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Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter - Kapitel 376
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
authorFerdinand Gregorovius
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-05960-5
titleGeschichte der Stadt Rom im Mittelalter
created20011006
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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5. Gestalt der Stadt Rom um das Jahr 1500 nach ihren Regionen.

Wir schließen die Betrachtung der Renaissance Roms mit einer Darstellung der Stadt überhaupt um das Jahr 1500, und dieses unvollständige Gemälde werden wir nach den Regionen zu entwerfen suchen.

Das Gesamtbild Roms stellte sich damals minder prächtig dar als heute, wo die vielen Kirchenkuppeln dieser Stadt den unvergleichlichen Charakter der Vollendung und Majestät verleihen. Wenn der Pilger des Jubeljahres 1500 einen Flankenturm des Senatspalasts auf dem Kapitol bestieg, um Rom zu betrachten, so entdeckte er kaum als fremdartige Erscheinungen die niederen Kuppeln einiger sixtinischen Kirchen. Er sah nur altertümliche Glockentürme oder Türme der Adelsburgen in den blauen Himmel emporsteigen. Sein Blick fiel zunächst auf die Wildnis zu seinen Füßen nieder, wo sich einst der Mittelpunkt aller Größe der Römer befunden hatte; er sah das von Ziegen umkletterte Kapitol mit seinen schwarzen Tuffwänden, seinen Gärten und elenden Häuserklumpen, seinen Trümmern und Tempelresten. Er betrachtete das von Rindern belebte Forum mit seinen uralten Kirchen, zerstörten Triumphbogen, Tempeltrümmern und einzelnen halbverschütteten Säulen. Er sah den verlassenen Palatin mit den riesigen von Efeu umschlungenen Mauern des Cäsarenpalasts und tiefer die zerbröckelten Mauerringe des Colosseum. Wenn sein Blick den ganzen Umkreis Roms umfaßte, staunte er, daß dieses große Gebiet einem Gefilde glich, worin sich gleichsam zerstreute Ortschaften unter Trümmern angesiedelt hatten. Die Gegensätze der Vergangenheit und Gegenwart traten in diesem zaubervollen Bilde Roms damals noch schärfer hervor, obwohl auch noch heute die Stadt in zwei Hälften auseinanderfällt.

Wenn der Pilger in das bewohnte Rom hinabsah, erblickte er die dichten Viertel im Marsfelde, schwarze Häusermassen und labyrinthische Gassen, gegen die untere Via Lata immer lockerer werdend. Als hervortretende Gestalten zeigten sich ihm die vielen Türme Trasteveres und hoch droben die Gärten des Janiculus mit S. Onofrio; im Borgo der alte St. Peter mit dem Obelisk zur Seite, die schon großartige Masse des Vatikan, das Belvedere, die Rundtürme der Leonischen Mauer, in der Tiefe das langgestreckte Hospital Santo Spirito und die finstere Engelsburg. In der eigentlichen Stadt stellten sich ihm als bedeutende Erscheinungen dar der orsinische Palast auf Monte Giordano, das Pantheon mit seiner flachen Kuppel, die Minerva, der Platz Navona, die Säule Marc Aurels ohne Statue auf ihrer Spitze und einzelne meist betürmte Paläste, die Cancellaria, die Universität, die Paläste Borgia, Massimi, Nardini, Valle, Caffarelli, Cesarini und der größte Roms, der von San Marco. Er sah den Corso als eine lange lückenhafte Straße mit einigen Kirchen, Gebäuden und zertrümmerten Triumphbogen und mit vielen Gärten gegen den Platz del Popolo sich fortziehen und das bewohnte Rom begrenzen. Denn darüber hinaus erblickte er nur Gärten bis zum Pincio und Quirinal und kaum hie und da eine kleine Kirche, wie die im Bau begriffene S. Trinità auf dem Pincio, und sparsam zerstreute Häuser.

Wenn er seinen Blick den Tiber abwärts schweifen ließ, sah er in einem hinreißend schönen Gemälde die grauen Kirchen des Aventin, unten den Monte Testaccio mit dem schwarzen Tor St. Paul und der Pyramide des Cestius. Über die alten Fora hinaus erblickte er eine wundervolle Landschaft von Hügeln, aus welcher rötliche Trümmermassen von Thermen und Wasserleitungen und uralte Kirchen vielgestaltig hervorragten. Dort waren Ruhepunkte für sein Auge der große Milizenturm, der Turm der Conti, die Masse der Diokletiansthermen, die hohen Reste der Titusthermen, S. Pietro in Vincula, S. Martino, die Türme des Lateran und der Santa Maria Maggiore, die Kirchen auf dem Coelius, die zersplitterten Kolosse der Caracallathermen, während auf den Höhen die palastartigen Villen fehlten, welche sich unter Pinienwipfeln heute so herrlich darstellen.

Der Pilger hatte schönere Städte gesehen, zumal Venedig, das Wunder jener Zeit, und doch mußte er sich sagen, daß dieses schwarze, regellose und halbversunkene Rom mit dem blauen Lichthimmel über sich durch die Großartigkeit seiner Gestaltung und die Verbindung von Leben und Wildnis, von Trümmerwelt und anmutiger, wie erhabener Natur alle anderen Städte als Totalgemälde weit übertraf. Die Stadt Rom erdrückt nicht den Geist durch die Einförmigkeit eines endlosen Häusergedränges; die Campagna selbst dringt in die Mauern Aurelians hinein. Sie war und ist noch das architektonische Theater der Weltgeschichte selbst. Ehe Paris und London anwuchsen, stellte sich überhaupt nur Rom auch räumlich als eine Weltstadt dar, und doch zählte es am Ende des XV. Jahrhunderts kaum 70 000 Einwohner.

Es ist bezeichnend für diese Stadt, daß ihr ein Mittelpunkt des Lebens fehlt. In anderen Städten ist dies der Hauptplatz mit dem Gemeindehaus oder der Kathedrale oder die Burg der Landesfürsten, aber die Größe der Weltstadt Rom schien nichts dergleichen zu dulden. Hier weiß man nicht, mit welcher architektonischen Gestalt man beginnen oder enden soll. Das Kapitol war freilich im Mittelalter das Zentrum Roms, ohne jedoch eine plastisch bildende Wirkung auf die Stadt auszuüben, denn dieses anspruchlose Gemeindehaus hatte vor sich das zertrümmerte Forum und hinter sich ein Gewirre enger Gassen. Die Residenz der Päpste aber lag zu allen Zeiten an den Grenzen Roms, zuerst im Lateran, dann im elenden Vatikanischen Borgo.

