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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 58
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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13. Beamtenstand. Straßenbau und Posteinrichtung. Eintheilung des Reichs. Volkszählung. Rechtspflege. Gesetzgebung. Sittensprüche.

In dem Beamtenwesen herrschte eine strenge, zweckmäßige Unterordnung, besonders galt dieß von der Heereseintheilung, von der wir weiter unten sprechen werden. Gleiches fand statt bei den Hirten, welche die Heerden des Königs und des Landes hüteten. Ueber eine gewisse Anzahl von Schäfern war ein Aufseher gesetzt und über mehrere wieder ein Oberschäfer u. s. w., so daß die Schafe mit der größten Sorgfalt geweidet wurden und niemals eines abhanden kam. Freilich gab es keine Diebe im Lande und man hatte sie nur gegen reißende Thiere zu schützen. – Es gab ferner für alle Zweige der Verwaltung eine zweckmäßige Anzahl von Geschäftsführern, Unternehmern, Verwaltern, Visitatoren und Richter, die für alle Bedürfnisse des Reiches und des Volkes sorgen mußten. Der Hausvisitatoren haben wir bereits erwähnt. Befand sich jemand in Noth, so mußten ihm die Beamten sogleich Hülfe gewähren und dem Statthalter oder dem König selbst davon Nachricht geben. Besonders strenge sahen die Visitatoren darauf, daß die Kinder den Eltern gehorchten und die Töchter das Hauswesen gut mitbesorgen halfen. Durch das ganze Reich liefen Straßen die als wahre Wunderwerke betrachtet werden müssen, und über welche spanische Schriftsteller ihr Erstaunen nicht genug aussprechen können. Wir führen nur Ein Beispiel an. Als der Inca Guaynacava von Cuzco zur Eroberung von Quito auszog, machte er einen Weg von nicht weniger als fünfhundert Stunden über Berge, Thäler, Abgründe, die sich ihm überall als beinahe unübersteigliche Hindernisse entgegenstellten, weil noch keine Heerstraße angelegt war. Nachdem er glücklich diese Provinz erobert hatte, wollten ihm die Indianer einen Beweis der Hochachtung und des Dankes für seinen Sieg geben und bereiteten ihm zur Rückkehr einen bequemen Weg. Sie brachten dieses Werk mit ungeheuren Anstrengungen zu Stande; sprengten große Felsen, füllten Thäler und Abgründe von mehr als hundert Fuß Tiefe aus, und vollendeten so in kurzer Zeit eine fünfhundert Stunden lange Straße und zwar so eben und breit, daß man sie überall mit einer Carrosse leicht hätte befahren können. Als die Spanier in Peru einfielen, wurden diese Straßen größtentheils durch die Eingebornen zerstört, um das Vordringen der Feinde zu verhindern. Die erwähnte Straße führte nach Quito über die Gebirge. Die Indianer legten bald darauf eine zweite, durch die Ebenen nach dieser Provinz führende an; in allen Tiefen, die meistens eine Stunde breit waren, errichteten sie hohe Erdaufwürfe und machten die Straße, die vierzig Fuß breit war, so eben daß man weder auf- noch abwärts zu steigen brauchte; sie war gleichfalls 500 Stunden lang, zu beiden Seiten mit Schranken versehen und mit zwei Reihen von Obstbäumen und andern Bäumen bepflanzt. Auf den höchsten Bergen befanden sich zu beiden Seiten der Straße geebnete Plätze, zu welchen in die Felsen gehauene Treppen hinaufführten, damit die, welche den König auf seiner Sänfte trugen, leichter hinauf steigen konnten, wenn dieser sich an der Aussicht ergötzen wollte, die oft einen Gesichtskreis von 100 Stunden darbot.

