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Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit, Band 5

Friedrich von Raumer: Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit, Band 5 - Kapitel 1
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit, Band 5
authorFriedrich von Raumer
year1825
firstpub1825
publisherF. A. Brockhaus
addressLeipzig
titleGeschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit, Band 5
pages519
created20150717
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Geschichte der Hohenstaufen

und ihrer Zeit

von

Friedrich von Raumer.

 

Fünfter Band.

 


 

Leipzig:
F. A. Brockhaus.
1825.

 


 

Vorrede.

I am satisfied with the more humble merit of having persisted with patient industry, in viewing my subject in many various lights and in collecting from the most accurate observers such detached and often minute features, as might enable me to exhibit a portrait that resembles the original.

Robertson history of America IV, 119.


Es ist, im Angedenken an das Verfahren der unübertroffenen Geschichtschreiber des Alterthums, oft und mit Nachdruck behauptet worden: jedes geschichtliche Kunstwerk müsse ein so volles und genaues Bild der beschriebenen Zeit geben, daß nichts daran mangele, nichts überflüssig und fremdartig erscheine. Deshalb sey es ein ungeschickter, unkünstlerischer Nothbehelf, wenn man außer und neben der eigentlichen Geschichte einen Packwagen mit allerhand Nachrichten herfahren lasse und aus demselben bald etwas zur Erläuterung der eigentlichen Erzählung herüberhole, bald etwas vergessenes und übrig bleibendes hinauflade. Für jede irgend denkwürdige Thatsache, die sich im Laufe der Zeit ereignet, VI für jedes erhebliche Verhältniß, das sich entwickelt habe, müsse innerhalb der eigentlichen Geschichtserzählung der lebendige passende Punkt gefunden werden. Erscheine dies unmöglich, so liege der Grund entweder in der Unfähigkeit des Bearbeiters, oder darin, daß er Dinge für erheblich und denkwürdig halte, welche füglich ganz unerwähnt bleiben könnten.

Dieser, die ganze zweite Hälfte meines Werks verwerfenden, Ansicht entgegne ich: so unübertrefflich die alten Geschichtschreiber in vieler Hinsicht auch sind und ewig bleiben werden, läßt sich doch nicht behaupten, daß sie darauf ausgegangen wären, ein volles Bild irgend einer gesammten Zeit zu geben. Vielmehr fühlten sie sehr scharf und richtig, was zu ihrem Gegenstande gehöre, ihn erläutere, verdeutliche; und nur dies nahmen sie in ihr Werk auf, nur dies durften sie aufnehmen, wenn es ein Kunstwerk bleiben sollte. Herodots Verfahren läßt sich nicht als Gegenbeweis anführen: denn seine Aufgabe war zu eigenthümlich, als daß man ihn unbedingt nachahmen könnte; wohl aber dürfte manche Abschweifung im Polybius und Ammianus Marcellinus beweisen: selbst das Lehrreichste erscheine, sobald es willkürlich in die Erzählung eingeschoben wird, aus dem Standpunkte des Künstlers nur wie ein störender Auswuchs. Thucydides, Livius, Tacitus, welche sich von ihrer eigentlichen Aufgabe nirgends entfernen, bleiben die größeren Meister: allein über Staat Religion, Wissenschaft, VII Kunst, Handel, Steuern, Kriegswesen u. a. m. erhalten wir nirgends durch sie eine genügende, zusammenhangende Einsicht; und wenn es nicht anders woher bekannt wäre, aus dem Thucydides z. B. läßt sich nicht entnehmen, auf welcher vielseitigen Höhe der Wissenschaft und Kunst damals Athen stand. Was aber jene Meister als bekannt voraussetzen konnten, muß itzt bei Darstellung entfernter Zeiträume, aus dem Dunkel möglichst zu Tage gefördert werden. Unangetastet bleibt hiebei die Grundregel: daß in der eigentlichen Geschichtserzählung keine Lücke bleiben dürfe, daß man jene als die Hauptsache betrachten müsse; mithin über die fachlichen Verhältnisse, die Zustände, die Statistik jedes Zeitraumes so viel aufgenommen werde, als zum Verstehen und Begreifen des gesammten Herganges der Dinge nöthig ist. Allein das Verlangen, die gesammten Alterthümer eines großen Zeitraumes in ihrer vollen Ausdehnung der Geschichtserzählung einzuverleiben, bleibt, wie jeder bei näherem Prüfen und Versuchen selbst finden wird, ganz unausführbar: es zerreißt den geschichtlichen Faden auf eine unerträgliche Weise und führt zu ungeschickten Künsteleien, um das nirgends Hinpassende hier oder da unterzustecken.

