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Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit, Band 1

Friedrich von Raumer: Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit, Band 1 - Kapitel 1
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit, Band 1
authorFriedrich von Raumer
year1823
firstpub1823
publisherF. A. Brockhaus
addressLeipzig
titleGeschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit, Band 1
pages597
created20150415
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Ansicht der Gegend von Hohenstaufen.

 

Geschichte der Hohenstaufen

und ihrer Zeit

von

Friedrich von Raumer.

 

Erster Band.

Mit einem Kupfer, einer Karte und zwei Planen.

 


 

Leipzig:
F. A. Brockhaus.
1823.

 


 

An Seine Majestät

den

König Friedrich Wilhelm III

von Preußen

Allerdurchlauchtigster, großmächtigster König!

Allergnädigster König und Herr!

Durch Euer Königlichen Majestät Gnade ward mir die Muße und äußere Stellung zu Theil, ohne welche ich es nicht hätte unternehmen können, die Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit zu schreiben. Allerhöchstdieselben bewilligten mir ferner Urlaub und Unterstützung zu einer Reise, deren wissenschaftliche Ausbeute in Deutschland, der Schweiz und Italien höchst erfreulich war. Deshalb darf ich mich unterstehen, Euer Königlichen Majestät das beendete Wert als ein geringes Zeichen der innigsten Dankbarkeit und größten Ehrfurcht zu überreichen, mit welcher ich ersterbe

Euer Königlichen Majestät

Berlin den 3ten August 1823.

allerunterthänigster    
Friedrich von Raumer.

 


 

Vorrede.

Übrigens ist es sehr gut, Ein Hauptwerk das ganze Leben hindurchzuführen. Unermeßlich darf es nicht seyn, sonst kömmt doch nichts heraus; aber z. B. die Sie reizende hohenstaufische Zeit ist reich und sehr groß, würdig ein Leben zu füllen und doch nicht unermeßlich, wenn Sie diese wählen, von 1080 bis 1269. Welche Heroen!

Johannes Müller an Hrn. Hurter. Werke, Band XVIII, S. 167.

Das Werk, dessen erster Theil hier erscheint, ist in neun Bücher getheilt. Das erste Buch enthält die allgemeine Einleitung und die Geschichte des ersten Kreuzzuges, bis auf den Tod Gottfrieds von Bouillon; das zweite die Geschichte der letzten Regierungsjahre Heinrichs IV, die Geschichte Heinrichs V, Lothars und Konrads III; das dritte die Geschichte der christlichen Staaten des Morgenlandes vom Tode Gottfrieds von Bouillon, bis zu dem Ende des zweiten Kreuzzuges; das vierte die Geschichte X Kaiser Friedrichs I; das fünfte die Geschichte des Morgenlandes vom Ende des zweiten Kreuzzuges, bis zu dem Tode Saladins; das sechste die Geschichte Heinrichs VI, Philipps und Ottos IV, der Einnahme von Konstantinopel, der Albigenser u. s. w. bis auf Kaiser Friedrich II; das siebente die Geschichte Kaiser Friedrichs II; das achte die Geschichte Konrads IV und Konradins; das neunte Beiträge zu den Alterthümern dieser Zeiten.

Ich mußte, da nur ein sehr langer Titel diesen Inhalt angemessen bezeichnet hätte, unter mehren kürzern den wählen, welcher meinen Freunden und mir die wenigsten Mängel zu haben schien.

Nach Ablehnung der, etwa vom Titel hergenommenen Vorwürfe, bleibt aber allerdings das wichtigere Bedenken übrig: ob nicht die Sachen selbst eine andere Behandlung und Stellung verlangen und verdienen. In dieser Hinsicht könnte man einwenden: daß Kreuzzüge, Normannen, Dänen, Slaven u. s. w. mit zu großer Umständlichkeit behandelt, der gerade zum Ziele führende Weg aus den Augen verloren, die Einleitung gedehnt, der Anfang des Werkes ganz willkürlich gewählt sey u. dergl. Ich würde hierauf erwiedern:

XI Erstens: bei Anordnung des Inhalts geschichtlicher Werke darf man zwar nicht mehr wie Herodot verfahren; allein noch jetzt muß der Geschichtschreiber die Forderung zurückweisen: er solle von einem bestimmten Anfangspunkte zu einem bestimmten Endpunkte, wie auf schnurgerader Straße, vorwärts eilen und das Schönste, was zu beiden Seiten des Weges liegt, unbeachtet lassen. Wie geschickt hat Gibbon (und wer darf ihn deshalb tadeln) das Interesse und den Reichthum seines Werks dadurch erhöht, daß er, wo der nächste Stoff desselben geringhaltig und dürftig war, das Denkwürdige auf allen Seiten damit verband, seine Wege zu Arabern, Mongolen, Normannen ausdehnte und durch verknüpfende Fäden dennoch dem Ganzen Einheit und Haltung gab.

