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Gesammelte Erzählungen

Isabella Braun: Gesammelte Erzählungen - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
author
titleGesammelte Erzählungen
publisherDruck und Verlag der Buchhandlung Ludwig Auer
addressPädagogische Stiftung Cassianeum in Donauwörth
volume2
printrunSechste Auflage
editorH. Wagner
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100315
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II.

Alle waren pünktlich: ein guter Anfang! In zwei Gruppen geteilt, wanderten wir dahin. Wenige Schritte vom Hause blieben wir stehen und schauten zum Fenster der Präfektin empor. Ja, dort stand sie und lächelte uns freundlich zu. Wir schwenkten Tücher, die einen warfen in der Fröhlichkeit ihrer Herzen zärtliche Kußhände, die anderen hüpften und jauchzten, ich aber ergriff Irenchens Hand und legte meine Linke wie im Gelöbnisse auf die Brust. Dann marschierten wir vorwärts, und durch die Reihe hörte man, wie gut unsere Präfektin doch sei und wie lieb wir sie hätten. Natürlich, sie hatte uns ja soeben den Willen getan.

Ich ging mit Irenchen und Marie Huber zuletzt. Wir entwickelten unsere Pläne für den Nachmittag, während die Mädchenstimmen gleich dem Bienenschwarm surrten oder ein glockenhelles Gelächter dazwischen tönte. In meiner Hand krabbelte es, als ob sich darin etwas losmachen wollte, und ich gewahrte in Irenchens großen Augen ein Verlangen nach der Spitze des Zuges.

In diesem Augenblicke sprang die neunjährige Lukretia zurück. Sie glich immer den lachenden, tanzenden Sonnenstrahlen;

es gab für sie keine Wolke, keinen Ernst; selbst durch ihre Tränen brach in der nächsten Minute die Lustigkeit, und auch in der Kirche durften wir sie nicht anblicken, um nicht zum Lachen verleitet zu werden. Dabei war sie so gutmütig, so rosig und lieblich, der kleine Quälgeist, und der Liebling aller Lehrerinnen.

Luka ergriff Irenchens freie Hand, neigte sich schmeichelnd zu ihr und sagte: »Komm', wir tanzen und springen voran, ich weiß die allerschönsten Plätzchen, wo man die Blumen nur so mit beiden Händen ausreißen darf.«

Ich fühlte die kleine Patschhand sich gewalttätig von der meinen loswinden, widerstand aber und sprach liebkosend: »Gelt, Irenchen, du bleibst lieber bei mir?«

»Nein, nein,« schüttelte das Köpfchen, und die kleinen fünf Finger krabbelten wie Ameisen zwischen meinen großen. Da flüsterte mir Marie Huber zu: »So laß sie doch nur!« und eh' ich's mir versah, sprang Luka mit ihr dahin, drehte sich aber um und machte gegen mich die spottende Gebärde des Rübenschabens mit den Zeigefingern der beiden Hände.

Ich schwieg verdrossen, und Marie wandte sich deshalb zu Maxi und Hermine, während meine Augen zu den Kleinen vorwärts schweiften. Ich bemerkte, wie sich nun alle um Irenchen drängten, wie jedes ihre Hand haben wollte; ich hörte einen Schrei – einen Hilferuf? – und nahm sogleich einen Anlauf. Aber Marie hielt mich am Kleide zurück, und auch die anderen murmelten untereinander, ja, ich hörte das Wort »unausstehlich«.

Die gute, sanfte Marie gesellte sich sogleich wieder zu mir und beschwichtigte meinen Ärger wie meine Besorgnis, indem sie sagte: »Was soll ihr denn vor unseren Augen geschehen? Wir wollen ja alle unsere Freiheit genießen, die Kleinen wie die Großen. O, atme nur tief auf, Johanna, wie gut ist die Luft, wie prächtig der Nachmittag!« Da drang auch von der Spitze des Zuges das Kinderliedchen zu uns:

Fuchs, du halt die Gans gestohlen, gib sie wieder her,
Sonst wird dich der Jäger holen mit dem Schießgewehr!

