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Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter

Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter - Kapitel 35
Quellenangabe
typetractate
authorFerdinand Gregorovius
year1980
publisherC. H. Beck Verlag
addressMünchen
isbn3-406-07951-2
titleGeschichte der Stadt Athen im Mittelalter
pages3-16
created20011106
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1889
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Zweites Kapitel

Villehardouin landet in Elis. Seine ersten Eroberungen. Er verbindet sich mit Champlitte. Aufbruch beider nach Morea. Gründung des fränkischen Fürstentums Achaia. Tod Balduins. Die byzantinischen Staaten in Epiros, Trapezunt und Nikaia. Heinrich von Flandern Kaiser. Tod Bonifatius' und Dandolos. Venezianische Inselherrschaften. Otto de la Roche, Sire d'Athènes. Umfang seines Staats. Dessen feudale Einrichtung. Die Erzbistümer Theben und Athen. Bulle Innozenz' III. an den athenischen Erzbischof Berard. Ansiedlung abendländischer Orden. Letzte Schicksale des Michael Akominatos.

1.

Die Eroberung Achaias durch eine tollkühne Schar versprengter französischer Glücksritter ist eine der seltsamsten Episoden in der Geschichte des Zusammensturzes des Reichs der Komnenen. Man wird durch die in ihrem Gefolge sich vollziehende Einwanderung der Lateiner in den Peloponnes an die Zeiten erinnert, als dort die Dorier eindrangen und sich die Achäer unterwarfen. Der Held dieses Dramas, welches mit der Zeit auch auf die Schicksale Athens einen großen Einfluß ausübte, war Gottfried von Villehardouin, ein Neffe jenes gleichnamigen Marschalls der Champagne, der als Krieger und Diplomat einer der tatkräftigsten Führer des lateinischen Kreuzzuges war, und diesen hat er selbst in seiner berühmten Chronik beschrieben, dem ersten in einer vulgären Landessprache verfaßten Geschichtswerk des Mittelalters.Die ›Chronique de Geoffroy de Villehardouin‹, eins der ältesten Stücke franz. Prosa, reicht bis zum Tode Bonifatius'. Ihre schwächere Fortsetzung ist die ›Chronique‹ des Henri de Valenciennes. Beide in Buchons ›Coll. de Chron. nationales‹ III, 1828. Neueste treffliche Ausgabe von Natalis de Wailly, Paris 1872.

Der jüngere Villehardouin war nicht mit den Kreuzfahrern von Venedig nach Konstantinopel gezogen, sondern mit einer andern Schar von Pilgern aus Frankreich geradenwegs nach Syrien geschafft. Dort vernahm er die Kunde von den erstaunlichen Taten und Erfolgen seiner Landsleute. Er eilte, sich mit ihnen in Byzanz zu vereinigen. Ein Sturm verschlug sein Schiff an die Küste des Peloponnes, wo er im Hafen Modon Schutz suchte, dem alten Methone, südwärts von Pylos, der Stadt Nestors. Der Peloponnes, das sechste europäische Thema der byzantinischen Reichsverwaltung, besaß außer Korinth, Argos und Nauplia noch manche andere ansehnliche und zum Teil stark befestigte Städte wie Paträ, Lakedaimon und Nikli, an der Küste von Elis und Messenien Pontikos, Modon und Koron, Arkadia und Kalamata, und an der Ostseite das auf einer Insel gelegene felsenfeste Monembasia. Aber im ganzen Lande herrschte nach dem Aufhören der byzantinischen Reichsgewalt gesetzlose Verwirrung; ehrgeizige Archonten suchten wie Leon Sguros unter den Trümmern des Staates sich zu Gewalthabern aufzuwerfen.

