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Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 51
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
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6. Paläste, Gärten. Hofbedienung. Jagden. Leichenbestattung der Incas.

Die Paläste der Incas waren höchst ausgezeichnet durch Größe, Reichthum und Pracht; ja man kann behaupten daß ihre Schönheit so groß war, daß sie in manchen Stücken den Pomp der prachtvollsten Paläste, die je von allen Monarchen der Welt erbaut worden sind, übertrafen. Die Paläste, die Tempel, die Gärten der Incas waren über allen Begriff schön und die Steine an allen Gebäuden so vortrefflich gearbeitet und so kunstreich zusammengefügt, daß sie eine einzige Steinmasse zu bilden schienen. Der sie verbindende Mörtel war aus einer gewissen rothen fetten Thonerde bereitet, Lancac-Allpa genannt, und ein so vorzügliches Cement, daß er einmal in die Fugen gelegt, zwischen den Steinen kaum noch bemerkt wurde. Sie bedienten sich bei mehreren königlichen Gebäuden und bei einigen Tempeln der Sonne einer gewissen Mischung von Metallen, nämlich von geschmolzenem Golde, Silber und Blei zur Verzierung und Bekleidung, und dieß war ein Hauptgrund der Zerstörung dieser prachtvollen Denkmäler, denn die Spanier zertrümmerten sie gänzlich, weil sie Gold und Silber in den Wänden zu entdecken hofften. Das Getäfel in dem Tempel der Sonne war aus Goldplatten gefertigt, ebenso das der königlichen Gebäude. Außerdem verzierte man die Mauern mit Figuren von Männern, Frauen, Vögeln, Fischen und wilden Thieren, als Bären, Tigern, Löwen, Füchsen, Wölfen, Ziegen, welche in natürlicher Größe in eigens dafür angebrachte Nischen gestellt wurden. Ebenso bildeten sie Pflanzen, die an Mauern wachsen, so getreu nach, daß dieselben, an die Mauern befestigt, an ihnen gewachsen zu seyn schienen. Sie belebten diese Pflanzen mit Eidechsen, Schmetterlingen, Mäusen, großen und kleinen Schlangen, von denen die einen hinauf, die andern herab zu kriechen schienen. – Der Sitz des Inca, Tiana genannt, war von geschlagenem Golde, ohne Arm- und Rücklehne und in der Mitte ausgehöhlt, um desto bequemer zu sitzen; sie stellten ihn gewöhnlich auf eine große viereckige Unterlage, die ebenfalls aus Gold gefertigt war. – Es befand sich in dem ganzen Palaste kein Tafel- und Küchengerät, das nicht von demselben Metall oder wenigstens von Silber gewesen wäre, und jeder Palast des Königs war einzeln damit versehen, so daß man der Mühe überhoben war, es aus einem in den andern zu bringen. – So hatten sämmtliche Paläste, sowohl die an den großen Wegen, als die der Provinzen, Ueberfluß an allen Geräthen, die zum Dienste des Inca nöthig waren, wenn er sich aufs Land begeben wollte oder eine Besuchreise durch sein Reich unternahm. Es befanden sich in diesen Palästen auch mit Gold und Silber belegte Vorrathskammern, von den Indianern Pirva genannt, und zwar nicht zur Aufbewahrung von Getreide und dergleichen, sondern bloß um damit einen Beweis der Größe und Pracht der Incas zu liefern. In den Palästen fand man auch eine Menge neuer Kleider, denn der Inca zog dasselbe Kleid nie zweimal an, sondern schenkte jedes welches er einmal angelegt hatte, einem seiner Verwandten. Sein Bettzeug war aus einer kostbaren von dem Haare der wilden Ziege bereiteten Wolle gefertigt; diese Wolle war so fein und schön, daß man unter andern Kostbarkeiten die Philipp II. aus jenem Lande erhielt, auch solche Wolle schickte, um ihm ein Bett daraus zu machen. Die Matrazen kannten sie nicht und machten auch keinen Gebrauch davon, als sie sahen daß die Spanier sich derselben bedienten, indem sie sagten, es sey dieß ein Luxusartikel, der sich mit ihrer Lebensweise nicht gut vertrüge.