Der Borgo. Die Leonische Mauer umzog dieses Viertel von der Engelsburg aufwärts bis herab zu Santo Spirito. Außer dem Tore dieses Namens gab es noch folgende andere: Torrione oder Cavalleggieri, Pertusa, Belvedere (ehemals Viridaria oder S. Pellegrino), die Porta Castelli und die Aënea. Der Dom St. Peters, der päpstliche Palast und das Kastell bildeten die miteinander verbundenen Hauptcharaktere dieser vatikanischen Stadt. Noch hatte die Basilika größtenteils ihre alte Gestalt, die Marmortreppe mit der Loge Alexanders VI., den halbverfallenen Vorhof, den Glockenturm, die mosaizierte Fassade. Olivier Longueil, Kardinal unter Calixt III., hatte den Palast der Erzpriester St. Peters neben der Treppe neu und großartig ausgebaut. Seitwärts standen noch die beiden Rundgebäude, das Mausoleum des Honorius oder S. Petronilla und St. Andreas oder Maria della Febbre, woneben sich der Obelisk erhob; in der Nähe alte Klosterkirchen; auf dem kaum halb so großen Platz, als er heute ist, noch S. Gregorio und S. Maria dei Vergari. Der päpstliche Palast war eine regellose Masse zum Teil unvollendeter Bauten; Türme standen daran; eine Mauer verband ihn mit dem Belvedere, der bedeckte Gang mit der Engelsburg. Hinterwärts befand sich am vatikanischen Hügel das Münzhaus Eugens IV. Gärten füllten die rechte Seite des Borgo bis zur Porta Castelli. Auf der linken stand der Palast des Kardinals von S. Maria in Porticu, welchen die Borgia bewohnten. Dort lagen noch die Kirchen der germanischen Scholen, welche selbst untergegangen waren, S. Justina, S. Maria in Palatiolo, Michele in Sassia. Der letzten nahe gegenüber stand, wie noch heute, S. Lorenzo in Piscibus.

Den bewohnten Borgo durchschnitten einige Straßen: der sogenannte Borgo von Santo Spirito, die Sixtina, die Alexandrina, jetzt Borgo nuovo. In sie mündeten Nebengassen. Obwohl das ganze Viertel erst einer lückenhaften Vorstadt glich, gab es darin doch schon ansehnliche Paläste. Nepoten, Hofleute und Kardinäle begannen dort zu wohnen und so den Plan Nikolaus' V. auszuführen. Der schöne Palast des Kardinals Hadrian war im Entstehen begriffen; ihm gegenüber lag der von Domenico Rovere erbaute und im Borgo Vecchio der Palast des Kardinals Ardicino. In dem heute Serristori genannten Palast soll Cesare Borgia gewohnt haben. Auch Franceschetto Cibò wohnte im Borgo. Von alten Kirchen standen daselbst S. Giacomo di Scossacavalli und S. Maria Traspontina. Das größte Gebäude war das sixtinische Hospital, von welchem man zur Kirche S. Spirito fortschritt. Der vielen Pilger wegen, die jährlich nach dem St. Peter strömten, hatten sich im Borgo zahlreiche Gastwirte angesiedelt, und diese waren im XV. Jahrhundert meist Schweizer und Deutsche. Sie führten ihre farbigen Wirtshausschilder: da gab es die Tavernen zum Engel, zur Sonne, zum Spiegel, zum Mädchen, zum Pilgerstab, zum Helm und andere. Mehr als sechzig solcher deutschen Wirtshäuser und Schenken zählen alte Register im Borgo schon in der Zeit Eugens IV. auf. Trotz des lebhafteren Anbaus seit Sixtus IV. war es doch erstaunlich, daß die nächste Umgebung des St. Peter, die Szene so großer Kultusfeierlichkeiten, sich nie zu einer glänzenden Gestalt erhob. Erst nach zwei Jahrhunderten wurde der kolossale Plan Nikolaus' V. wenigstens im St. Petersplatz mit den Kolonnaden ausgeführt, aber zu diesem großartigsten Platz der Welt macht der Borgo selbst noch heute den grellsten Gegensatz der Verrottung und Ärmlichkeit. Dies erklärt sich aus der Natur des Papsttums, welches außerdem keine Dynastien bildet. Darum enthält dieses öde Viertel nichts Bedeutendes außer jenen Hauptcharakteren: der Basilika über dem Apostelgrabe, dem Schloß und Kloster der Päpste neben ihm und der Engelsburg, welche beide schützt.

Region Trastevere. Die Porta S. Spirito führte aus dem Borgo in die Via Janiculensis, die heutige Lungara. Sie war im Jahre 1500 nur ein Landweg, über dessen Weinbergen sich Sant Onofrio erhob. Kaum hie und da stand ein Haus. Nahe an der Porta Settimiana lag noch eine alte Kirche S. Giacomo, mit Grabsteinen des Trasteveriner Geschlechts der Papareschi, und das Landhaus Girolamo Riarios, woraus später der Palast Corsini entstand. Noch heute heißt dort eine Gasse dei Riarii. Alexander VI. hatte das Septimianische Tor neu aufgebaut, wobei die Inschriften des Septimius Severus zerstört wurden. Durch dasselbe trat man in Trastevere ein.

Seit alters war Trastevere eine eigene, starkbevölkerte Stadt. Die Römer aber mißachteten zu jeder Zeit ihr Volk, weil es niedrige Geschäfte trieb; im Mittelalter durfte kein Trasteveriner Senator werden. Die antiken Monumente waren dort verschwunden, nur die Tore hatten noch meist ihre alte Stelle und Gestalt: das von Portus, damals di Ripa, trug noch die Inschriften der Kaiser Arcadius und Honorius, und auch die Aurelia hatte ihr altertümliches Aussehen. Uralte Kirchen waren die Zierden Trasteveres: S. Maria, Crisogono, Cecilia, Agata, S. Rufina und Secunda, Francesco a Ripa, San Cosimato. Auf dem Goldberg entstand kurz vor 1500 S. Pietro in Montorio; draußen lag altersgrau, mit verschütteten Katakomben St. Pancratius. Einige dieser Kirchen waren im XIV. Jahrhundert, der Blütezeit Trasteveres, mit Malereien Cavallinis geschmückt worden.

