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Gelöste Rätsel

Matthias Blank: Gelöste Rätsel - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorTheo von Blankensee
titleGelöste Rätsel
publisherCarl Henschel Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160626
projectid41fbc3de
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X.
Abermals entkommen.

In einem elegant möblierten, mit allem Komfort der Neuzeit ausgestatteten Salon des Hotels »Fürstenhof« saßen zu derselben Zeit, während welcher der Kommissar mit Braun den neuen Plan verabredete, die uns bekannten Pedro und Hans.

Pedro hatte diesmal rote Haare und eine goldene Brille, während Hans langes schwarzes Haar trug. Pedro lag auf dem Divan und rauchte eine Zigarette. Hans saß auf einem Schaukelstuhl und wippte. Beide waren anscheinend schlecht gelaunt.

Ihre steten Begleiter, zwei Reisekoffer, befanden sich bereits wieder im Zimmer.

Hans brach das Schweigen zuerst.

»Der Plan ist ja ausgezeichnet, und es ist dabei zweifellos viel Geld zu verdienen. Aber in München wird es für uns nun schon bald zu gefährlich.«

»Unsinn!«

»Wenigstens in den Hotels! Die verdammte Presse schreibt ja Zeug genug darüber. Ich bin fest überzeugt, heute abend steht die ganze Geschichte vom »König von Spanien« schon wieder in den Zeitungen.«

»Was geht das uns an?« fragte Pedro nachlässig.

»Sehr viel! Die Hotelbesitzer werden vorsichtiger. Der Trick mit den Koffern findet vielleicht bald ein schlimmes Ende.«

»Ich mag einmal München nicht verlassen.«

»Dann siedeln wir in Privatwohnungen über.«

»Das geht.«

»Aber bald. Ich hab' so ein Gefühl, als wären wir hier nicht sonderlich sicher.«

»Lächerlich! Sicher, sag' ich Dir, wie in Abrahams Schoß.«

»Du weißt, meine Gefühle pflegen mich nie zu täuschen.«

»Beim Aronstein haben sie sich gut bewährt.«

»Was wohl jetzt Deine Braut macht?«

»Kümmert mich verflucht wenig!«

»Du, ich kann nichts dafür; verlassen wir dieses Haus bald.«

»Ja, was ist denn mit Dir eigentlich los?« Pedro richtete sich vom Divan auf und sah Hans prüfend an.

»Ich kann nichts dafür; aber es ist so.«

»Na, hör' 'mal, das ist gefährlich!«

Hans war von seinem Stuhl aufgesprungen und ging im Zimmer unruhig auf und ab. Dann begann er wieder: »Deinen Plan können wir ja auch in einer Privatwohnung ausführen!«

»Es geht! Ja!« nickte Pedro.

»Wir könnten ja jetzt im Laufe des Vormittags eine passende Wohnung suchen. Mittag essen wir noch hier und verschwinden dann.«

»Ich tue es deinetwegen, obwohl ich glaube, daß es lediglich Hirngespinste sind.«

Phlegmatisch erhob sich Pedro und verließ bald hernach mit Hans das Hotel, um eine Wohnung zu suchen. – – – – – – –

Seit halb drei schon saß Braun in seinem Bureau und las sämtliche eingelaufenen Berichte durch. Nach reiflicher Prüfung kam lediglich eine Anmeldung vom Hotel »Fürstenhof« in Betracht. Der Rapport des Beamten lautete:

»Heute morgen kamen gegen acht Uhr angeblich von der Bahn zwei junge Leute an. Ihr Gepäck bestand in zwei ziemlich schweren Koffern. Sie trugen in das Fremdenbuch ein: »Fritz Reutter, Gutsbesitzer, Kaspar Reutter, Astrachan.« Sie gaben sich als Brüder aus. Beide stehen im ungefähren Alter um die dreißig herum. Der eine trägt rote Haare und Brille, der andere hat langes schwarzes Haar und blaue Augen.«

Zweifellos waren dies die Beschuldigten. Die Koffer stimmten und die blauen Augen des einen auch. Die Haare hatten sie sich wahrscheinlich wieder gefärbt oder trugen Perücken.

