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George Gordon Noël Byron: George Byron - Kapitel 1
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authorGeorge Byron
titleGeorge Byron
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Fragment

 

 

Auf der Rückseite des Manuscripts des 1. Gesanges.

 

Ich wollt', ich hätte so viel Thon empfangen,
Als Blut und Mark und Leidenschaft ich bin,
Dann wäre das Vergang'ne doch vergangen,
Und Zukunft – doch ich taumle her und hin,
Da ich am Glas heut' allzu sehr gehangen.
Mir ist, als steh' ich im Plafond dort drin –
Ich sag', die Zukunft kann bedenklich sein,
Deßhalb – o Gott! – nur Soda her und Wein!

 

 

Dedication

1.

Bob Southey! Du bist Dichter – mit dem Kranze!
Des ganzen Dichter-Corps Repräsentant,
Obwohl als Tory neulich Du mit Glanze
Dich aufgethan, was Mode hier zu Land –
Du Epos-Renegat, an welchem Tanze
Bist Du mit Deinem blöden »Volk vom Strand«,
Dem liederreichen, das mir ein Genuß,
Wie zwanzig Amseln im Pastetenguß?

 

2.

»Und als man's aufmacht, haben sie gesungen!«
– Dies alte Lied und neue Bild paßt gut –
»Ein Leibgericht für königliche Zungen«
Und and're Prinzen, Gönner solcher Brut!
Auch Coleridge hat sich kürzlich aufgeschwungen,
Doch wie ein Falk, beschwert mit seinem Hut,
Indem er Metaphysik uns erklärt, –
Ei dies Erklären wär' erklärenswerth.

 

3.

Du bist, o Bob, von unverschämten Trieben,
Wenn Du gemeint – doch fandst Du drin 'nen Stein –
Die andern Sänger sanft bei Seit' zu schieben
Und einz'ge Amsel in dem Teig zu sein.
Du steigerst selber Dich ganz übertrieben,
Und fällst ein fliegend Fisch'chen schnappend 'rein
Aufs Deck. Weil Du zu hoch gewollt, o Bob!
Bist Du aufs Trockene gerollt, o Bob!

 

4.

Auch Wordsworth gab in einer langen »Streife«
– Fünfhundert Seiten hat der nette Band –
Ein Beispiel von des neu'n Systemes Reife,
Der Weisenblendung, das er selbst erfand.
Dichtkunst ist das – wie er behauptet steife –
Zur Hundstagszeit als solche anerkannt!
Wer sie versteht, der setzte auf mein Wort
Vom Babelthurm die Sage richtig fort.

 

5.

Von bess'rem Umgang lange ausgeschlossen,
Habt ihr zu Keswick nun euch selbst besucht,
Und fort und fort euch mit euch selbst durchgossen,
Bis ihr es hieltet für verbrieft, gebucht:
Der Dichtkunst Reich sei euch nur aufgeschlossen,
Für euch ihr Kranz nur – fast hätt' ich geflucht,
So klein ist diese Ansicht! O ich wünschte sehr,
Ihr tauschtet eure »Seee« mit dem Meer.

 

6.

Ich möchte nicht so Kleinliches erstreben,
Auf so Gemeines prägen stolz mein Ich,
Für all den Ruhm, den euch Verrath gegeben,
(Da nicht nur Gold die Hand zusammenstrich!)
Ihr habt den Ruhm, was wollt ihr noch daneben?
Und Wordsworth, der ein Steueramt erschlich!! Wordsworth ist vielleicht beim Zollwesen angestellt, ich glaube, er ist es wirklich dort oder beim Steuerwesen. Jedenfalls ist er es auch an Lord Lonsdale's Tisch, wo dieser poetische Charlatan und politische Schmarotzer die Krumen mit seiner hartgesottenen Lustigkeit aufleckt. Der bekehrte Jakobiner hat sich längst in den possenhaften Schmeichler der elendesten Vorurtheile der Aristokratie verwandelt.
Ja schäbig seid ihr, aber Dichter doch
Und tragt mit Recht der Dichtkunst Kränze noch.

 

7.

Der Lorbeer mag der Stirne Frechheit decken,
Vielleicht auch noch ein tugendhaftes Roth;
Doch möcht' ich nicht von euern Früchten schmecken;
Und für den Ruhm, den ihr zu fressen droht,
Ist weit das Feld und offen allen Recken,
In denen noch der Dichtkunst Flamme loht.
Scott, Rogers, Campbell, Crabbe, Moore steh'n hier,
Euch fordernd vor der Nachwelt zum Turnier.

 

8.

Ich, dessen Muse still zu Fuß spazieret
Und niemals euern Pegasus bedroht,
Ich wünsch', daß euch das Schicksal Ruhm serviret,
So viel ihr wünscht und Witz so viel euch noth.
Doch merket, daß ein Dichter nichts verlieret,
Läßt er den Brüdern ihr verdientes Brod.
Auch ist es nicht der Weg zu künft'gem Lob,
Behandelt man die Gegenwart recht grob.

 

9.

Wer seinen Lorbeer will der Nachwelt wahren
– Die selten großen Anspruch darauf macht –
Hat sicher seine Gründe ihn zu sparen
Und Eigenlob hat niemals Ehr' gebracht
Und mag Genie sich manchmal offenbaren
Wie Phöbus, plötzlich aus der Wogen Nacht,
So fährt die Mehrzahl der Bewerber doch
Gott weiß wohin – weil sonst es Niemand roch.