Die abgeschlossene Lage erhielt daselbst den Charakter des Mittelalters länger als in anderen Teilen Roms. Dort sah man ein seltsames Labyrinth von Gassen, mit altertümlichen Basiliken, mit Palästen aus Ziegelstein vorgotischer Form zumal der Säulenportiken oder mit gotisch-romanischen Türen und Fenstern und kleinere Häuser mit Vorbauten und steinernen Freitreppen. Noch starrte Trastevere von Türmen des Mittelalters, deren Reste noch heute hie und da stehen. Aber von den alten Geschlechtern, Tibaldeschi und Tiniosi, Romani, Papareschi, Braczuti und Alberteschi-Normanni verlautete kaum noch der Name. Die im XIV. Jahrhundert mächtigen Stefaneschi dauerten noch fort; der älteste Zweig der Mattei bewohnte noch Trastevere; die Annibaldi besaßen wohl noch den halbgotischen Palast am Platze Molara, wie die Erben des Eversus von Anguillara den ihren mit dem Turm. Ein Zweig der Frangipani soll der heutigen Via Anicia diesen Namen gegeben haben. Jüngere Geschlechter waren die Macarani und die Castellani, deren Haus am Ende der Lungaretta noch auf den marmornen Türpfosten die Inschrift vom Jahre 1495 zeigt.

Die Lungaretta, eine Anlage Julius' II., ging zwar schon als Via Trastiberina nach der Brücke der Senatoren, aber nicht in gerader Linie fort. Von jener Brücke, wo die Kirche S. Maria von Sixtus IV. erneuert worden war, führte schon damals die Straße der Töpfer nach S. Cecilia. Neben ihr wohnten Schiffer am Fluß, denen S. Maria della Torre gehörte, so genannt vom Turm Leos IV., der noch am Ufer stand. Das ganze Tiberufer, wo heute S. Michele liegt, hieß Ripa Grande, aber auch noch Ripa Romea wie im hohen Mittelalter; dort standen Zollhäuser, namentlich für die Einfuhr von Wein, und weiter zog sich Gartenland bis nach Porta Portese fort. Der Handelsverkehr veranlaßte wohl auch die Ansiedlung von Genuesen. Ihre Hospitalkirche S. Giovanni errichtete Meliaduce Cicala, Schatzmeister Sixtus' IV., im Jahre 1481. Die Gegend unter Monte d'Oro bedeckten Felder. Dort liegt noch die einsame Klosterkirche SS. Cosma und Damiano in Vico Aureo oder in Mica Aurea, welche schon im VII. Jahrhundert den Benediktinern gehört hatte. Sixtus IV. hatte sie neu gebaut samt dem Nonnenkloster, wo viele edle Römerinnen lebten. Gärten nahmen auch das Gebiet um jene Franziskanerkirche ein, die Rudolfo von Anguillara im Jahre 1231 erbaut hatte.

Trastevere genoß den Vorteil der sabatinischen Wasserleitung, sie trieb Mühlen am Janiculus. Müller, Töpfer und Gerber, Wollbereiter, Flußfischer und Barkenschiffer, Wein- und Gartenbauern bildeten das rohe und kräftige Volk dieses stärksten aller Viertel Roms. Auch wohnten noch seit den Zeiten des Pompejus viele Juden dort. Noch um 1520 hieß ein feldartiger Platz bei S. Francesco a Ripa der Campo Guideo.

Die Tiberinsel war durch die alten Brücken mit Trastevere und Rom verbunden. Auf ihr standen die Kirchen S. Bartolomeo, S. Giovanni (Colabita) und S. Maria mit einem Kloster der Benediktinerinnen, woraus im XVI. Jahrhundert das heutige Hospital wurde. Hart an der Brücke Quattro Capi lag ein Palast der Gaëtani mit dem noch dauernden Turm.

Folgende waren um 1500 die angesehensten Geschlechter von Trastevere: Alberteschi. Annibaldi di Molara. Benedetti. Berardi. Bonaventura. Bondii. Bonjanni. Bonosi. Buzii. Caranzoni. Castellani. Cerocci. Dello Ciotto. Cialdera. Cincii. De Cinque. Clodii. Dannosi. Dati. Farinosi. Franchi. Frangipani. Galli. Guidoleni. Guidoni. Jacobi. Judei. Juliani. Justi. Librandi. Luzi. Macarani. Maglioni. Mattei. Nisci. Obicioni. Paladini. Pantaleoni. Peregrini. Pierleoni. Ponziani. Rainerii. Romani oder de Roma. De Romaulis. Rugieri. Spotorni. Stefaneschi. Teoli. Torti. Torquati. Tozi. Velloni. Venturini.

Region Ponte. Wir kehren zur Engelsbrücke zurück, um von dort aus in das Viertel Ponte zu gehen. Da sie zum St. Peter führte, zog sich gerade nach ihr viel Leben hin. Diese Region war überhaupt bis zum Ponte Sisto, zum Campo di Fiore und zur Navona hin die belebteste Roms, das Viertel der Bankiers, der Höflinge, der vornehmen Buhlerinnen und des emsigen geschäftlichen Treibens. Von den Stadtmauern am Fluß war schon der größte Teil überbaut worden; die Porta Aurelia, der Triumphbogen des Valentinian und Gratian waren längst abgebrochen. Nur die Kirche S. Celso stand noch auf ihrer alten Stelle, denn erst Julius II. ließ sie neu aufbauen. Den Platz davor hatte Nikolaus V. erweitert, doch verengten ihn noch viele Verkaufsbuden, und nur die Brücke war davon frei gemacht. Schon bestanden die Straßen, welche auf diese führen: rechts die Posterula, links Canal del Ponte, in der Mitte die Via di Paníco.

Die Posterula hieß so von einer Pforte in den alten Flußmauern, und noch heute dauert am Orso S. Maria in Posterula fort. Weiterhin nannte man sie Torre di Nona von einem Turm der Stadtmauer, welchen erst die Orsini besaßen, dann die Päpste als Gefängnis benutzten. Die Via Posterula ging weiter am Tiber fort; ihre untere Strecke hatte Sixtus IV. pflastern lassen, so daß sie von ihm Sixtina genannt wurde. Wie heute war auch damals diese Gegend lebhaft durch Verkehr, und sicherlich bestand schon im XV. Jahrhundert dort das sehr besuchte Gasthaus all' Orso.

Die Straße Canal del Ponte, so genannt, weil sie bei Überschwemmungen einem Kanale glich, heute Via del Banco di S. Spirito, war das Quartier der Bankhalter aus Florenz, Siena und Genua, welche mit der Camera Apostolica, der größten Finanzanstalt der damaligen Welt, Wechselgeschäfte hatten. Die Spanocchi, die Calvi, Spinelli und Cigala, die Vivaldi, Ricasoli, Tornabuoni und Medici hatten Filialen in jener Gegend, auch die Pazzi und Altoviti wohnten nahe der Engelsbrücke. Weiterhin erhob sich der große Palast Borgia, mit dem Platz Pizzo Merlo hinter sich. Dieses ganze Viertel wurde bald zum glänzenden Quartier der Florentiner, welche dort ihre Kirche S. Giovanni bauten. Auf ihrem Lokal lagen im Jahre 1500 noch Gärten und einige kleine Kirchen, obwohl die später von Julius II. gebaute Via Julia schon als unregelmäßiger Weg bestand. Zwischen Gärten stand dort die uralte Kirche S. Biagio de Cantu Secutu (heute della Pagnotta). Zur Zeit Sixtus' IV. gab es in diesem Gebiet die Via Lombarda, die Via Florida und die Mercatoria, welche zur Brücke führte.