Einer dieser landesverräterischen Magnaten scheute sich nicht, den ihm völlig fremden Villehardouin aufzufordern, sich mit ihm zu gemeinschaftlichen Eroberungen zu vereinigen.»Biax sire, li Franc ont conquis Constantinoble, et fait empereor; se tu te volvies à moi acompaingnier, je te porteroie mult bone foi, et conquerriens assez de ceste terre.« Villehardouin, ed. Wailly, p. 192. Die Verbündeten überwältigten alsbald einen Teil der Westküste von Pylos bis nach Paträ hin. Allein der griechische Archont starb, und sein Sohn weigerte sich, der Helfershelfer eines fränkischen Abenteurers zur Unterjochung seines Landes zu sein; er knüpfte vielmehr Verbindungen an mit Sguros in Korinth wie mit dem Despoten Michael in Arta und rief die Griechen zur Vertreibung der Fremdlinge auf. So geriet Villehardouin in eine verzweifelte Lage. Da vernahm er, daß die Lombarden unter Bonifatius vor Nauplia angekommen seien; er eilte dorthin in einem sechstägigen Ritt durch feindliches Land und forderte vom König von Thessalonike Unterstützung zur Eroberung Achaias. Bonifatius suchte vergebens den tapfern Ritter in seinem Dienste festzuhalten, dann begünstigte er den Plan.

Im Lager vor Nauplia befand sich unter den Fahnen des Königs ein edler Mann aus der Franche Comté, Wilhelm von Champlitte, Vicomte von Dijon, zubenannt Champenois, der vom Erbrechte seines Grafenhauses ausgeschlossene Enkel Hugos I. von der Champagne. Er hatte mit seinem Bruder Eudes II. Konstantinopel erobern helfen, und daselbst war dieser im Jahre 1204 gestorben.Über die Familie D'Arbois de Jubainville: Hist. des Ducs et des Comtes de Champagne, Paris 1860, II, p. 146ff. Erneste Petit, Hist. des Ducs de Bourgogne de la race capétienne, Paris 1888, T. II, p. 463ff.

Der junge Villehardouin begrüßte in Champlitte einen Landsmann und Freund, den er zugleich als seinen rechtmäßigen Lehnsherrn anerkannte. Er überredete ihn, mit ihm gemeinsam ein reiches Land zu erobern, welches Morea genannt sei. So war im Beginne des 13. Jahrhunderts für Menschen des Abendlandes der alte Ursitz der Hellenen, das berühmte Land des Pelops, aus der Erinnerung verschwunden und einer fernen Küste gleichgeworden, welche Abenteurer wie durch Zufall entdeckten. Ganz Griechenland samt den Inseln wurde damals im allgemeinen Romania genannt; den volkstümlichen Namen Morea aber scheint ursprünglich die Küste von Elis geführt zu haben, und von dort übertrug man ihn später auf den Peloponnes oder Achaia. Der Begriff Achaia hatte sich seit den Römern erhalten, doch war er mit der Zeit auf jene Halbinsel und den angrenzenden Teil Nordgriechenlands beschränkt worden.E. Kuhn, Städtische Verfassung des Röm. Reichs, II, S. 72, 76. Der barbarische Name Morea oder Moreas, den die Italiener zu Amorea verwandelten, wurde zu jener Zeit von den Franken dem Gebrauch der Eingeborenen entlehnt, während sie die ganze griechische Halbinsel »isle de Grèce« zu nennen pflegten.So Villehard., n. 258. Die Byzantiner gebrauchten immer den antiken Begriff; sie sprachen stets von den Strategen von Hellas und dem Peloponnes; doch findet sich bei Michael Akominatos bisweilen für diesen der Ausdruck Meson Argos.Z. B. πα̃σα μὲν ‛Ελλὰς καὶ μέσον ’Άργος, I, p. 146 ... τοὺς κατοικου̃ντας ‛Ελλάδα καὶ μέσον ’Άργος I, p. 175 usw. Erst Pachymeres im 14. Jahrhundert hat den Namen Morea gebraucht und durchaus von Achaia getrennt.’Αχάϊαν πα̃σαν καὶ τὸν Μορέαν. De Mich. Palaeol. I, p. 84. Villehard. hat zuerst das Wort Morea. Sein Ursprung ist noch immer dunkel. Die Erklärung Fallmerayers aus dem slav. More (Seeland) bestritten Zinkeisen und Kopitar (Slavisierung Griechenl., Jahrb. der Lit., Wien 1830). Hopf I, S. 267, hält nach dem Vorgange Porcacchis Morea für Metathesis von Romäa. Zuletzt hat Sathas mit Scharfsinn behauptet, daß eine verschwundene Seestadt zwischen Pontikos und Olenos in Elis (Muria, Morea, Moraias) den Namen veranlaßt habe. (Mon. Hist. Hell., 1880, I, p. XXXI ff.) G. Meyer (Essays u. Studien zur Sprachgeschichte, S. 137) hat diese Erklärung die erste wissenschaftliche unter anderen genannt. Dagegen glaubt Paparrigopulos, daß damit das Rätsel nicht gelöst sei, da eine Stadt Morea in Elis unbekannt ist. (Bull. de Corr. hellén. École Franç,. d'Athènes, 1881, p. 145ff.) Zachariä v. Lingenthal (Deut. Literaturzeit, 1880, p. 196) hält Amorea für ein Adjektiv und gleich κοίλη (also das tiefe Elis).