Da trat auch schon der Kommissar ein.

»Was gefunden?« war seine erste Frage.

Braun teilte ihm das Nähere mit und sie beschlossen hierauf, sofort aufzubrechen. Braun ließ noch drei Kriminalschutzleute holen und alle fünf begaben sich in das Hotel Fürstenhof. Auf dem Wege dorthin unterwies er die Schutzleute, wie sie sich verhalten müßten. Das Hotel hatte nur einen Ausgang, vor welchem sie warten sollten, bis er mit dem Kommissar wieder zurückkäme; so lange sie sich aber im Hotel aufhielten, dürfte niemand dasselbe verlassen.

Die Schutzleute versprachen, genau diesen Befehlen nachzukommen.

Hierauf wandte sich Braun an den Kommissar:

»Die Burschen sind äußerst gefährlich! Haben Sie einen Revolver bei sich?«

»Gewiß! Bei solchen Schurken muß man sich vorsehen.«

»Ich glaube, am besten wird es sein, wenn wir zuerst anfragen, ob die beiden auf ihrem Zimmer sind.«

»Wenn ja, gehen wir hinauf, betreten sofort das Zimmer und verlangen ihre Legitimation.«

»Gut! Aber wenn sie sich nicht im Hotel befinden?«

»Dann warten wir vor dem Hotel, bis sie zurückkehren. Ihr jetziges Aussehen ist uns ja bekannt.«

Immer näher kamen sie dem Hotel. Trotzdem sowohl Braun wie der Kommissar sich schon in schwierigeren Lagen befunden hatten, so waren dennoch beide in hohem Grade erregt.

Pedro und Hans hatten im Laufe des Vormittags noch eine passende Wohnung gesucht und gemietet. Darauf waren sie gegen 2 Uhr in das Hotel zurückgekehrt und hatten sich auf ihrem Zimmer das Diner servieren lassen.

Nach der Mahlzeit steckten sich beide noch eine Zigarette an mit der Absicht, das Hotel dann zu verlassen.

»Etwas Ruhe nach den Anstrengungen des Mahles wird wohl noch gestattet sein?« fragte Pedro.

»Ich kann Dir nur sagen, daß ich froh bin, wenn ich dieses Hotel glücklich verlassen habe!« gab Hans ihm zur Antwort.

»Nur Einbildung! Nur Einbildung!« brummte Pedro vor sich hin.

»Mag sein! Aber meine Ahnungen verwirklichen sich nur zu oft.«

»Wenn Du nur 'mal wieder so eine Ahnung hättest wie mit dem Aronstein.«

»Vielleicht ein andermal!«

Hans öffnete das Fenster und sah die Straße hinunter.

»Eigentlich könnten wir uns noch eine Flasche Wein zu Gemüte führen.«

Plötzlich fuhr Hans vom Fenster zurück wie von einer Tarantel gestochen.

»Na, na, na! Was ist denn los?« rief Pedro.

»Rasch fort!« gab der Gefragte zur Antwort. »Eben betraten Braun und ein Kommissar das Hotel. Drei andere stehen vor dem Eingang. Wahrscheinlich Geheime!«

»Verdammt!« Pedro sah rasch zum Fenster hinunter. »Die bleiben stehen!«

»Damit niemand das Hotel verlassen kann. Meine Ahnung!«

»Die soll der Teufel holen! Was tun?«

»Mir nach!« rief ihm Hans zu, packte den Hut und stürmte zur Tür hinaus, hinter ihm folgte Pedro. Hans eilte nun bis an die Treppe vor und sah hinunter. Braun und der Kommissar kamen eben die Treppe in den ersten Stock herauf. Sie begleitete der Direktor des Hotels.

Pedro und Hans standen im zweiten Stock.

»Hier ist kein Entkommen!« flüsterte Pedro.

»Nur mir nach!« forderte ihn Hans auf.

Dann eilte er die Treppe in den dritten, dann in den vierten Stock hinauf, dicht hinter ihm hielt sich Pedro. Oben im vierten Stock betrat Hans mit Pedro einen Abort, dessen Fenster nach der Hofseite hinausging. Die Türe verschloß Pedro.