Der Name der dritten Hauptstraße, Via di Paníco, dauert noch fort. Sie führte nach Monte Giordano. Dies alte orsinische Viertel war um 1500 noch von Mauern umschlossen. Von dort aus verlor man sich in einem Wirrsal ungepflasterter Gassen; nur die Via dei Coronari, damals Via Recta und von Kaufleuten bewohnt, ging regelmäßig gegen S. Agostino hin, während von der Straße der alten Banken hier ein krummer Weg zur Navona, dort kleine Gassen zum Campo di Fiore fortliefen. Die Via Recta mündete in den Platz vor Torre Sanguigni, wo die Häuser dieses Geschlechts lagen, von denen heute noch der Turm übrig ist. Das dortige Gebiet, im Halbkreis um die Navona her, enthielt eine starke Bevölkerung und ansehnliche Bauwerke seit Sixtus IV. Dort stand das schöne Haus des Girolamo Riario auf dem Lokal des heutigen Palasts Altemps. In der Nähe lag der Platz Fiammetta, dem eine Geliebte Cesare Borgias den Namen soll gegeben haben. Eine Kirche S. Salvatore in Primicerio erinnerte noch an die älteste Epoche des Papsttums. Vom Palast Riarios führte der Weg auf den Platz der Kirche S. Apollinare. Den mit ihr verbundenen Palast hatte Estouteville neu gebaut. Er galt als besonders prächtig, seit ihn die Kardinäle Girolamo Basso und Leonardo Grosso ausgeschmückt hatten. Damals wechselten in jenem Viertel noch Häuser und Felder; alles war lückenhaft und regellos. Gemüsegärten lagen auch dort, wo die neue Kirche S. Maria della Pace stand und die Hospitalkirche der Deutschen im Bau begriffen war.

Geschlechter von Ponte: Aczoti. Alexii. Andreozzi. Bartolommei. Bernabei. Bonadies. Bonaventura. Cambii. Castelli. Capo de Janni. Cesarini. Clodii. Lancelotti. Laurentii-Stati. Lelli. Maffei. Malglotii. Martelli. Dello Mastro oder de Magistris. Mercante. Mosca. Nardi. Orsini. Parisii. Petroni. Pontani. Quatrocchi. Sanguinei. Sassi. Lo Schiavo. Serruberti. Simeoni. Stecchati. Surdi. Tebaldeschi. Tocci. Tolomei. Vajani.

Region Parione. Stark angebaut, sehr altertümlich und durch seine Gebäude merkwürdig, lagerte sich dieser Stadtteil um zwei alte Monumente, das Pompejustheater und das Stadium des Domitian. Die Räume, welche diese einst einnahmen, waren zu den Hauptplätzen Roms geworden, zum Campo di Fiore und zur Navona.

Seit Sixtus IV. bildete der erste einen Mittelpunkt des städtischen Lebens. Paläste entstanden rings umher. Auf der einen Seite erhob sich S. Lorenzo in Damaso mit dem noch unvollendeten Prachtpalast der heutigen Cancellaria. Auf der andern standen über den Trümmern des Pompejustheaters seit langer Zeit Häuser der Orsini und der Palast des Francesco Condulmaro. Die Reste des Theaters waren verschwunden; unter seinem Schutt lag noch der Torso des Belvedere und jener bronzene Herkules, der erst im Jahre 1864 auferstand. Häuserreihen standen über dem Lokal des Theaters; hinter dem Palast Condulmaros erinnerte an dieses noch das »Satrium«, welches die Stelle der alten Orchestra einnahm. An jenen Palast lehnte sich hinterwärts die noch dauernde Kirche der Orsini, S. Maria in Grotta pinta.

Der lebhafte Verkehr ließ auf Campo di Fiore die ersten größeren Gasthäuser Roms entstehen, die Tavernen zur Kuh, zum Engel, zur Glocke, zur Krone und zur Sonne. Von ihnen dauert noch der Albergo del Sole fort. Dieses heute älteste Hotel Roms, welches vier und wohl mehr Jahrhunderte hindurch Reisende aller Länder beherbergt hat, wurde aus dem Material des Pompejustheaters erbaut: ein großes finsteres Gebäude mit gewölbtem, tiefem Eingang, welcher kastellartig verrammelt werden konnte. Ein alter Sarkophag dient noch zum Brunnen des innern Hofs. Es ist nur zufällig, daß dieses Gasthaus nebst der Campana zuerst im Jahre 1489 erwähnt wird; denn am 6. Mai desselben kehrten der Herzog Otto von Braunschweig mit neunundzwanzig Pferden in der Campana, am 13. September der Botschafter Frankreichs, Guillelmus de Pithanea, in der Sonne ein. Beide Gasthäuser waren damals die vornehmsten Roms, doch sicherlich von sehr primitiver Natur. Die Herren, welche dort abstiegen, konnten jeden Tag gewärtig sein, aus ihren Fenstern eine Hinrichtung mitanzusehen, oder sie sahen in ihrer Nähe Gehenkte an den Galgen schweben, denn der Campo di Fiore, das »Blumenfeld«, diente zur Richtstätte Roms. Wunderlicherweise verwandelte sich auch die Berlina vecchia, der Ort des Prangers in der Nähe jenes Platzes, in die Straße del Paradiso.

Viele Händler und Handwerker wohnten im Gebiet des Campo di Fiore wie noch heute; und schon im XV. Jahrhundert bestand die Pollería, der Markt für Hühner an der Straße der Baullari oder Koffermacher. Schon entstanden dort ansehnliche Häuser, wie der Palast des Geronimo Picchi. Die Straße der Baullari, damals ein Teil der Via Papale, führte und führt noch zu den Palästen der Massimi. Dieses Geschlecht saß schon seit uralten Zeiten auf demselben Lokal am Papstwege oder der Via de Maximis. Um 1500 hatte der dortige Palast noch nicht seine heutige Gestalt, aber schon eine Vorhalle mit Granitsäulen, wonach sich seine Bewohner del Portico nannten, wie sie heute »alle Colonne« heißen. Die Massimi wohnten in mehreren Häusern rings umher, so auch in jenem an der Via del Paradiso, wo man noch die Inschrift des Geronimo Zorzi auf die Tiberflut von 1495 eingemauert sieht.

