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Gesammelte Gedichte. Dritter Theil

Hans Christian Andersen: Gesammelte Gedichte. Dritter Theil - Kapitel 10
Quellenangabe
authorHans Christian Andersen
titleGesammelte Gedichte. Dritter Theil
publisherVerlag von Carl B. Lorck
year1847
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180805
projectid509c91c9
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September's Bildersaal.

Des Jahres Farben-Klang-Figur,
Voll wehmuthsvoller Freude,
Steht im September die Natur
Im dunkeln Abschiedskleide.
Mit südlich warmem Farbenton
Erglänzt im Norden Waldeskron'.
Horch! dumpfes Geisterflüstern
Rauscht in den hohen Rüstern.

Der Schöpfung Bilder-Gallerie
Wird unserm Blick entschleiert:
Gemälde an Gemälde, sieh,
Vom Meister, hochgefeiert!
Und Alles geistreich, or'ginal
Und werthvoll hier im Bildersaal.
Beschau' mit geist'gem Blicke
Und mit dem Aug' die Stücke.

Im Wald versteckt, liegt dort ein Haus,
Ringsum herrscht tiefes Schweigen;
Das Dach nur guckt zum Laub heraus,
Rauch sieht man aufwärts steigen.
Das ist ein dän'sches Or'ginal,
Dies wiedergeben kann nur Dahl:
Das Dorf im Dämmerlichte,
Im Vordergrund die Fichte.

Im Abendstrahl der Tag entflieht,
Von Purpur angehauchet:
Sieh hier den Sumpf mit Schilf und Ried,
D'rin eine Ente tauchet.
Wahr ist und lieblich die Manier,
Und ganz nach Ruisdal's Schule schier;
Wie schön die alte Eiche
Sich spiegelt in dem Teiche!

Im Wasser steht ein mächt'ger Stier
Bis an den Bauch; es schauen
Vom Hügel nieder andre Thier';
Den Himmel sieh, den blauen!
Von Potter scheint dies Bild zu sein.
Hat er es denn gemalt? – O nein! –
So sprich, wer ist der Meister?
Des Weltalls Herr: so heißt er!

Sieh auf der See im Windesweh'n
Den stolzen Segler nahen;
Matrosen in den Masten steh'n
Und ordnen Tau' und Raaen.
Ist das von Eckersberg? – Mir däucht,
Es sei von Arnold Schmidt. – Vielleicht! –
Herab dort Möwen schießen,
Wo sich die Wellen schließen.

Es steht der Wald, in Pracht gehüllt,
Im schönsten Farbenschimmer;
Selbst Caravaggio's bestes Bild
Hat schön're Tinten nimmer;
Man sieht sie alle einzeln glüh'n,
Verschmelzen doch in Harmonie'n:
Ein sichtbar Bild der Töne
In reichster Farbenschöne.

Die grüne Au im Sonnenschein,
Der blaue Himmel droben;
Die Vögel jubelnd im Verein,
Den Herrn der Welt zu loben.
Lebendig tönet es in Dur,
Doch durch die hehre Waldnatur
Molltöne lieblich ziehen
Und Farbenmelodieen!

Aus Waldeshallen klingt's hervor,
Bald jubelnd und bald leise,
Wie aus dem Kirchendom ein Chor
Von Haydn, Bach und Weyse.
Da hört man Orgel-Melodie:
Das ist des Herzens Poesie;
Das ist die Stimme der Natur;
Hier fühlt das Herz sich heimisch nur.

Der Sommer, der uns bald verläßt:
Er lud uns ein als Gäste;
Er giebt zum Abschied noch ein Fest,
Und schmückt dabei aufs Beste
Die Fluren und den Waldesplan.
Wie Jephta's Tochter, angethan
Mit königlicher Habe:
So wallt auch er zu Grabe.

Zu bald entflieht der Glanz des Lichts,
D'rin Wald und Flur jetzt schimmern;
So wie die Seifenblas' in Nichts
Zerfließt im schönsten Flimmern.
Die tiefe Ruh, die hehre Pracht
Hat unsre Hoffnung angefacht.
Dem Herrn sei Preis und Ehre!
So strahlt's im Farbenmeere.

Wie in der Welten Harmonie
Besonders jede klinget
Nach ihrer eignen Melodie,
Und sich um's Centrum schwinget:
So zeigt September unsre Erd'
In schönster Farbenpracht verklärt.
Bei Farbenmelodieen
Für Gott die Seelen glühen!

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