Nun hatten wir auch schon das Wäldchen erreicht. Es zieht sich an einem Hügel empor; oben führt ein breiter, neu angelegter Fahrweg vorbei, der wieder von Wald begrenzt ist; das Ganze gleicht einer Parkanlage voll lieblicher Ruheplätze, bald eingeschlossen und versteckt, bald wieder mit freier Aussicht auf den Kirchturm mit der Uhr und die reizende Landschaft. Wuchernder Efeu, Farnkräuter, Blumen, Rasen und Moos begünstigten unser Unternehmen. Wir hatten schon im voraus den Lagerplatz gewählt und waren in diesem Punkte völlig einig.

Dort legten und warfen wir unsere Siebensachen ab und halfen alle zusammen, Tücher auf den Rasen zu breiten, um vor Käfern und Ameisen geschützt zu sein. Ein großer Baum gewährte Schatten; um jedoch eine malerische Wirkung, hervorzubringen, kletterte Karoline mit Hilfe der anderen etwas empor und spannte ihren roten Schal zwischen die Zweige. Ein wahrhaft magischem Licht ergoß sich über unsere Gesichter durch die schräg darauf fallenden Sonnenstrahlen, und nun drängte sich eines an das andere, um dort hingestreckt zu liegen, und eines um das andere stieß Worte der Bewunderung aus.

Aber der Raum war viel zu eng für das Dutzend, besonders bei der malerischen Stellung, die Hermine und Maxi einnahmen. Da rief Luka in ihrer sprudelnden Heiterkeit, indem sie ihren Sonnenschirm aufspannte und ihn wirbelnd drehte:

Herbei, herbei!
Ins Lager Nummer Zwei!

Zugleich schleuderte sie ihren Schirm in das Gebüsch; er drehte und senkte sich herab und lag wie ein Dach auf den schwankenden Zweigen. Da erhob sich ein allgemeiner Jubel unter dem kleinen Volke; sie liefen samt und sonders nach ihren Schirmchen, heißa, juchhei! tönte es, während sie in die Höhe flogen und in verschiedenen Stellungen sich lagerten.

Nur die Kleine Stanzi war zur Seite stehen geblieben und hielt ihr Schirmchen fest zwischen den Händen. O, es war auch kein gewöhnliches, sondern der Mama abgeschmeichelt, von rosa Seide und weiß gefüttert, freilich bereits etwas morsch und durchsichtig, aber doch des Kindes Stolz.

Als Lukas rasch sich drehende Augen die jüngere Schwester erblickten, fuhr sie gleich einem Brausewind auf sie los, entriß ihr das Schirmchen, spannte es auf, hielt es gegen die Sonne und rief, zu dem Baume gewendet: »Dagegen ist euer grellroter Schal nichts!« – Ein kühner Schwung – ritsch! tönte es. Da saß das rosa Schirmchen festgespießt auf einem dürren Zweige.

Lautlose Stille – allgemeine Erhebung auch vom Lager Nummer Eins – Tränen und Schluchzen der armen Stanzi. Auch Luka ist einen Moment erschrocken; doch im nächsten springt sie zur weinenden Schwester und tröstet mit eindringlichem Mienenspiel.

»Wie magst du nur so weinen um den alten Schirm! Sei froh, jetzt bekommst du einen neuen!«

Ein schallendes Gelächter begleitete diesen Trost. Das war mir zu viel, wie überhaupt die ganze vorhergegangene Szene, die ich als Zeitvergeudung betrachtete. Ich machte meinem Ärger Luft und rief: »Wie mögt ihr nur über Lukas beständigen Übermut lachen! Und du, Kleine, schäme dich, so etwas zu denken, geschweige denn es zu sagen! Ich dulde es nicht, denn Fräulein Fanni, deine Lehrerin, würde es auch nicht dulden.«