Ich habe mich bemüht in die Geschichte der Hohenstaufen über Kirche, Städte, Rechtsverhältnisse u. dergl. dasjenige aufzunehmen, was zum Verstehen der Ereignisse erforderlich ist: schwerlich aber möchte sich VIII nachweisen lassen, wo ich alles das hätte anbringen sollen, was der fünfte und sechste Band meines Werkes außerdem noch enthalten. Erst beide Hälften zusammengenommen, die Geschichte und die Alterthümer, geben ein volles Bild der ganzen Zeit; – oder sollten es doch geben!

Hier aber beginnt die zweite Sorge. Denn gerade die, welche sich am bestimmtesten für eine so getrennte Behandlung der Alterthümer erklären, machen auch die größten und bestimmtesten Anforderungen, welchen zu genügen – wenigstens ich für den genannten Zeitraum außer Stande bin. Denn der mühsamste Fleiß reicht nicht hin, aus den zerstreuten und dürftigen Quellen auch nur den zehnten Theil dessen zu beantworten, was man gern wissen möchte; und der Geduldigste möchte bisweilen bei dieser Mosaikarbeit verzweifeln und zur Geschichte zurückeilen, wo lebendige Personen alles beleben und eine künstlerische Behandlung möglich ist. Glücklich, wer bei diesen sachlichen Zusammenstellungen noch von sich sagen kann, was Robertson in dem oben stehenden Motto; oder vielmehr glücklich, wenn andere dies von ihm sagen. Als Regel läßt sich vielmehr das Gegentheil annehmen und befürchten: man werde das Gegebene nicht bloß unvollständig, sondern auch trocken und langweilig nennen. Will man jene Unvollständigkeit durch Aufnahme einer größern Zahl von Einzelnheiten vertilgen, so wächst IX die Klage über die letzten Mängel; sucht man diese durch Weglassung des kleinlich Erscheinenden zu heben, so verschwindet das Eigenthümlichste in unbestimmten allgemeinen Betrachtungen; welche endlich wiederum schon deshalb keinen Beifall finden, weil jeder seine eigenen Ansichten mitbringt und nicht begreift, wie der Verfasser, bei so unzureichenden Gründen, andere habe aufstellen können!

Aus diesen, leicht zu mehrenden, Ursachen werden die folgenden Versuche weder die Gelehrten befriedigen, noch andere Leser anziehen. Auch hat mich nicht die Hoffnung auf Beifall zu dieser Arbeit vermocht, oder dabei unterstützt; sondern allein der Glaube vorwärts getrieben, sie sey nun einmal nothwendig und unerläßlich.

Zur Rechtfertigung, oder doch zur Entschuldigung meiner Behandlungsweise, bemerke ich indeß noch folgendes.

Erstens: die Alterthümer sind der eigentlichen Geschichte nicht vorangestellt: denn obgleich es auch seine Unbequemlichkeiten hat, dieselben nachfolgen zu lassen, so sind es doch die geringern, und das Verständniß eher auf diese, als auf jene Weise möglich. Eben so wenig konnte ich der, an sich verständigen, Forderung genügen, etwa am Schlusse der Regierung jedes Kaisers alle sachlichen Verhältnisse nach gewissen Abtheilungen zusammenzustellen. Denn die Nachrichten sind viel zu dürftig, ihr Zeitpunkt oft viel zu X ungewiß, der Gang der Entwickelung viel zu langsam und unbestimmt, als daß sich mit Sicherheit und irgend lehrreicher Vollständigkeit die Gegenstände an verschiedenen Punkten getrennt behandeln ließen. Nur dadurch daß man die gesammte, keineswegs reiche Ausbeute an einer Stelle ordnet, mittheilt, betrachtet, erläutert, kann man zu einigermaaßen lehrreichen und begründeten Ergebnissen kommen.