Den Massimi vorüber führte die Straße zum Platz Siena, der vom Palast des Kardinals Piccolomini seinen Namen trug. Dieses damals prächtige Haus wurde später nebst der Kirche St. Sebastian eingerissen, als S. Andrea della Valle dort gebaut wurde. Auf der andern Seite ging man zur Navona und traf hier die Kirche S. Pantaleo, die Häuser der Muti und Mazatosti und endlich den großen Palast des Grafen Francesco Orsini, auf dessen Stelle heute der Palast Braschi steht. Hier war die Gruppe des sogenannten Pasquino entdeckt worden. Dieser weltberühmt gewordene Torso, ein vielleicht griechisches Meisterwerk von höchster Vollendung, mochte einst das Stadium Domitians geziert haben. Er blieb halbausgegraben liegen, so daß man bei Regenwetter über den Marmorrücken der Hauptfigur fortzuschreiten pflegte, bis ihn der musenfreundliche Kardinal Oliviero Caraffa, welcher jenen Palast bewohnte, im Jahre 1501 auf ein Postament stellen ließ. Man hielt die Figur für Herkules, welcher Geryon erwürgt, und erst Visconti erklärte sie mit oder ohne Grund für Menelaus, der den toten Patroclus trägt. Dieses steinerne Gebilde ging als Kunstwerk durch die Barbarei unter und lebte in seltsamer Weise mit dem Namen Pasquino wieder auf als der lachende Demokrit Roms, ein spöttischer Bekämpfer aller öffentlichen und privaten Barbarei. Der volkstümliche Name Pasquino kam für den Torso schon am Ende des XV. Jahrhunderts in Gebrauch, wie man behauptet von einem witzigen Schneider, welcher dort in der Nähe seine Werkstatt hatte, oder von einem Schulmeister. Sein Name ging sodann auf die Epigramme über, die der Figur angeheftet zu werden pflegten. Dies geschah besonders am Fest S. Marco, dem 25. April. An diesem Tage pflegten die Priester von S. Lorenzo in Damaso auf einem steinernen Sitz in der Nähe jener Figur eine Zeitlang auszuruhen, und weil dieser Sitz zu solchem Zweck mit Teppichen bedeckt wurde, entstand die Sitte, die verstümmelte Statue selbst auszuschmücken. Maler vergnügten sich damit, ihr das Gesicht zu färben und ihr Gewänder anzuziehen, während Literaten Epigramme an ihr Fußgestell hefteten. Der Torso nahm je nach den Veranlassungen der Zeit die wunderlichsten Formen an; er war Minerva, Jupiter, Apollo, Proteus, die Göttin Flora, Harpokrates, der Gott des Schweigens. Im Jahre 1509 redete er in der Gestalt des Janus und trug nicht weniger als dreitausend Epigramme an sich; im folgenden stellte er Herkules dar, welcher die Hydra erwürgt, und zahllose Verse verherrlichten am Tage S. Marco den Papst Julius II. als Bezwinger des venetianischen Löwen. So entstand in Rom eine lateinische Epigrammenliteratur, welche bisweilen, namentlich in späteren Zeiten, von so beißendem Witze war, daß er selbst das Gelächter antiker Satiriker erregt haben würde; diese Pasquillendichtung kam als römischer Ableger auch in andern Ländern, zumal in Deutschland während der Reformation zur Zeit Huttens, in üppige Blüte. Auch in modernen Zeiten, wo die öffentliche Stimme des Volks nicht zu reden wagte, verstummte die witzige Rede dieses Pasquino nicht. Sein Gespött begleitete die Ereignisse des Papsttums und der Weltgeschichte. Es ist auch heute noch nicht ganz verstummt und wird nie verstummen, solange diese merkwürdige Marmorfigur dauert.

Die Navona hatte im Jahre 1500 wohl ihre heutige Ausdehnung, ohne ganz von Häusern umschlossen zu sein; denn manche Gärten lagen noch umher. Sitzreihen des Stadium sah noch Andreas Fulvius. Sixtus IV. hatte den Stadtmarkt nach der Navona verlegt, und hier dauerte er bis 1869 fort. Dieser größte Platz Roms war zum Circus Maximus der Renaissance geworden, wo man Karnevalspiele, selbst Wettrennen, Turniere und theatralische Szenen aufführte, so daß das alte Stadium seiner Bestimmung zurückgegeben war. Außer dem Palast Orsini und den Häusern der Cibò (auf der Stelle des Palasts Pamfili), zierten den Platz nur die Kirche St. Agnes und die spanische S. Giacomo. Seitwärts lag S. Caterina in Agone, jetzt Niccolò dei Lorenesi genannt, gegenüber dem Hospital dell' Anima; sodann der Palast Mellini, dessen Turm noch dauert. Die von ihm benannte Straße führte zur Via del Parione, jenem alten Wege, der noch den Namen der ganzen Region trägt. Dort hatten die Sassi, ein mit den Amateschi verwandtes Geschlecht, einen großen Palast mit vielen Altertümern. Noch dauert S. Tommaso in Parione aus dem XII. Jahrhundert, mit dem Collegium Nardini neben sich. Ein Platz hieß dort Platea Parionis. In dieser Gegend wohnten zahlreiche Abschreiber, deren goldenes Zeitalter die Regierung Nikolaus' V. gewesen war; sie bildeten eine eigene Körperschaft und hatten ihre Kapelle in jener Kirche S. Tommaso.

Die Straße Parione führte zur heutigen del Governo Vecchio, deren damaliger Name uns unbekannt ist. Man begann dort schon stattliche Bauten. Bereits sah man daselbst den Palast Nardini, dessen Hinterseite bis zur Via Parione reichte. Seitwärts gegenüber entstand im Jahre 1500 das noch dauernde Haus de Turcis. Aber erst seit dem XVI. Jahrhundert füllte sich diese Straße mit ansehnlichen Gebäuden. Seitengassen führten zu Wohnungen der Savelli, von denen ein Polizeigefängnis Corte de' Savelli benannt wurde, und zum Palast, welchen Urbano Fieschi, Graf von Lavagna, Protonotar Sixtus' IV., erbaut hatte. Von einem nahen Brunnen hieß er di Pozzo Albo. Es ist der heutige Palast Sora. Derselbe Brunnen gab auch der Kirche S. Maria ( di Valicella oder Chiesa nuova) den Zunamen. Auch dieses Gebiet war erst im Anbau begriffen.