In den Palästen war den ganzen Tag hindurch offene Tafel und man hielt daselbst stets eine Masse zubereiteter Fleischspeisen für die Incas die des Königs Tafel besuchen wollten und für alle Palastdiener, die sehr zahlreich waren, bereit. Die Hauptmahlzeit der Incas sowohl als auch des gesammten Volks fand des Morgens zwischen acht und neun Uhr statt. Vor Nacht nahmen sie noch ein leichtes Mahl und hielten überhaupt des Tages nur zwei Mahlzeiten; während derselben tranken sie nichts, brachten aber die Zwischenzeit bis zur Nacht mit Trinken zu. Dieß war jedoch nur bei den Reichen Sitte, denn die unvermögenden Leute waren so lange in allem außerordentlich sparsam, bis sie sich in glücklicheren Umständen befanden. Uebrigens gingen sie früh schlafen und standen früh auf, um ihre Geschäfte zu verrichten.

An allen königlichen Gebäuden befanden sich Spaziergänge und Gärten, in welchen der Inca lustwandelte. Man pflanzte darin die schönsten Bäume, die lieblichsten Blumen und die wohlriechendsten Gewächse. Doch damit nicht zufrieden, verfertigte man eine Anzahl von Bäumen aus Gold mit ihren Blüthen, Blättern und Früchten; unter ihnen konnte man solche bemerken, die eben erst zu knospen anfingen, andere waren bis zur Hälfte gewachsen und wieder andere standen in ihrer ganzen Vollkommenheit da.

Was übrigens noch wunderbarer ist, man sah natürlich dargestellte Maisfelder mit ihren Halmen. Blüthen und Aehren, deren Spitzen von Gold waren; die übrigen Theile bestanden aus Silber und das Ganze war zusammengelöthet. Man bemerkte gleiches bei andern Gewächsen, die sie durch Mischung und Löthung der edeln Metalle naturgetreu darzustellen wußten. – Man sah darin auch mehrere Gattungen von Thieren aus Gold und Silber, als Hasen, Ratten, Eidechsen, Schlangen, Schmetterlinge, Füchse und wilde Katzen (denn zahme gab es bei ihnen nicht). ferner alle Arten von Vögeln so trefflich nachgebildet, daß man von den einen hätte behaupten können, sie sängen auf Aesten sitzend, von andern, sie breiteten ihre Flügel aus um davon zu stiegen. Damhirsche, Löwen, Tiger und alle Arten von Thieren, alle naturgetreu nachgebildet, standen zur Verzierung und Belebung an den geeignetsten Stellen der Garten. Alle diese Gebäude hatten Bäder mit großen goldnen und silbernen Wannen, in welchen die Incas sich badeten; die Röhren aus denen das Wasser floß, waren von demselben Metalle. Außerdem schmückten sie alle Orte, an welchen sich warme Quellen befanden die man stets zu Bädern verwendete, mit herrlichen Geräthschaften aus Gold und Silber. Die Indianer verbargen alle diese Schätze, als sie den unersättlichen Durst der Spanier nach Gold und Silber sahen, so gut, daß man sie seit jener Zeit nicht wieder entdecken konnte. Es befanden sich in mehreren Palästen des Inca Säle, zweihundert Schritte lang und sechzig bis siebenzig Schutte breit, um darin während der Feste zu tanzen und sich zu vergnügen, wenn der Regen sie zwang einen bedeckten Raum zu suchen. Diese Säle sowie überhaupt alle nicht aus Steinen aufgeführten Gebäude waren auf merkwürdige Weise hergerichtet; die Mauern bestanden nämlich durchaus aus Holz oder großen Balken, die sie mit breiten aus Binsen geflochtenen Stricken aufeinander banden; denn sie verstanden die Kunst die Balken durch Zapfen und Nägel aneinanderzufügen nicht; zwischen die Balken selbst legten sie eine solche Masse klein gehackten Strohes, daß dadurch die Mauern der königlichen Häuser ein Klafter Breite erhielten. Sobald der König gestorben war, mauerten sie das Zimmer in dem er zu schlafen pflegte zu, und ließen darin alles Gold und Silber welches es enthielt zurück. Sie achteten diesen Ort für heilig und deßhalb sollte ihn niemand mehr betreten. Gleiches thaten sie in allen königlichen Gebäuden, wo der Inca wenn auch nur eine Nacht geschlafen hatte. Sie bauten dann für den Nachfolger ein neues Hauptgebäude. Der Inca wurde mit allen goldenen und silbernen Geschirren seiner Tafel und Küche bestattet, außerdem begruben sie mit ihm seine Kleider, seine reichsten Juwelen und das Hausgeräth aller seiner Paläste. Alle übrigen Reichthümer aber bewahrte man mit großer Sorgfalt für den Thronfolger. Dazu gehörten die in den königlichen Palästen als Zeichen ihrer Größe und Herrlichkeit befindlichen goldenen Wannen, die Bäume und Thiere aus Gold und Silber u. s. w. – In dem Palaste des Inca befanden sich dieselben Hofbeamten, wie an den Häfen anderer Könige bis zu den untersten Dienern herab, wie Stubenfeger, Holzträger, Küchenleute u. s. w. Der einzige Unterschied zwischen den Dienern des Inca und denen anderer Könige bestand darin, daß die ersteren nicht besonders und immer fest geknüpft an die Person des Inca, sondern Bewohner der drei oder vier Hauptstädte des Reichs waren, denn diese Städte waren gezwungen taugliche und treue Leute für den Hof zu liefern. Diese Hofbeamten wurden stets gewechselt, manche alle Tage, andere jede Woche und wieder andere jeden Monat. Es galt dieß für jene Städte statt eines Tributes und sie mußten für die Beamten welche von ihnen gesendet wurden, haften; wenn einer von ihnen sein Amt nachlässig versah, wurden alle Bewohner der Stadt, aus welcher der Schuldige war, mehr oder weniger nach der Größe seines Fehltritts bestraft, und wenn er die königliche Majestät auch nur im geringsten verletzte, so wurde die ganze Stadt zerstört. Bemerkt zu werden verdient, daß auch die niedrigsten Aemter im Palaste des Königs sehr ehrenvoll waren, weil die welche sie bekleideten, sich dem König nahen durften, und weil man ihnen nicht allein die Wohnung des Königs, sondern dessen Person anvertraute, was sie für das größte Glück hielten das ihnen widerfahren konnte.

