas sonst nicht weiter angedeutet, wohl anzunehmen sein. Nur eine vollständigere Erneuerung des Limes hat damals unstreitig nicht stattgefunden, da dies ebenso, wie es später von Probus bemerkt wird, auch von Maximin wohl nicht verschwiegen worden sein würde.

Von nun an verläßt uns nicht nur Herodian, der, unerachtet einiger vorstehend gerügten Mängel, dennoch in der langen Zeit von Tacitus bis Ammian Marcellin, da wir Dio nur unvollständig besitzen, der einzige Historiker ist, sondern großenteils selbst die Historia Augusta, von der alle Biographien von Philippus bis Valerian verloren sind, so daß wir für letztere ausschließlich auf Zosimus, der nun etwas ausführlicher zu werden beginnt, und die späteren Epitomatoren beschränkt sind.

Von Maximins Gegner, Pupienus, sagt Capitolin (Max. Balb. c. 5), daß er in Illyricum die Sarmaten geschlagen und von da an den Rhein versetzt und gegen die Germanen glücklich operiert habe (rem contra Germanos feliciter gessit). Dies Anführen ist jedoch sowohl dem Sinne als der Zeit des Ereignisses nach zu unsicher, um es weiterer Betrachtung zu würdigen.

War derselbe im Jahre 238 bereits vierundsiebzig Jahre alt, wie freilich nur der so viel spätere Zonaras (XII, 17) sagt, so könnte dies füglich im Jahre 213 unter Caracalla geschehen sein.

Ungleich wichtiger ist die Stelle desselben (Max. Balb. c. 16): »Sub his pugnatum a Carpis contra Maesos fuit et Scythici belli principium et Histriae excidium eo tempore: ut autem Dexippus dixit, Histricae civitatis.«

Unstreitig hat Dexippus sein Werk über die skythischen Kriege (τα Σκυθικά) im Wesentlichen mit diesem Ereignis begonnen. Derselbe versteht unter Skythen sämtliche barbarische Völker nördlich und östlich der Donau, ohne die Nationalität streng zu unterscheiden, hauptsächlich aber die Goten.

Spartian, der die ganze Stelle unzweifelhaft aus diesem Schriftsteller entlehnt hat, sagt nun: Unter jenen Kaisern hätten die Carpen gegen die Mösier gestritten; zu derselben Zeit sei die Zerstörung Histriens oder, wie Dexippus sage, der histrischen Stadt erfolgt.

Der Ausdruck »Histrien« enthält, da an die istrische, damals zu Italien gehörige Halbinsel, hier nicht zu denken ist, wiederum eine von Capitolins gerade in dieser Biographie so zahlreichen Sonderbarkeiten. Es ist Istropolis, die istrische Stadt am schwarzen Meere in Mösien, unfern dem heutigen Kostendsche, etwa fünfzehn Meilen nördlich von Varna, die hier gemeint, damals also erobert worden sein muß.

Die Carpen (Carpi), über die sich Zeuß (S. 697–700) sehr gründlich verbreitet, waren unzweifelhaft ein thrakisches Volk und gehörten zu den Geten oder Daken im weitern Sinne.

Ptolemäus nennt sie anscheinend zweimal: 1) als Karpianen (Καρπιανοί) zwischen den Peukinen und Bastarnen III, 5, 24; 2) als Arpier (’Άρπιοι) zwischen der nördlichen Donaumündung und dem Dnjepr III, 10, 13).

Es ist vermutet, daß die Benennung der Karpaten, ohne Zweifel thrakischen Ursprungs, diesem Volksnamen verwandt sei.

Jedenfalls waren sie Nachbarn der schon oben erwähnten Costuboken und standen wohl gleich diesen seit Dakiens Eroberung unter nomineller römischer Herrschaft, oder mindestens Klientel.

Da jedoch die Costuboken, welche nach dem ersten markomannischen Krieg von den Asdingen zwar geschlagen, aber kaum ganz vertilgt wurden (Dio LXXI, 12), in der Geschichte später nichtDieselben werden allerdings von Amm. Marc. XXII, 8 in einer Beschreibung Thrakiens und der Pontusküsten noch erwähnt. Da diese indes unzweifelhaft einem älteren geographischen Werk entlehnt sind, so kann daraus mit Sicherheit wenigstens nicht gefolgert werden, daß sie noch zu Ammians Zeiten daselbst saßen. wieder erscheinen, so ist auch ein Aufgehen dieses Volkes unter den Carpen, zumal in einer Zeit, da die Volksnamen so viel Wechsel erfuhren, möglich, ja wahrscheinlich.

