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Geheimnisvoll am lichten Tag

Carl Gustav Carus: Geheimnisvoll am lichten Tag - Kapitel 8
Quellenangabe
typeessay
authorCarl Gustav Carus
titleGeheimnisvoll am lichten Tag
publisherVerlag Philipp Reclam jun.
editorHans Kern
year1944
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080521
projectid5243b754
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Inwiefern darf der Mesmerismus als ein wirkliches und bedeutendes Heilmittel bei Krankheiten aufgeführt werden?

Kaum über irgendeinen andern Gegenstand in der Lehre vom Mesmerismus sind die Meinungen so sehr auseinandergegangen als über diesen. – Diejenigen, welche die Anwendbarkeit desselben als Heilmittel verwarfen, stützten sich besonders auf das Problematische seiner Einwirkung je nach den Individuen, betrachteten die meisten beigebrachten Zeugnisse für dessen Wirksamkeit als auf Täuschung beruhend und schrieben ihm auch im günstigsten Falle nur eine palliative, keine eigentlich kurative Macht zu. Diejenigen, die für denselben als Heilmittel Partei nahmen, schadeten dagegen der Sache öfters dadurch, daß sie ihn entweder schlechterdings als Universalmittel geltend machen wollten oder seine Anwendung ohne richtige Unterscheidung seiner eigentümlichen Bedeutung sowohl als der Krankheitsfälle, in denen in Wahrheit seine Macht sehr groß genannt werden darf, empfahlen. Im folgenden werde ich daher Grundsätze zusammenfassen, welche vielleicht deshalb am besten geeignet sein möchten, diesen Zwiespalt auszugleichen und zu einer richtigern Würdigung einer so merkwürdigen Erscheinung auch für die Medizin zu leiten, weil sie sich stützen: teils im Allgemeinen auf eine fast fünf Dezennien umfassende ärztliche Erfahrung, teils im Besonderen auf manche eigene merkwürdige Beobachtungen gerade im Felde des animalen Magnetismus. Ich werde alles hierher Gehörige unter zwei Rubriken vereinigen und in der ersten zeigen, was dem Mesmerismus als Heilmittel entgegensteht, und in der zweiten darstellen, was ihn als solches empfiehlt, ja oft ganz einzig erscheinen läßt. Entgegen steht aber der allgemeinen ärztlichen Anwendung des Magnetismus erstens, daß er nicht von jedem und nicht bei jeder Individualität sich wirklich anwenden lasse. Nur eine willenskräftige, geistig energische und im wesentlichen gesunde Natur nämlich wird den Mesmerismus mit Erfolg bei Krankheiten in Anwendung bringen, und nur eine mehr sensitive Natur wird dafür empfänglich sein. Nun sind aber Individualitäten wie die des als Magnetiseur vielfältig bekannt gewordenen Grafen Szapary und ähnliche, für den Heilzweck in den meisten Fällen schwer oder gar nicht in geeignetem Maße zu beschaffen, und so könnte man also nicht ganz mit Unrecht sagen, ein Heilmittel, welches nicht gleich den eigentlichen Medikamenten überall leicht zu haben sei und auch nicht auf alle Naturen gleichmäßig wirke, werde allemal im ganzen dadurch an Wert verlieren, indes würden allerdings immer Fälle genug übrigbleiben, wo beide Bedingungen sich als erfüllt darstellen ließen. – Zweitens ist dem Mesmerismus nicht mit Unrecht vorgeworfen worden, daß er, eben weil er zwischen Personen verschiedenen Geschlechts offenbar stärker einwirkt, gar wohl auch zu sexueller Aufregung leiten und mancherlei Mißbrauch veranlassen könne. Einen solchen möglichen Mißbrauch ist aber, wie schon die Aphrodisiaka beweisen, auch die mit pharmazeutischen Mitteln heilende Medizin nicht enthoben, und überhaupt kann der mögliche Mißbrauch den Gebrauch nie aufheben, er muß nur zu Vorsichtsmaßregeln veranlassen, und ganz richtig fordert daher auch Ennemoser schon in seiner »Anleitung zum Magnetisieren«, daß dergleichen Kuren in der Regel nicht ohne Zeugen ausgeführt werden sollen. Drittens endlich hat man den Aufwand von Zeit und Kräften, den der Mesmerismus von dem Arzte fordert, als wesentliches Hindernis seiner Anwendung aufgeführt; aber auch dieser Einwurf beseitigt sich dadurch, daß man beachtet, daß es nicht unbedingt notwendig ist, daß der Arzt allemal selbst den Magnetismus anwende, sondern daß er andere, nur sonst hinlänglich dazu Befähigte gar wohl hierzu verwenden kann, und ebenso dadurch, daß man diese Heilmethode nur auf einzelne Fälle beschränkt und nicht als eine universale und einzige anpreist.