Villehardouin verpflichtete sich, Champlitte als seinem Lehnsherrn zu huldigen und von dem zu erobernden Lande nur so viel zu beanspruchen, als derselbe ihm verleihen werde. Den beiden Abenteurern gestattete endlich der König von Thessalonike als ihr Oberherr, mit hundert Rittern und anderem Kriegsvolk nach dem Peloponnes aufzubrechen.Die Behauptung Buchons, Éclairciss. sur la Morée française, p. 77, daß Bonifatius dem Champlitte damals die Hoheit über Athen, Bodonitsa und Negroponte gegeben habe, stützt sich wesentlich auf die Aussage des Liv. d., l. conq., p. 102, welche geschichtlich unbegründet ist. Kein moralischer Zweifel an der Rechtmäßigkeit ihres Unternehmens regte sich irgend in der Seele der tapfern Männer, welche sich anschickten, mit dem Schwert ein ihnen fremdes Land zu gewinnen. Denn solche Taten waren ruhmvoll und heldenhaft. In der Chronik von Morea sagen die fränkischen Konquistadoren Griechenlands ganz naiverweise von sich selber: Wir sind Leute, die erobern gehen: »Nous somes gent qui alons pour conqueter.« Champlitte und Villehardouin gründeten unter heroischen Kämpfen in Morea ein Fürstentum, welches den antiken Namen Achaia erhielt und gleich dem Herzogtum Athen das lateinische Kaiserreich in Konstantinopel zweihundert Jahre überdauerte. Schon im November 1205 wurde Champlitte als Fürst Achaias anerkannt.»Gulielmus Campaniensis Princeps totius Achajae«; so nennt ihn Innoz. III. am 19. Nov. 1205, Ep. VIII, p. 153. Dies Land trug er von Bonifatius zu Lehen. Da die Republik Venedig der Teilungsurkunde gemäß Ansprüche auf große Gebiete im Peloponnes zu machen hatte, wird sie sich mit jenem darüber verständigt haben. Denn der Markgraf betrachtete sich in seiner Eigenschaft als Haupt des Pilgerheers, welchem Altgriechenland zugeteilt worden war, auch als den Oberherrn des Landes Morea; dies sollte zu ihm in demselben Lehnsverhältnisse stehen wie Bodonitsa, Salona, Athen und Euböa. So war der mächtige Fürst im Begriffe, das nördliche und südliche Griechenland unter seinen Szepter zu vereinigen und von Thessalonike aus ein Königreich aufzurichten, wie es einst Philipp und Alexander von Makedonien beherrscht hatten.In diesem Sinne der Oberhoheit Bonifatius' sagt Niketas, Urbs capta, p. 841, daß er die Tribute von Hellas und dem Peloponnes empfing.