Zweitens: die Einleitung glaubte ich nicht kürzer fassen zu dürfen, weil Lesern welche der Geschichte des Mittelalters unkundig sind, viele der spätern Erscheinungen sonst dunkel und unerklärlich geblieben wären.

Drittens: wollte ich zuerst die ausführliche Geschichtserzählung mit Konrad III, als dem ersten Könige aus dem Hause der Hohenstaufen beginnen: allein ich überzeugte mich bald, daß der Anfangspunkt eines geschichtlichen Zeitraumes nicht in ihm liege, XII sondern mein Werk nothwendig mit den Kreuzzügen anheben und mit dem Tode Konradins schließen müsse. Für diese Ansicht fand ich später, zu meiner Freude, in einem Briefe von Johannes Müller eine so klare Bestätigung, daß ich nicht umhin konnte sie in dieser und anderer Beziehung als Motto meinem Werke vorzusetzen. Möchte man überhaupt die Anordnung desselben, für welche ich mich erst nach ernster Überlegung und Berathung entschieden habe, nicht vor Erscheinung des Ganzen verurtheilen: denn manches was, besonders in den drei ersten einleitenden Büchern, unangemessen oder zweckwidrig erscheint, findet in den spätern vielleicht seine hinlängliche Begründung.

Wenn indeß der Kenner auch zugiebt, daß die Geschichte der Hohenstaufen, und noch mehr die ihrer Zeit, ohne die Geschichte der Kreuzzüge eines ihrer wichtigsten und lebendigsten Bestandtheile beraubt seyn würde; so muß ich doch dem Vorwurfe entgegensehn: es sey eine anmaaßliche Thorheit, sie nach Wilken noch einmal schreiben zu wollen. Ich bemerke hierauf, daß ich der Wahrheit nach nicht später schrieb, als Wilken: denn ohne von dem Anfange seiner Arbeit zu wissen, war mein erster Entwurf schon so weit XIII gediehen, daß ich es im Sommer 1807 wagte, eine Erzählung der Eroberung Jerusalems durch Saladin an Johannes Müller zu senden, welcher das sehr unvollkommene Bruchstück in seiner AntwortWerke, Theil XXVII, S. 363. vom 18ten Oktober 1807 viel zu günstig beurtheilte und mich ermunterte, das Unternehmen nicht aufzugeben. Ferner weicht sowohl der Umfang als der Zweck meiner Darstellung, von der meines verehrten Freundes sehr ab. Sein Werk ist (wovon niemand aus genauerer Kenntniß mehr überzeugt seyn kann, als ich) in jeder Hinsicht vollständig, vortrefflich, erschöpfend und hat mir zur Berichtigung meiner Arbeit die größten Dienste geleistetAuch hat Wilken mit seltener Freundschaft meine Handschrift noch einer besonderen Durchsicht gewürdigt.. Was aber bei ihm alleiniger Gegenstand ist, ist bei mir Nebensache und wird es in den folgenden Bänden noch mehr; daher füllt z. B. der Inhalt meines dritten Buches bei ihm fast zehnmal so viel Seiten.

Das Verzeichniß der von mir benutzten Quellen soll, nebst einigen nähern Erläuterungen, einem der folgenden Bände beigefügt werden, und wird dazu XIV dienen, die abgekürzten Anführungen verständlich zu machen.

Gegen den Wunsch mehrer Freunde, sind die Noten möglichst kurz gefaßt: hätte ich alle kritische Bedenken in ihnen vorlegen wollen, sie wären länger geworden, als der Text.

Die Ansicht der Gegend von Hohenstaufen ist nach dem schönen Blatte des Herrn Seyffer entworfen. Auf der Spitze des Berges stand das alte Kaiserschloß, am Abhange zeigt sich das Dorf Hohenstaufen und weiter rechts in der Tiefe das Dorf Salach. – Der Karte liegt die mit höchster Genauigkeit bearbeitete des Herrn Professor Kruse zum Grunde; nur habe ich die wichtigsten Orte (denn alle in der Geschichtserzählung genannten, fanden nicht Platz) aus den Blättern für 1100, 1200 und 1300 auf eines zusammentragen und manche nicht erwähnte hinzusetzen müssen. Dem dritten Bande soll vielleicht ein besonderer Abdruck mit der Illumination für das Jahr 1200 beigefügt werden; so wie der itzige die Gränzen der Reiche für das Jahr 1100 zeigt. Wichtigere Namen und Ausdrücke, welche im Jahre 1100 noch keine Anwendung finden, aber die spätere Zeit nutzbar erläutern, ließ ich zur Vermeidung von Mißverständnissen in XV Klammern einschließen, z. B. Austriae D., Armeniae R. u. s. w. Einige andere Zweifel, wird der aufmerksame Leser, aus der Geschichtserzählung zu lösen, selbst im Stande seyn.