Wenden wir uns nun zur Betrachtung dessen, was den Magnetismus empfiehlt und für den Heilzweck so bedeutend erscheinen läßt, so muß zunächst wohl einiges über den Heilprozeß selbst vorausgeschickt werden, da, soviel unter Laien von Medizin die Rede zu sein pflegt, doch gerade über die Art und Weise, wie eine Krankheit sich verlieren und zur Gesundheit zurückkehren kann, nicht nur im Publikum im allgemeinen, sondern ebenso oftmals unter Ärzten sehr wenig naturgemäße Vorstellungen herrschen. Fassen wir aber zusammen, was hierüber in kurzen Worten sich aussprechen läßt, so können wir geradezu sagen: die Krankheiten heilt nicht der Mensch mittels seines bewußten Geistes, sondern das Göttliche, Unbewußte im Menschen. Dasselbe, was seinen Organismus bildet und täglich in geheimnisvoller Tiefe ihn neu erzeugt, es ist auch das allein Wiederherstellende aus Krankheiten in ihm, und alles, was der erfindsame Geist des Menschen seit Jahrhunderten erlernt hat, um – wie man sagt – Krankheiten zu heilen, beschränkt sich doch nur auf die Beschaffung der zweckmäßigen Mittel, um die Aufgabe jenes göttlichen Unbewußten zu erleichtern, zu fördern, ja mitunter überhaupt erst zu ermöglichen. – Man muß den Krankheitsprozeß in größter Einfachheit, wie er etwa in einer geringen örtlichen Entzündung oder in einem leichten allgemeinen Fieberzustande sich darstellt, betrachten, um recht deutlich zu erkennen, wie die Steigerung, Höhe und Abnahme des Krankseins ganz mit derselben Gesetzmäßigkeit und Sicherheit (abgesehen von jeder ärztlichen oder medikamentösen Einwirkung) verläuft, welche wir etwa in der Entwickelung des Küchleins im Ei oder am Wachstum einer Pflanze erkennen. Man nehme nur den Verlauf einer leichten Hautentzündung (Rose), wenn irgendein krankmachender Reiz eingewirkt hatte, als Beispiel: wir sehen da nämlich zuvörderst einen gesteigerten Zufluß der Säfte; Schmerz, Röte, erhöhte Wärme und Schwellung zeigen sich zunehmend in gesetzmäßiger Zeit und kommen zur Reife, wie eine Pflanze etwa ihres Wachstums Höhe erreicht und dann abwelkt. Ist diese Höhe also erreicht, so fangen die stockenden Säfte an, durch örtliche Aussonderungen sich zu erleichtern, entweder entsteht unter der Oberhaut eine wirkliche Ansammlung von serösem Wasser, was nach und nach verdunstet und dann die Oberhaut abwelkend und abfallend zurückläßt, während schon eine Neubildung einer andern ähnlichen darunter vorbereitet war, oder die Aussonderung geschieht in Form vermehrter Transpiration oder auch wohl, indem andere Absonderungen sich steigern; die Schwellung fällt nun wieder zusammen, Schmerz, Röte und Hitze nehmen ab, und in Zeit von gewöhnlich sieben Tagen ist die Gesundheit wieder vollkommen hergestellt. – Alles dies aber bewirkt nun nicht etwa der Verstand dieses kranken Menschen, sondern es ist durchaus nur ein unbewußtes göttliches Walten in seinem Innern, welches alle diese Vorgänge leitet und bedingt. – Und wie merkwürdig sind nun nicht erst dieselben Vorgänge in ernstern Fällen, in heftigen Fiebern z. B., wo schon vor ein paar Jahrtausenden der große griechische Arzt von Kos die geheimnisvollen innern Bewegungen nachwies, welche mit größter Gesetzlichkeit von sieben zu sieben Tagen die Krankheitsprozesse leiten und Krisen herbeiführen, welche durch Unerwartetes und Hilfreiches oft die vielfachste Erfahrung in Staunen setzen. Hier also liegt das schon von Hippokrates anerkannte Göttliche, welches als Heilkraft der Natur oder als »Arzt im Menschen« wohl häufig genannt und doch selten in seiner tiefern Bedeutung erkannt wurde, das Göttliche, welchem die Behandlung durch Medikamente, Regime und Diät nur Vorschub zu leisten bestimmt ist, welches aber am Ende ebenso immer die eigentliche Heilung bewirken muß, wie etwa das Wachstum des Körpers doch nur von der innern Lebensidee selbst ausgeht, obwohl die gereichten Nahrungsmittel die entferntere Bedingung dazu abgeben, daß das Wadistum erst sich verwirklichen kann. – Ganz ebenso mächtig ist dieses Göttliche im Heilen der Wunden. Nicht die kleinste Verletzung können wir unmittelbar durch Kunst heilen, denn stets ja ist dieses Heilen ein Zeugungsprozeß neuer organischer Substanz, ein Prozeß, dessen stets nur das göttliche Unbewußte fähig ist, allerdings aber können wir diesen Vorgang willkürlich entweder stören oder ihn befördern, und auf dem letztem allein beruht daher in Fällen dieser Art die wesentliche Kunst des heilenden Wundarztes.