Da der König öffentlich immer nur auf seiner Sänfte erschien, so mußten ihm zwei Provinzen die Leute liefern, welche diese auf den Schultern trugen. Die Bewohner dieser beiden Provinzen, schön gewachsene und starke Leute, übten sich bis zu ihrem zwanzigsten Jahre eine Sänfte ohne Schwanken zu tragen. Fiel ein Träger hin, so wurde er auf der Stelle von dem Großträger öffentlich auf schimpfliche Weise bestraft; ja ein spanischer Geschichtschreiber berichtet sogar, jeder der hinfiel sey zum Tode verurtheilt worden. An der Sänfte befanden sich stets 25 Träger.

Unter den Beweisen welche die Incas von ihrer Größe gaben, war die Jagd keiner der geringsten. Zu einer gewissen Zeit des Jahrs ließ der Inca ein allgemeines Treibjagen (in der Landessprache Chacu genannt) anstellen. Es war in dem ganzen Reiche strenge verboten irgend ein Wild zu tödten, ausgenommen Rebhühner, Tauben u. dgl. Vögel, die für die Tafel der Statthalter bestimmt waren, und auch von diesen durfte man nur sehr wenige fangen und mußte dazu besondere Erlaubniß besitzen. Jede andere Jagd war den Unterthanen durchaus verboten, weil man die Besorgniß hegte, daß ein so großes Vergnügen sie zum Müßiggang und zur Vernachlässigung ihrer häuslichen Angelegenheiten verleiten möchte. Wenn der Inca eine allgemeine Jagd in irgend einer dazu sich eignenden Provinz öffentlich hatte ansagen lassen, so gab er Befehl daß 20-30.000 Indianer, jenachdem er es für den bestimmten Umfang nothwendig hielt, sich aufs offene Feld begaben. Diese zerstreuten sich nach allen Seiten, bildeten einen Kreis von 20-30 Stunden und stießen ein so furchtbares Geschrei aus, daß sie alles Wild welchem sie nahe kamen aufscheuchten und nach den Stellen hintrieben, wo die Zusammenkunft der Jäger bestimmt war; die Reihen waren dabei so enge geschlossen daß auch nicht ein Thier entweichen konnte und sich das Wild ohne Widerstand fangen ließ. Bei diesen Jagden reinigten sie das Land zugleich von reißenden Thieren, wie Löwen, Bären, Füchsen, Luchsen u. s. w. die der Jagd große Nachtheile brachten. Man fing bei einer einzigen Jagd auf diese Weise bis an 40.000 Stück Wild, nämlich: Rehe, Damhirsche, Gemsen u. dgl., Rothwild mit großen rauhen Haaren; besonders aber schätzte man die wilden Ziegen, Vicuñas genannt, deren Haar ungemein fein und zart ist. Die Jäger fingen alle diese Thiere mit den Händen, und tödteten nur die ältesten unter ihnen; die Weibchen der Damhirsche, die Rehe, die Gemsen u. a., die weder nutzbare Haare noch nutzbare Wolle trugen, ließen sie wieder laufen; ebenso gaben sie den kräftigsten und schönsten Männchen die Freiheit wieder, damit die Gefilde durch sie bevölkert würden; die übrigen wurden getödtet und dann die ganze Jagdbeute vertheilt. Auch von den wilden Ziegen tödteten sie nur sehr wenige; sie ließen dieselben wieder los, nachdem sie ihnen die Haare abgeschnitten hatten, die der feinsten Wolle gleich kamen. Sie führten über all diese wilden Thiere Register nach den einzelnen Gattungen, so daß sie den Wildbestand stets genau kannten. Die Wolle und Haare des größeren Wildes, Huanacus genannt, wurden dem Volke überlassen, die Haare der wilden Ziegen aber dem König zugestellt, der sie dann unter die Prinzen von Geblüt vertheilte, denen allein das Recht zustand Gebrauch davon zu machen. Auch das Fleisch wurde unter das Volk vertheilt. In jeder Provinz fand alle vier Jahre eine solche allgemeine Jagd statt; damit sie aber jährlich möglich war, wurden die Provinzen in bestimmte Reihenfolge eingetheilt, und auf diese Weise konnte man jährlich eine Jagd in einem District anstellen, der drei Jahre davon frei gewesen war. Die Peruaner besaßen so wenig Vieh, daß sie fast kein Fleisch zu essen bekamen wenn die Statthalter ihnen nicht solches schenkten, oder wenn sie nicht einige Kaninchen schlachteten die sie in ihren Häusern zogen. Der Inca ließ um diesem allgemeinen Mangel abzuhelfen die Jagden anstellen; das Fleisch wurde wie schon erwähnt unter das Volk vertheilt, und so zugerichtet daß es sich bis zur nächsten Jagd hielt.