Luka glühte im ganzen Gesichte, sei es, daß der Erfolg ihrer Tat sie doch erschreckt hatte oder daß die Zurechtweisung sie ärgerte. Keck, beide Hande in die Seiten gestemmt, stand sie vor mir und sagte halb weinend: »Du bist aber nicht Fräulein Fanni! Du hast mir nichts zu sagen, der Sonnenschirm geht dich gar nichts an, der gehört meiner Schwester und nicht dir, gelt, Stanzerl?«

Ich wollte wie ein Truthahn auf sie losfahren; aber die Gefährtinnen umdrängten mich mit Beschwichtigungen, und Karoline rief von der Seite her: »Laßt doch den albernen Streit und holt lieber Blumen zum Kranzflechten!«

»Ja, fort, holt Blumen und Blätter und Farnkräuter!« tönte es aus dem Munde der Größeren.

Das war eine Mahnung zur rechten Zeit und alles andere schien darüber vergessen. Luka und Stanzerl hüpften voran, Jenni und Wilma erfaßten Irenchens beide Hände und zogen sie mit sich fort.

Dies taugte nicht in meinen Plan; ich mochte das Kind nicht aus den Augen lassen und ermahnte also: »Irenchen, Irenchen, da bleiben, her zu mir!« Die Kleine machte ein betrübtes, enttäuschtes Gesicht, aber ihr Händchen wollte sich doch von den Führerinnen loswinden. Vergebens, fort flogen sie mit ihr. Da sprang ich vom Rasen empor, um ihr zu folgen. Doch Marie stand an meiner Seite, legte ihren Arm in den meinigen und sagte beschwichtigend: »Johanna, laß sie laufen und lustig sein!«

Ich erwiderte: »Sie soll aber ein Verschen lernen.«

»Zu den beiden Zeilen ist immer noch Zeit, wenn sie vom Herumlaufen müde zurückkehrt und gerne sitzen bleibt. Jetzt würde sie nicht auf dich achten.«

Ich aber rief in meiner Erregung: »Du hast gut reden! Du bist nicht für sie verantwortlich! Aber ich, ich habe gesagt: »Wenn ich sie nicht wieder zurückbringe, will ich« –

Ich konnte meinen Satz nicht vollenden. Karoline war herbeigesprungen und hatte meine Nasenspitze ergriffen, indem sie rief: »Ei, ich wollte meinen Augen nicht trauen, ein echtes Stumpfnäschen, ohne israelitische Krümmung.« Dann machte sie die jüdische Redeweise nach und sagte: »Hätte ich gemeint nach deinem Worte, daß du abstammest von unserem Volke, von Vater Abraham, Isaak und Jakob!«

Jetzt brachen alle in schallendes Gelächter aus, während mir die Tränen in die Augen kamen. Maxi sah es, und mir war's, als hörte ich sie zu Hermine sagen: »Wenn das so fortgeht, gibt's einen regnerischen Nachmittag.« – »Und Gewitter,« ergänzte diese.

Nun sprang Therese herbei und schwang einen Reif um mein Haupt mit den Worten: »Zur Arbeit, zur Arbeit!« Und alle rüsteten sich dazu; ich wurde von Marie unter den Baum gezogen, und dann schrie Maxi in den Wald hinein: »Holla ho! Herbei mit Blumen!« – »Holla ho!« tönte es zurück; in wenig Minuten sprangen die Kinder mit gefüllten Körbchen und Schürzen herbei, schütteten den Inhalt vor uns aus, liefen ab und zu, und das Kranzflechten begann, indem ein Teil die Blumen in Sträußchen ordnete und der andere sie an die Reife band. Die frohen Stimmen der Kleinen drangen bald aus der Nähe, bald aus der Ferne zu uns, und Irenchen jubelte am lautesten. Luka hatte schon ein paarmal ihre Schürze vor mich hin ausgeleert und war schmeichelnd mit ihrer Hand an meiner Wange herabgefahren.