Geschlechter von Parione: Amateschi. Amici. De Angelis. Anzolini. Astalli. Barbarini. Calvi. Capponi. Cardini. Catellini. Cipriani. Curtebraca. Fabi. Federici. Fusarii. Ilperini. Leoni. Mancini. Marcellini. Mattuzi. Mazatosta. Maximi. Mellini. Orsini. Palluzelli. Pichi. Ranalli. De Roma. Rosa. Sassi. Savelli. Signoretti. Sinibaldi. De Spiritibus. Stinchi. Scappuzzi. Tartari. Tebaldeschi. Ubaldini. Valentini. Vecchia. Vincentii.

Region S. Eustachio. Der Mittelpunkt dieses stark angebauten Viertels war die alte Kirche seines Namens. Rings um sie her standen schon große Gebäude, wie die Universität, und in deren Nähe ein ursprünglich, wie man wissen will, vom Kardinal Melchior Copis errichteter Palast. Jedoch bis zum Jahre 1505 war Eigentümer davon Guido Lotterius, Graf von Montorio, dessen Bruder Sinolfo diesen Palast prächtig ausgeschmückt hatte. Es wohnte bis zu jener Zeit in ihm der Kardinal Giovanni Medici zur Miete, und hier stellte er seine Bibliothek und viele Altertümer auf. Am 2. Juli 1505 kaufte ihn dieser Kardinal oder vielmehr sein Bruder Julian und sein Neffe Lorenzo Medici um die Summe von 10 100 Dukaten, und so blieb der Palast Eigentum dieses Hauses, bis er unter Paul III. an die Farnese kam. Von Margareta, der Tochter Karls V. und Gemahlin Ottavios Farnese, nannte man ihn Palazzo Madama. Im Jahre 1642 wurde er neu gebaut. Der Platz vor ihm hieß dei Lombardi, und von dort führte eine Gasse nach der Navona. Von den alten, ehemals zu Farfa gehörigen Kirchen, welche dort standen, dauert noch Salvator in Thermis (von den Thermen Neros), während S. Maria in Thermis verschwand, als S. Luigi dei Francesi gebaut wurde. Jene beiden Kirchen hatte schon Sixtus IV. der französischen Nation zur Stiftung eines Hospitals geschenkt. Man sah noch damals Reste der alten Thermen.

Vom Platz der Lombarden ging man hier in das Viertel fort, wo die Kirche der Augustiner sich erhob, und dort dem Palast Crescenzi vorüber nach dem Pantheon. Eine andere Gasse führte an der Universität vorbei ins Viertel der Valle und auf den Platz Siena zurück. Das Geschlecht der Valle besaß dort mehrere Paläste, welche später im Neubau des Kardinals Andrea untergingen. In demselben Gebiet wohnten die Quatracci und auch die Caffarelli. Ihr Palast wurde später umgebaut und nach den Kardinälen Stoppani oder Vidoni benannt.

In derselben Straße wohnten die Albertini und die Orsini von Nola, weiterhin die Cesarini. Dieses Geschlecht hatte sich auf dem Lokal angesiedelt, welches das Calcaranum hieß, von Kalkgruben, zu denen die Trümmer des Flaminischen Circus benutzt wurden. Im XII. Jahrhundert hieß dieses Viertel vom Weinberge eines Germanen Teudemar Regio Vineae Tedemarii. Dort lagen zwei sehr alte Kirchen, die noch dauern, St. Julian der Flamländer und St. Nikolaus, beide mit dem Zunamen a Cesarinis. Ein Turm, Torre Argentina, erhob sich hier; welchem gegenüber der jüngere Kardinal Julian Cesarini seinen Familienpalast mit einem schönen Porticus ausgeschmückt hatte. Von andern alten Kirchen dauern in der Region Eustachio das große, einst den Tempelherren gehörige Kloster S. Anna, in seiner Nähe S. Elena oder damals S. Niccolò de Molinis und S. Maria mit dem Zunamen in Publicolis. Die alten Monumente des Viertels sind bis auf wenige Trümmer verschwunden, wozu der Arco della Ciambella gehört, ein Rest der Thermen Agrippas. Die ganze Region trägt heute den Charakter eines soliden, reichen und großartigen Architekturwesens, so daß sie als das Herz der modernen Stadt erscheint.

Geschlechter von S. Eustachio: Alberini oder Ilperini. Astalli oder Staglia. Balistari. Bellomo. Boncore. Bonelli. Caffarelli. Carducci. Castaldi. Catagna. Cavalieri. Cenci. Cesarini. Ceuli. Cosciaria. Crescenzi. Fedeli. Filippini. Galuzzi. Lelli. Mancini. Marchisani. Maximi. Musciani. Muti. Neri. Paparoni. Pichi. Quattraccia. Rainerii. Rezzosi. Rustici. Savelli. Simeoni. Stati. Surdi. Tebaldi. Tomai. Tomarozzi. Valeriani. Valle. Vardella. Veterani. Vettori. Zaccaria.

Region Arenula oder Regola. Dieses wichtige Stadtviertel, von Ponte bis zum Ghetto reichend, stets stark bevölkert und echt römischen Blutes sich rühmend, hat noch heute viel von seinem altertümlichen Charakter bewahrt. Noch sieht man dort Häuser vorgotischen Stils mit Säulenportiken. Die Regola besaß keinen Mittelpunkt weder an einer Hauptkirche, noch an einem Hauptplatz, obwohl es dort mehrere Plätze gab, wie eine von den Orsini genannte Platea Tagliacociae. Nur geringere Kirchen standen daselbst, S. Birgitta auf dem heutigen Platz Farnese, wo der große Prachtpalast noch nicht gebaut war; Maria in Monticelli, Paolo in Arenula, Benedetto in Arenula, woraus seit 1614 das große Hospital de' Pellegrini entstanden ist; S. Maria in Cacaberis, so genannt vom Cacabarium des Mittelalters oder der Krypta des Balbus, in welcher sich Töpfer angesiedelt hatten. Auch die heutige Kirche S. Maria de Planctu hieß damals noch S. Salvatore de Cacabariis. Die Hauptstraße del Monserrato bestand bereits, doch nicht mit diesem Namen, weil die spanische Kirche, die ihn führt, erst seit 1495 erbaut wurde. Schon lag dort das Hospital der Engländer. Der Neubau der sixtinischen Brücke, wodurch Trastevere wieder mit der Regola verbunden wurde, belebte den Verkehr dieses Viertels, doch war das dortige Tiberufer noch von Gartenland bedeckt.

