Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Francisco de Xerez >

Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus

Francisco de Xerez: Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus - Kapitel 22
Quellenangabe
typefiction
authorFrancisco de Xerez
titleGeschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
publisherVerlag Plata A.G. Chur
isbn385845012X
translatorH. Külb
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidcded6e28
created20070102
Schließen

Navigation:

16. Er kommt mit seinem Kriegsvolk nach Caxamalca. Angriff der Spanier auf die Indianer und Niedermetzelung derselben.

Nach diesen Vorkehrungen und Befehlen erwartete der Statthalter die Ankunft Atabaliba's, ohne daß sich ein Christ auf dem Platze sehen ließ, die Wache ausgenommen, welche über das was bei dein Feinde vorging Bericht erstattete. Der Statthalter und der erste Hauptmann hielten eine Rundschau in den Wohnungen der Spanier, um zu untersuchen ob alles in Bereitschaft sey, um wenn es noth thue, hervorzubrechen. Sie ermahnten jeden, aus seinem Herzen eine Festung zu machen, weil man keine andere habe, und auf keinen andern Beistand hoffen dürfe als auf den Gottes, welcher alle, die sich seinem Dienste widmeten, auch in der größten Noth nicht verlasse. Kämen auch auf einen Christen 500 Indianer, so dürften sie doch nur den Muth zeigen, den tapfere Leute bei solchen Gelegenheiten bewahrten, und überzeugt seyn daß Gott für sie kämpfe; wenn die Zeit zum Angriffe gekommen sey, so sollten sie mit Nachdruck und Umsicht handeln und bei dem Hervorbrechen Acht haben, daß sich die Reiter nicht in einander verwirrten. Diese und ähnliche Worte richteten der Statthalter und der erste Hauptmann an die Christen, um ihren Muth anzufeuern, und diese hatten es jetzt schon bei weitem vorgezogen einen Angriff auf offenem Felde zu wagen, als in ihren Wohnungen zu bleiben. Jeder schien seinem Muthe nach hundert aufzuwiegen und die große Menge der Indianer flößte ihnen nur sehr wenig Furcht ein.

Als der Statthalter bemerkte, daß die Sonne bereits am Untergehen war, ohne daß sich Atabaliba von der Stelle, wo er seine Leute wieder gesammelt hatte, bewegte und daß noch fortwährend Kriegsvolk aus dem Lager ausrückte, schickte er einen Spanier zu ihm mit dem Bedeuten, er möge in den Platz einziehen und ihn besuchen ehe es Nacht würde. Als der Bote vor Atabaliba erschien, begrüßte er ihn und gab ihm durch Zeichen zu verstehen, daß er zu dem Statthalter kommen möge. Atabaliba brach sogleich mit seinen Leuten auf und der Spanier eilte voraus, um den Statthalter von seiner Ankunft zu unterrichten und ihm zu bemerken, daß die Schaaren, welche den Vortrab bildeten, unter ihren Hemden Rüstungen, nämlich starke baumwollene Wämser, so wie auch mit Steinen gefüllte Säcke und Schleudern verborgen trügen, was keine gute Absicht anzudeuten schiene. Unmittelbar darauf fing der Vortrab an in den Platz einzurücken. Voraus zog eine Schaar Indianer in bunter, nach Art eines Schachbretts gewürfelter Kleidung, welche das Amt hatten, die Strohhalme von dem Boden aufzuheben und den Weg zu säubern; diesen folgten drei auf andere Weise gekleidete Schaaren, singend und tanzend; darauf kamen eine Menge Leute mit goldnen und silbernen Rüstungen, Schüsseln und Kronen und in der Mitte derselben Atabaliba auf einer mit vielfarbigen Papagaifedern gefütterten und mit Gold- und Silberplättchen ausgelegten Sänfte, welche zahlreiche Indianer auf ihren Schultern trugen; zwei andere Sänften und zwei Hängematten, worin sich die anderen Hauptpersonen befanden, folgten unmittelbar, und dann kam wieder eine Menge Volks in einzelnen Abtheilungen mit goldenen und silbernen Kronen. Sobald die ersten Reihen in dem Platz waren, gingen sie auf die Seite, um den nachrückenden Raum zu lassen, und als Atabaliba in der Mitte des Platzes angelangt war, ließ er alle stille stehen und seine Sänfte sowohl als auch die beiden andern aufrecht halten. Unterdessen zogen immer noch fortwährend Leute in den Platz und ein Hauptmann des Vortrabs erstieg die Festung, wo das Geschütz stand und hob zweimal seinen Spieß in die Höhe, als wolle er ein Zeichen geben.

