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Geheime Geschichten und rätselhafte Menschen

Friedrich von Bülau: Geheime Geschichten und rätselhafte Menschen - Kapitel 16
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authorFriedrich Bülau
titleGeheime Geschichten und rätselhafte Menschen
publisherBernina-Verlag Ges. m.b.H.
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year1937
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Fünfzehntes Kapitel

Der falsche Ludwig XVII.

Es gibt zwei Klassen von Prätendenten. Bei den einen ist über die Persönlichkeit kein Streit oder Zweifel. Sie sind die Menschen, für die sie sich ausgeben. Aber ihr Recht ist streitig, oder wenn es auch an sich nicht streitig ist, so sind sie doch aus dem Besitze gesetzt, der im öffentlichen Rechte noch viel wichtiger ist, als im Privatrechte. An solchen Prätendenten, ja an Souveränen de jure, die es nicht auch de facto waren, hat es in unserem Jahrhundert nur zu wenig gemangelt. Dagegen sind die anderen Fälle, wo jemand sich für eine für totgehaltene oder sonst auf eine mit manchem Rätselhaften umringte Weise verschwundene Person ausgibt, unter dem Einflüsse unserer Öffentlichkeit und unserer Rechtsformen, aus naheliegenden Gründen, in den gebildeten Staaten äußerst selten geworden. Dennoch hat es sich noch in unserer Zeit zugetragen, daß eine Reihe von Menschen aus dunklen Verhältnissen hervortraten und sich für den totgehaltenen Thronerben eines der größten und berühmtesten europäischen Reiche ausgaben. Und auch das ist ein bezeichnender Zug, daß, während es keinem von diesen gelungen ist, auf seinen Anspruch wenigstens einen zeitweisen Besitz zu gründen, wie der Rätselhafteste von allen, der Pseudo-Waldemar, oder wie der Pseudo-Demetrius, so doch auch gegen keinen so ernst und hart verfahren, gegen keinen solch äußerste Mittel für nötig gehalten worden sind, wie sie vor Zeiten, z. B. gegen Pseudo-Sebastiane, die Pseudo-Warwicks, die Pseudo-Peters in Anwendung gebracht worden. Man hat sie teilweise fast unangefochten gelassen, teilweise im zuchtpolizeilichen Verfahren abgetan, und sichtbar danach gestrebt, in einer möglichst geringschätzigen und herabsetzenden Behandlung das beste Schutzmittel gegen ihre Ansprüche zu finden; was denn auch ganz klug gewesen sein mag.

Daß überhaupt die Erscheinung noch in unserer Zeit und in solchem Falle möglich war, wird allerdings durch den Ausnahmecharakter der Zeit und der Umstände erklärt, in welche der Tod der Person, um die es sich handelt, versetzt ward. Nur im Laufe der furchtbarsten Revolution und unter den besonderen Wendungen und Richtungen, welche die erste französische Revolution annahm, konnte ein Zweifel darüber erholten werden, ob der einzige Sohn eines Königs von Frankreich, mitten in Paris, der Hauptstadt des Reiches seiner Väter, zu einer bestimmten Zeit gestorben sei oder nicht. Und auch so sind die meisten, und darunter die achtungswertesten Geschichtschreiber, geneigt, diesen Zweifel von Haus aus für völlig lächerlich und allen und jeden Anhaltes ermangelnd zu halten. Das ist er denn doch nicht so ganz. Obwohl wir keineswegs geneigt sind, diesen Zweifel selbst mit Bestimmtheit zu hegen, so müssen wir doch gestehen, daß uns die Unmöglichkeit, an dem Tode Ludwig XVII., und daß derselbe am 8. Juni 1795 im Tempel zu Paris erfolgt sei, zu zweifeln, nicht ganz sicher bewiesen scheint.