Es entstand ein heiteres Hin- und Herplaudern, bis Hermine sich zu mir wandte und sagte: »Erzähl' doch einmal recht ausführlich, wie du nur alles durchgesetzt hast, Johanna!«

Ich glühte längst vor Verlangen, es zu tun. Im Eifer wiederholte ich nicht nur das von mir Gesagte, sondern auch das Hinzugedachte. Während meiner Erzählung war ich aufgesprungen und begleitete sie mit lebhaften Gebärden. Dann schloß ich mit dem Rufe: »Und so habe ich's durchgesetzt! Es lebe der kühne Mut und die Freiheit!«

Anna Bayer erhob sich feierlich, trat vor mich hin, verbeugte sich tief und sagte mit angenommenem Ernste: »Dafür wird dein Name groß sein im Institute und auf dem ersten Blatte der Chronik stehen!«

Mein Gesicht flammte bereits wieder, denn ich verstand den Spott. Aber Marie blickte fast ängstlich auf mich und dann bemerkte sie in ihrer lieben, sanften Weise: »Ja, Johanna verdient allen Ernstes unseren Dank. Wie sollen wir ihn nur gleich ausdrücken?«

Maxi hatte eben ein kleines Kränzchen für Irene als Gesundheitsengel vollendet. Sie trat damit vor mich hin und sang:

Wir winden dir den Jungfernkranz
Mit veilchenblauer Seide;
Wir führen dich zu Spiel und Tanz,
Zu Glück und Liebesfreude!

Sogleich hatten sich die übrigen angeschlossen und sangen im Chore:

Schöner, grüner,
Schöner, grüner Jungfernkranz!
Veilchenblaue Seide,
Veilchenblaue Seide!

Der Gesang tönte in den Wald hinein und lockte äugenblicklich die anderen herbei. Eines ergriff das andere beim Arm, die Kranzflechterei ruhte, es wurde getanzt und gesungen, bis die Wangen glühten und eines um das andere erschöpft auf den Rasen fiel.

Nun stöhnte Wilma: »Mich durstet zum Verschmachten!« Sogleich stimmte Luka ein: »Mich hungert zum Verhungern!« Stanzl machte den Vorschlag: »Soll ich das Vesperbrot auspacken?«

Ich zog meine Uhr aus dem Gürtel und bemerkte: »Erst halb 4 Uhr, also noch nicht Zeit. Auch haben wir noch nicht das geringste zustande gebracht. Eilt fort zur Arbeit, dann erst wird gegessen!«

Doch die Kleinen rührten sich nicht von der Stelle, und Wilma murrte: »Wenn mich hungert, dann eß ich, und wenn ich müd' bin, dann ruh' ich aus. Da gibt's nichts zu befehlen und nichts zu gehorchen.«

Plötzlich trat Maxi vor sie hin und deklamierte mit hohem Pathos:

Gehorsam ist des Weibes Pflicht auf Erden,
Das strenge Dulden ist ihr hartes Los.
Durch schweren Dienst muß sie geläutert werden;
Die hier gedienet, ist dort oben groß.

Wilma, die sich bereits auf den Vesperschmaus gefreut hatte, rief nun ärgerlich und enttäuscht: »Das paßt ja gar nicht auf uns! wir sind keine Weiber, sondern Kinder!« und Anna bemerkte neckend: »Was würde der Dichter sagen, wenn er dich hörte? Du wirfst die Adjektive wie Kraut und Rüben durcheinander. Studiere den Schiller besser, bevor du ihn zitierst!«

Doch Karoline sprach mit angenommenem Ernste: »Das ist einer Dichterin der Neuzeit doch wohl erlaubt! Alles muß jetzt verbessert werden, nicht wahr, Maxi?«

Ein Zornesfunken sprühte aus deren Augen. Wie ein Pfeil vom Bogen schoß sie mitten durch unsere Reihen in den Wald hinein, und wir sahen ihr erstaunt und schweigend nach; Hermine aber folgte ihr ins Gebüsch.