 

10.

Wenn Milton, bösen Zungen einst verfallen,
Daß sie ihn räche, angefleht die Zeit,
Und sie, beschneidend jene scharfen Krallen
Das Wort »Miltonisch« als erhaben feit',
So ist ihm Selbstlob doch nie eingefallen,
Noch hat durch Schmutz er seinen Geist entweiht.
Nie schimpfte er dem Sohn zu Lieb' den Ahn:
Er schloß den »Zwingherrnfeind«, den er fing an.

 

11.

Und könnte er wie Samuel erstehen,
Der blinde Greis aus seinem tiefen Grab,
Und Fürstenblut aufs Neu gerinnen sehen
An seinem Sarg; und sänk' er neu herab
Durch schwere Zeiten und der Töchter Schmähen
Zum kranken, bleichen, Bleich, aber nicht leichenhaft. Miltons zwei älteste Töchter sollen ihn seiner Bücher beraubt, ihn überdies in seiner Haushaltung geplagt und geschmäht haben. Diese Kränkungen mußten ihn als Vater und Gelehrten gleich schmerzlich berühren. Hayley vergleicht ihn mit Lear. Siehe den 3. Theil von Milton's Leben von W. Hayley (oder Hailey). alten Mann am Stab;
Würf' er sich je an einen Sultan weg
Und an den Geisteunuchen Castlereagh? Oder

Sank er herab zum feilen Laureat,
Zum ehrlos schmierenden Ischariot.

Ich zweifle, ob Laureat und Ischariot gute Reime sind, möchte aber dabei sagen, was Ben Jonson zu Sylvester sagte, als dieser ihn mit dem Reim herausforderte: In Beziehung auf den Charakter des Eutropius als Eunuch und Minister am Hofe des Arcadius, siehe Gibbon.

 

12.

Weh' diesem kalten, platten Bösewichte,
Der sich schon jung mit Erins Blut befleckt,
Und schnauben lernt' nach weit'rem Blutgerichte,
Von Tyrannei zum Werkzeug ausgeheckt,
Daß er ein armes Schwesterland vernichte;
Deß Witz gerade so weit sich erstreckt,
Um Fesseln zu verlängern die schon da,
Und Gift zu reichen, das er mischen sah!

 

13.

Ein Redner von so abgeschätzten Phrasen,
So unauslöschlich legitim-gemein,
Daß schweigen selbst die plumpsten Schmeichelbasen,
Und auf kein Lächeln sich der Feind läßt ein.
Auch nicht ein Fünkchen sprüht uns um die Nasen,
Schafft noch so sehr Ixion's Mühlenstein,
Der dreht und dreht, daß d'ran die Welt ermißt,
Wie Qual und Leben gleich unendlich ist.

 

14.

Ein Pfuscher selbst in seinem Fluchgewerbe,
Der immer stickt und steppt und Lappen setzt
Und seinem Herren läßt ein Schreckenserbe,
Gedanken, Staaten, die empört, verhetzt,
Verschwörungen, Congresse auf der Kerbe,
Der Messer für die ganze Menschheit wetzt,
Ein Sklavenjud, der alte Ketten feilt,
Den Gottes und der Menschen Fluch ereilt.

 

15.

Und darf vom Geiste auf den Stoff ich schließen,
So war der Wicht zu einem »Es« entmannt;
Auf Dienst und Joch von jeher angewiesen,
Hielt Ketten er auch dienlich für das Land.
Eutropius Ich John Sylvester
Lag bei eurer Schwester – Jonson erwiderte nämlich: Ich, Ben Jonson, lag bei eurer Frau. – Das reimt
sich aber nicht, entgegnete Sylvester. – Nein, sagte Ben Jonson, aber es ist wahr.
seines Herrn, blind für die Himmelsriesen:
Freiheit und Weisheit und des Witzes Pfand;
Furchtlos, weil kein Gefühl im Eis gedeiht –
So ward zum Laster selbst sein Muth entweiht.

 

18.

Wo eil' ich hin, um nimmer seine Bande
Zu seh'n, denn fühlen werd ich sie nicht mehr?
Italien, du hobst dich aus dem Sande,
Da drückte seine Lüge auf dich schwer.
Dein Eisenring und Erins frische Schande
Sie haben Zungen, tönend weit umher.
Europa hat Armeeen, Sklaven, Herr'n,
Und – Southey, der zwar schlecht sie singt, doch gern.

 

17.

Inzwischen weih' ich dir, gekrönter Meister,
In schlichten Versen diesen Festgesang.
Hörst du von mir nicht schmeichelhaften Kleister,
So kommt es her, weil mir verhaßt der Zwang;
Ich trachte einzig zu erzieh'n die Geister,
Apostasie ist ein moderner Drang,
Treu seinem Glauben sein – hercul'scher Wahn,
Nicht wahr, mein Tory, Ultra-Julian? Ich spiele hier nicht auf unseres Freundes Landor Helden, den Verräther Graf Julian an, sondern auf Gibbons Mann, der unter dem Namen der Apostat bekannt ist.

Venedig, am 16. September 1818. Don Juan.

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