Auch eine Posteinrichtung war in dem Reiche eingeführt. Auf allen Straßen waren von einer Viertelstunde bis zur andern fünf bis sechs Chasqui (Boten oder Läufer) zur schnellen Besorgung der Neuigkeiten, Nachrichten oder königlichen Befehle aufgestellt. Diese Boten wohnten in kleinen Häuschen, um sich gegen die Witterung zu schützen; sie kamen der Reihe nach an das Ueberbringen der Botschaften und mußten ihre Blicke beständig auf die Straße richten um ja keinen heraneilenden Boten zu versäumen. So schnell als möglich mußten sie von ihm die zu besorgende Botschaft vernehmen, damit ja keine Zeit verloren ging. Ihre Stationshäuschen waren deßhalb immer auf einem Hügel angelegt, so daß sie sich bis auf eine Viertelstunde hin erblicken konnten. Die Entfernungen waren deßhalb nicht größer bestimmt, weil sie behaupteten ein Mensch könne nicht wohl, ohne stille zu stehen oder außer Athem zu kommen, weiter laufen. Die Boten nannten sie Chasqui, d. h. Auswechsler, indem diese die Nachrichten einander mündlich mittheilten oder die Worte austauschten; von schriftlicher Mittheilung konnte keine Rede seyn, weil den Indianern die Schrift unbekannt war; die Botschaften selbst waren in wenige leicht zu behaltende Worte gefaßt, damit deren Sinn nicht entstellt würde oder die Boten sie vergäßen. Der Läufer welcher die Botschaft brachte, fing schon in der Ferne laut zu rufen an, um den Boten der an die Reihe kam, aufmerksam zu machen. Er wiederholte das was er zu sagen hatte zwei oder dreimal, bis der welcher die Depesche weiter befördern sollte, sie gehörig und genau verstanden hatte, und so ging es fort bis zu dem Orte, wohin sie bestimmt war.

Das ganze Reich war nach den vier Weltgegenden (Tavantinsuyv) in vier große Theile geschieden, der östliche hieß Antisuyv, der westliche Cuntisuyv, der nördliche Chinchasuyv und der südliche Collasuyv nach den vier Provinzen Anti, Cunti, Chincha und Colla. Die Hauptstadt Cuzco lag in der Mitte, und es verdient bemerkt zu werden, daß dieser Name »Nabel der Erde« bedeutet. Kamen neue Provinzen zu dem Reiche, so wurden sie einem der vier Haupttheile einverleibt. Um eine feste Ordnung im Staate zu begründen, hatten die Incas zu gleicher Zeit verordnet, daß von Zeit zu Zeit eine allgemeine Volkszählung, die sich sogar auf die Kinder erstreckte, vorgenommen wurde; die Bewohner jeder Stadt, selbst der kleinsten, wurden in ein öffentliches Register eingetragen und zwar decurienweise, d. h. je zehn und zehn Mann, über welche ein Decurio als Zehnmann die Aufsicht führte. Je fünf solcher Decurien hatten wieder ein eignes Oberhaupt, das mithin über fünfzig Mann zu gebieten hatte. Zwei Decurien von je fünfzig Leuten hatten einen Führer, fünfhundert Mann bildeten eine Compagnie unter einem Hauptmann, zwei Compagnien oder tausend Mann standen unter einem General. Diese Decurionen, Hauptleute und Generale hatten insbesondere zwei Obliegenheiten: die erste war genau darauf zu achten, daß für die Bedürfnisse der ihnen Untergebenen gesorgt wurde. Wenn es sich z. B. um die Herbeischaffung von Lebensmitteln oder um Unterstützung bei einem Unglücksfalle handelte, so mußten sie sich deßhalb an die obern Behörden wenden und die nöthigen Schritte thun, bis dem Uebelstande abgeholfen war. Zweitens war es ihre Pflicht als Ankläger aufzutreten, wenn irgend Jemand aus ihrer Abtheilung den geringsten Fehler beging; sie mußten die Klage bei dem nächsten Obern anzeigen und dieser ließ dann den Schuldigen bestrafen. – Je nach der Größe des Verbrechens mußte von verschiedenen stufenweise angeordneten Richtern das Urtheil gefällt werden. Der Gang der Gerechtigkeit war kurz, die Vollziehung der Strafe folgte unmittelbar nach dem Urteilsspruche, und eine Berufung an eine höhere Instanz fand nicht statt. Ebenso schnell wurden bürgerliche Rechtssachen entschieden; um jedes Hinausziehen derselben zu verhüten, und besonders um die Armen in ihrem Rechte zu schützen, war in jeder Stadt ein Richter angestellt, der unbedingte Gewalt hatte die Rechtshändel, welche die Bürger miteinander führten, zu schlichten. Handelte es sich um eine Streitigkeit zwischen zwei Provinzen, über die Feldmarken oder das Weiderecht, so sendete der Inca einen eigenen Bevollmächtigten, um den Streit zu beenden. Jeder Vorsteher, die hohen wie die niedern, wurden strenge bestraft, wenn sie nicht für die Bedürfnisse der ihnen Untergebenen bei der obern Behörde das Nöthige verlangten. Wenn er einen Schuldigen nicht noch am nämlichen Tage anzeigte, mußte er selbst, wenn es bekannt wurde, die doppelte Strafe erleiden: einmal weil er seine Pflicht nicht gethan und dann weil er sich an dem Verbrechen des Schuldigen dadurch, daß er diesen nicht angezeigt, betheiligt hatte. Die strenge Aufsicht, die von oben herab stufenweise stattfand, hatte die gute Wirkung, daß jeder sich beeiferte seine Pflicht zu thun. Dabei waren diese Gesetze so strenge, daß sogar die geringsten Verbrechen beinahe immer mit dem Tode bestraft wurden. Gelindere Strafen waren Auspeitschung und Verbannung. – Die Jünglinge wurden unter strenger Aufsicht gehalten und sogenannte Jugendstreiche gingen ihnen nicht ungestraft hin; doch nahm man stets auf ihr Alter Rücksicht. Ueberdieß waren die Väter für die Fehler und übeln Gewohnheiten ihrer Söhne verantwortlich; sie wurden gestraft, wenn sie diese in frühern Jahren nicht unterrichtet und erzogen hatten. Daher kam es, daß die Väter auf die Erziehung ihrer Söhne die größte Sorgfalt verwendeten und sie von jeder ihrer unwürdigen Handlung zurückhielten.

