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Gelöste Rätsel

Matthias Blank: Gelöste Rätsel - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
authorTheo von Blankensee
titleGelöste Rätsel
publisherCarl Henschel Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160626
projectid41fbc3de
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IX.
Auf der Spur.

Als Braun von den Betrügereien des Pedro Serrao im Hotel »Hamburger Hof« Kenntnis erlangt hatte, zweifelte er nicht mehr länger, daß dieser auch zu der Ermordung Monnards in irgend welcher Beziehung stehe. Er schickte nun einen ausführlichen Bericht nach Frankfurt und ließ dortselbst recherchieren, ob man in der Zeit vom 16. Juli mittags gegen zwei Uhr bis zum nächsten Tage gegen zwölf Uhr die beiden Fremden, sowohl Herrn wie Diener, gesehen habe.

Erst nach etwa acht Tagen kam die Mitteilung zurück, daß keiner vom ganzen Personal während der angefragten Zeit den Herrn Pedro Serrao gesehen habe. Serrao hatte nach Angabe des Portiers etwa gegen ein Uhr das Hotel verlassen. Von diesem Zeitpunkt ab hatte ihn niemand mehr gesehen. Erst am nächsten Tage erschien er wieder um ½ 2 Uhr beim Diner. Auffallend sei nur, daß beide Betten auch in der Nacht vom 16. auf den 17. benutzt worden wären. Mehr konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Aufmerksam hatte Braun diesen Bericht gelesen. Es war sonach sehr wohl möglich, daß dieser Serrao trotzdem der Mörder war. Daß sein Bett benutzt worden war, hatte ja nichts zu sagen. Der Diener hatte eben in beiden Betten gelegen.

Jedenfalls war auf Grund dieser Nachricht der Verdacht des Mordes in Zusammenhang mit der Erhebung des Geldes sehr begründet. Dazu kam noch die Betrügerei im Hotel. Das Manöver mit den schweren Koffern ließ vermuten, daß die beiden äußerst geriebene Burschen sein mußten. Wie sie es fertig brachten, das schwere Gewicht zu erzielen, das blieb dem sonst in allen Gaunerkniffen erfahrenen Detektiv ein Rätsel.

Bisher hatte man von dem Aufenthalt der beiden Gauner nicht die geringste Spur, trotzdem das Signalement in alle größeren Städte telegraphiert worden war; auch wurden die zwei Verbrecher in allen Polizeiblättern zur Verhaftung ausgeschrieben. Es war aber alles umsonst.

Braun stand nun auf, trat an das Telephon und ließ sich mit der Versicherungsgesellschaft Arcadia verbinden. Er fragte dort an:

»Wann hat denn eigentlich Pedro Serrao das Geld auf die Lebensversicherung des Fritz Monnard erhoben. Wann und womit hat er sich legitimiert?«

»Das betrifft wohl den Fall mit den 50 000 Mark?« war die Rückfrage.

»Gewiß!«

»Die wurden aber von keinem Serrao oder wie Sie sagen erhoben, sondern von – von – ich werde rasch nachsehen!«

»Gut! Ich warte am Telephon.«

Jetzt klärte sich die Sache wieder weiter auf. Braun fühlte, daß er sehr leichtsinnig vorgegangen war, daß er sich nicht schon früher erkundigt hatte, auf welche Legitimation hin die Summe eingelöst wurde. Vielleicht ließ sich jetzt das mysteriöse Rätsel lösen?

»Sind Sie noch am Telephon?« wurde von der Versicherung angefragt.

»Ja!«

»Ich habe in den Büchern nachgesehen! Sie wurden erhoben von dem Bruder des Ermordeten, dem Techniker Ferdinand Monnard. Als Legitimation wurde dessen Militärpaß vorgezeigt!«

»Danke! Schluß!«

Das also war wieder ein neuer Punkt. Der Bruder des Ermordeten! Sollte dieser Pedro Serrao identisch mit dem Bruder sein? Oder wie kam dieser Militärpaß in die Hände des Serrao. Immer verwirrter wurden die geheimnisvollen Rätsel. Wer würde sie lösen?

Braun verließ sein Bureau und suchte in der Polizeiregistratur nach einer Personalliste eines Ferdinand Monnard. Vielleicht ergab diese dessen Aufenthalt und Leumund.

In spannender Erwartung blätterte Braun die Listen durch. Endlich! Monnard! Ferdinand Monnard, Techniker! Hastig überflog er den Inhalt. Aber was war das?

Ferdinand Monnard, gestorben 1894. Also schon seit fünf Jahren tot!

Jetzt ergab sich die ungefähre Lösung. Dieser Pedro Serrao war angeblich die letzten zehn Jahre in Brasilien. Wie konnte er nun in den Besitz des Passes gelangt sein? Nur durch Fritz Monnard; denn so lange dieser Ferdinand Monnard lebte, benötigte er des Passes doch selber. Aber dieser angebliche Serrao hatte doch keinen Grund, sich den Paß nach Brasilien schicken zu lassen?

In diesem Augenblick stürmte Kommissar Seidel herein:

»Herr Kollege! Schon wieder ein großartiger Hotelschwindel!«

»Still, still!« unterbrach ihn Braun. »Ich habe soeben unsern Pedro Serrao vollständig überführt.«

»Ah! Wirklich?« rief der Kommissar erstaunt aus.

