Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Max Halbe >

Generalkonsul Stenzel und sein gefährliches Ich

Max Halbe: Generalkonsul Stenzel und sein gefährliches Ich - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorMax Halbe
titleGeneralkonsul Stenzel und sein gefährliches Ich
publisherVerlag »Das Bergland-Buch«
year1945
firstpub1931
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141121
projectidae583f29
Schließen

Navigation:

1

Johann Sebastian Stenzel hatte seinen schlechten Tag. Es war eigentlich der besonders schlechte Tag, der jedes Jahr wiederkam. Es war sein Geburtstag. Er wurde heute achtundfünfzig Jahre alt. Seine Laune konnte dadurch nicht besser werden. Stenzel, der Sohn eines Dorfschullehrers, nunmehr schon seit langem Generalkonsul von Honduras, hatte einen hohen Begriff vom Kurswert des Lebens. Dieses Inhaberpapier der Kommanditgesellschaft Menschheit, das jedem Aktionär in die Wiege gelegt wurde, schlug ohne Zweifel alle übrigen Börsenwerte. Er hätte es sich viel kosten lassen, wenn ihm jemand verraten hätte, wo es neuerdings zu haben sei. Denn das war das Betrübliche, daß es an jeden nur einmal abgegeben wurde. Und noch schlimmer, daß es nicht wie andere gute Papiere von Jahr zu Jahr eine höhere Dividende abwarf, sondern im Gegenteil sich langsam auffraß, einer Art von Selbsttilgungsverfahren unterlag, wodurch jedoch merkwürdigerweise sein Liebhaberwert für den jeweiligen Inhaber nicht vermindert wurde, vielmehr noch täglich zuzunehmen schien. Eigentlich ein ganz widersinniger Vorgang, dem mit aller kaufmännischen Logik nicht beizukommen war. Stenzel, als ein geborener Grübler, hatte sich oft genug darüber geärgert! Was nützt der gesunde Menschenverstand, dieser sonst so gepriesene und bewährte Universalschlüssel, wenn er in solchen Fragen versagt?

Darf man sich wundern, daß Generalkonsul Stenzel an diesem Tage, der wieder ein Jahr an seinem Lebenskalender abstrich, sich in der übelsten Laune befand? Der kleine quecksilberne Mann, der mit seinem birnenförmigen Schädel und dem schwarzen Henryquatre an Napoleon III., den Kaiser der Franzosen, erinnerte, hatte sich in das weichgepolsterte Seidensofa gegenüber seinem geräumigen Arbeitstisch geworfen. Eigentlich war das der Platz für bevorzugte Besucherinnen. Es gab ihrer nicht wenige in diesem Raum. Stenzel genoß den Ruf, in der mit verständnisvollen Gönnern nicht gerade gesegneten See- und Handelsstadt einer der zugänglichsten zu sein. Schauspielerinnen, Künstlerinnen, auch Bittstellerinnen anderer Stände fanden sich häufig ein, um dem Generalkonsul ihre Wünsche vorzutragen und ihr Leid zu beichten. Es war ja ein würdiger Herr in reiferen Jahren, mit dem man zu tun hatte. Junggeselle dazu, was allerdings die Situation wieder verwickelte, aber andrerseits auch erleichterte. Stenzel fischte aus dem Redestrom seiner Besucherinnen alles Sachdienliche auf und verwahrte die mit Notizen bedeckten Aktenblätter in dicken, längst zu Stapeln sich häufenden Mappen. Es war sein Sonntagspensum, die jedesmalige Wochenernte durchzusieben, Spreu von Korn zu sondern und danach zu entscheiden.