Die Decurionen hatten ferner ihren Obern von Monat zu Monat über die Zahl der Gebornen und Gestorbenen Bericht abzustatten, so daß der Inca am Schlusse des Jahrs genau den Stand der Bevölkerung übersehen konnte. Gleiche Berichte wurden über den Stand des Heeres eingeliefert, so daß man genau wußte wer im Kriegsdienste gestorben war. Um zu verhindern daß die Statthalter, die Richter und alle übrigen Beamten die ihnen anvertraute Gewalt nicht mißbrauchten, sondern gewissenhaft ihre Pflicht erfüllten, waren Controleure und eigene Commissäre angestellt, die insgeheim die Provinzen durchreisten, um sich Kenntniß von den etwaigen Vergehen und Verbrechen der Staatsdiener zu verschaffen und darüber an die competente Behörde zu berichten, damit die unwürdigen ihrer Stellen entsetzt und gestraft wurden. Diese Commissäre waren eine Art geheimer Polizei und man nannte sie Tucuyricoc (die alles Sehenden). So waren alle Beamten sowohl am Hofe als in den Städten und Provinzen von oben herab genau überwacht, und sie wurden weit strenger als gewöhnliche Bürger, wenn sie ihre Amtspflicht verletzten, bestraft, besonders aber die Justizbeamten. Der Grund den sie als Ursache dieser Handlungsweise anführten war, daß ein ausdrücklich zur Ausübung der Gerechtigkeit angestellter Mann für ungerechte Handlungen um so größere Strafe verdiene, weil er dadurch die Sonne und den Inca beleidige, die ihn zu seinem Amte in der Meinung emporgehoben hatten, er sey besser und redlicher als andere Menschen.

