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Gutenberg > August Stramm >

Geschehen

August Stramm: Geschehen - Kapitel 1
Quellenangabe
typedrama
booktitleGedichte / Dramen / Prosa / Briefe
authorAugust Stramm
year1997
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-009929-3
titleGeschehen
pages134-156
created19990615
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1915
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August Stramm

Geschehen


I

Gartendunkel, ferne Musik, Menschenwirren

Sie herrschen?!

Er roh herrschen!

Sie lacht

Er betroffen

Sie läuft lachend fort

Er starrt nach

Mädchen aus dem Dunkel berührt seinen Arm Du

Er starrt

Mädchen gekränkt Du

Er gleichgiltig ich

Mädchen stampft zornig

Er stampft

Mädchen vor ihm quälen

Er lacht auf

Mädchen schluchzt

Er umarmt

Mädchen lehnt an

 

Weib tappt, leise Du horcht, preßt die Hände auf die Brust Du lauscht

Er aus dem Dunkel, leichthin ich?!

Weib befreit ich tastet seine Hand

Er legt den Arm um

Weib schauert, haucht Du?

Er beugt zärtlich Du?

Weib wehrt ich

Er zärtlich scherzig ich?! küßt

Weib haucht

Er stark, über ihr ich

Weib atmet hoch

Er küßt heiß

Weib birgt ich habe Angst

Er lacht spöttisch

Weib atmet schwer

Er führt sie spöttelnd Angst

Weib geht schwach in seinem Arm ins Dunkle

 

Sie kommt nachdenklich, steht, schaut um, schreitet, sinnt, horcht

Schrei flieht raschlig

Er tritt vor, herrisch wer? faßt ihre Hand

Sie ruhig Mann?

Er drohend Weib?!

Rufen aus den Büschen Schatz? näher schmeichelnd Schatzi?

Sie ruhig rufen

Er erschreckt ich?!

Dirne hüpft aus dem Dunkel, stutzt, späht Ihr ins Gesicht, schlägt frech die Hände ineinander Du

Sie löst die Hand und entfernt sich langsam

Dirne höhnt die?! rüttelt ihn frech lachend Du?! reißt und wirft an, küßt und kugelt mit ihm ins Gebüsch

 

Seufzer aus dem Gebüsch ich!

Dirne horcht auf he?!

Seufzer ich!

Dirne springt auf und raschelt den Strauch wer?

Seufzer ich!

Dirne stampft nu Dich!

Stimme führe mich nicht in Versuchung

Dirne stampft nu Dich!

Stimme führe uns nicht in Versuchung

Dirne kreischt wütend Diiich!

Schrei schrickt

Dirne reißt wild das Gebüsch verrückt?! zerrt die Beterin aus dem Busch

Beterin die Hände auf der Brust gefaltet

Dirne schüttelt wütend Dich!

Beterin ergeben ich

Dirne pufft und stößt, höhnt Du!

Beterin wimmert beten

Er tritt wehrend dazwischen

Dirne wild, höhnisch Du! Du! Du! beten beten beten schüttelt ihn, läuft in kreisches Lachen fort ik ik ik ik schrei mir dod! ik schrei!

Beterin zittert, die Hände gekrampft

Er faßt ihre Hände, weich Du

Beterin wiederholt mechanisch bewegungslos ich

Er küßt

Beterin ohne Bewegung beten

Er umarmt und küßt

Beterin ängstet Du

Er lacht, küßt, hebt hoch und trägt fort ich! beten

Dirne zerrt Sie hier! schaut um nu nich! lacht auf, reißt den Busch auseinander in schamloser Lache

Beterin geht hoch

Er die Beterin im Arm

Dirne stößt sie auf die beiden zu Dich

Beterin schluchzt die Hände vors Gesicht

Dirne stößt die Beterin fort, umschlingt Ihn wild und küßt ich bete

Er stößt sie mit beiden Händen fort

Dirne empört Du? höhnt grell auf mir Du? lacht grell und stößt Sie auf Ihn Du! der! Dich läuft in kreisches Lachen fort

Er aufrecht

Beterin stammelt entsetzt auf Sie ich gehe! gehen bleibt

Sie aufrecht vor ihm

Er stemmt die Arme, kraftbewußt, trotzig ich!

Sie lächelt und wendet, leicht aber bestimmt ich! geht langsam

Er hastet neben Sie Du?

Sie lächelt Du?

Er stolpert

Sie lächelt Steine

Er stolpert Dich!

Beterin geht nach, zupft ihn Du!

Er neben ihr, heiß Du!

Sie schreitet fragt ich?!

Er stolpert ihr nach, wild erregt Dunkel Dunkel Dunkel!

Beterin hinter ihm Du Du Du steht verzweifelt, blickt nach, läuft, tappt in den Garten, in langem Aufschrei ooooo

Lärm, Geschrei, Menschenwirren

Rufe wo? wo?

Menschenmenge wogt ran

Beterin in Jammer o lehnt an einen Baum

Dirne lacht grell der? die?

Jüngling stößt scherzend die Beterin Du

Dirne schupst lachend die Beterin auf den Jüngling, sie hängt einen Mann ein

Weib am Arm ihres Mannes, zitternd gemein! gemein!

Beterin stößt den Jüngling von sich

Jüngling lacht o

Mädchen in Hast wer?

Jüngling umarmt das Mädchen

Mädchen schreit

Junge Burschen lachen um sie

Kellner bricht durch die Menge er hat nicht bezahlt.

Gejohle der! der! Gelächter, Durcheinander strömt ab

Weib am Arm des Mannes zitternd gemein

Mann ruft Licht! mehr Licht!

Beterin und Mädchen eng aneinandergeschmiegt hinter dickem Baum was sagte der?

Beterin zittert ich!

Mädchen zittert ich!

Dirne mit ihrem Galan der Saubock zieht fort

Beterin faßt das Mädchen an der Hand komm!

Licht flammt auf

Leben im Garten

Musik.

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