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Gelächter

Felix Dörmann: Gelächter - Kapitel 5
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleGelächter
publisherE. Pierson's Verlag
year1895
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180419
projectid78d7158a
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Zweite Reihe.

Die Thränen, die sich mir drängten
Zum Auge brennend heiß,
Nur heimlich die Seele versengten,
Nicht gab ich der Welt sie preis.

Die Lieder, dem Herzen entstiegen
In Sehnsucht und grollender Scham,
Ich hab' sie den andern verschwiegen,
Kein menschliches Ohr sie vernahm.

Zerschmettert ohn' Erbarmen
Ist alles, was mich gemahnt,
Daß ich in deinen Armen
Das Glück meines Lebens geahnt.

Vor kurzer Zeit noch wollt' ich mich ermorden. –
Ich habe viel gejammert, viel geflennt. –
Das hat nun alles, Gott sei Dank, ein End',
Ich bin vernünftig, froh beinah' geworden. –
Das Leben nicht so furchtbar schwer zu nehmen,
War aller Leute wohlgemeinter Rat;
Und ich befolgt' ihn gründlich. – In der That!
Ich hänge jetzt besonders am Bequemen,
Ich mache weder mir noch Andern Sorgen,
Ich esse und ich trinke ziemlich viel,
Am Abend noch ein kleines Kartenspiel –
Und dann ein Schlaf bis in den hellen Morgen.
Der Hausarzt schwört: – ich würde täglich fetter
Und Fett wär' mir gesund. – Man fühlt dabei
Sich so behaglich, so gedankenfrei. – –
Und neulich meinte schon ein lieber, netter
Caféhausfreund mit cognacschwerer Zunge:
Wahrhaftig, wenn ich eine Dame wär',
Ich wünschte dich zum Freunde – ja noch mehr ...
Du machst dich nach und nach, mein süßer Junge.

Daß ich dereinst, mein Kind, für dich gelitten,
In scheu verhüllter, thränenloser Qual
Und lange Nächte mit dem Tod gestritten,
Erscheint mir heut' so thöricht und banal.

Weil man zwei rote Lippen nicht mehr küssen,
Zwei blasse Hände nicht mehr streicheln kann,
Deswegen Sehnsucht nach Revolverschüssen? ...

Ich liebe deine zartbeflaumten Wangen
Und deinen Leib, so frisch und köstlich-kühl;
Doch eines, Kind, darfst du mir nicht verlangen:
Die Leidenschaften und das Sturmgefühl!

Ich bin ja recht geneigt zu kleinen Scherzen,
Ein bischen Plaudern und, wenn man schon muß,
Ein Viertelstündchen auch an deinem Herzen,
Doch schenk' mir den »berauschenden« Genuß.

Ich folge ja nicht »ungestümen Trieben«,
Nicht »dunkler Sehnsucht«, die den Sinn bethört;
Nur aus Gewohnheit pfleg' ich noch zu lieben –
Und weil die Liebe zum Beruf gehört.

Man ändert sich – die liebesschwülen Phrasen,
In denen ich dereinst vergnügt gepraßt
Und die bekannten sinnlichen Extasen,
Sie sind mir heute nahezu verhaßt.

Man ändert sich und wird erstaunlich älter,
Betreibt die Liebe längst nicht mehr als Sport,
Die Küsse werden spärlicher und kälter –
Und schließlich – schickt man die Geliebte fort.

Man ändert sich und plaudert von Problemen
Der hohen Politik, vom Biergenuß –
Und ist bereit, ein liebes Weib zu nehmen,
Das man sich allerdings erst suchen muß.

Ich möchte dir ja wirklich gern erzählen
Mit heißen Worten, zärtlich und genau,
Daß mich Gefühle neuerdings beseelen
Und dir sich neigen, seltsam schöne Frau.

Doch leider, leider kann ich's nicht verhehlen:
Mein Blut ist bleich und rieselt dünn und flau;
Ich will dir lieber einen Freund empfehlen!
Er ist so frisch und rein wie Morgentau,

In seinem Kinderherzen kaum erglommen
Ist jenes Feuer, das mir längst verblafft;
Ich rat' dir gut, er wird dir wohl bekommen,
Er träumt noch von der großen Leidenschaft!

Sein Anblick schon wird deine Nerven stärken;
Auch ist er gern bereit zu frommen Werken!

Jetzt stören keine Träume meinen Schlummer
Und alle Sehnsucht tieferschrocken schweigt.
Ich lebe ganz vorzüglich – täglich Hummer
Und Caviar, Austern, frisches Obst – geneigt

Sind mir solide Männer – brave Gatten
Und alte Tanten, selbst die strengerzogen
Ein mildes Lächeln für den Jüngling hatten,
Als er den Rücken ehrfurchtsvoll gebogen.

Ihr habt's erreicht, geregelt ist mein Leben,
Ihr habt's erreicht, es war die höchste Zeit –
Und doch und doch – ich könnte Alles geben
Für eine Nacht der alten Seligkeit.

Noch einmal ist mit unendlicher Macht
Die thörichte Sehnsucht erglommen,
Noch einmal bin ich im Dunkel der Nacht
Vor deine Schwelle gekommen.

Die brennenden Glieder, ich streckte sie aus
Auf regenverwaschenen Stufen,
Ich hab' von deinem traulichen Haus
Hinein in der Wetternacht Hagelgebraus
Die Qual meiner Seele gerufen.

— — — — — —

Doch als der Sonne hellfunkelnde Pracht
Erglommen den Himmelsbogen,
Da hab' ich mich trotzig selber verlacht –
Und bin von dannen gezogen.

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