Wir führen nun noch einige merkwürdige Gesetze an. Keiner wurde wegen eines Vergehens zu einer Strafe an seinem Besitze verdammt oder wie unsere Gesetzgebung sich ausdrücken würde: niemand wurde zu einer Geldstrafe verurtheilt. Es fanden mithin keine Confiscationen statt, denn sie behaupteten, wenn man auch die Güter des Schuldigen einziehe, ihn selbst aber am Leben lasse, so würde dadurch das Verbrechen aus dem Staate nicht verbannt, sondern den Verbrechern nur Gelegenheit gegeben noch größere Verbrechen zu begehen. – Wenn ein Curaca sich empörte, so wurde er nach dem Gesetz bestraft, aber die Strafe nicht auf den Sohn ausgedehnt, der dem Vater im Amte zu folgen bestimmt war; im Gegentheil man verlieh ihm dieß Amt, indem man ihm den Fehler seines Vaters vorstellte und ihn ermahnte nicht auch in denselben zu verfallen. – Hatte ein Richter einen Urtheilsspruch gefällt, so konnte er ganz und gar die durch das Gesetz verhängte Strafe nicht erlassen, sondern mußte sie bei Todesstrafe pünktlich vollziehen lassen. – Die Strenge der Gesetze flößte den Unterthanen einen solchen Abscheu vor dem Laster ein, daß in dem großen Reiche die beste Ordnung herrschte und es trotz der Menge verschiedener Stämme einer einzigen großen Familie glich. Da man überdieß jedes Gesetz für göttlich hielt, so beobachtete man es auch mit Freuden, und man fand während des ganzen Jahres kaum einen einzigen, der einen strafbaren Fehler begangen hatte. Jeden, der ein Gesetz verletzte, hielt man für einen Gottesfrevler, so daß sich die Schuldigen häufig aus Gewissensbissen selbst beim Richter angaben. – Jeder Richter mußte von Monat zu Monat Rechenschaft über seine Urtheile ablegen, damit man daraus ersehen konnte, ob jeder seine Pflicht erfüllte. – Auch Gesetze gegen den Luxus waren eingeführt. Der Inca Pachacutec verordnete, daß nur die Prinzen und ihre Söhne Gold, Silber, Edelsteine und kostbare Federn oder Kleider aus der feinen Wolle der Vicunaziege tragen durften. – In Bezug auf das Essen gebot das Gesetz Mäßigkeit; bezüglich des Trinkens bestand keine Verordnung, jeder durfte sich so oft er wollte berauschen. – Einer der größten Gesetzgeber war der obengenannte Pachacutec; er erließ unter andern Gesetze gegen Hochverräther und Majestätsverbrecher, gegen Gotteslästerer, Mörder, untreue Vasallen, Ehebrecher, gegen die welche Mädchen aus dem Hause ihrer Eltern entführten oder ihnen Gewalt anthaten; ingleichen gegen Räuber, Sodomiter, Unzüchtige und so weiter. Es sind von ihm noch eine Reihe von Denksprüchen übrig, die wir unsern Lesern wegen ihrer Eigenthümlichkeit hier mittheilen wollen.

»Ein Reich befindet sich in ruhigem Zustande und Ordnung herrscht in ihm, wenn die Unterthanen, Beamten und Statthalter ihrem Könige freiwillig und in Liebe gehorchen.« – »Der Neid ist ein Wurm, der die Eingeweide der Neidischen auffrißt und verzehrt.« – »Der leidet doppelt Pein, welcher einen andern beneidet und selbst beneidet wird.« – »Es ist besser von andern beneidet werden, wenn man rechtschaffen ist, als wenn man aus Bosheit Neid gegen andere hegt.« – »Man thut sich selbst Schaden, wenn man andere beneidet.« – »Der welcher Neid gegen Rechtschaffene in sich trägt, zieht von diesen nur Böses, gerade wie die Spinne, die wir aus den schönsten Blumen Gift ziehen sehen.« – »Betrunkenheit, Zorn und Thorheit gehen beinahe gleichen Schritt, doch die beiden erstern sind freiwillig und vorübergehend, während die Thorheit immer dauert.« – »Der Mensch verdammt sich selbst zum Tode, welcher jemanden mit kaltem Blute tödtet ohne einen Grund dafür zu haben oder ohne dazu beauftragt zu seyn.« – »Es ist nothwendig, daß der zum Tode verdammt werde, der seinesgleichen den Tod gegeben hat; ich bestätige deßhalb das Gesetz meiner Vorfahren, das die Todesstrafe über alle Mörder verhängt!« –