Nun riefen alle durcheinander: »Unausstehliche Empfindlichkeit!« – »Warum müßt ihr aber immer necken?« – »Ei, sollen wir uns den Mund zuleimen?« – »Ihr beide seid an allem schuld!«

Jenni wandte sich zu Therese und sagte beinahe flüsternd: »Arbeitsbienen seien wir? Du, ich verspüre Lust, alle meinen Stachel fühlen zu lassen. Sie verdienen nichts Besseres!«

»Und ich will gleich bei den zweien dort damit anfangen!« entgegnete diese. Doch Karoline und Anna hatten sich mißmutig entfernt, und die beiden machten sich schmollend über die Kränze her, während die Kleinen wieder davonsprangen.

Ich seufzte. Dies war also unser schöner, freier Nachmittag! Dies die Erfüllung unserer Sehnsucht! Meine Augen schweiften nach der sanften Marie, um bei ihr Rat und Trost zu holen. Auch sie war vom Schauplatze verschwunden. Ich ging in das Wäldchen, nach ihr zu suchen.

Etwa hundert Schritte entfernt, gewahrte ich unter einem Baume die beiden Freundinnen. Hermines Arm hielt Maxi umschlungen, deren Haupt an der Brust ihrer Trösterin ruhte und deren Hände mit dem Taschentuche die Augen trockneten.

Tränen, statt Freude! Und über uns in den Zweigen jubilierten die Vögel, der Sonnenschein vergoldete jedes Blatt, jedes Blümchen lächelte, jeder Halm wiegte sich behaglich im linden Säuseln des Zephirs, alle Wesen fühlten die Wonne des Lebens – nur wir vergeudeten den Nachmittag!

Lauschend blieb ich stehen. Da vernahm ich Hermines Worte: »Vergiß doch jenes unglückliche Zitat und denke lieber an Schillers Verse:

Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein!

Erneutes Schluchzen, erneutes Umschlingen mit beiden Armen, und dann Maxis begeisterte Antwort:

Ja, wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!

Jetzt stand mir das Weinen nahe. Auch ich war heute schon gekränkt und bespöttelt worden; aber keine Freundin hatte mich getröstet; ich suchte nach der meinigen – vergebens! Und so schlich ich mich fort mit der Sehnsucht im Herzen, weit, weit weg zu sein.

Ich war in entgegengesetzter Richtung tiefer in den Wald gegangen und erblickte, an einen Baumstamm gelehnt, mir den Rücken zugekehrt – Marie Huber.

Was fesselte sie hier? Was trieb sie da? Ich gewahrte keine Bewegung ihrer Hände; regungslos, das Haupt erhoben und an den Baumstamm gelehnt, blickte sie hinaus. Ja, es war der Mühe wert: ein liebliches Landschaftsbild breitete sich hier aus, und himmlischer Friede schien darüber gegossen. Leise Naturstimmen aus Moos, Gras und Halm vermischten sich mit den lautschmetternden aus den Zweigen; in der Ferne erklang das Dengeln einer Sense, dann wieder tönte die Glocke einer weidenden Kuh: Friede, Freude, Arbeit schien diese vereinte Melodie zu verkünden.

Ich verstand nun, was Marie hier gesucht und gefunden hatte: den Frieden. Jetzt traten mir die Tränen in die Augen, denn es regte sich in meinem Herzen der Vorwurf, daß auch ich in die süße Harmonie des Friedens einen Mißklang gebracht hatte.

Eben wollte ich zu Marie hineilen und ihr mein übervolles Herz ausschütten, als ich unsere Namen rufen hörte: »Maxi, Hermine, Marie, Johanna, kommt, kommt! Irenchen!«

»Was ist's mit Irenchen?« Plötzlich stand die vergessene Pflicht wieder vor mir, und ich eilte fort, ohne mich nach Marie umzusehen.

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