Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Hans Christian Andersen >

Gesammelte Gedichte. Zweiter Theil

Hans Christian Andersen: Gesammelte Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 3
Quellenangabe
authorHans Christian Andersen
titleGesammelte Gedichte. Zweiter Theil
publisherVerlag von Carl B. Lorck
year1847
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180805
projectid509c91c9
Schließen

Navigation:

Der Student.

Es klimmt der Student zum Dach empor,
Wo nicht weit von der Schwalbe er nistet;
Dort wohnt er näher dem Engelchor,
Als der Graf, der parterre sich brüstet.
Sein Kleiderschrank, die Taschen sind leer,
In der Ecke lehnen Rappiere,
Auf dem Tische liegen Horaz und Homer
Und viele beschrieb'ne Papiere.

Er zündet selbst sein Dreierlicht,
Bereitet sich selbst seine Speise;
Es ist schon spät, ihn kümmert nicht
Des Wächters nächtliche Reise
Durch die Straßen, die öde jetzt und leer,
Verstummt das lärmende Treiben.
Er schauet hinauf zum Sternenheer
Durch die kleinen, blinden Scheiben.

Der Kindheit Bilder umschweben ihn,
Er flickt die zerriss'nen Hosen –
Wehmuth beschleicht ihn dabei, es glüh'n
Ihm schier die Wangen wie Rosen.
Kein Busenfreund, kein schönes Kind
Denkt sein mit bangem Sehnen;
Sein Seufzer verklingt, der nächtliche Wind
Verweht ihn mit pfeifendem Höhnen.

Doch Seufzen und Sehnen in stiller Nacht
Ziemt nur dem siechen Dichter;
Auf dem Dache sitzt der Mond und lacht
Ihn aus und schneidet Gesichter.
Da dreht in dem Leuchter er um das Licht,
Stellt die Pfeife hin in die Ecke;
Ein Vater Unser fromm er spricht,
Dann zieht um das Kinn er die Decke.

 << Kapitel 2  Kapitel 4 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.