»Nicht! Nicht!« rief Hans ihm zu, »sonst entdeckt man, wie wir das Hotel verließen.«

Er öffnete sodann das Abortfenster und trat auf das Fensterbrett. Er beugte seinen Oberkörper hinaus und konnte so mit den Händen die Dachrinne ergreifen. An dieser zog er sich dann empor. Pedro folgte ihm auf diese Weise nach. Sie schmiegten sich nun möglichst dicht an die Rinne und das Dach an, um nicht gesehen zu werden, und krochen dann längs des Hoteldaches, bis sie auf das Dach des Nachbarhauses kamen. Von einem Hause zum andern kletternd, gelangten sie schließlich nach einer Seitenstraße. Dort entdeckten sie eine offenstehende Dachluke, die in einen Bodenraum hinabführte. Nachdem sie sich überzeugt hatten, daß der Boden leer war und sich keine Menschen in der Nähe befanden, ließen sie sich dort hinab und waren bald gerettet.

Braun und der Kommissar hatten, als sie bei dem Hotel ankamen, den Kriminalpolizisten sofort ihre Plätze angewiesen und ihnen nochmals ihr Verhalten eingeschärft. Dann ließ Braun den Direktor rufen, dem er in wenigen Worten den Sachverhalt mitteilte. Der sofort herbeigerufene Kellner versicherte, daß die beiden Gäste in ihrem Zimmer dinierten. Unter Führung des Direktors begaben sie sich nun sofort in das Zimmer der Gesuchten. Um so größer war die Verblüffung, als sich im Zimmer kein Mensch befand.

Es wurden unter Zuziehung des gesamten Dienstpersonals alle Räumlichkeiten des Hotels durchsucht. Aber die Gesuchten waren und blieben verschwunden. Es wurde das ganze Hotel von oben bis unten durchforscht, aber es fand sich auch nicht die geringste Spur vor.

»Sollten uns die Kerle wiederum entwischt sein?« sagte der Kommissar zu Braun.

»Leider!« zischte Braun förmlich vor Wut.

Eine Anfrage bei den vor dem Hotel postierten Schutzleuten ergab, daß niemand das Hotel inzwischen verlassen hatte.

»Aber wie ist das nur möglich?« fragte der Kommissar. »In ihrem Zimmer stehen noch die Reste der Mahlzeit. Sie können doch nicht davongeflogen sein!«

Als Braun dies Wort hörte, rannte er sofort auf den Gang hinaus, wohin ihm der Kommissar folgte, riß ein Korridorfenster auf und beugte seinen Oberkörper hinaus, um die Dachpartien zu überblicken.

»Dort! Sehen Sie!« rief der Kommissar und zeigte auf eines der Häuser, das mit seiner Vorderfront an einer Seitenstraße lag. Braun folgte der Richtung und sah nur noch, wie sich Pedro eben in die offene Dachluke hinabließ.

Einen Augenblick lang blieb Braun starr stehen, dann aber hatte er sofort seine Fassung wiedergewonnen und lief keuchend, dicht gefolgt von Kommissar Seidel, die Treppe hinunter auf die Straße, dann hinein in die nächste Seitenstraße, bis zu dem Hause, in welchem die beiden Verbrecher verschwunden waren. Aber es war bereits zu spät! Die Verfolgten hatten bereits einen zu großen Vorsprung. Atemlos blieben die beiden stehen und blickten mit wutgeröteten Gesichtern um sich.

Jetzt, wo sie die Verbrecher fast schon in Händen hatten, waren dieselben abermals entkommen!

Mißmutig kehrten die beiden wieder in das Hotel zurück und konnten nur die Erfolglosigkeit bestätigen. Als man dann aber die noch im Zimmer stehenden Koffer erbrach, fanden sie in jedem ein strotzend mit Wasser gefülltes, wasserdichtes Luftkissen vor.

»In dem Punkte hatte ich also recht!« sagte Braun zu dem Kommissar.

Dieser nickte nur.

»Das nächstemal aber sollen sie mir nicht wieder entkommen!« setzte dann Braun zähneknirschend hinzu.

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