Die Leichenceremonien, welche die Indianer wenn ein Inca gestorben war beobachteten, waren von langer Dauer und sehr feierlich; sie balsamirten, wie schon angeführt wurde, seinen Leichnam so künstlich ein, daß er zu leben schien und jeder Verwesung widerstand. Alle Eingeweide wurden in einem Tempel, in der Stadt Tampu, ungefähr 5 Stunden von Cuzco beigesetzt. Seine Diener und Weiber die er am meisten geliebt hatte, weihten sich dem Tode und ließen sich mit ihm lebendig begraben, indem sie sagten, es sey ihr heißester Wunsch dem König ihrem Herrn in der andern Welt zu dienen. Denn so viel Aberglaube auch unter den Indianern herrschte, so glaubten sie doch fest an die Unsterblichkeit der Seele. – Sobald der Leichnam des Königs einbalsamirt war, stellten sie ihn vor dem Bild der Sonne im Tempel zu Cuzco auf und brachten ihm verschiedene Opfer wie einem Gotte dar. Der erste Monat nach des Königs Tod wurde der Trauer geweiht, denn die Bewohner der Stadt beweinten ihren verstorbenen Gebieter Tag für Tag, versammelten sich auf dem öffentlichen Platze und trugen seine Insignien, sein Banner, seine Waffen, Kleider und alles was mit ihm ins Grab gelegt werden sollte, vor sich her. Unter ihre Thränen und Klagen mischten sie eine Darstellung der Siege die er gewonnen, seiner denkwürdigen Thaten und alles guten was er dem Lande erzeigt hatte. Nach Ablauf des ersten Trauermonates wiederholten sie die Trauer alle 14 Tage während des ersten Jahrs, zur Zeit der Conjunction des Mondes; die letzte Trauerfeier begingen sie am Ende des Jahrs mit allem nur möglichen Pompe und unendlichen Wehklagen. Zu diesem Zweck hatte man Männer und Weiber, die Weinenden genannt, welche in traurigem Tone die Thaten und Tugenden des Verstorbenen besangen. Alle Bewohner der Stadt Cuzco bis zu den niedrigsten herab nahmen Theil an der Trauer. Gleiches fand in allen Provinzen des Reiches statt, jeder Unterthan bewies alle nur möglichen Merkmale des Schmerzes, welchen er über den Tod seines Beherrschers empfand. Man hielt alle Orte wo der verstorbene König einmal geweilt hatte in hoher Ehre; besuchte diese, bewies ihnen auf alle mögliche Weise seine Achtung und machte dort die Gnaden und Wohlthaten, die man von dem Dahingeschiedenen empfangen hatte, namhaft. Von der Vermauerung aller Gemächer wo der König einmal geschlafen, haben wir schon gesprochen.

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