»Hier eine Mitteilung aus Frankfurt. Nach dieser ist Pedro vom 16. mittags bis zum Mittag des nächsten Tages nicht gesehen worden. Er kann also Frankfurt sehr wohl verlassen haben und nach München gereist sein. Hier traf er mit Fritz Monnard zusammen, tötete diesen in dessen Wohnung, durchsuchte alles, nahm verschiedene Papiere mit sich und fuhr morgens nach Frankfurt ab, woselbst er gegen Mittag wieder eintraf. Unter diesen Papieren Monnards befand sich auch ein Militärpaß seines vor fünf Jahren verstorbenen Bruders. Den Paß nahm Serrao zu sich und erhob unter Vorzeigung desselben als Legitimation die 50 000 Mk. Als Bruder des Verstorbenen wurde ihm das Geld eher ausgehändigt, als wenn er sich als Fremder vorgestellt haben würde.«

»Woher wissen Sie, daß er als Bruder des Ermordeten das Geld erhob?«

»Die Erkundigungen bei der Gesellschaft haben es ergeben.«

»Dann wäre er jetzt also überführt!«

»Allerdings!«

»Dann müssen wir ihn also nur noch bekommen!«

»Geschieht auch noch! Nun zu Ihrer Neuigkeit!«

»Im Hotel »König von Spanien« wurde ein Hotelschwindel verübt. Schaden fast 1200 Mark. Wieder zwei Burschen. Ich habe so eine Ahnung, als wären es unsere alten Bekannten vom »Hamburger Hof!««

»Was? Erzählen Sie!«

»Weiß nicht mehr. Sie sollen sofort hinfahren. Ein Gast des Hotels wurde außerdem noch um 20 000 Mk. geprellt.«

»Das ist ja entsetzlich!«

»Sie werden sehen! Ich habe recht!«

Braun nahm sofort seinen Hut, eilte schleunigst zur nächsten Trambahnhaltestelle und fuhr nach der Maximiliansstraße. Im Hotel fand er das gesamte Personal in vollster Aufregung.

Braun ließ sich alles bis in die kleinste Einzelheit erzählen. Als er dann wieder die Geschichte mit den schweren Koffern hörte, hatte er keinen Zweifel mehr, daß es nur die Gesuchten sein konnten. Vollständig überrascht aber war er, als er ein ganz verschiedenes Signalement bekam. Bei dem einen stimmte lediglich das schwarze Haar und der Schnurrbart. Wo war die Narbe hingekommen? Bei dem andern blieben die blauen Augen.

Braun wußte nun, daß seine Gegner wohl zu den gefährlichsten und geriebensten Verbrechern und Hochstaplern gehörten. Offenbar waren sie mit einem Schminkapparat und Färbekämmen versehen, um sich immer wieder ein verändertes Aussehen geben zu können.

Auch die Erzählung des Herrn Bankier Aronstein bewies, daß die beiden keine Verbrecher gewöhnlicher Art waren, sondern mit einem fabelhaften Raffinement arbeiteten.

Braun ließ sich nun die leeren Koffer zeigen, die aber nichts enthielten als einen alten Hosenknopf. Wie versichert wurde, trugen die beiden, als sie das Hotel verließen, nur ein kleines Päckchen. Jedenfalls stand das mit den Koffern in irgend welchem Zusammenhang. Sorgfältig klopfte Braun die Koffer ab. Er fand aber nichts. Es fiel ihm lediglich ein feuchter Geruch auf.

Vollständig resultatlos kehrte er in sein Bureau zurück, woselbst er schon von Kommissar Seidel erwartet wurde.

Diesem erzählte er alle Beobachtungen, die er gemacht hatte. Plötzlich fand er die Lösung mit den Koffern.

»Jetzt hab' ich es!« rief er inmitten seiner Erzählung aus.

»Was denn?« fragte ihn der Kommissar.

»Diese zwei Gauner tragen wasserdichte Kissen bei sich, die sie vollständig mit Wasser füllen und dann in die Koffer zwängen. So erzeugen sie das Gewicht. Verschwinden sie aber, dann leeren sie die Kissen wieder, rollen sie fest zusammen und entfernen sich.«

»Ah! Ist das denn möglich! Wie sind Sie denn darauf gekommen?«

»Mir fiel der eigentümlich feuchte Geruch im Innern der Koffer auf. Dann das Päckchen, das sie immer bei sich tragen.«

»Das ist wohl noch nie dagewesen!«

»Mir ist es neu.«

»Wieviel Uhr ist es denn jetzt?«

»Neun Uhr. Gestern abend um neun Uhr sind sie verschwunden. Sie haben also bereits wieder einen Vorsprung von zwölf Stunden!«

»Glauben Sie, daß die Gauner München verlassen haben?« fragte der Kommissar.

»Ich denke! Es dürfte Ihnen hier der Boden bald zu heiß sein!«

»Vielleicht haben Sie die zwölf Stunden benutzt, um ein neues Verbrechen zu verüben.«

»Das ist ihnen wohl zuzutrauen. Was aber kann ich tun?«

»Alle Hotels kontrollieren!«

»Man hat dabei furchtbare Unannehmlichkeiten. Ich werde in sämtlichen Hotels Erkundigungen einziehen lassen, wo im Laufe des gestrigen Abends oder heute, beziehungsweise in den nächsten Tagen, zwei etwa dreißig Jahr alte Gäste abgestiegen sind. Die werde ich dann sämtlich kontrollieren.«

»Ich bin nämlich fest überzeugt, die sitzen bereits wieder in irgend einem Hotel. Diesmal soll es ihnen aber schlimm ergehen.«

»Ich werde sofort Kriminalschutzleute in alle Hotels senden. Spätestens Nachmittag habe ich Nachricht. Gehen Sie dann mit?«

»Selbstverständlich! Ich komme gegen drei Uhr!«

»Gut!«

Der Kommissar entfernte sich.

Braun ließ zwölf Mann der Kriminalpolizei rufen.

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