Unterdes hatten die Lombarden die Burgen des Leon Sguros ohne Erfolg bestürmt. Bonifatius selbst sah sich plötzlich genötigt, die Fortsetzung dieser Belagerung seinen Waffengefährten zu überlassen, um nach dem bedrängten Thessalonike zurückzukehren. Denn während seiner Abwesenheit hatten sich die Griechen in Thrakien und Makedonien zu mannhaftem Entschluß aufgerafft, die Waffen ergriffen und mit den Wlacho-Bulgaren ein Bündnis geschlossen. Von ihnen gerufen war der König Joannisa, der schrecklichste Feind der Lateiner, in Thrakien eingebrochen. Das ganze Land befand sich im Aufstande, in Städten und Burgen wurden die fränkischen Ritter überfallen und niedergemacht. Am 15. April 1205 erlagen die schwachen Heerhaufen Balduins bei Adrianopel; der Kaiser selbst fiel in die Gewalt Joannisas, um dann in dessen Kerker zu Trnovo ein dunkles, sicher gräßliches Ende zu finden. Mit Mühe retteten der Doge und der Marschall Villehardouin die Trümmer des Frankenheers nach Rhaidestos, worauf die bestürzten Barone Balduins Bruder, den Grafen Heinrich, der aus Asien herübergeeilt war, zum Bail des Reichs ernannten. So war dies durch Gewalt entstandene Kaisertum der Lateiner schon ein Jahr nach seiner Errichtung von der rächenden Nemesis erfaßt worden.

Das rätselhafte Glück, welches die fränkischen Kreuzfahrer bisher begleitet hatte, schien sich plötzlich von ihnen zu wenden. Sie hatten das Reich der Komnenen im ersten Anlaufe zersprengt, jedoch den zähen byzantinischen Lebensgeist nicht zugleich vernichten können. Seine Reaktion begann vielmehr in derselben Stunde, wo Byzanz den Franken erlegen war. An der Peripherie des Reichs bildeten sich, getrennt und gruppenweise, aus den Trümmern des alten Staats neue nationale Verbindungen, welche allmählich erstarkend nach dem Wiederbeginn des verlorenen Einheitspunktes Konstantinopel strebten.

Michael I., ein Bastard vom Haus der Angeloi, welcher anfangs dem Könige von Thessalonike gehuldigt hatte und dann von ihm abgefallen war, gründete in Epiros, Ätolien, Akarnanien und der Phthiotis ein Despotenreich mit der Hauptstadt Arta, dem alten Ambrakia. Der Komnene Alexios, ein Enkel des schrecklichen Andronikos, der sich als Kind, beim Sturze dieses seines Großvaters durch die Angeloi im Jahre 1185, nach Kolchis geflüchtet hatte, stiftete im April 1204 das kleine, blühende Kaiserreich Trapezunt, während sein Bruder David das pontische Herakleia und Paphlagonien behauptete. In demselben Anatolien legte zu gleicher Zeit der kühne Theodor Laskaris den festen Grund zu der späteren Herstellung des byzantinischen Reichs. Unter heißen Kämpfen mit den Franken, wobei ihn der Seldschukensultan Kaikosru von Ikonion unterstützte, bemächtigte er sich Bithyniens, und schon im Jahre 1206 ließ er sich zu Nikaia als legitimer Kaiser der Romäer krönen.

Die Franken waren überall von rachlustigen Feinden bedrängt. Wenn der gewaltigste derselben, der jetzt zu furchtbarer Kriegsmacht aufsteigende Bulgarenkönig, sich mit Michael von Epiros, mit Leon Sguros und allen anderen Streitkräften der Griechen zu dauerndem Bunde und demselben Ziele hätte vereinigen können, so würde die Lateinerherrschaft schon damals ihr Ende gefunden haben. Ein Unglücksfall nach dem andern traf dieselbe. Der greise Doge Dandolo, der bewunderte Mann, welcher die byzantinische Welt aus ihren Angeln gehoben hatte, starb auf dem Schauplatz seiner Taten am 1. Juni 1205. Auf der Heldenkraft Bonifatius' beruhte jetzt das Heil der Lateiner. Der Markgraf war von dem belagerten Nauplia eilig heimgekehrt und hatte mit Mühe seine von Joannisa bedrängte Hauptstadt Thessalonike befreit. Mit seiner Zustimmung bestieg sodann der Graf Heinrich am 20. August 1206 als Nachfolger seines unglücklichen Bruders den Thron des fränkischen Wahlreichs in Konstantinopel. Er vermählte sich am 4. Februar 1207 mit Bonifatius' Tochter Agnes von Montferrat, und für diese Verbindung, die den Bestand der Lateinerherrschaft sichern sollte, indem sie dessen mächtigsten fränkischen Lehnsträger zum Schwiegervater des Kaisers machte, war Otto de la Roche Vermittler und Prokurator gewesen.»Lors vint en l'ost uns bers de pars le marchis Boniface de Monferrat, qui Othes de la Roche avoit nom; et parla d'un mariage...« Villehardouin, p. 268. Bald darauf fiel indes auch der große Markgraf in einem bulgarischen Hinterhalt bei Mosynopolis. Neben dem Agamemnon Dandolo, dessen Staatskunst er hatte weichen müssen, war er der Achill des den Osten umwälzenden Kriegszuges gewesen. Der Troubadour Rambaut de Vaqueiras, der ihn begleitet hatte, pries von ihm, daß er Kaiser und Könige gemacht, ein großes Reich erobert, die Wege und Häfen von Brindisi bis zum Hellespont eröffnet und die Taten Alexanders, Karls und Rolands überboten habe. 