Und soweit denn über diese Vorbegriffe vom Wesen der Heilung! – Hat man hier aber einmal die richtige Haltung und Ansicht gewonnen, so wird man auch einsehen, wie alles das, was jenes unbewußte Walten des innern Lebens zu erhöhen, zu kräftigen und in seinen Erhaltungszwecken zu fördern imstande ist, nun auch wesentlich beitragen muß, Krankheiten zu überwinden und Genesung zu beschleunigen; und von hieraus ist dann der Weg vollkommen gebahnt, die gerade das Unbewußte so mächtig hebenden Wirkungen des Lebensmagnetismus auf Krankheiten zu erklären und richtig zu deuten. Ja man wird mich jetzt nicht mißverstehen, wenn ich sage, daß in diesem Sinne, da eben alles eigentliche Heilen nur vom Unbewußten ausgeht, der Mesmerismus, welcher am direktesten auf dies Ursprüngliche der Seele des Menschen wirkt, weil er eben selbst vom Leben und von der Seele eines Kräftigern ausgeht, wirklich das Urheilmittel genannt werden muß, obwohl er darum doch nicht Universalmittel im andern Sinne sein kann, weil er ja als Bedingung das Auffinden und Einwirken des irgendeinem einzelnen Kranken völlig adäquaten Magnetiseurs vorausseht, eine Bedingung, die im wirklichen Leben nur so selten erfüllt werden kann. Gewiß ist es aber, daß da, wo wirklich irgendeine sensitive Individualität in dieser Weise einer lebensmächtigen, von reinem Willen zum Helfen durchdrungenen andern sich gegenüber findet, da wird diese erstere in der Einwirkung dieser letztern jedenfalls das wahre Ur- und für sie Universalmittel gefunden haben für die verschiedenartigsten Leiden. Fälle dieser Art sind mir selbst wohl vorgekommen, und die obenerwähnte Kranke, welche infolge mehrjährigen Mangels an nächtlichem Schlaf öfters in den eigenen Zustand von Tagessomnambulismus verfällt, hat mir mehr als einmal Gelegenheit gegeben, zu bemerken, wie einige wenige magnetische Striche, ja manchmal eine einzige Handauflegung hinreichten, ein mit Blutauswurf verbundenes Herzklopfen oder heftige örtliche Schmerzen fast wie durch ein Wunder zu beseitigen. Kann ja doch überhaupt alles, was von sogenannten Wunderheilungen durch bloße Berührung in den Bereich der Wahrheit und Wirklichkeit fällt, nur dadurch begriffen werden, daß man diese Macht einer großen heilbringenden Persönlichkeit anerkennt, mittels solcher augenblicklichen Hebung des unbewußten Göttlichen im Kranken selbst irgendeine gefahrbringende Krankheit unmittelbar zu beseitigen. – Hier also, wo die ungeheure Macht des Mesmerismus für Krankheitsheilung liegt, liegt aber zugleich sein Unzulängliches, da Bedingungen dieser Art im gewöhnlichen Leben so selten zu erfüllen sind und das eigentlich Zusammengehörige auch in dieser Beziehung« so selten sich wirklich zusammenfindet, folglich in allen andern Fällen die mesmerischen Einwirkungen immer soviel schwächer sich darstellen werden; indes gerade nun über diese Wirklichkeit, und wie der Magnetismus im gewöhnlichen Leben und bei seiner alltäglichen ärztlichen Anwendung mit seinen Einwirkungen sich herausstellt, werden nun noch einige Worte hinzuzufügen sein. Zuvörderst die Krankheitsformen betreffend, welche so im allgemeinen immer als vorzüglich für den Mesmerismus geeignet erschienen sind, so wird man leicht begreifen, daß namentlich diejenigen, welche mit besonders erhöhter Sensibilität sich verbinden, wie das ganze Heer der sogenannten Nervenkrankheiten, Krämpfe, Hysterie, Hypochondrie, örtliche Schmerzen, Lähmungen und Leiden der Sinnesorgane, immer diejenigen waren, welche durch diese Kurmethode am meisten erleichtert wurden, und zwar offenbar deshalb, weil sie, indem sie irgendwie durch Störung in der bewußten Sphäre des Seelenlebens bedingt sind, gerade der Einwirkung eines fremden kräftigen Nervenlebens einen weitern Spielraum lassen, um die innere Selbsthilfe des Unbewußten aufzurufen und zu stärken. Nächstdem waren es dann Entwickelungszustände, wie insbesondere die in den Stufenjahren des weiblichen Geschlechts vorkommenden, in Form von Bleichsucht, Menstruationsstörungen usw. auftretenden, welche hier vielfältig Hilfe gefunden haben und immer finden werden, natürlich deshalb, weil das eben hier zu kräftigende Bildungsleben stets am leichtesten durch allgemeine Hebung des Unbewußten gefördert wird. Was die Krankheiten im Gefäßsystem betrifft, so sind es besonders die leichtern Formen der Entzündung, wie die rosenartigen, und dann die Kongestivzustände nach einzelnen Organen, welche mesmerische Ableitung und Hilfe erlangten, da hingegen bei heftigem Entzündungen und Fiebern das gesamte unbewußte Naturleben des Organismus in der Regel dergestalt in sich verwickelt und vom Äußern abgelenkt erscheint, daß die magnetische Einwirkung wenig Macht darauf zu üben vermag. Endlich sind denn auch alle Unterleibsleiden, insofern sie nicht durch Krämpfe bedingt wurden, alle organischen Verbildungen, mit Ausnahme äußerer Drüsenanschwellungen, bei welchen Berührung und Bestreichen oftmals sich wirksam zeigte, endlich aber und namentlich alle auf irgendeiner Vergiftung der Säftemasse beruhenden Krankheitsformen dem Mesmerismus ebenso unzugänglich wie alle jene Fälle, in denen von einem chirurgisch operativen Verfahren allein Hilfe erwartet werden kann. Was nun die Maximen betrifft, nach welchen der Arzt die Anwendung des Magnetismus zu bestimmen und auszuführen hat, so müssen sie freilich vor allem durch eine genaue diagnostische Kenntnis jedes einzelnen vorliegenden Falles geleitet und festgesetzt werden und ist darüber dem größern Publikum gegenüber nicht weiter ins Einzelne zu gehen. Ein Umstand jedoch ist hier besonders hervorzuheben als ein solcher, der auch den Augen des Laien deutlich werden muß, und der ist folgender: – Wenn, wie aus dem Vorigen hervorgegangen sein wird, namentlich eine gewisse