Zweitens: durfte ich den Umfang meiner Arbeit höchstens bis auf zwei Bände ausdehnen und kann, wie gesagt, selbst jetzt nicht hoffen viele Leser bis zu Ende festzuhalten. Aus dieser vorsätzlichen und nothwendigen Beschränkung folgt aber: daß manche Gegenstände ganz übergangen, manche, über welche dicke Bücher geschrieben worden, auf wenigen Seiten abgehandelt, manche Untersuchungen ganz von der Hand gewiesen sind. Weit von der Anmaaßung entfernt, ein vollständiges Werk über die Alterthümer jener Zeit geliefert zu haben, gebe ich nur Beiträge, welche andere benutzen, berichtigen, vervollständigen mögen. Auch beziehen sich dieselben im wesentlichen bloß auf Deutschland und Italien; das wenige was von andern Reichen gesagt ist, möge man als gelegentliche Zugabe mit doppelter Nachsicht aufnehmen.

Drittens: wenn Arbeiten dieser Art irgend Werth und Wahrheit haben sollen, müssen sie genau nach XI Zeiträumen abgesondert seyn Wolf Museum der Alterthumswiss. I, 1, 55.. Durch das entgegengesetzte Verfahren kommt man freilich zu einem Gemälde, das dem Nichtunterrichteten viel anziehender und reicher erscheint, von jedem Kenner dagegen mit Recht für unwahr und trügerisch erklärt wird. Deshalb habe ich mich, diesen falschen Reichthum verschmähend, schlechterdings an die Zeit von Gregor VII bis zum Untergange der Hohenstaufen gehalten und, mit Ausnahme unentbehrlicher geschichtlicher Einleitungen, alles frühere und spätere davon getrennt.

Viertens: die Anordnung der einzelnen Abschnitte steht bei Behandlung der Alterthümer keineswegs so fest, daß nicht Zweifel und Einwendungen gegen jedes Verfahren übrig blieben; und eben so wenig lassen sich Hinweisungen, Rückweisungen und Wiederholungen ganz vermeiden. Doch dürfte (wenn ich nicht irre) die von mir nach ernstem Überlegen erwählte Eintheilung weniger Mängel haben, als manche andere, deren Brauchbarkeit ich übrigens für verschiedene Zeiträume und Zwecke nicht bestreiten will.

Schließlich muß ich um Entschuldigung bitten, daß mein dem vierten Bande beigefügtes Verzeichniß der Quellen allerdings nicht ganz vollständig ist. Zuvörderst nämlich, sind die Titel derjenigen Werke weggeblieben, in welchen ich vergeblich nach Ausbeute suchte. Ferner, sollte ursprünglich das Verzeichniß nur XII meinem Gedächtnisse zu Hülfe kommen, und ich trug manche Werke nicht ein, welche gelesen zu haben man niemals vergißt. Endlich, sind allerdings aus Versehn auch Titel weggeblieben, welche im Verzeichnisse stehn und das undeutliche Citat erläutern solltenAls Beispiel zu eins, führe ich an:
    Arrico Baccho effigie de' Re di Napoli.
    Auria dell' origine ed antichità di Cefalu.
    Antiche iscrizioni di Palermo.
    Alciati rerum patriae libri IV.
    Berdini istoria di Palaestina.
    Baccio vita di Gioachimo abbate.
    Baruffaldi istoria di Perrara.
    Boninsegni storie di Firenze.
    Berni memorie della casa d' Este.
    Biscari viaggio della Sicilia.
    Bonifacio storia Trevigiana

u. s. w. durchs ganze Alphabet hindurch.
Zu zwei nenne ich. Ferreras, Gibbon, Hume, Luden, Johannes Müller, Friedrich Schlegel u. a. m.
Zu drei fehlen z. B. Tschudi Geschichte der Schweiz, Kurz Geschichte von Osterreich, Leo Allatius poeti antichi, Corbinelli rime antiche, Corio storia di Milano, Toppi bibliotheca Napoletana, Tafuri serie degli scrittori Napoletani, Rosselli miscéllanee storiche spettanti alle Sicilia u. a. m.
.

Dem bloßen Liebhaber kann es indeß gleichgültig seyn, ob das Verzeichniß etwas länger oder kürzer erscheint; der Kenner findet sich auch ohne dasselbe zurecht, so wie er weiß, daß überall wo neben dem Namen der Chronisten keine Zahl oder genauere Angabe steht, das Jahr nachzusehen ist, von welchem die Erzählung handelt.

Dresden den 14ten September 1824.

 


 

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