Den Zusammenhang obiger Nachricht Capitolins mit der Folgezeit werden wir später zu erörtern versuchen.

Derselbe Verfasser bemerkt Gord. III, c. 26 folgendes: »Fecit iter in Moesiam, atque ipse in procinctu quicquid hostium in Thraciis fuit delevit, fugavit, expulit, atque submovit.«

Damit ist die Gordian nach Capitolin a. a. O. c. 34 gesetzte Grabschrift in Verbindung zu bringen:

»Divo Gordiano victori Persarum, victori Gothorum, victori Saramatarum, victori Germanorum, sed non victori Philipporum.« Hierauf bemerkt er: »Quod ideo videtur additum, quia in campis Philippicis (d. i. bei Philippopel in Thrakien) ab Alanis tumultuario praelio victus abscesserat: simul etiam quod a Philippis videbatur occisus.«

Es liegt sehr nahe, in dieser Inschrift eine Mystifikation Capitolins zu vermuten, da die durch ein großartiges Denkmal (was nach Amm. Marc. a. d. o. a. Stelle nicht zu bezweifeln ist) bekundete Absicht, Gordian zu ehren, mit der Ironie und doch zugleich Unwahrheit des Nachsatzes, da er mit den Bewohnern jener Stadt selbst doch gar nicht gekriegt hatte, schwer zu vereinigen ist. Wenn Capitolin aber ausdrücklich hinzufügt, daß diese Inschrift in griechischer, lateinischer, persischer, jüdischer und ägyptischer Schrift, um allen verständlich zu sein, angebracht worden sei, was den Glauben an deren Echtheit zu erhöhen scheint, so ist es doch wohl möglich, daß sie aus einer Laune der Soldaten, welchen Philippus nicht entgegentreten mochte, wirklich in obigen Worten verfaßt worden ist.

Beruhte sie aber auch auf Erfindung, so würde diese doch gewiß die historische Wahrheit nicht verleugnet haben. Wir haben daher eine, wenn auch nicht sehr erhebliche Besiegung der Goten durch Gordian allerdings anzunehmen, welche im Jahre 242 auf dem Marsch nach Asien durch Mösien und Thrakien, der über Philippopel führte, erfolgt sein muß, da ein anderer Feldzug desselben weder bekannt, noch irgendwie vorauszusetzen ist.

Sarmaten und Germanen mögen sich unter den damals in das römische Gebiet eingebrochenen Scharen ebenfalls befunden haben, obwohl der Sieg über Germanen sich auch auf irgendeinen kleinen Vorteil, der von einem Legaten Gordians anderwärts erlangt ward, beziehen könnte. Überhaupt aber ist von einer Inschrift solcher Art wie die obige strenge ethnographische Genauigkeit nicht zu erwarten.

Noch wichtiger ist ein Fragment des Petrus Patricius (ed. Bonn. Corp. Scr. hist. Byz. I, p. 124):

Die Carpen, die Goten wegen der Subsidien, welche diese von Rom empfingen, beneidend, schickten eine Gesandtschaft an den Tullius Menophilos, mit Anmaßung Geld fordernd. Dieser war Befehlshaber in Mösien und ließ seine Truppen täglich exerzieren. Von der Anmaßung der Gesandten unterrichtet, ließ er sie viele Tage lang gar nicht vor, gestattete ihnen aber, die Übungen der Truppen mit anzusehen. Nachdem er durch Verzug ihren Übermut gedämpft zu haben glaubte, empfing er sie auf hohem Feldherrnstuhl, um den die Ersten des Heeres standen, schien sie aber wenig zu beachten, sprach vielmehr während ihres Vortrages in der Mitte der Truppen mit andern, als ob er wichtigere Geschäfte habe. Sich so übersehen fühlend, sagten diese schließlich nichts anderes als: »Wenn die Goten Subsidien von Euch empfangen, warum erhalten wir nicht auch solche?« Darauf Menophilos: »Weil der Kaiser vieler Gelder Herr ist, so schenkt er deren auch denen, die ihn darum bitten.« Jene wiederum: »So nehme er denn auch uns unter die Bittenden auf und gewähre uns dasselbe, denn wir sind stärker (κρείττωνες) als die Goten.«

Lachend erwiderte Menophilos: »Darüber muß ich dem Kaiser berichten, holt Euch daher nach vier Monaten die Antwort wieder ab,« und ließ hierauf die Soldaten wieder exerzieren.