Herabsetzung des bewußten Seelenlebens und somit Herabstimmung heftiger, schmerzhafter Empfindungen sowie Beruhigung krampfhafter Bewegungen als erste Einwirkung jeder nur einigermaßen kräftigen mesmerischen Behandlung sich bemerklich macht und diesem dann die Hebung des Unbewußten, Neigung zum Schlaf und wirklicher Schlaf sich gewöhnlich unmittelbar anschließt, so kann man zunächst wohl verstehen, welch wichtiger Gebrauch schon in dieser Beziehung zur Beruhigung mancher stürmischen Zufälle gemacht werden kann. Was aber weniger beachtet und selbst von Ärzten oft genug bei solchen Einwirkungen vernachlässigt wird, ist, daß von hieraus zugleich eine treffliche Gelegenheit entnommen werden kann, um, neben der magnetischen Behandlung, andere angemessene innere oder äußere Heilmittel in Anwendung zu bringen, welche nun, nachdem der Organismus so gewissermaßen erst zur Ruhe gebracht worden war, oftmals eine höchst erwünschte Einwirkung da zeigen werden, wo vorher mit dergleichen irgendeine nachhaltige Wirkung durchaus nicht erzielt werden konnte. Ich erinnere mich eines solchen Falles mit einer jungen russischen Dame, welche in der Zeit ihrer Entwickelung von so furchtbaren krampfhaften Hustenanfällen, mit allgemeinen Konvulsionen verbunden, ergriffen wurde, daß keine der sonst so oft hilfreichen angemessenen medikamentösen Einwirkungen imstande war, die Heftigkeit dieser Anfälle irgend zu lindern. Nach wochenlanger Dauer dieser Akzesse, welche zugleich jeden andern tiefer eingreifenden Heilplan völlig unmöglich erscheinen ließen, schritt ich zur Anwendung des Mesmerismus, und schon bei den ersten Manipulationen während eines heftigen Anfalls erfolgte nach vier Minuten vollkommene Ruhe und Schlaf. Zwar kehrten die Anfälle die nächsten Tage wieder, allein das Mittel war nun gefunden, dem Organismus Ruhe zu schaffen, und mit ihm die Möglichkeit, von da an kräftiger auf das Innere dieser zarten, aber skrofulösen Konstitution zu wirken. Bald brachten jetzt die geeigneten Medikamente die eigentümlichsten – einmal an einem andern Orte zu beschreibenden – Ausscheidungen als Krisen hervor, und nun hörte auch die Disposition zu jenen Krämpfen auf, wonach dann eine Kur in Ems die Heilung einer Krankheit beendete, welche ohne magnetische Hilfe gewiß nicht beendet worden wäre, jedoch nur unter schwer zu erfüllenden Bedingungen hätte durch Magnetismus allein zu so glücklichem Erfolg geführt werden können.Eine Reihe recht einfach erzählter Tatsachen von der heilenden Kraft dieser Behandlung s. m. schon in Bährens »Über die Heilkraft des Lebensmagnetismus« (Essen 1819). – Ganz gleich glücklichen Erfolg erzielte ich auf diesem Wege bei einem jungen dänischen Offizier, wo eine enorme Tuberkulose des Lymphsystems mit den wütendsten Schmerzen verbunden den Kranken fast zur Verzweiflung gebracht hatte. Der Mesmerismus linderte erst die Schmerzen, und Dampfbäder nebst stark ausleerenden Mitteln machten dann eine Heilung möglich.

Man erkennt hieraus, daß es ein großes und durchaus abzulegendes Vorurteil genannt werden muß, wenn man glaubt, daß Arzneimittel nicht mit der Anwendung des Magnetismus sich vertragen; im Gegenteil, sobald wirklich ein umsichtiger, die Krankheit richtig erkennender und in mesmerischer wie medikamentöser Behandlung hinreichend erfahrener Arzt die Kur leitet, so wird vielmehr aus richtiger Verbindung beider unfehlbar dem Kranken großes Heil erwachsen. – Man wird hierin mich besser verstehen, wenn ich bei dieser Gelegenheit noch etwas näher auf die Wirkungsweise der Arzneimittel überhaupt eingehe und darüber einige Andeutungen gebe, deren weitere Ausführung freilich eigentlich ein besonderes Werk erfordern würde. Erwägt man nämlich im allgemeinen, wie Naturkörper aufeinander, und also auch Arzneistoffe auf Tier- oder Menschenkörper wirken, so ist immer am zweckmäßigsten, die mechanische, chemische und dynamische Wirkungsweise zu unterscheiden. Mechanisch wirkt ein Körper durch Stoß oder Druck (so braucht man zum Heilzweck flüssiges Quecksilber in manchen Krankheitsfällen, um durch dessen Schwere und Druck im Darmkanale Öffnung zu erhalten); chemisch wirken Dinge aufeinander, indem sie ihre Mischung umändern (so gibt man kohlensaure Magnesia, um überflüssige Magensäure zu tilgen); dynamisch aber wirken teils Stoffe aufeinander, teils Stoffe auf lebende Körper, indem sie ihren Kräftezustand irgendwie umstimmen (auf solche Weise wirkt also der Magnetstein auf das Eisen, indem er dasselbe magnetisch macht, auf ähnliche Weise wirkt mineralischer Magnetismus und ebenso Opium oder Kirschlorbeer auf den Menschen, und endlich auf gleiche Weise der Mensch auf den Menschen im Mesmerismus). – Schon dieser ganz kleine Überblick macht es anschaulich, daß der Lebensmagnetismus als eine vollkommen dynamische Einwirkung durchaus nahesteht den ebenfalls dynamischen Einwirkungen gewisser Medikamente; allein noch mehr wird man von dieser Verwandtschaft sich überzeugen, wenn man (wovon noch im folgenden besonders die Rede sein muß) erfährt, daß man von Wasser, Kohlen, Glas und Eisen, ja von Tieren und Bäumen mesmerische Einwirkungen beobachtet hat, welche demnach noch ein bestimmteres Mittelglied zwischen Medikamentenwirkung und magnetischer Manipulation darstellen. – Man muß hierbei sogar noch an eine besondere Klasse speziell-dynamischer Wirkungen gewisser Substanzen erinnern, welche seit Berzelius mit dem Namen der katalytischen bezeichnet worden sind. – Dergleichen beobachten wir z. B. an gewissen, zur Beförderung des Verdauungsprozesses wichtigen Substanzen (Pepsin, Salzsäure), welche bloß dadurch, daß sie bei diesem Prozesse vorhanden sind und ohne dabei irgend etwas von ihrer Substanz zu verlieren, diese eigentümliche Art von Gärungsvorgang befördern. Wer hindert uns also, daß wir in solchem Falle sagen: »diese Substanz, deren Wirkung wir eine katalytische nennen, magnetisiere gleichsam hierbei andere Körper zu diesem Prozeß«, und ebenso: »es werde durch die Naturkraft eines Medikaments – d. h. eben durch die eigentümliche göttliche Wesenheit eines gerade mit dieser Eigenschaft geschaffenen Arzneikörpers – der menschliche Organismus gewissermaßen magnetisch affiziert und in der einen oder andern Weise umgestimmt?