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Gelöste Rätsel

Matthias Blank: Gelöste Rätsel - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorTheo von Blankensee
titleGelöste Rätsel
publisherCarl Henschel Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160626
projectid41fbc3de
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XII.
Neue Entdeckungen.

Als Braun von den ersten Betrügereien Pedro Serrao's erfahren hatte, schickte er sofort einen Bericht mit einem Ersuchen um ausführliche Mitteilung an die Polizei von Rio de Janeiro. Auf diese Weise hoffte er, näheres über die Person dieses mysteriösen Serrao zu erfahren.

Der Aufenthalt der beiden Verbrecher blieb seit dem mißglückten Unternehmen im Hotel Fürstenhof unbekannt. Wahrscheinlich hatten sie die Stadt verlassen; so nahm wenigstens Braun an.

Die Presse hatte sich bereits des Falles Monnard und Serrao bemächtigt, und schon wiederholt wurden Stimmen laut, die der Polizei Unfähigkeit vorwarfen. Mehrmals war Braun bereits zu dem Polizeidirektor gerufen worden, um diesem einen eingehenden Vortrag über die jeweiligen Ergebnisse und Nachforschungen zu halten.

Endlich kam auch der ersehnte Bericht aus Rio de Janeiro an. Braun hatte erwartet, einen mehrere Seiten langen Bericht zu erhalten, war daher sehr erstaunt, als er nur die wenigen Zeilen sah. Noch größer aber wurde seine Verblüfftheit, als er diese las:

»Ein Pedro Serrao hier gänzlich unbekannt; ebenso ein Peter Serrao. Genaue Nachforschungen haben ergeben, daß eine Person dieses oder ähnlichen Namens überhaupt nie hier wohnte.

Polizeidirektion.
Rio de Janeiro.«

War das möglich? Sollte dieser Pedro Serrao überhaupt nicht existieren? Aber der Brief!

Hastig durchsuchte Braun die Akten nach dem Briefe. Allerdings hatte sich kein Couvert hierzu vorgefunden! Was sollte aber der Brief? War er überhaupt fingiert? Wer konnte darüber wohl Aufschluß geben?

Nur dieser angebliche Pedro Serrao.

Braun ließ Kommissar Seidel zu sich bitten, welcher auch bald hernach erschien.

»Was gibt es Neues?« fragte der Kommissar, als er zur Türe hereintrat.

Braun reichte ihm schweigend den Bericht.

Wortlos sah der Kommissar, als er ihn gelesen hatte, Braun an.

»Was sagen Sie jetzt?« fragte Braun.

»Ich bin starr!« war die Antwort.

»Hier liegt der Brief!« Braun wies darauf hin.

»Ich kann keinen Ausweg finden.«

»Das gräßlichste ist, daß wir die beiden fast schon in Händen hatten!«

»Jetzt werden sie wohl längst über alle Berge sein. Die Flucht über die Dächer wird ihnen einen ferneren Aufenthalt hier sehr verleidet haben.«

»Wer weiß?«

»Na, das wäre denn doch eine unglaubliche Frechheit!«

»Ich traue den beiden jetzt alles zu!«

»Früher erklärten Sie diesen Pedro für einen Ehrenmann,« setzte der Kommissar lächelnd hinzu.

»Es war dies auch meine größte Blamage! Ich gebe das zu!«

Ihre Unterhaltung wurde durch ein Pochen an der Türe unterbrochen.

»Zu ärgerlich! Schon wieder eine Störung!« brummte Braun.

Westmann betrat das Bureau.

»Sie wünschen?« fragte Braun.

»Habe ich die Ehre, mit Herrn Detektiv Braun zu sprechen?«

»Gewiß! Der bin ich.«

»Ich bin ausgeraubt worden! Mein Name ist Westmann, Juwelier.«

»Wie? Erzählen Sie!« rief Braun überrascht.

»Vielleicht wieder ein neuer Streich dieses Serrao!« fügte der Kommissar hinzu.