Namhafte Geschlechter bewohnten in düstern betürmten Palästen die Regola, wie die Cenci, die Capodiferro, Andreozzi, Branca und Santa Croce. Die Straße, welche am Palast der letzteren vorüberführte, hieß damals Florida, weil sie auf Campo di Fiore mündete. Sie war von Sixtus IV. ausgebessert worden, wie das noch heute eine Inschrift im Vicolo dei Balestrari besagt. Abwärts ging sie zum Monte Cincio, wo über dem Schutt des Balbustheaters die Cencii ihren alten burgartigen Palast besaßen. Unter ihm mochte man im Gerberquartier des Tiber und nicht weit von der gleichfalls alten Judensynagoge noch das wirkliche Haus des Cola di Rienzo zeigen. Dort wohnten schon damals zahlreich die Juden; schon hieß der Platz vor dem Palast Cenci Campus Judaeorum oder la Giudecca. Von ihm gelangte man in die Region S. Angelo.

Geschlechter der Regola: Alberici. Alessii. Andreozzi. Antonazzi. Armandi. Barbarini. Bovesci. Branca. De Capo. Capo di Ferro. Caranzoni. Carnari. Cellini. Cenci. Ciampolini. Cintolini. Santa Croce. Gabrielli. Gotti. Gottifredi. Guarnerii. Herculini. Janozzi. Juvenalis. Laurentii Stati. De Leis. Manlii. Mannetii. Marani. Mazabufalo. Numoli. Oddoni. Paloni. Palma. Pantalei. Paparoni. Planca. Rossi. Rustici. Salomoni. Sanctigrandi. Scotti. Specchi. Stinchi. Susanna. Surrentini. Vaschi.

Region S. Angelo. Drei alte Lokale bildeten die Hauptmasse dieses nicht minder seltsamen und düstern Viertels, die Peschería oder der Fischmarkt um die Ruinen des Porticus der Octavia, das Marcellustheater und der Circus Flaminius. Diese Region, aus Schutt und Trümmern erbaut, war ein Gewebe von engen, feuchten und finstern Gassen, die sich zwischen jenen antiken Monumenten hinzogen. Kein Gegensatz konnte greller sein als das Bild der ehemaligen Pracht gerade dieses von Marmortempeln und Portiken erfüllten Viertels und der Zustand, in den es sich verwandelt hatte. Im Mittelalter war es das Theater wilder Adelskämpfe gewesen, und noch saßen hier im Jahre 1500 ältere wie jüngere Geschlechter in ihren Turmpalästen.

Zwei Hauptstraßen durchzogen die Region, die vom Platz der Juden nach S. Angelo und dem Marcellustheater und die vom Campo di Fiore nach dem Palast Mattei führende, welcher die Parallelstraße der Botteghe Oscure entsprach.

Die Juden wohnten schon seit langem wesentlich im heutigen Ghetto. Aber auch dort standen Adelswohnungen, wie der Boccapadúli, und selbst nahe bei S. Angelo sieht man noch palastähnliche Häuser der Renaissance, zumal eins, welches vom Volk das Haus des Pilatus genannt wird. Die uralte Kirche S. Angelo, in unsern Tagen ganz niedergerissen und im Neubau begriffen, hatte noch ihre Basilikengestalt mitten im Porticus der Octavia, dessen Reste damals noch ansehnlicher waren als heute. Von Schutt bedeckt lag hier die schönste aller Göttinnen von Marmor, die Venus von Medici, über deren Grabe auf dem schmutzigsten der Märkte Juden Tiberfische auf antiken Marmorplatten feilboten. Von diesem Fischmarkt, dem unheimlichsten und vielleicht seltsamsten Lokale Roms, trat man erst auf den Platz der Inselbrücke, die von ihren Hermen Quattro Capi hieß, und dann zum Marcellustheater. Diese geschwärzte Ruine war damals von ihrer heutigen Gestalt kaum verschieden. Schutt hatte längst einen Hügel in ihr geschaffen, worauf in den Ringmauern des Theaters das betürmte Haus der Savelli stand. In den finstern Grotten der Gewölbe arbeiteten schon Handwerker.

Den Raum zwischen dem Marcellustheater und dem Palast Mattei nahmen erst wenige Häuser und meist Gärten ein. Die Mattei, ein mit den Papareschi verwandtes Geschlecht Trasteveres, hatten sich dort im XV. Jahrhundert auf einer Seite des Circus Flaminius angebaut, dessen Grenzen überhaupt eingenommen wurden von jenem Palast, dem Kloster Dominae Rosae in castro aureo, vom Palast Margani und der Kirche St. Salvator in Pensilis, endlich von der Straße der Botteghe Oscure. Nach dem Platz der Juden hin stand und steht noch in der Nähe des Palasts Mattei das uralte Kloster S. Ambrogio della Massima, ein Zuname, der wohl nur irrig von einem dort mündenden Nebenkanal der Cloaca Maxima hergeleitet wird. Seitwärts erhebt sich jetzt der große Palast Costaguti, ein Gebäude des XVI. Jahrhunderts. Die Bauten der späteren Zeit haben das ganze Lokal verändert; der Turm Cetrangoli, welchen Andreas Fulvius bemerkt (es wohnte daneben das Geschlecht der Albertini) ist verschwunden, das Kloster Rosa in die Kirche S. Caterina de' Funari verwandelt worden. Der Palast Mattei, zusammen mit dem der Gaëtani eine Insel bildend, wurde im XVI. Jahrhundert großartiger umgebaut; nur vom Palast Margani blieb der Turm und ein altes Portal am Hofe übrig. Die Kirche S. Salvatore besteht noch mit dem Zunamen S. Stanislao della Nazione Polacca. Die Trümmer des Circus Flaminius sieht man heute nur noch in Kellergewölben von Häusern. Aber um 1500 waren sie noch ansehnlich genug, wie überhaupt der Circusraum selbst noch hie und da feldartig war. Seiler (Funari) arbeiteten darin, und von ihnen erhielt die Kirche Caterina ihren Zunamen. Es gab damals dort noch andere, die ihn führten, wie S. Andrea und St. Nikolaus de Funariis.

Geschlechter von S. Angelo: Albertini. Alexii. Amistati. Arigoni. Baffi. Balestra. Barberii. Bastardelli. Belluomo. dello Bianco. Buccamazi. Buccapaduli. del Busto. Buondii. Calvi. Capranica. Carenzoni. Cosciari. Cotta. della Franga. Franchi. Galgani. Gregorii. Guidoni. Jacobelli. Malamerenda. Maddaleni. Mancini. Mattei. Mazocchi. Nofrii. Palladini. Papiri. Particappa. Pellipari. Pizi. Ponziani. Plio. Prendi. Riccardini. Rocchi. Romauli. Sagona. Salvati. Sanza. Serlupi. Stefanozzi. Tari. Tartaglia. Tomai. Tordonerii. Tozoli. Valarani. Vallati. Vulgamini.