« – Man muß dabei übrigens nicht vergessen, daß die meisten, und namentlich die vorzugsweise dynamisch einwirkenden Arzneistoffe wirkliche Produkte organischen Lebens sind, daß sie entweder aus den Blüten oder Früchten oder Blättern und Wurzeln einzelner Pflanzen, oder daß sie aus dem Tierreiche selbst hervorgehen, und daß sie gerade dieser Beziehung ihre mächtige, oft völlig magische Einwirkung auf anderes tierisches oder selbst menschliches Leben verdanken!–Bringt ja doch das Tierleben Substanzen hervor (ich darf nur an das Schlangengift oder Wutgift erinnern), welche mit wahrhaft dämonischer Gewalt, sobald sie auch nur in kleinster Menge unsern Säften mitgeteilt wurden, uns entweder unmittelbar zum Tode führen oder sofort tödliche Krankheiten erregen, obwohl hier weder mechanisch noch chemisch (da sie nichts anderes als die vier allgemeinen Urstoffe alles Tierlebens: Oxygen, Karbon, Nitrogen und Hydrogen enthalten) solche Wirkung auch nur einigermaßen erklärt werden könnte, sondern als eine rein dynamische oder mesmerische allerdings betrachtet werden muß.– Besonders aber verwandt der magnetischen Einwirkung eines auf den andern Menschen ist diejenige, welche einzelne auf der Höhe des Pflanzenlebens erzeugte Substanzen, wie namentlich das Opium, ausüben, als welche in den Körper gebracht, ja nur als Dunst geatmet, ein entschiedenes Herabsetzen des bewußten Seelenlebens bewirken, den Geist gleichsam eintauchen in das stille, in sich gekehrte Leben der Pflanzenwelt und so mitunter sogar alle Stufen des magnetischen Schlafes hervorrufen.

Man darf nur etwas länger bei Erfahrungen dieser Art verweilen und tiefer in diese Vorstellung von magnetischer Einwirkung der Naturkörper überhaupt auf menschliches Leben sich hineindenken, um sich zu überzeugen, wie gar nicht so gleichartig, als es auf den ersten Blick scheint, diese verschiedenen Arten magnetischer oder vielmehr mesmerischerWill man zwischen Lebensmagnetismus und Mesmerismus überhaupt einen Unterschied machen (nach dem Vorgange von Ennemoser), so kann man ihn nur darauf gründen, daß man den ersten bloß als in der Wirkung von Menschen auf Menschen, den andern aber als in der Einwirkung des Menschen und der gesamten Natur auf den Menschen bestehend annimmt. Einwirkung sich gegeneinander verhalten, und wie zweckmäßig es daher auch in dieser Hinsicht sein müsse, beide miteinander in angemessener Weise zum Wohle des Kranken zu verbinden. Schon jetzt wird man also, wie ich hoffen darf, ein anderes Bild von der heilenden Einwirkung des Mesmerismus bei Krankheiten erhalten haben, als davon im Publikum gewöhnlich verbreitet ist, und namentlich einsehen, wie absurd und durchaus auf unklaren Vorstellungen beruhend es sei, wenn man eine magnetische Behandlung sich denkt, wozu eben gar keine weitere Kenntnis von der Natur der zu behandelnden Krankheit, von den Wegen, auf welchen das unbewußte Göttliche im Kranken gerade in diesem Falle die Tendenz habe; sich zur Gesundheit zurückzubilden, und von den Mitteln gehöre, welche am angemessensten eine solche Tendenz Unterstufen könnten. Leider liegt freilich in dieser Beziehung die magnetische Praxis wirklich noch sehr im Argen; die Menge, welche von nichts weniger als von rationeller Medizin einen Begriff hat, läuft zu sogenannten Magnetiseuren, die nicht mehr davon verstehen als sie selbst, und die wissenschaftlich gebildeten Ärzte begünstigen oftmals dieses Widersinnige, indem sie überhaupt mit dem Mesmerismus sich gründlicher zu beschäftigen unter ihrer Würde halten und dadurch gewissermaßen selbst – indem sie ein in vielen Fällen so äußerst wichtiges Hilfsmittel vernachlässigen – das Volk dazu drängen, sich jenen Empirikern in die Arme zu werfen. – Gewiß ist es indes bei alledem, daß man als Regel es aufstellen dürfe: »in jedem Falle, wo der Arzt aus der Natur und dem Gange des Übels mit Entschiedenheit voraussehen kann, daß mittels der gewöhnlichen medikamentösen Einwirkung der gegen die Gesundheit gewendete Gang der Krankheit ohne Anwendung des Lebensmagnetismus zweckmäßig gefördert, und so die Heilung in der schon von den Alten geforderten Weise, sicher, schnell und mild erreicht werden könne, da soll, man ein Mittel wie den Mesmerismus, für dessen Anwendung so selten alle Bedingungen erfüllt werden können, nicht dem Kranken obtrudieren, sondern die einfachste Behandlung durch Anordnung der zweckmäßigen Diät, Regimens und Heilmittel allemal vorziehen.«

Es ist dies ein Satz, der keineswegs mit dem obigen, wo der Mesmerismus das Urheilmittel genannt wurde, im Widerspruche sich befindet, denn die Natur mit ihrem großen Vorrate von Kräften der verschiedensten Art, sie steht jedem einzelnen Menschen als ein unendliches Ganzes gegenüber und wird daher auch nie ihre Wirkung diesem Einzelnen versagen, dahingegen der Lebensmagnetismus, als durch und durch auf den Gegensatz gerade zweier im richtigen Verhältnis zueinander sich befindenden Individuen gegründet, er wird im rechten Maße keineswegs überall sich anwenden lassen, und selbst so kann er mitunter seine Bedenken haben, welche indes dann gänzlich schweigen müssen, wenn dieses Mittel als das entweder palliativ oder radikal kurativ einwirkende und allein angemessene, oder wohl gar als das allein mögliche, anerkannt worden ist.