siehe Bildunterschrift

Maria Antoinette.
Nach einem Gemälde von Vigée-Lebrun

Bekanntlich war dieser Prinz, oder wie wir sagen möchten, dieser König, namentlich seit dem Juni des Jahres 1793, wo er auch von seiner Mutter getrennt wurde, gänzlicher Vernachlässigung preisgegeben. Niemand kümmerte sich um ihn, außer die um ihn bekümmerten Freunde, denen der Zugang zu ihm verwehrt war. Niemand hatte Zutritt zu ihm, außer Personen der rohesten, unwissendsten Klasse, die ihn plagten und mißhandelten. So stand es jahrelang, mag nun die Ursache der Vernachlässigung in Sorglosigkeit und darin gelegen haben, daß man über den Stürmen der Revolution den Knaben vergaß, oder mag eine republikanische Ostentation etwas darin gesucht haben, den jüngsten Sprossen der Dynastie, die ein Jahrtausend alt war und deren Namen und Banner das edelste französische Blut begeistert hatten, wie einen Waisenknaben aus der Hefe des Volkes zu behandeln, oder mag man endlich denen beistimmen müssen, die den herrschenden Jakobinern, oder auch verborgenen Anstiftern, denen diese für ganz andere Zwecke zu unbewußten Werkzeugen dienten, den teuflischen Plan zur Last legen, den Prinzen, den man direkt zu ermorden sich schämte, physisch und geistig zugrunde zu richten. Seit dem Sturze der Schreckensherrschaft wurde er nicht mehr mißhandelt; vielmehr nach einem Besuch von Seiten einiger Mitglieder des Konvents, worunter Barras, einiges in seiner Lage gebessert. Täglich kam ein Zivilkommissär in den Tempel, was aber unter 248 Personen abwechselte. Einsam, ohne Mittel der Unterhaltung oder Belehrung gelassen, fast mit keinem menschlichen Wesen in Verkehr tretend, so gut wie aller Pflege beraubt, soll der Prinz nun hier in gänzliche körperliche und geistige Verkümmerung verfallen sein. Seine Schwäche habe schon den höchsten Grad erreicht gehabt, als man im Februar 1795 den Pariser Gemeinderat von der Krankheit des Prinzen in Kenntnis setzte. Dieser habe den berühmten Arzt Desault zu ihm geschickt, der letztere aber erklärt, daß jede Hilfe zu spät komme.

siehe Bildunterschrift

Ludwig XVII. von Frankreich.
Schabkunstblatt von Pichler, nach einem Gemälde von Calle. Porträtsammlung der Nationalbibliothek Wien

Hier tritt nun aber gleich ein Umstand ein, der von denjenigen, welche an der Krankheit und dem Tode des Prinzen zweifelten, ausgebeutet worden ist. Desault starb am 1. (nach anderen am 2., nach noch anderen am 4.) Juni desselben Jahres, vor dem angeblichen Todestage des Prinzen, und am 9. Juni folgte ihm sein vertrauter Freund, der Apotheker Choppard. Beide starben plötzlich und unter Umständen, die den Verdacht der Vergiftung erweckten. Daß dieser Verdacht bestanden, wird von vielen Schriftstellern, ohne allen Zusammenhang mit den Prätendentenfrage, behauptet. Es soll auch eine Exploration der Leichen stattgefunden haben, die ihn nicht bestätigt habe. Dies würde, sobald man annimmt, daß die Vergiftung auf Anordnung der Machthaber verfügt wurde, wenig beweisen; wohl aber bewiese es das Verdachterregende jener Todesfälle. Viele legitimistische Schriftsteller haben den Verdacht in dem Sinne ausgebeutet, daß sie behaupteten: Desault sei vergiftet worden, weil er sich geweigert, den Prinzen zu vergiften oder umgekehrt, man habe ihn beseitigt, nachdem er den Prinzen vergiftet habe, oder wieder, er habe seinen Unwillen über die schlechte Behandlung des Prinzen zu laut ausgesprochen. Eine ganz andere Version aber läßt ihn gegen seinen Freund Choppard die Äußerung getan haben: das Kind, das ihm als der Dauphin gezeigt worden, sei dieser nicht, sei ein unterschobenes. Deshalb hätten beide sterben müssen. Ein Herr Estier, welcher früher in New York gelebt, soll am 22. Mai 1843 in London eine Erklärung ausgestellt haben, wonach ihm ein dortiger Dr. Abeillé erzählt habe: er sei Eleve des Dr. Desault gewesen und wisse, daß derselbe in dem ihm im Tempel vorgezeigten Kinde den Dauphin nicht erkannt, seinen diesbezüglichen Verdacht einem Freunde mitgeteilt habe und tags darauf vergiftet worden sei. Er, Abeillé, habe es infolge davon für geraten gefunden, nach Amerika überzusiedeln.

Es wurden nun die Herren Pelletan und Dumangin zu Ärzten des Gefangenen ernannt (5. Juni); aber am 8. Juni starb er. Diese beiden Herren hatten den Dauphin niemals vorher gesehen. Am 9. Juni berichtete Sévestre, im Namen des Sicherheitsausschusses, dem Konvent über die Krankheit und den Tod des »Sohnes des Capet«. Außer dem schon oben erwähnten schlechten Gesundheitszustand spricht er von der Ernennung der beiden genannten Ärzte und fügt dann hinzu: »ihre gestrigen Bulletins, von 11 Uhr morgens, kündigten Symptome an, die für das Leben des Kranken besorgt machten, und um vierteldrei Uhr nachmittags erhielten wir die Nachricht von dem Tode des Sohnes des Capet. Der Sicherheitsausschuß hat uns beauftragt, Sie davon zu benachrichtigen. Alles ist konstatiert. Die Protokolle werden im Archiv niedergelegt werden.« Ein kleiner Widerspruch zeigt sich hier, indem nach dem Protokolle der Leichenschau der Tod gegen drei Uhr nachmittags erfolgt sein soll, während der Sicherheitsausschuß die Nachricht davon schon auf vierteldrei Uhr in seinem, vom Tempel ziemlich entfernten Lokal in den Tuilerien empfangen haben will.

