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Gesammelte Gedichte. Zweiter Theil

Hans Christian Andersen: Gesammelte Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 21
Quellenangabe
authorHans Christian Andersen
titleGesammelte Gedichte. Zweiter Theil
publisherVerlag von Carl B. Lorck
year1847
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180805
projectid509c91c9
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Die Seele.

1823.

Unendlichkeit kann nur das Wesen ahnen,
Das zur Unendlichkeit erkoren ist.

Urania von Tiedge.

Kraft, die in dem Menschen lebet,
Von der Gottheit angefacht,
Die zum Himmel ihn erhebet
Und zum Herrn der Erde macht:
Bist aus einer höhern Welt
Du zu uns herabgestiegen?
Hast dem Staube Dich gesellt,
Um ihn kämpfend zu besiegen,
Bis gekräftiget die Schwingen,
Die Dich nach der Heimath bringen?

Räthsel ist Dir selbst Dein Wirken,
Das kein Sterblicher begreift;
Nach der Ewigkeit Bezirken
Ahnungsvoll Dein Auge schweift.
Wenn die letzte Stunde schlägt,
Sprich, wenn baar der Erdenhüllen,
Wohin Dich die Schwinge trägt
Nach des Schöpfers hohem Willen?
Ob ein ew'ger Tag Dich wecket,
Wenn das Grab den Leib bedecket?

Wirst Du fort hienieden leben,
Wenn die ird'sche Hülle fällt?
Wirst die Lieben Du umschweben,
Unsichtbar für diese Welt?
Wirst Du dann die Keime hüten,
Die Du hier einst ausgestreut?
Wirst Du weilen bei den Blüthen,
Theilend Erdenschmerz und Freud',
Bis die Knospe sich entfaltet
Und zu Früchten sich gestaltet?

Wird dann klarer Dein Gedanke,
Reiner Dein Empfinden sein?
Wirst Du, frei der Erdenschranke,
Dich dem Dienst der Gottheit weih'n?
Schwindet Dir der Erde Trug?
Wirst Du kühn empor Dich schwingen?
Wirst in hehrem Geistesflug
Du Erkenntniß Dir erringen?
Fassen, was Dir hier verborgen,
Frei von Kummer und von Sorgen?

Wirst Du durch die Lüfte dringen
Bis an's lichte Himmelsthor,
Wo der Sphären Lieder klingen
Und der Engel Jubelchor?
– Oder wirst Du erst geläutert
Dort auf jenem hellen Stern',
Bis der Blick sich Dir erweitert,
Bis Dir, von der Erde fern,
Die Erinnerung entschwunden
Dessen, was Du hier empfunden?

– Oder sinkst auch Du, ein Tropfen!
In des Grabes finstern Schooß,
Wenn verstummt des Herzens Klopfen?
Und Vernichtung wär' Dein Loos?
Warum dann Dein heißes Glühen
Nach des Himmels Seligkeit?
Wozu hätte Gott verliehen
Ahnung der Unsterblichkeit?
» Lebe und genieße« wäre
Dann der Weisheit höchste Lehre!

Schwinde, düst'res Wahngebilde!
Seele mein, du lebest fort
In der Seligkeit Gefilde,
Wie's verheißen Gottes Wort!
Mit Gedanken-Blitzesschnelle,
Droben auf dem Sternenheer,
Schwebst Du auf des Aethers Welle
Ueber Himmel, Erd' und Meer;
Schauest klar durch Raum und Zeiten,
Zukunft und Vergangenheiten!

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