Drum mehrt sich unsers Glaubens Macht,
Denn Kaiser haben wir gemacht,
Herzoge, Kön'ge, manchen Turm
Den Türken abgekämpft im Sturm,
Und Straß' und Paß von Brindis an
Bis Sankt Georgs Arm aufgetan.
Es war sicher das Unglück des byzantinischen Frankenreichs, daß nicht, statt des Grafen Balduin, Bonifatius den Kaiserthron Konstantinopels besteigen durfte. Wenn irgendeiner der Kriegsfürsten jenes Kreuzzuges die Schwierigkeiten zu überwinden vermocht hätte, welche sich der Aufrichtung eines lebenskräftigeren Lateinerstaats am Bosporos entgegenstellten, so wäre dazu der Markgraf von Montferrat vor allen andern befähigt gewesen.

Das blutige Haupt des berühmten Helden wurde in das Zelt desselben Joannisa gebracht, welcher den ersten Frankenkaiser hatte töten lassen. Alsbald bestürmten die Bulgaren Thessalonike, wo Margaretha, die Witwe Bonifatius', mit ihrem unmündigen Sohne Demetrios in verzweifelter Lage zurückblieb.Von seiner ersten Gemahlin Eleonore von Savoyen hatte Bonifatius zwei Kinder, Wilhelm, der die Markgrafschaft Montferrat erbte, und Agnes, die Gemahlin Heinrichs. Die Stadt verdankte ihre Rettung nur dem Dolch eines kumanischen Empörers, der den wilden Joannisa niederstieß.

Während so das lateinische Byzanz von seinen Feinden, dem Despoten von Arta, den Bulgaren und dem griechischen Kaiser in Nikaia bedroht wurde, konnten sich nur im Süden die fränkischen Schöpfungen befestigen, und diese waren das Fürstentum Achaia, die Lehnsherrschaften in Theben-Athen, in Euböa und auf anderen Inseln Griechenlands, welche sich Genuesen und Venezianer angeeignet hatten. Die Republik S. Marco war nicht imstande, alle ihr zugewiesenen griechischen Gebiete in Besitz zu nehmen. Sie forderte daher ihren Adel auf, dies auf eigene Kosten zu tun und dann die eroberten Länder als erbliche venezianische Lehen zu beherrschen. So segelten abenteuerliche Nobili Venedigs in das griechische Meer, die Argonauten des 13. Jahrhunderts. Die Levante war damals überhaupt für Franzosen und Italiener, was dreihundert Jahre später Amerika für die Spanier wurde. Alsbald entstanden die seltsamen Inselreiche der Ghisi auf Tinos, Mykonos, Skyros, Skopelos, der Giustinian auf Zia und Seriphos, der Navagioso auf Santorin, der Venier auf der Venusinsel Cerigo. Marin Sanudo stiftete das ansehnliche Herzogtum der Kykladen oder des Archipelagos mit dem Mittelpunkte Naxos, während die große Insel Kreta, das Land des Minos, unter vielen Kämpfen von der Republik S. Marco selber besetzt wurde.Andr. Dandolo (Muratori XII), p. 334. Laurentius de Monacis VIII, p. 143. Romanin, Stor. doc. di Ven. II, p. 183

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