Johann Sebastian Stenzel – sein Vater, der Kantor und Organist, hatte ihn auf diese beiden Vornamen des größten aller Organisten taufen lassen – saß also an diesem wunderschönen, lachenden Maienmorgen zusammengekauert, fast ein Bild des Jammers, in den weichen Seidenkissen seines Damensofas und grübelte, wie alljährlich an dem Tage seiner Menschwerdung, über Sinn, Wert, Ziel, Bedeutung des Lebens nach. Ein Luxus! Gewiß! Stehle ich diese Minuten, diese Stunden, so fragte er sich, nicht eigentlich der Arbeit ab? Dem Höchsten, was es gibt? Er wußte wohl, wie man ihn in der Stadt nannte. Der Herr, der niemals Zeit gehabt hat. Nun ja! Ein Spitzname! Aber einer, auf den man stolz sein kann. Er hatte all seiner Tage nichts mehr gehaßt als Müßiggang und niemanden tiefer verachtet als den Nichtstuer. Arbeit war sein kategorischer Imperativ gewesen, seit er die Fibel in die Hand bekommen hatte. Es war mehr als fünfzig Jahre her.

Zwölfstündige Arbeit! Er hatte das durchgeführt bis heute. An diesem Maßstab gemessen, waren freilich die meisten Menschen Faulenzer. Stenzel verhehlte sich nicht, daß dies im Grunde auch seine Meinung von der großen Mehrzahl war. Vielleicht war es die Ursache, weshalb der von Natur aus gutherzige und menschenfreundliche Mann eine so ausgedehnte Hilfsbereitschaft entwickelte. Denn liebte nicht sein Herz diese selben Menschenkinder, die seine Vernunft wegen ihres Müßigganges verwerfen mußte? Und war da nicht eine Stimme, die ihm zuflüsterte, dieses Gefühl könne in einem ungewollten Pharisäertum wurzeln, in einer unchristlichen Überhebung, wofür selbstauferlegte Buße am Platze sei? So konnte es kommen, daß der Fanatiker der Arbeit, der das Wort gleichsam mit drei r aussprach, sein Ohr kaum einem der vielen Bittsteller verschloß, die doch in den meisten Fällen ihr Schicksal selbst verschuldeten, weil sie nicht wie er zwölf Stunden täglich arbeiten wollten. Er half also, wo es nur anging. Half Würdigen und weniger Würdigen, gewöhnlich aber nur mit kleineren Beträgen, um einerseits seinem Gewissen zu genügen und andrerseits doch der Faulheit nicht allzusehr Vorschub zu leisten. Und er hätte nicht der einstige Dorfschullehrerssohn sein müssen, wenn er nicht zunächst jeden dieser Besucher mit seinen Predigten beglückt hätte. Die meisten schluckten sie, ohne den Mund zu verziehen, und lachten ihn erst aus, wenn sie mit ihrer Spende in der Tasche die Tür seines Kontors wieder hinter sich hatten.

Ob Stenzel das wußte? Oder ob sich, wenn er es erfahren hätte, seine Methode geändert haben würde? Er war wohl zu klug, um an eine nachhaltige Wandlung seiner Klienten zu glauben. Geborene Grübler und Weltverbesserer, wie er einer war, müssen aus dem Triebe ihrer Natur heraus immer wieder an Weltlauf und Menschheit herumkurieren, auch wenn ihnen ihr Verstand sagt, daß alles beim alten bleiben wird. Ja, es kommt trotz der mannigfachen Enttäuschungen fast nie zu einer richtigen Menschenfeindschaft, soviel Grund dazu bestünde. Auch Stenzel konnte man eigentlich keine Menschenfeindschaft nachsagen, wenn er sich auch oft über Undank beklagte. Das Bewußtsein, im Besitze der Universalmedizin Arbeit (mit den drei r) und des Universalschlüssels Gesunder Menschenverstand zu sein, half ihm über die bittersten Erfahrungen hinweg.

So war es viele Jahre gegangen. Sein Haar hatte sich gelichtet, aber es war schwarz geblieben, bis auf den gewissen Schimmer an den Schläfen. Die Zeit hatte nicht viel über ihn vermocht. Nur einmal im Jahr versagten die bewährten Rezepte. Eben an seinem Geburtstage. Und heute war es besonders arg damit bestellt.