Eine besondere Besprechung verlangt übrigens bei dieser Gelegenheit noch die Frage, was es mit den Selbstverordnungen und den Verordnungen für andere Kranke bei denjenigen Personen für eine Bewandtnis habe, welche durch Magnetisieren in Schlafwachen oder förmlichen Somnambulismus versetzt worden sind, und wieweit denselben Vertrauen zu schenken sei? – Bekanntlich liegt hier die Sphäre, wo durch den Magnetismus besonders viel Aufsehen, Konfusion und Konflikte mit bestehenden staatlichen Einrichtungen herbeigeführt worden sind, und wer irgendwie bei Verwaltung von Ämtern, welche mit der öffentlichen Gesundheitspflege sich befassen, längere Zeit beteiligt war, wird sich sicher mancherlei Not und Streitigkeiten und Übertretungen erinnern, zu denen das Verordnen von Heilmitteln durch Somnambulen geführt hatte, ja man weiß, daß noch jetzt nicht leicht eine große Stadt gefunden wird, in welcher nicht eine oder einige Somnambulen bereit wären, der gläubigen Menge gegen bestimmte Honorare ihre Weissagungen mitzuteilen. – Mir selbst sind denn in einer langen Reihe von Jahren eine ziemliche Anzahl solcher Aussprüche bekannt geworden, ja ich habe über so manche derselben meine Gutachten abzugeben gehabt, muß jedoch entschieden erklären, teils, daß alles, was dergleichen Aussagen in diagnostischer Hinsicht über die Natur vorgelegter Krankheitsfälle enthielten, stets in sehr allgemeinen, oft ganz unphysiologischen und meist stark nach den Theorien einer veralteten Humoralpathologie schmeckenden Ausdrücken gehalten und nie imstande war, ein im neuern Sinne der Krankheitslehre entworfenes Bild irgendeines innern Leidens darzustellen, teils, daß die gegebenen Verordnungen entweder auch ganz allgemein und mehr diätetisch erschienen, oder, wenn sie bestimmte Medikamentenvorschriften betrafen, fast lauter unbedeutende, mitunter selbst widersinnige oder geradezu schädliche Angaben enthielten. – Ein einziger Fall genüge statt aller ähnlichen! – Es wurde mir einst bekannt, daß einer fremden, in Dresden weilenden Kranken von einer Pariser Somnambulen nach Einsendung einer Haarlocke eine konfuse Beschreibung ihrer Krankheit und dann die Verordnung gegeben wurde, zu bestimmten Zeiten eine Dosis gestoßenes Glas einzunehmen!! – Die Folgen einer solchen Medikation hätte man sich denken können! – Glücklich für die Kranke, daß die Ausführung der Verordnung zu hindern war.

Indem ich somit allerdings das größte Mißtrauen aussprechen muß gegen jene Klasse sogenannter Somnambulen, welche aus der ärztlichen Praxis eine Art Handwerk machen, stelle ich dagegen durchaus nicht in Abrede, daß teils von selbst in ein Schlafwachen (Idiosomnambulismus) verfallene, teils durch Mesmerismus in den sogenannten Hochschlaf gebrachte Kranke ein bestimmtes Gefühl von dem haben könnten, was ihnen gut sei und was zur Heilung ihrer Krankheit benutzt werden möchte, im Gegenteil ist dieser Instinkt, der ganz vom Unbewußten regiert wird, unter solchen Umständen eine durchaus natürliche SacheEs ist mir ein Fall bekannt, wo eine Kranke dieser Art das Gefäß in einer Apotheke und den Stand desselben in der Offizin beschrieb, welches das Mittel enthalte, wodurch sie genesen werde, und wirklich hatte diese vom Arzte befolgte Angabe einen vollkommen günstigen Erfolg für die Kranke. und verdient es jedenfalls, daß der Arzt, wenn auch nicht allemal unbedingt diesen Verordnungen nachgehe, doch ihnen gewiß eine besondere Beachtung gönne.– Ebenso kann es in einzelnen Fällen sehr wohl vorkommen, daß, wie durch eine Art von zweitem Gesicht, dergleichen Schlafenden der Zustand eines andern Kranken dergestalt anschaulich und fühlbar wird, daß sie sich sympathetisch gleichsam in ihn hineindenken und so auch empfinden, was im allgemeinen wohl ihm hilfreich sein könne; allein sicher ist es notwendig, daß hier mit großer Vorsicht, und ich möchte sagen Keuschheit des Gedankens verfahren werde. Dergleichen Schlafende sind nämlich einmal sehr empfänglich, entweder gewisse Anschauungen ihres Magnetiseurs oder eigener früherer Lektüre aufzunehmen und mit ihren natürlichen Visionen zu vermischen, und ein andermal sind sie auch sehr leicht zu stören, aufzuregen und durch Einwirkenlassen fremdartiger Interessen zu einer Art von Komödiantinnen zu machen, aus deren Mitte dann gewöhnlich jene falschen Somnambulen hervorgehen, gegen welche ich oben gewarnt habe. – Daß nun dies alles den wirklichen Gebrauch und Nutzen dieser Art von Clairvoyance für die ärztliche Anwendung im öffentlichen Leben bedeutend beschränken müsse und ihr nur selten Raum geben könne, versteht sich hiernach von selbst.