»In einem gutgeordneten Staate darf man niemals Taugenichtse und Träge dulden, die statt sich ehrlich nähren zu wollen, nur von Raub und Diebstahl leben. Es ist deßhalb sehr billig, daß diese Diebe gehängt werden.« –

»Die Ehebrecher, die das Bett anderer schänden und mithin den Frieden und die Ruhe der Familien stören, sollen als Räuber betrachtet und ohne Gnade zum Tode verdammt werden.« –

»Ein edles und großes Herz zeigt sich in der Geduld, mit welcher es die Schläge des Schicksals erträgt.« – »Die Ungeduld ist ein Zeichen eines gemeinen Herzens, das keine Bildung, sondern nur böse Gewohnheiten besitzt.« – »Die Könige und Statthalter müssen Milde und Freigebigkeit gegen ihre Unterthanen üben, wenn sie den Gesetzen, die man ihnen gegeben hat, gehorchen; müssen aber jeden, der sie übertritt, bestrafen.« – »Schlechte Richter, von welchen die streitenden Parteien betrogen werden und die sich bestechen lassen, sind als Räuber zu betrachten.« – »Die Statthalter in den Provinzen müssen besonders auf zwei Dinge achten: erstens müssen sie pünktlich die Gesetze ihres Beherrschers befolgen und bewirken, daß die andern dasselbe thun; zweitens müssen sie einen guten Rath um sich haben, damit sie mit großer Gewissenhaftigkeit und Wachsamkeit für die allgemeinen und besondern Bedürfnisse ihrer Provinz sorgen können.« – »Ein Mensch, der nicht im Stande ist seine Familienangelegenheiten zu regeln, wird noch weniger im Stande seyn, die Angelegenheiten des Staates zu leiten; man darf ihn deßhalb andern nicht vorsetzen.« – »Ein Arzt der die Eigenschaften der Pflanzen nicht kennt oder, wenn er einige kennt, nicht auch die übrigen kennen zu lernen sucht, weiß ganz und gar nichts oder er weiß nur sehr wenig. Wenn er sich also die Würde nach der er strebt erwerben will, so muß er sich die Kenntniß aller Pflanzen, der heilsamen wie der schädlichen, verschaffen.« – »Der verdient daß man ihn aushöhnt, welcher die Kunst mit Knoten zu rechnen nicht versteht und sich dabei einbildet, er könne sich mit der Berechnung der Sterne befassen.«

Der Inca Roca stellte unter andern folgende merkwürdige Grundsätze auf: man müsse nur die Vornehmen in den Wissenschaften unterrichten und nicht auch die Söhne niedrig geborner Leute, denn es stehe zu befürchten daß sie durch die zu hohen Kenntnisse übermüthig würden und dem Staate daraus Unheil erwachse. Es genüge um sie zu beschäftigen, daß jeder das Handwerk seines Vaters lerne. – Mit einem Mörder, Aufrührer, Dieb, Ehebrecher dürfte man kein Mitleid haben, sondern müsse ihn ohne Barmherzigkeit aufhängen. – Gewöhnlich führte dieser Inca die Worte im Mund: so oft er die Größe, das Licht und die Schönheit des Himmels betrachte, ziehe er daraus den Schluß daß nothwendig Pachacamac (Gott) ein sehr mächtiger König seyn müsse, weil er eine so schöne Wohnung habe. – Um zu zeigen wie hoch er tugendhafte Personen schätze, sagte er: »Wenn ich auf Erden irgend etwas anbeten müßte, so wäre es ohne Zweifel ein weiser rechtschaffener Mann, weil er an Würde alle Dinge der Welt übertrifft.« Um jedoch zu beweisen, daß man keine Menschen anbeten solle, fügte er hinzu: man dürfe den nicht anbeten, der unter Thronen geboren, der aus einem Kinde zum Manne werde, der nie in demselben Zustande verbleibe, der heute auf die Welt komme und morgen wieder scheide und der sich vom Tode nicht frei machen noch bewirken könne, daß er nach dem Tode noch einmal geboren werde.

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