Wie das kam? Stenzel hatte seit dem frühen Morgen darüber nachgegrübelt (sein Tagewerk begann Punkt sieben), aber eine zureichende Erklärung hatte sich nicht gefunden. Der Sekretär, Herr Bauhofer, ein großer breitschultriger Vierziger mit langem Blähhals und vorgewölbtem Brustkasten, hatte pünktlich die Morgenpost – Zeitungen, Briefe, Aktenstücke – auf den Schreibtisch geschichtet, ein Viertelkubikmeter wie immer, und hatte sich nach einem vorsichtigen Rundblick lautlos zurückgezogen. Als sein prächtig gewölbter Brustkasten nach acht Uhr von neuem im Türrahmen des Arbeitszimmers auftauchte, stand der Generalkonsul am Fenster, das auf den Garten hinausging, und schien das Gesicht gegen die Scheiben zu drücken. Die Morgenpost lag auf der gleichen Stelle, wie vor einer Stunde. Stenzel hatte sie noch nicht angerührt. Das war unerhört! Plötzlich fiel Bauhofer ein, daß es der Geburtstag seines Chefs war. Vor einem Jahr war etwas Ähnliches gewesen. Damals hatte er seinen Geburtstagsspruch zu stammeln versucht. Aber Stenzel hatte ihn nicht zu Wort kommen lassen. Geboren worden zu sein sei eine Privatangelegenheit, die jeder mit sich allein abzumachen habe. Er wünsche keinen damit zu behelligen. Da hatte Bauhofer sich mit eingeknicktem Blähhals verbeugt und für künftighin eine Lehre daraus entnommen. Wie gut, daß ihm das wieder einfiel! Was für eine Nase hätte es sonst wieder gegeben!

Und jetzt war es neun. Bauhofer hatte, nachdem mehrmaliges Klopfen unbeantwortet geblieben, seinen Giraffenhals durch den behutsam geöffneten Türspalt geschoben und dabei den gleichen Befund wahrgenommen wie um acht. Die Frühpost lag noch immer unberührt auf dem Schreibtisch. Zu einem solchen Exzeß war es vor einem Jahr denn doch nicht gekommen. Was tun? Sollte er sich durch Räuspern bemerkbar machen? Sollte er geräuschlos verschwinden? Aber kann das nicht nachher ein Donnerwetter wegen Zeitversäumnis absetzen? fragte er sich. Stenzel stand jetzt nicht mehr mit den Händen auf dem Rücken und mit dem Gesicht gegen das Gartenfenster. Er kauerte zusammengekrümmt – ja, man konnte es nicht anders bezeichnen! – in den buntfarbigen Seidenkissen des Lustpfühls. So pflegte Bauhofer ganz privatim das Damensofa zu benennen, wo der Generalkonsul seine Besucherinnen empfing. Es war dies eine Auslegung, auf die man gelegentlich auch in der Stadt und in Stenzels Bekanntenkreis stieß, ohne daß greifbare Umstände sie bestätigten.

Der Sekretär war eben im Begriff, Kopf und Hals durch den engen Türspalt wieder in Sicherheit zu bringen, als er die Stimme des Generalkonsuls vom Sofa her vernahm.

»Sind Sie es, Herr Bauhofer? Sie wollen Arbeit? Sie haben recht! ... Immer arbeiten! Arbeiten! Kommen Sie herein!«

Bauhofer hatte beim ersten Klang der Stimme ein Schreck durchfahren, als sei er auf einer irrigen Zahleneintragung oder sonst etwas Schrecklichem ertappt worden. Aber dann fand er, daß der Tonfall des Chefs ungewohnt milde sei, und sein eben etwas eingesunkener Brustkasten straffte sich wieder zu der gewohnten stolzen Wölbung. Er trat vollends in das kleine kabinenartige Arbeitszimmer und reckte seinen Hals zu einer besonders ergebenen Begrüßung.

»Setzen Sie sich, Herr Bauhofer!« sagte der Generalkonsul und deutete auf den niedrigen Schemel neben dem Schreibtisch, der für geringere Bittsteller bestimmt war.