Nach all diesem ist es jetzt noch übrig, von den Mitteln zu sprechen, welche zu verschiedenen Zeiten in Anwendung gebracht worden sind, um dadurch gewissermaßen die Einwirkung des lebendigen Magnetiseurs entweder einstweilen zu vertreten oder überhaupt zu ersetzen, ja mitunter auch wohl zu verstärken: – Allerdings nämlich pflegt bei allen länger dauernden magnetischen Kuren ein eigenes Abhängigkeitsverhältnis einzutreten, welches für den Magnetiseur gewissermaßen bindend wird und oft schwer mit gleichzeitiger Sorge für mehrere Kranke zu vereinigen ist. Für diese Fälle nun dachte bereits Mesmer an Hilfsmittel einer zeitweisen Vertretung, und das erste und sicher auch das angemessenste ist das magnetisierte Wasser. Schon in meinem »System der Physiologie« habe ich darauf aufmerksam gemacht, wie, da jeder lebende Körper und der vollkommenste derselben, der menschliche, um so mehr, stets in Wechselwirkung mit der Natur, insofern also auch in steter unmerklicher Auflösung in seiner Atmosphäre begriffen ist, wir notwendig auch jeden dieser Körper, und wieder den menschlichen um so mehr, mit einem eigenen kleinen Dunstkreise umgeben anerkennen müssen, welcher zwar stets in der Luft sich zerstreut, aber auch stets wieder gebildet wird, und von empfindlichen Personen immer sehr deutlich, von unempfindlichen freilich oft gar nicht wahrgenommen zu werden pflegt. Dieser Dunstkreis ist es, welcher in vielen Fällen die Ansteckung vermittelt, er ist es auch, welcher Kleidern, Tüchern usw., selbst wenn sie nur wenig getragen sind, überhaupt immer etwas von der Individualität des Trägers mitteilt, und wie lange dann an solchen Gegenständen, ja am Erdboden selbst nach flüchtiger Berührung, davon etwas haften bleiben könne, beweist das Aufspüren Verlorener durch wohlabgerichtete Jagdhunde und beweist das aus den Fußstapfen entnommene Aufspüren von Freund und Feind bei den Wilden. – Nach allen diesen Vorbetrachtungen wird man es daher keineswegs seltsam, sondern nur ganz notwendig finden, daß magnetisierte und dadurch gerade in ihrem unbewußten Leben zu erhöhter Empfänglichkeit gebrachte Personen sehr entschieden nicht nur das vom Magnetiseur berührte oder angehauchte Wasser von anderm Wasser unterscheiden, sondern auch einen Teil der vom Magnetiseur für sie ausgehenden Heilwirkung durch das Trinken desselben empfangen. Die Art, das Wasser zu magnetisieren, besteht übrigens bloß darin, daß man einige Minuten lang ein Glas oder eine Flasche reinen frischen Wassers entweder mit einer Hand umfaßt und mit der andern flach darübergehaltenen mehrfältig daran hinstreicht, mit den zusammengehaltenen Fingerspitzen bis an die Wasserfläche gehende, gleichsam hineinschnellende Bewegungen macht und einigemal daraufhaucht, oder daß man das Wassergefäß zwischen den Knien hält und jene Bewegungen mit beiden Händen ausführt. – Magnetisierte Kranke unterscheiden ein solches Wasser augenblicklich und empfinden entschiedene Einwirkungen davon. Eine Kranke z. B., welche an schmerzhaften Luftauftreibungen im Magen und Duodenum viel zu leiden pflegte und welcher magnetisches Bestreichen der Präkordien stets starkes Luftausstoßen mit Erleichterung bewirkte, erhielt ganz dasselbe Luftausstoßen sogleich nach dem ersten Schluck magnetisierten Wassers, während sie nichtmagnetisiertes Wasser überhaupt schwer vertrug und von demselben diese Wirkung nie empfand. – Das magnetisierte Wasser ist daher jedenfalls ein sehr nützliches Hilfsmittel magnetischer Kuren und verdient nicht nur zum Trinken, sondern auch bei manchen örtlichen Leiden als Wasch- oder Überschlagwasser vielfache Anwendung.