»Ja, ganz recht. Pedro Serrao, sagte er!« fiel nun Westmann gleich ein. »Er sagte, ich solle Herrn Braun vielmals von ihm grüßen. Dieser würde eine große Freude darüber haben.«

»Haben Sie Worte?« wandte Braun sich dem Kommissar zu. »Ist so etwas schon dagewesen!«

»Diese Frechheit ist allerdings grenzenlos!«

»Erzählen Sie jetzt alles,« forderte Braun den Juwelier auf.

Dieser berichtete nun ausführlich von dem Besuche des angeblichen Gochulowsky, dem Ankaufe der Schmucksachen, der Fahrt in die Wohnung des Fürsten. Er erzählte auch das Gespräch, das hier Pedro Serrao geführt hatte.

Als er geendigt, fragte ihn Braun, ob er vielleicht aus irgend einer Äußerung zwischen den beiden schließen könne, wohin sich diese nunmehr wenden würden.

Westmann besann sich und sagte: »Wenn ich mich nicht irre, so sagte der andere zu dem sogenannten Pedro: Komm', wir können gleich zur Bahn fahren.«

»Sollten sie diesmal München endgültig verlassen haben?« meinte Braun zu dem Kommissar gewandt.

»Ich glaube es noch immer nicht!«

»Haben Sie in der Leihanstalt schon angefragt, unter welchem Namen die Sachen verseht wurden?« fragte Braun den Juwelier.

»Allerdings!« erzählte dieser. »Dieser Gochulowsky stellte sich dem Beamten mit meiner Visitenkarte vor und sagte, er brauche momentan, da er zur Zeit nicht sofort solches erheben könne, Geld zur Bezahlung einer Nachnahme. Er werde die Sachen längstens morgen wieder auslösen. Auf diese Mitteilung hin schien es dem Beamten nicht im mindesten verdächtig, daß so bedeutende Wertsachen auf einmal versetzt wurden.«

»Wieder ein Zeichen ihrer Raffiniertheit.«

»Sie haben auch einen Check über 5000 Mk., der in meiner Brieftasche steckte, eingelöst.«

»Einmal gehen sie doch noch in die Falle!« rief Braun aus. Er notierte sich die von Westmann angegebenen Tatsachen und ließ diesen dann abtreten.

»Die Verbrechen dieser beiden Burschen häufen sich fortwährend. Sie selbst aber sind nicht zu bekommen. Sie verschwinden immer ebenso rasch, wie sie kamen,« sagte der Kommissar.

»Ah! Ich glaube jetzt, dem Morde des Monnard auf den Grund zu kommen,« rief nun Braun aus.

»Mich sollte dies sehr interessieren. Erzählen Sie doch!« forderte der Kommissar ihn auf.

»Die beiden Gauner sind doch fabelhaft geriebene Burschen.«

»Darüber besteht wohl kein Zweifel mehr,« warf der Kommissar ein.

»Gerade diese letzte Tat hat wieder bewiesen, daß die beiden jeden Streich ausführlich überlegen, ehe sie ihn ausführen. Sie sind daher auch bei dem Falle Monnard mit derselben Vorsicht zu Werke gegangen. Alles was geschehen ist, war raffinierte Berechnung.«

»Etwas rascher!« unterbrach ungeduldig der Kommissar.

Braun aber fuhr lächelnd, in der Gewißheit seiner Behauptungen, fort:

»Die beiden hatten durch irgend einen Zufall erfahren, daß dieser Monnard zu Hause vielleicht Gold besaß und zugleich auf eine hohe Summe versichert war. Sie beschlossen deshalb, Monnard zu töten, um so in den Besitz der Versicherungssumme zu gelangen. Um aber bei einer eventuellen Prüfung ein Anrecht auf das Geld zu haben, wurde der Brief von diesem angeblichen Pedro Serrao aus Brasilien geschrieben, der dann unter die Schriftstücke des Monnard gesteckt werden sollte. Da die beiden aber sehr wohl voraussahen, daß dadurch der Verdacht auch auf den angeblichen Serrao fallen könnte, verschafften sie sich das Alibi durch den zweiten Brief und durch die Frankfurter Reise. Die Tat gelang! Als der Täter – welcher von den beiden es war, steht ja durch den Frankfurter Bericht fest – die Schreibereien des Monnard durchwühlte, fand er auch den Militärpaß des Ferdinand Monnard. Eine falsche Legitimation ist für solche Verbrecher immer von großem Nutzen und deshalb nahm der angebliche Serrao auch diesen Paß mit sich. Es ging nun alles nach Wunsch. Der Zeuge Lotter konnte den Täter unmöglich erkennen, da sie, das heißt dieser Pedro, sich dann später die Haare geschwärzt und eine Narbe auf die Stirn gezeichnet hatte. Er mußte sonach vollständig unschuldig erscheinen. Als er mich dann später gelegentlich einmal fragte, was er denn zur Erhebung des Geldes nötig habe, und ich ihm alles mitteilte und auch sagte, er müsse unter Vorweis seiner Legitimation das Geld erheben, sonst bekomme er die Summe nicht, beschloß er, den Paß des verstorbenen Bruders zur Erhebung des Geldes zu benutzen. Auf den Namen dieses Pedro Serrao besaß er selbstverständlich keine Legitimation. Seine eigene wollte und konnte er gleichfalls nicht verwenden, da man ihm sonst auf die Spur gekommen wäre. Er erreichte auf diese Weise, was er bezweckte: Wir wissen jetzt nur noch nicht, wie er eigentlich heißt. Als er dann als »Ferdinand Monnard« das Geld erhoben hatte, verschwanden die beiden auch sofort.«

Braun schwieg und sah den Kommissar voll Erwartung an.

Nachdenklich sah dieser vor sich hin und sagte dann halb und halb zweifelnd:

»Aber der Kopf! Der Kopf!«

»Höchst einfach! Um ihren Plan vollständig durchzuführen und um möglichst viel Zeit zu gewinnen, galt es doch vor allem, die Polizei nach Kräften zu verwirren. Dies erreichten sie vollständig durch das Verschwindenlassen des Kopfes.«

»Möglich!«

»Es ist so, zweifellos!«

»Es klingt die ganze Geschichte so abenteuerlich!« warf der Kommissar ein.

»Aber nur so ist das Ganze möglich. Das geben Sie doch zu?«

»Allerdings!«

»Was zweifeln Sie noch?«

»Daß man den Kopf nicht findet!«

Braun zuckte die Achseln.

Der Kommissar meinte schließlich:

»Ihre Geschichte läßt das Abschneiden des Kopfes sehr begründet erscheinen. Aber man muß doch annehmen, daß der Kopf nur beseitigt und dann irgendwo weggeworfen und versteckt wurde. Aber nirgends ist er zu finden. Die beiden Verbrecher müssen doch zweifelsohne auch noch Grund haben, den Kopf so zu beseitigen, daß man ihn unmöglich auffinden kann.«

»Ach, das ist Zufall, daß er noch nicht gefunden wurde! Mehr nicht!«

»Es kann möglich sein, es kann aber auch nicht sein.«

»Sie werden sehen, daß ich mich nicht täusche.«

»Wie wollen Sie mich überzeugen?« fragte darauf der Kommissar.

»Nun, wenn wir die beiden haben!«

»Ja, wenn!«

»Ich ruhe nicht eher!«

»Ich wäre selbst froh, wenn dieser Fall Monnard bald erledigt wäre! Wer weiß, was die beiden uns noch alles zu schaffen machen.«

»Der Krug geht so lange zum Wasser, bis er bricht.«

»Wenn es aber ein eiserner oder ein zinnerner ist?« warf der Kommissar ein.

»Einmal wird auch der unbrauchbar.«

»Hoffen wir dies, und zwar möglichst bald.«

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