Der Sekretär nahm ein bißchen zögernd Platz. Seine Stimmung hatte sich wieder verflaut. Irgend etwas war da nicht ganz geheuer. Stenzel, der wie immer den schwarzen Gehrock trug, saß jetzt aufgerichtet in dem Sofa von champagnerfarbenem Seidenrips. Der kleine Mann mit dem Monokel vor dem linken Auge sah aus wie ein modisch gekleideter Gnom. Es war sehr still zwischen den mit Ölbildern, Aquarellen, Zeichnungen bedeckten Wänden. Bauhofer fand es irgendwie schwül, obwohl ihn eigentlich fröstelte. Er fuhr sich ein paarmal verstohlen über die Stirne. Aus dem verwilderten Garten hinter dem Hause klang Vogeltrillern.

»Machen Sie das Fenster auf, Herr Bauhofer!« sagte plötzlich der Generalkonsul. »Warum sollen wir uns nicht auch einmal frische Luft verordnen?«

Bauhofer staunte. Offene Fenster während der Arbeit? Das war in den zwei Jahren, seitdem er hier werkelte, noch nicht vorgekommen. Er knickte gehorsam zusammen, erhob sich und stand mit einem Schritt am Fenster, dessen Verschluß nach einem im ganzen Hause benutzten Patent mit einem bestimmten Griff, aber nicht eben leicht zu öffnen war. Weiche wohlige Mailuft ergoß sich in den vom Odem unausgesetzter Arbeit stickig gewordenen Raum. Draußen im Garten, unweit des Fensters, stand ein alter rußgeschwärzter Kastanienbaum, dessen dicke grüngelbe Knospen erst seit gestern gesprungen sein mochten. Irgendwo in seinem Wipfel mußte der unermüdliche Sänger nisten. Sein Trillern, Schluchzen, Werben schien von dem Stückchen blauen Himmels herzukommen, dessen Seide über Baum und Garten gespannt war.

»Dicke Luft hier!« bemerkte der Generalkonsul vom Sofa her. »Muffig? Was? Zu viel Stickstoff, zu wenig Ozon! Ja, ja, die Arbeit! Die Arbeit! ... Können Sie mir sagen, was für ein Vogel das ist, Herr Bauhofer? Sie sind ja Naturmensch! Schwimmen! Treiben Sport! Sind Vorturner in der Männerturnriege Stahlbrust! Erinnere ich mich recht? Nun also! Dann werden Sie auch wissen, wie sich der merkwürdige Vogel nennt, den man da hört?«

Er würde es für eine Amsel oder Drossel halten, erlaubte sich Bauhofer zu erwidern. In seinem Halse war ein verlegenes Hüsteln. Er begriff nicht, worauf das hinaus wollte.

»Amsel? So, so? Nun ja! Warum nicht? Sie kommen ja in den Wald, in die Natur! An Sonntagen! Übrigens Amsel oder Drossel! Also doch ein ›Oder‹! Wieso oder? Läßt sich denn das in der Zoologie nicht genau bestimmen? Wieso oder?«

Es sei wohl so ziemlich das gleiche, Amsel oder Drossel, erläuterte Bauhofer, indem er seinen Schemel am Schreibtisch wiederzugewinnen trachtete. Es war doch eine Basis, auf der sich sicherer operieren ließ.

»Das gleiche! Amsel oder Drossel! Aha! So ziemlich das gleiche! Aber warum denn ›so ziemlich‹? Also doch ein Unterschied?«

Vielleicht überhaupt kein Unterschied, meinte Bauhofer gequält und erhob seine Augen zu dem gegenübersitzenden Chef, ob das nicht bald ein Ende habe.

»Überhaupt kein Unterschied? Da haben wir es! Mangel an Logik! An Begriffsunterscheidung! Ihr alter Fehler, Herr Bauhofer! Kann im kaufmännischen Leben mitunter verhängnisvoll werden.«

Bauhofer bestätigte mit stummem Nicken, daß er der Ansicht seines Herrn ergebenst beipflichte.

