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Gelimer

Felix Dahn: Gelimer - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleGelimer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Siebentes Kapitel.

An Cethegus ein Freund.

»Der Vandalenkrieg ist aufgegeben! Und aus welch jämmerlichen Gründen! Du weißt es: ich hielte es für viel heilsamer, unsere Herrscher kümmerten sich um das Inland, das heißt um uns, als um die Barbaren. Denn solang dieser untragbare Steuerdruck und dieser Mißbrauch der Amtsgewalt im Reiche der Romäer fortdauert, solang wird durch jede Eroberung, durch jede Mehrung unserer Unterthanen nur die Zahl Unglücklicher gemehrt. Wollte man aber einmal Afrika dem Reich zurückgewinnen, dann durfte man den stolzen Gedanken nicht aufgeben: – aus eitel Feigheit! –

Da steht es, das häßliche Wort: leider ein Wahrwort! Feigheit wessen? Nicht des Weibes Theodora. Wahrlich: Feigheit ist dieses zierlichen, sonst so weichlichen Weibes Fehler nicht. Vor zwei Jahren, als der furchtbare Aufruhr der Grünen und der Blauen vom Cirkus her sich sieghaft über die ganze Stadt hinwälzte, als Justinian verzagte und fliehen wollte, da hat ihn Theodoras Mut festgehalten im Palast und Belisars Treue hat ihn gerettet. – Aber auch nicht den Kaiser trifft diesmal der Vorwurf: die Schuld trägt die Feigheit des römischen Heeres, zumal aber der Flotte! Zwar hat es auch Justinians Eifer beträchtlich gekühlt, daß der schlaue Plan mißlang,»fast ohne Krieg, lediglich durch »Künste« – Verrätereien, sagen gewöhnliche Naturen! – das Reich Geiserichs zu zerstören. Der König sollte zu verabredeter Zeit das ganze Heer in das Innere entsenden zu einem großen Feldzug gegen die Mauren; alsdann sollte unsere Flotte in den unverteidigten Hafen von Karthago einlaufen, das Heer landen, die Hafenstadt besetzen und Hilderich, Hoamer und einen Senator von Tripolis als die drei Statthalter des Kaisers in der heimgefallenen Provinz Afrika ausrufen. Diesmal aber kam über uns Listige ein Listigerer. Unser Freund aus Tripolis schreibt, er habe sich getäuscht in jenem arianischen Priester, den er für uns gewonnen zu haben wähnte: – derselbe, anfangs wohlgesinnt, sei später schwankend geworden, habe gewarnt, abgemahnt: – ja, vielleicht sogar den abgelockten Plan den Vandalen verraten. So müsse denn ein offener Angriff das Beste thun. Das gefiel nun zwar Belisar, aber nicht dem Kaiser. Er zögerte.

Einstweilen aber ist – weiß Gott, durch wen! – das Gerücht von dem bevorstehenden Vandalenkrieg hier am Hof, in der Stadt, unter Heer und Flotte verbreitet worden und – Schmach und Schande! – fast alle, die größten Würdenträger, die Feldherren, aber auch die Soldaten und Matrosen, befiel Angst und Entsetzen!

Denn alle gedachten des letzten großen Feldzugs gegen diese gefürchteten Feinde, welcher vor zwei Menschenaltern – unter Kaiser Leo war es – mit Aufbietung aller Kräfte des ganzen Reiches war ins Werk gesetzt worden. Der weströmische Kaiser griff die Vandalen gleichzeitig auf Sardinien an und in Tripolis. Byzanz aber leistete Großes. Einhundertdreißigtausend Pfund Gold wurden aufgewendet, auf tausend Schiffen führte Basiliskos, des Kaisers Schwager, hunderttausend Krieger an die Küste von Karthago. In einer Nacht war alles dahin. Mit Brandern überfiel Geiserich die am Vorgebirge des Merkur zu dicht ineinander geschobenen Trieren, gleichzeitig mit seinen windschnellen Reitern das Lager am Strand: in Feuer und Blut gingen Flotte und Heer zu Grunde. – Heute nun jammern der Präfectus Prätorio und der Schatzmeister: »Ganz ebenso wird es wie damals gehen! Die letzten Gelder der fast leeren Kassen werden ins Meer geworfen!« Die Feldherren aber (– außer Belisar und Narses –) welche Helden! Jeder fürchtet, gerade ihn werde der Kaiser wählen! Und wie solle man, seien selbst die Schrecken des Weltmeers überstanden, auf feindlicher Küste landen, die Landung schon erzwingen gegen die gefürchteten Germanen? Die Soldaten ferner, gerade vom Perserkrieg zurückgekehrt, haben noch kaum die Freuden der Muse zu Hause wieder gekostet, Sie lärmen meuterisch auf allen Straßen: vom äußersten Osten kaum heimgekehrt, sollten sie in den äußersten Westen, an die Säulen des Herkules, verschickt werden, mit Mauren und Vandalen sich zu schlagen. Der Seekrieg sei ihnen unerhört: sie seien dazu nicht geübt, dazu nicht geworben, dazu nicht verpflichtet. Zumal der Präfectus Prätorio hat dem Kaiser vorgestellt, Karthago sei zu Lande von Ägypten her nur in einhundertfünfzig Tagmärschen zu erreichen, die See aber werde die Flotte der Vandalen, die unüberwindliche, sperren. »Stich nicht,« warnte er, »in dies afrikanische Wespennest! Die Raubschiffe plündern sonst wieder wie in den Tagen Geiserichs all' unsere Küsten und Inseln.« – Und damit drang er durch. Der Kaiser ist umgestimmt. Wie grollt und lärmt Held Belisarius!

Und Theodora grollt und – schweigt. Aber sie wollte ihn heftig, diesen Krieg! Ich bin wahrlich nicht ihr Günstling: ich bin ihr immer noch viel zu unabhängig, zu sehr selbst der Denker meiner Gedanken – und mein Gewissen beißt mich doch oft genug um meiner Unaufrichtigkeit willen! – Das beste, das heißt bestgezähmte Gewissen hat freilich sie selbst: es beißt sie nie mehr: es hat sich wohl längst an ihr die Zähne ausgebissen! – Aber sogar ich erhielt wiederholt jene zierlichen kleinen Papyrusrollen mit dem flammenumgebenen Skorpion im Siegel, die ihre geheimen Befehle zu tragen pflegen, Brieflein, in denen sie mir »Kriegswut« dringend anempfahl, wolle ich es nicht vollends mit ihr verderben.«

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