Nächst dem Wasser können Wolle, Baumwolle, Leinwand und Glas magnetisiert werden und bringen manchem magnetisch behandelten Kranken dann, wenn sie dieselben auflegen, Erleichterung von ihren Beschwerden. Weniger eignen sich, weil sie selbst schon entschieden magnetisch, diamagnetisch oder elektrisch sind, die Metalle dazu, als Stellvertreter bei mesmerischer Behandlung zu dienen; Gold und Zink vielleicht noch am meisten, und was nun die sogenannten Baquets betrifft, welche namentlich aus Eisen, Kohlen und Glas konstruiert werden, so ist ihre Wirkung im ganzen jedenfalls mehr der eigentümlich elektromagnetischen Eigenschaft dieses Metalls selbst zuzuschreiben und daher es sehr zu billigen, wenn dieser Wirkungsweise, auf welche wir namentlich im folgenden Abschnitte ausführlicher zurückkommen werden, ein eigener Name, wie der von J. W. Ritter»Der Siderismus. Herausgegeben von J. W. Ritter« (Tübingen 1808), 1. Bd., 1. Stück. Kieser gründete hierauf späterhin sein »System des Tellurismus«. eingeführte des »Siderismus« (von Sideros = Eisen), beigelegt wird. – Die ersten Angaben von Mesmer zur Konstruierung eines sogenannten Baquet waren hier die, daß man im Innern eines hölzernen bedeckten Bottichs eine Anzahl mit magnetisiertem Wasser gefüllte Glasflaschen konzentrisch, die Mündungen nach innen, legte und mit Wasser und Eisenfeile überschüttete. Ein in der Mitte sämtlicher Flaschen eingesteckter Eisenstab wird dann teils durch abgehende eiserne Seitenäste oder durch daran befestigte wollene Bänder mit den Kranken in Verbindung gesetzt, welche sofort durch ein gelindes Streichen gegen sich hin die Heilwirkung sich zuführen. In Deutschland wurden diese Apparate von Wolfart am vollkommensten ausgeführt und bei Kranken angewendet;M. s. die Beschreibung seines Baquets bei Wolfart, »Jahrbücher des Lebensmagnetismus« (Leipzig 1818), 1. Bd., S.191. Kieser verfolgte diese Angelegenheit unter dem Namen des Siderismus und Tellurismus noch mit mehr wissenschaftlichem Geiste, und manche merkwürdige Tatsachen darüber liegen in den Zeitschriften jener Jahre vor, auf welche ausführlicher einzugehen mir indes hier, wo ich nicht allein für Ärzte schreibe, weniger notwendig scheint.

Endlich will ich denn auch noch des mesmerischen Einflusses gedenken, welcher Bäumen und Tieren zugeschrieben worden ist und in so mancher Beziehung nicht geleugnet werden darf. – Wie namentlich aber gewissen, auf der Höhe des Pflanzenlebens erscheinenden Produkten es merkwürdig eigen ist, das bewußte Seelenleben herabzustimmen und das unbewußte zu heben, so liegt allerdings auch eine besondere unmittelbare Einwirkung dieser Art in der Atmosphäre der Bäume. Alte Bäume mit ihren mächtigen Stämmen und weithin schattenden Gipfeln spielen eine Hauptrolle in den Mythen und Legenden aller Volker, und die eigene Ruhe und Stille, die uns in unsern Wäldern empfängt, ist sicher nicht bloß die Wirkung vermehrter Kühlung und verminderten Lichts (wie ganz anders wirken Kühle und Schatten eines alten Gemäuers auf uns), sondern es liegt hier etwas Unmittelbares, worüber man abermals nur von sehr sensitiven Personen bestimmtere Auskunft einsammeln kann. – Man setze eine solche Person eine Zeitlang in eine Lage, daß sie z. B. mit beiden Fußsohlen den glatten Stamm einer etwa 60- oder 80jährigen Linde berührt, und sie wird einen bestimmten, ihrem Nervenleben vernehmbaren Einfluß, namentlich in Beruhigung und Kräftigung bestehend, nicht verkennen lassen. So trat z. B. bei der obenerwähnten Kranken, welche so stark gegen magnetisiertes Wasser reagierte, dasselbe Luftausstoßen ein, wenn sie die Füße gegen einen lebenden Baumstamm stellte. – Verband man daher schon früher Baumstämme durch Leitungsstäbe mit Baquets, aus Flaschen magnetisierten Wassers auferbaut, so war dies in der Theorie ohne Zweifel gerechtfertigt, obwohl bestimmte Tatsachen über Einwirkung solcher Verbindungen zum Heilen in Krankheiten schwerlich mit Sicherheit nachzuweisen sein möchten. – Anders verhält es sich in dieser Beziehung mit den Einwirkungen tierischen Lebens, allwo unzweifelhafte Fakta wohl jedem erfahrenen Arzte vorliegen. – Ich will hier nämlich nicht sowohl auf die Einwirkung einzelner lebender Tiere eingehen, obwohl dieselbe jedenfalls in vielen Fällen entschieden mesmerisch ist, dergestalt, daß Individuen vorkommen, welchen z. B. die Anwesenheit einer Katze im selben Zimmer geradezu unerträglich ist, während andere bei chronisch-rheumatischen Zufällen sich entschieden dadurch erleichtert finden, daß sie sich Meerschweinchen (Cavia porcellus) im Zimmer halten, sondern nur an die große, jedem Arzte bekannte Wirkung der Tierbäder erinnern. Daß der Dunst des frischen Tierblutes, daß der Dampf und die Wärme, welche die geöffnete Bauchhöhle eines frischgeschlachteten Tieres entwickeln, ja, daß die auf kranke, in ihrer Ernährung herabgesetzte Teile aufgeschlagenen Massen halbverdauten Futters aus dem Pansen eines frischgeschlachteten Rindes so außerordentliche Wirkungen hervorbringen, ist nur aus der mesmerischen Einwirkung des verrauchenden Tierlebens auf das Unbewußte unseres Organismus zu erklären, denn die direkte Nahrungsabgabe dieser Dinge ist ja so gering, daß in dem Trinken einer halben Tasse Bouillon uns offenbar mehr Eistoff zugeführt wird, als durch ein ganzes Tierbad gegeben werden könnte. Daß die Menschen, welche das Fleischerhandwerk treiben, nie von Schwindsucht heimgesucht werden und in der Regel so stark genährt sind, wird ebenfalls nur von hieraus ganz verständlich. – »Leben auf Leben« heißt demnach der große Wahlspruch aller höhern organischen Erhaltung, und somit begreift man auch, wie nicht bloß alle höhern organischen Geschöpfe nur aus den lebendigen Reichen ihre Nahrung entnehmen, und wie der lebendige Mensch dem lebendigen Menschen neue Lebenskraft einzuhauchen vermag, sondern wie auch in gewissem Grade selbst das Tier, ja sogar noch das verendende Tier mesmerisch auf uns wirken kann.

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