»Aber lassen wir das!« meinte dieser. »Finden Sie nicht, daß in dem Gesang Ihrer Drossel oder Amsel, falls es überhaupt eine ist, etwas Aufreizendes, etwas Betörendes liegt? Wozu ist das eigentlich? Was soll das alles? Was bezweckt die Natur mit all dem Blendwerk? Können Sie mir das erklären, Herr Bauhofer?«

Bauhofer konnte das leider nicht. Er machte auch gar nicht den Versuch dazu, sondern wand sich nur stumm auf seinem Sitzbrett mit einer Art von süßem Lächeln, das je nach Bedarf ja oder nein bedeuten konnte.

Der Generalkonsul schien nicht weiter darauf achtzugeben, sondern fuhr in seinen Betrachtungen fort.

»Haben Sie sich schon einmal Rechenschaft abgelegt, warum Sie eigentlich geboren sind, Herr Bauhofer?«

Bauhofer war das noch nie in den Sinn gekommen. Er schüttelte hilflos den Kopf. Stenzel schüttelte ebenfalls den Kopf, wenn auch aus andern Gründen. Er schien sich an seinem Opfer festsaugen zu wollen.

»Sie sind doch geboren, Herr Bauhofer? Sie wissen das ganz genau? Sie täuschen sich nicht?«

Nein! Darüber täuschte sich Bauhof er nicht. Er sagte zwar noch immer nichts. Aber seine hervorquellenden Augäpfel sagten es. Sie sagten sogar noch mehr. Sie drückten qualvollen Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des andern aus. Stenzel kümmerte sich nicht darum.

»Nun also! Wenn Sie geboren sind, so müssen Sie doch auch sterben, mein lieber Herr Bauhofer! Haben Sie sich diese Konsequenz schon in ihrer ganzen Tragweite klargemacht?«

Bauhofer nickte mehrmals auf eine zustimmende und traurige Weise und schien damit anzudeuten, daß jene Tatsache seiner Aufmerksamkeit nicht ganz entgangen sei.

»Stellen Sie sich vor, Herr Bauhofer,« fuhr Stenzel fort, »Sie wären nicht auf die bekannte umständliche Weise geboren, sondern einfach durch Knospung, durch Teilung, durch Abspaltung in die Welt gekommen ...«

Wieder war es an Bauhofers Augäpfeln, herauszuquellen. Den Generalkonsul hinderte das nicht, sein Selbstgespräch weiterzuspinnen.

»So etwas gibt es doch in der Naturgeschichte, Herr Bauhofer. Sie als Sportmensch und Naturschwärmer müßten das eigentlich wissen. Und nun denken Sie einmal nach. Nehmen Sie an, Sie wären durch Knospung entstanden. Ein verhältnismäßig unkomplizierter Vorgang! Ewig leben würden Sie dann ja auch nicht. Aber Sie würden nicht sterben! Wenigstens nicht in der heutigen umständlichen und unbeliebten Weise! Sie würden ganz schlicht und unauffällig vergehen. Ohne Schmerzen! Ohne Vorherwissen! Ohne Geräusch! Kurz ohne die Explosionserscheinungen, die nun einmal mit unserer jetzigen Art von Geburt und Tod untrennbar verbunden sind! Wäre das nicht unbedingt vorzuziehen, Herr Bauhofer?«

Ehe dieser noch antworten oder auch nur seine erstarrten Augäpfel wieder in Bewegung setzen konnte, schloß Stenzel die Unterhaltung.

»Lassen Sie sich das durch den Kopf gehen, Herr Bauhofer! ... Ob Sie dann freilich Sekretär bei mir wären oder ich Ihr Chef, wenn Sie oder ich oder wir beide durch Knospung entstanden wären, das ist natürlich sehr die Frage. Na, wie dem auch sei, Herr Bauhofer! Arbeiten wir! Arbeiten wir! Arbeiten wir! Es ist heute schon schrecklich viel Zeit vertan!«

 Kapitel 2 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.