Nach vier Monaten kamen die Carpen wieder, wurden in gleicher Weise empfangen, jedoch auf weitere drei Monate vertröstet. Hierauf empfing er sie vor einer andern Legion und gab ihnen den Bescheid: daß der Kaiser in der Form eines Vertrags schlechterdings nichts bewillige. Wollten sie aber mit einexerziert und zusammengeschart werdenIn Übertragung der Worte συγκρότησις und συγκροτη̃ναι war in der ersten Ausgabe der lateinischen Übersetzung gefolgt und geirrt worden., möchten sie sich dem Kaiser zu Füßen werfen und ihn darum bitten, worauf sie wahrscheinlich ein Geschenk erhalten würden.«

Darauf zogen sie unwillig ab und blieben drei Jahre lang während Menophilos Verwaltung dieser Provinz ruhig.

Die Zeit dieses Ereignisses läßt sich mit annähernder Sicherheit bestimmen, da die Exzerpte in dem auf Befehl Constantins Porphyregenitus (zu Anfang des zehnten Jahrhunderts) verfaßten Werke de legationibus, welchem wir die Bruchstücke aus Petrus Patricius verdanken, streng chronologisch geordnet sind, und das Fragliche hiernach in die Zeit zwischen Marc Aurel und Sapor fällt, der bis 272 lebte.

Wenn aber die Erwähnung der Goten im römischen Gebiete an sich schon auf die Zeit nach Caracalla schließen läßt, so scheint auch der Menophilos des Petrus Patricius mit dem von Herodian (III, 2) erwähnten Myniphilos (nach Capitol. Max. c. 21 Menophilos), der sich bei Verteidigung Aquilejas so auszeichnete (s. oben), identisch zu sein.

Von Philippus (Arabs) endlich berichtet Zosimus (I, 20), daß er einen Feldzug gegen die Carpen unternahm, welche schon die Gegenden an der Donau verwüsteten.

In einem Treffen geschlagen flohen sie in ein Kastell, wo sie belagert wurden. Da sie aber die zerstreuten Ihrigen sich wieder sammeln sahen, faßten sie neuen Mut und griffen ausfallend das römische Heer an. Weil sie dem Angriff der Mauren nicht widerstehen konnten, verhandelten sie um Frieden, worauf Philippus leicht einging und wieder abzog.

Eckhel nimmt nun (p. 320) an, dieser Feldzug habe bereits im Jahr 245 begonnen und bis in das Jahr 247 gedauert.

Allein die (daselbst beschriebene) Münze aus dem zweiten Jahr der Tribunicia potestas bezeichnet durch das Kriegsgewand nur einen Ausmarsch, noch nicht den Beginn des Krieges. Auch die Münzen des Jahres 246 enthalten keinen unfehlbaren Beweis eines solchen, indem erst auf denen des Jahres 247 der Sieg über die Carpen (Vict. Carp.), und im Jahre 248 die Beinamen Germ. Max. und Carpic. Max. erscheinen.

Vielleicht ist daher anzunehmen, daß der Ausmarsch des Kaisers erst im Spätjahr 245 erfolgte, das Winterquartier bei Sirmium oder in dortiger Gegend genommen ward, das Jahr 246 über Kämpfen mit germanischen Scharen diesseit oder jenseits der Donau verging, die kaum von großem Belang gewesen sein dürften, der von Zosimus erwähnte Krieg mit den Carpen sowie der Friede aber in das Jahr 247 fielen, worauf der Senat dem Sieger erst jene im Jahre 248 erscheinenden Ehrennamen verlieh.

Auf Grund obiger VorgängeAllerdings scheint auch noch das sechzehnte Kapitel des Jordanis auf die erwähnten Ereignisse sich zu beziehen. Diese höchst unzuverlässige Quelle wird jedoch später noch gewürdigt werden. ist nun folgende Vermutung aufzustellen.

Es war im Jahre 232 oder 233, als Severus Alexander die Nachricht eines allgemeinen gefährlichen Aufstandes der germanischen Völker an Rhein und Donau erhielt. Am Oberrhein muß die Gefahr am dringendsten gewesen sein, weil Alexander zuerst dahin zog: daß aber auch an der mittleren und niedern Donau die Feinde im römischen Gebiet hausten, beweist Maximins Marsch nach Sirmium im Jahre 237, dessen Vorbereitung zu einem neuen Feldzug und die Drohung, die Germanen bis zum Ozean zu vernichten.