Die kleinen Plane von Antiochien und Jerusalem, sind nach denen in Michauds Geschichte der Kreuzzüge, jedoch nicht ohne einige Berichtigungen gezeichnet.

Ungleichheiten der Rechtschreibung, für welche ich um Entschuldigung bitte, rühren her von verschiedenen Abschreibern, Correktoren, und zum Theil von dem schwankenden Gebrauche selbst. Bisweilen galt mir der Wohlklang mehr als strenge Beobachtung einer Regel: daher schreibe ich z. B. halber und halben, andern und anderen, dem König und dem Könige u. s. w.

Öffentlichen und herzlichen Dank muß ich zum Schlusse dieser Vorrede für die große Güte sagen, mit welcher die Herren Bibliothekare und Archivare in Nürnberg, München, Zürich, St. Gallen, Bern, Florenz, Rom, Neapel, Genua u. s. w. meinen Wünschen entgegenkamen; und nicht geringere Verdienste um mein Werk haben sich einige meiner Freunde durch strenge und mühsame Durchsicht der Handschrift XVI erworben. Dennoch kann niemand aufrichtiger und bestimmter fühlen als ich: daß ungeachtet aller eigenen Sorgfalt und aller fremden Hülfe, das Geleistete weit hinter dem Ideal der Geschichtschreibung jener großen Zeiten zurückbleibt und daß Kenner und Liebhaber, nach so mancher günstigen Empfehlung, etwas Vollkommneres zu erwarten berechtigt sind.

 


 

Inhalt.

Erstes Buch.
Erstes Hauptstück Die Einleitung.
Zweites Hauptstück Das Morgenland, Vorbereitungen zu den Kreuzzügen, Schicksal der ersten Heere.
Drittes Hauptstück Geschichte der größeren Heere vom Aufbruche Gottfrieds von Bouillon, bis zum Übersetzen aller Pilger nach Asien.
Viertes Hauptstück Geschichte der Kreuzfahrer bis zur Ankunft vor Antiochien.
Fünftes Hauptstück Die Belagerung, Einnahme und Vertheidigung von Antiochien.
Sechstes Hauptstück Vom Aufbruch von Antiochien, bis zur Ankunft vor Jerusalem.
Siebentes Hauptstück Von der Ankunft vor Jerusalem, bis zum Tode Gottfrieds von Bouillon.
 
Zweites Buch.
Erstes Hauptstück Von der Empörung König Konrads, bis zum Tode Heinrichs IV (1092–1106).
Zweites Hauptstück Die erste Hälfte der Regierung Heinrichs V, bis auf die Schlacht am Welfesholze und den Tod der Markgräfinn Mathilde (1106–1115).
Drittes Hauptstück Geschichte Heinrichs V von 1115 bis 1125 zu seinem Tode.
Viertes Hauptstück Geschichte König Lothars, bis zu seiner Aussöhnung mit den Hohenstaufen (1125–1135).
Fünftes Hauptstück Die Dänen, Slaven und Normannen.
Sechstes Hauptstück Die Zeiten von der Aussöhnung Lothars mit den Hohenstaufen, bis zu dem Kreuzzuge Konrads III (1135–1146).
 
Drittes Buch.
Erstes Hauptstück Vom Tode Gottfrieds von Bouillon, bis auf den Tod Boemunds (1100–1110).
Zweites Hauptstück Vom Tode Boemunds, bis zum Tode König Balduin II (1110–1131).
Drittes Hauptstück Beschaffenheit des Landes, Völkerstämme, Verfassung des Königreichs Jerusalem, die Ritterorden, die Assassinen.
Viertes Hauptstück Vom Tode König Balduins II, bis auf die Einnahme von Edessa (1131–1146).
Fünftes Hauptstück Der zweite Kreuzzug und das Abendland, bis auf den Tod Konrads III (1146–1152).
Erste Beilage Die Anfänge der normannischen Herrschaft in Italien.
Zweite Beilage Die Legende von der heiligen Lanze zu Antiochien.
Dritte Beilage Stammtafeln der christlichen Herrscher in Syrien und Palästina.
 
An Kupfern, Karten und Planen.
1)  Ansicht der Gegend von Hohenstaufen, als Titelkupfer.
2)  Plan von Antiochien. Plan von Jerusalem.
3)  Karte vom südlichen Europa, Kleinasien und Syrien für das Jahr 1100.

 


 

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