Region Pigna. Die Straße Botteghe Oscure bildet die Grenze von S. Angelo und der Region Pinea, diesem durch Monumente und Kirchen so ausgezeichneten Stadtteile Roms. Von ihr ging man zum Ende des Calcaranum, wo jetzt der Palast Strozzi steht und im Jahr 1500 noch die Kirche Santi Quaranta alle Calcare die Stelle der »Stimmate« einnahm. Die Via de' Cesarini scheint damals Pellicciaría geheißen zu haben. Mit ihr war die Straße Preta delli Pesci verbunden. Auf jener trat der päpstliche Festzug aus dem innern Rom hervor, um dann bei S. Marco vorüber nach dem Lateran zu ziehen. Wir haben dieses Papstweges, der Via Sacra des Mittelalters, mehrmals erwähnt, nämlich jener Prozessionsstraße, auf welcher Päpste und Kaiser nach ihrer Krönung vom St. Peter zum Lateran zogen. Es ist selbstverständlich, daß unter ihr keine Straße an und für sich zu verstehen ist, obwohl sie an einigen Stellen wirklich Via Papale hieß. Sie blieb im wesentlichen dieselbe, wie sie schon die alten Ritualbücher bezeichnet haben: so zogen die Päpste über die Engelsbrücke nach Monte Giordano, nach Parione, am Pantheon und der Minerva hin, durch das Calcaranum nach S. Marco. In dieser Richtung geht noch heute die päpstliche Prozession.

Der Platz del Gesù hieß im Jahre 1500 von den Alterii oder Altieri, welche dort ihren Palast besaßen. An der Stelle der Jesuitenkirche standen zwei kleine Kirchen S. Andrea und S. Maria della Strada. Die Jesuiten machten später das ganze dortige Gebiet zu ihrem Quartier, und sie bedeckten es mit anspruchsvollen Bauwerken; sie türmten die Kirche del Gesù auf, erbauten das Collegium Romanum und S. Ignazio, an dessen Stelle vorher auch nur eine kleine Kirche dell' Anunziata stand. Seit dem XVII. Jahrhundert gaben die großen Bauten jenes Ordens und des römischen Adels überhaupt diesem Lokal das modernste Ansehen. Aber schon am Ende des XV. Jahrhunderts stand dort der Palast mit der Kirche S. Marco, ein kolossaler Bau, mit welchem die architektonische Geschichte des neuen Rom begann. Wenn Paul II. auf der Loge seines Palasts stand, blickte er die Via Lata hinab, und diese Hauptstraße der heutigen Stadt stellte sich schon damals als eine gerade Linie bis zum Platz del Popolo dar. An ihrem oberen Teile, der Via Recta des Altertums, standen schon große Gebäude, doch weiter hinab wurde sie immer lückenhafter und erschien endlich nur als ein Landweg zwischen Weingärten. Von den Triumphbogen, welche diese Via Flaminia einst geschmückt hatten, standen nur der Bogen des Claudius an der Via di Pietra und weiterhin der Bogen Marc Aurels in Trümmern da.

Der heutige Platz des Collegium Romanum war noch nicht von Prachtgebäuden umschlossen. Das Kloster S. Marta stand auf seiner unteren Seite und nebenbei der schmucklose Rest eines Triumphbogens, des Arco Camigliano. Camilianum hieß dieses Lokal, ein Teil der einst prachtvollen Bauten der Septa Julia, schon im grauen Mittelalter. Die Straße Piè di Marmo führt heute von dort nach der Minerva; der kolossale Marmorfuß, welcher ihr den Namen gibt, stand dort im Jahre 1556 und ohne Zweifel schon viel früher. S. Maria sopra Minerva hatte schon ihre jetzige Gestalt, auch ihr Platz war rings mit Häusern besetzt. Zur Zeit des Blondus wohnten der Minerva gegenüber der Dichter Cencio Rustici, Battista de Lenis, der Protonotar Giorgio Cesarini, und weiter hinter dem jetzigen Hotel der Minerva stand der Palast der Porcari. Hier führte eine Gasse auf den Platz, welcher vielleicht von dem antiken Bilde eines Pinienapfels Pinea genannt wurde. Noch dauert dort die Kirche S. Giovanni della Pigna. Seitwärts lag S. Stefano in Caco zwischen Gärten und Weinbergen, wo die beiden herrlichen Gruppen des Nil und des Tiber noch unter dem Schutte des alten Iseum begraben lagen.

Vom Kloster der Minerva (es lag dort noch im Boden die Minerva Giustiniani) trat man hinterwärts auf den Platz der Kirche S. Macuto, und hier stand der kleine Obelisk, der heute den Brunnen vor dem Pantheon verziert. Dieses ehrwürdige Monument, die kostbarste Perle Roms, war seit Eugen IV. von seinen mittelalterlichen Anbauten gereinigt worden. Im Anfange des XVI. Jahrhunderts trug man dort noch mehr Gebäude ab, so daß das Pantheon ganz umgangen werden konnte. Vor ihm selbst standen damals einige Altertümer, darunter als schönste Zierde die große Porphyrwanne und die beiden ägyptischen Löwen. Das Bleidach der Kuppel hatte Nikolaus V. erneuert; die Treppe der Vorhalle war schon vom erhöhten Boden bedeckt.

Geschlechter von Pigna: Aegidii. Alberini. Alterii. Amadei. Amistadi. Annibaldi. Astalli. Balduzzi. Belli. Belomo. Beneaccaduti. Benedetti. Benzoni. Boccabella. Bongiovanni. Bordi. Cafari. Cambii. Capoccini. Capogalli. Cascia. Cavalieri. Celsi. Ciambetta. Cima. Civeri. Cossa. Cotica. Fabii. Finagrana. Frangipani. Gigli. Gottifredi. Infanti. Jordani. Leni. Longhi. Maddaleni. Maffei. Malaitri. Mancini. Marconi. Marteluzzi. Martini. Mentebuona. Musciani. Nelli. Pacca. Palosci. Papirii. Pepe. Perazzi. Peti. Petruzzi. Ponziani. Porcari. de Pupo. de Puteo. Quatraccia. Ramoraccia. Ricci. Ricciutoli. Rogerii. Romauli. Rossi. Rotolanti. Rufini. Rustici. Saragoni. Sarazani. Sassi. Satolli. Schiavo. Signorili. Simei. Smerigli. Stefani. Subatazzi. Tanelli. Tara. Tartari. Teoli. Vannetti. Varcelloni oder Barcellona. Vari. Vecchia. de Vestis. Victorii. Zambecchari. Zuccari.

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