Mit jenem allgemeinen Aufstand nun scheint Dexippus seine Geschichte der skythischen Kriege begonnen zu haben. Jedenfalls gehören die oben bemerkten Kämpfe in Mösien der ersten Hälfte des Jahres 238 an, sind daher noch als Folge desselben zu betrachten, der übrigens mehr in räuberischen Einfällen einzelner Völker oder Scharen, als in einem großen Bundeskrieg bestanden haben mag. Daß auch die Goten hierbei beteiligt waren, ist um deswillen vorauszusetzen, weil Dexippus die Geschichte seiner »skythischen« Kriege, in denen sie unbezweifelt die Hauptstelle einnahmen, schon mit obigem Ereignis begonnen hat; ja es dürfte kaum gewagt sein, ihnen die Eroberung und Zerstörung von Istropolis zuzuschreiben, das wahrscheinlich auch von der See her angegriffen wurde, deren sie ja, wie die Vor- und Folgezeit beweisen, kundig waren.

Was hierauf geschah, wissen wir nicht, finden aber schon vier Jahre später, im Jahre 242, wiederum und zwar viel tiefer im Lande, diesseit des Hämus in Thrakien Feinde – wohl dieselben –, welche diesmal aber durch Gordian gründlich geschlagen und vertrieben worden sein sollen. Vermutlich wirkte nun hierbei jener Menophilos mit, der sich in Aquileja so ausgezeichnet hatte, und behielt nachher den Befehl in der Provinz. Gordian aber mochte noch vor seinem Abzug mit den nach der Inschrift: »Victor Gothorum« zwar besiegten, aber immer noch gefährlichen Goten einen Friedens- und Subsidienvertrag geschlossen haben. Hierüber erbittert, sandten die Carpen die berichtete Gesandtschaft ab.

Die drei Jahre der Verwaltung des Menophilos, während deren sich diese nach Petrus Patricius ruhig verhielten, mußten nun Ende 245 oder Anfang 246 abgelaufen sein. Gerade um diese Zeit oder wenig später trat aber Philipps Krieg gegen die Carpen ein, der mit deren Besiegung endigte. Die Goten mögen damals, mit ihren jährlichen Subsidien zufrieden, ruhig geblieben sein: auch dürfte schon die Stellung des Philipp verliehenen Ehrennamens Germanicus vor Carpicus auf vorhergehende Kämpfe desselben mit germanischen Völkerschaften schließen lassen, die er hiernach also weiter aufwärts an der Donau, d. i. westlicher, getroffen haben müßte, während die Goten damals unzweifelhaft noch östlicher saßen.

Noch im Jahre 248 brachen Aufstände im Innern aus. Im Orient ward JotapianusNach Aur. Vict. c. 19. Nach Zosimus I, 20. Papianus., von dem mösischen und pannonischen Heer aber Marinus zum Kaiser ausgerufen. Als Philippus in solcher Bedrängnis den Senat um Hilfe oder, im Falle der Unzufriedenheit, um Annahme seiner Abdikation anging, erhob sich nur der durch Geburt, Amtswürde und jegliche Tugend gleich ausgezeichnete Decius, die Gefahr für gering erklärend. Der Erfolg bestätigte dies: die Nebenbuhler wurden ohne große Anstrengung beseitigt. Da jedoch Philippus die Zuchtlosigkeit der mösisch-pannonischen Legionen kannte, übertrug er Decius deren Befehl, den dieser im Vorgefühl der Folgen ablehnte: er ward aber zu dessen Übernahme gezwungen und – wohl mit einem neuen Heer – zur Züchtigung der Anhänger des Marinus dahin abgesandt.

Die Truppen, ihrer Schuld bewußt, glaubten der Strafe am sichersten zu entgehen und zugleich dem Reich einen großen Dienst zu leisten, wenn sie den ungleich tüchtigeren Decius zum Kaiser ausriefen, was dieser widerwillig annahm.

Philippus zog sogleich wider ihn aus. Bei Verona trafen sich die Heere. Das seine war das stärkere, aber Mut und bessere Führung bei den Gegnern. Philippus blieb, sein Sohn ward in Rom getötet. Decius bestieg den Thron. (Zosimus I, 20–22. Eutrop. IV, 3. Aurel. Vict. 28.)

Decius war in einem pannonischen Dorfe Bubalia bei Sirmium geboren, jedoch, wenn Zosimus wahr redet, von guter römischer Familie.

Seine Geschichte ist, mehr durch Widerspruch als durch Mangel der Quellen, ein mit Genauigkeit nicht zu lösendes Problem.