Als der Statthalter dieß bemerkte, fragte er den ehrwürdigen Vater, Bruder Vicente, ob er durch einen Dolmetscher mit Atabaliba zu sprechen wünsche? Dieser bejahte es, nahm ein Kreuz in die eine und seine Bibel in die andere Hand, drängte sich mitten durch das Volk bis zu Atabaliba und sprach zu diesem durch den Dolmetscher: »Ich bin ein Priester Gottes; ich unterrichte die Christen in der Lehre des Herrn und bin gekommen auch euch darin zu unterrichten. Was ich lehre, ist Gottes Wort und sieht in diesem Buche. Im Namen Gottes und im Namen der Christen bitte ich dich, ihr Freund zu seyn, denn so will es Gott und du wirst dich wohl dabei befinden. Geh also und sprich mit dem Statthalter, welcher dich erwartet.« Atabaliba verlangte, daß man ihm das Buch gebe um es zu betrachten; man reichte es ihm geschlossen; da es ihm nicht gelang, es zu öffnen, streckte der Mönch seinen Arm aus, um ihm behülflich zu seyn, Atabaliba gab ihm aber mit großem Mißfallen einen Schlag auf den Arm und wollte es nicht geöffnet haben. Als es ihm endlich nach fortgesetzter Anstrengung gelang es zu öffnen, zeigte er sich weder über die Buchstaben, noch über das Papier erstaunt, gleich den übrigen Indianern, sondern schleuderte es fünf bis sechs Schritte von sich und erwiederte auf die Anrede, welche ihm der Mönch durch den Dolmetscher gehalten hatte, mit großem Stolze: »Ich weiß recht gut, was ihr auf dem Wege verübt, wie ihr meine Caziken mißhandelt, und wie ihr die Wohnungen geplündert habt.« – »Die Christen, antwortete der Mönch, haben dieß nicht gethan, und einige Indianer, welche ohne Vorwissen des Statthalters Beute machten, hat dieser sogleich damit zurückgeschickt.« – »Wohlan, sprach darauf Atabaliba, ich werde nicht eher von dieser Stelle weichen, bis sie mir alles zurückgebracht haben.« Mit dieser Antwort ging der Mönch zu dem Statthalter zurück, während Atabaliba sich oben auf seine Sänfte stellte und seine Leute ermahnte sich bereit zu halten. Der Mönch erzählte dem Statthalter, was ihm mit Atabaliba begegnet sey und daß dieser die heilige Schrift auf den Boden geworfen habe.

Der Statthalter zog nun sogleich ein Panzerhemd an, nahm sein Schwert und seinen Schild, stürmte mit den Spaniern, die er bei sich behalten hatte, muthig mitten durch die Indianer und erreichte nur mit vier Leuten, die allein ihm hatten folgen können, die Sänfte worauf Atabaliba saß. Er ergriff diesen furchtlos am Arm und schrie: »Santiago!« Augenblicklich ertönte der Donner des Geschützes, die Trompeten schmetterten und Fußvolk und Reiterei brachen hervor. Als die Indianer die Pferde daher traben sahen, ergriffen die meisten von denen welche sich auf dem Platze befanden die Flucht und flohen mit solchem Ungestüm, daß sie ein Stück der Umfangsmauer des Platzes durchbrachen und viele einer über den andern herstürzten. Die Reiter, welche über sie hinstürmten, verwundeten und tödteten eine Menge und setzten den Fliehenden nach. Das Fußvolk griff die auf dem Platze Zurückgebliebenen mit solchem Nachdruck an, daß in kurzer Zeit die meisten derselben über die Klinge gesprungen waren. Der Statthalter hielt immer noch den Arm Atabaliba's fest, denn er konnte diesen, weil die Sänfte zu hoch war, nicht herabziehen. Die Spanier richteten aber bald ein solches Gemetzel unter den Trägern an, daß die Sänfte zu Boden fiel, und wenn der Statthalter Atabaliba nicht geschützt hätte, so würde schon hier der Uebermüthige den verdienten Lohn für seine Grausamkeiten erhalten haben. Der Statthalter wurde bei der Vertheidigung Atabaliba's an der Hand leicht verwundet. Während dieses ganzen Vorgangs hatte kein Indianer gegen die Spanier die Waffen erhoben, denn sie waren dadurch daß der Statthalter plötzlich bis in ihre Mitte vordrang, durch das unvermuthete Donnern des Geschützes und durch das Traben der Pferde in solche Furcht gerathen, daß sie in ihrer großen Bestürzung weit eher an die Flucht und die Rettung ihres Lebens als an Kampf dachten. Die Träger der Sänfte Atabaliba's, welche insgesammt Leute von Bedeutung zu seyn schienen, fielen alle, eben so die welche sich in den andern Sänften und in den Hängematten befanden; auf einer der Sänften hatte der Leibdiener Atabaliba's, ein angesehener und von diesem sehr geachteter Herr, gesessen; die übrigen waren ebenfalls mächtige Herren und bildeten seinen Rath. Der Cazike und Gebieter von Caxamalca fiel auch, und außer ihm fanden viele andere Häuptlinge ihren Tod; man achtete aber ihrer großen Anzahl wegen nicht viel darauf, denn alle, welche sich bei der Leibwache Atabaliba's befanden, waren Leute von Rang.Wir enthalten uns jeder Bemerkung über das unmenschliche und treulose Benehmen der Spanier zu Caxamalca, denn selbst aus der Darstellung unseres Berichterstatters geht hervor, daß Pizarro begierig auf irgend eine Gelegenheit wartete, Atabaliba als Feind betrachten zu können; er hatte ganz wohl berechnet, daß er durch dessen Gefangennehmung leicht in den Besitz des Landes kommen werde. Der Ueberfluß an Gold und Silber, welchen die Eroberer allenthalben gewahrten, stachelte ihre Habsucht so sehr, daß jedes andere Gefühl schweigen mußte.

 << Kapitel 21  Kapitel 23 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.