Nach dem Sieg bei Verona begab er sich, wie dies in der Natur der Sache lag und sowohl durch Aurelius Victor c. 29 als durch die von Eckhel, p. 342 beschriebene Münze bestätigt wird, nach Rom, wo er sogleich seinen Sohn Herennius Etruscus zum Cäsar ernennen ließ.

Von der Geschichte seiner Kriege berichtet Jordanis im sechzehnten Kapitel, nachdem er, wie gewöhnlich, eine Lobpreisung der Macht, der Gebietsausdehnung und des Heldentums der Goten vorausgeschickt, welche Vandalen, Markomannen und Quaden besiegt und zu Sklaven gemacht hätten, folgendes:

Unter des Philippus Regierung seien die Goten durch Entziehung der bisher genossenen Subsidien zum Losbruche gegen Rom bewogen worden.

Obwohl nämlich entfernt unter ihren Königen lebend, seien sie doch der römischen Republik verbündet (föderiert) gewesen und hätten jährliche Subsidien empfangen. Als nun deren König Ostrogotha, die Donau überschreitend, Mösien und Thrakien geplündert habe, sei der Senator Decius von Philippus zu dessen Zurücktreibung gesandt worden.

Nachdem dieser hierauf die Soldaten wegen Vernachlässigung ihrer Pflichten dadurch gestraft, daß er sie, des Militärdienstes sie entbindend, als Privatleute habe leben lassen (milites proprios exemptos a militia fecit vita privata degere), sei er zu Philippus zurückgekehrt.

Die Soldaten, hierüber erbittert, seien zu Ostrogotha übergegangen, der hierauf, von ihnen angetrieben, ein Heer von 30 000 Mann zur Schlacht geführt habe, worunter auch Thaifalen und Asdingen nebst 3000 Carpen gewesen seien.

Goten und Peukinen von der Insel Peuke unter sich vereinend habe er hierauf Argait und Guntherich, den Edelsten seines Volkes, deren Führung übertragen, welche bald auf einer Furt (?) durch die Donau gehend, Mösien geplündert und dessen Hauptstadt Marcianopel (etwa fünf bis sechs Meilen westlich von dem heutigen Varna und dem schwarzen Meer) belagert hätten, aber, da die Belagerten sich losgekauft, wieder abgezogen seien.

Im siebzehnten Kapitel beschreibt nun Jordanis den Krieg zwischen den stammverwandten Gepiden und Goten.

Fastida, König der Gepiden (s. oben), nachdem er sein Reich bereits durch Eroberung vergrößert, die Burgundionen auf das Haupt geschlagen, auch einige andere Völker bezwungen, habe vom Könige Ostrogotha, welchem damals sowohl die Ost- als Westgoten, desselben Namens Völker, unterworfen gewesen, durch Gesandte gefordert, daß er ihm entweder Land abtrete, weil das seinige, von rauhen Gebirgen und dichten Wäldern umschlossen, dem Volke nicht genügeAuch diese Stelle zeigt wieder höchst lehrreich, wie Mangel an Land oder wenigstens an dankbar und leicht zu bebauendem Land eine Hauptursache zur gewaltsamen Ausbreitung der Völker war, wobei Stammverwandtschaft den Frieden nicht gegen die Folgen des Hungers schützen konnte: das halb Sagenhafte des Berichts hebt diese Bedeutung desselben nicht auf. (D.), oder sich auf Krieg gefaßt halte.

Der Gotenkönig erwiderte, so schrecklich ihm auch ein Krieg mit Stammbrüdern sei, so werde er doch kein Land abtreten.

Hierauf hätten die Gepiden den Krieg begonnen und sei es bei der Stadt Galtis am Fluß Aucha zur Schlacht gekommen, in der beide Teile mit gleichem Mut gefochten, die bessere Sache und der lebendigere Geist aber für die Goten, daher das Gepidenheer bereits im Nachteil gewesen sei, als die Nacht die Streitenden getrennt habe. Fastida sei hierauf, so beschämt als vorher übermütig, in seine Heimat zurückgekehrt, auch das Gotenvolk aber, mit diesem Abzug zufrieden, so lange Ostrogotha regierte, ruhig in seinen alten Sitzen verblieben.

Wir bemerken hierbei, daß die Beschreibung des Sitzes der Gepiden deutlich auf Siebenbürgen hinweist, das sie jedoch nur teilweise innegehabt haben können, da die festen Plätze mindestens und gewiß auch deren nächste Umgebungen bis zu Aurelian in den Händen der Römer blieben.

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