Die Besichtigung der Leiche wurde von den Herren Dumangin, Pelletan, Jeanroy und Lassus vorgenommen, vier angesehenen Ärzten und resp. Chirurgen, an Hospitälern oder als Professoren wirkend, aber sämtlich mit der Person des Prinzen unbekannt. Sie sagen in ihrem Protokolle ausdrücklich und in allerdings auffälliger Weise: sie hätten auf einem Bette die Leiche eines Kindes gefunden, was ihnen als ungefähr zehnjährig erschienen wäre, von welcher Leiche ihnen die Kommissäre gesagt hätten, daß sie die des Sohnes des verstorbenen Ludwig Capet gewesen sei, und worin zwei von ihnen das Kind erkannt hätten, was sie seit einigen Tagen behandelt. Das wäre denn so gut wie gar kein Beweis, daß die Leiche wirklich die Ludwig XVII. gewesen. Im übrigen verbreitet sich das Aktenstück über den Befund der Leiche, wobei wir hervorheben, daß sie das Gehirn und dessen Zubehör in vollständiger Gesundheit fanden, und sagt am Schlüsse, die im einzelnen angeführten Gebrechen seien offenbar die Wirkung eines seit langer Zeit bestehenden skrophulösen Übels, dem man den Tod des Kindes zuschreiben müsse. Das letztere erscheint auch etwas befremdend, indem teils die Berichte über die früheren glücklichen Jahre des Prinzen ihn als ein vollkommen gesundes, rüstiges, blühendes Kind schildern, er sich auch völlig wohl befand, so lange er bei seinen Eltern war, und auch Berichte aus späteren Zeiten noch nichts von dem Übel erwähnen, welches hienach schon lange bestanden haben müßte. Nach dem Tode Robespierres besuchten Mitglieder der Nationalversammlung den Tempel, wobei zwar erwähnt wird, daß sie mit der Verwahrlosung des Dauphins Mitleid hatten und eine bessere Behandlung empfahlen, eines krankhaften Zustandes desselben aber mit keinem Worte gedacht wird. Am 19. Dezember 1794 besuchten die Mitglieder des Sicherheitsausschusses, sowie die Deputierten Harmand de la Meuse, Mathieu und Reverchon den Tempel, in der speziellen Absicht, die Lage des Prinzen zu erkunden. Die Veranlassung dazu sollte, wie sie ihm selbst sagten, der Umstand gegeben haben, daß die Regierung »zu spät« von dem üblen Zustand seiner Gesundheit, sowie davon unterrichtet worden sei, daß er sich weigere, sich Bewegung zu machen und auf die an ihn gerichteten Fragen zu antworten. Sie fanden ihn (oder das Kind, was ihnen als Dauphin vorgestellt wurde) gut gekleidet und in einem hellen und reinlichen Zimmer, mit Karten spielend. Ihr Eintreten machte nicht den mindesten Eindruck auf ihn. Auf die freundlichsten Fragen, die an ihn gerichtet wurden, auf das Aufzählen aller für ein Kind ansprechenden Gegenstände, gab er mit keinem Worte oder Zeichen die mindeste Antwort, während er die Redenden mit dem gespanntesten Blicke der Aufmerksamkeit ansah. Erst als man dicht an ihn herantrat und in stärkerem, mehr befehlendem Tone das Vorzeigen der Hände und Füße und das Gehen verlangte, gehorchte er. Man fand an den Ellbogen, Handgelenken und Knien Anschwellungen, die jedoch nicht schmerzhaft schienen. Sein ganzes Aussehen sei rachitisch gewesen; Schenkel und Beine lang und dünn, Arme ebenso, der Rumpf sehr kurz, die Brust erhaben, die Schultern dünn und zusammengezogen, der Kopf sehr schön, der Teint hell, aber farblos, die Haare lang und schön, wohlgehalten, hellkastanienbraun. Eine Antwort, auch nur ein Zeichen des Verstehens war weiterhin nicht von ihm zu erlangen. Man dachte aber damals nicht im mindesten daran, dieses Schweigen einer physischen oder geistigen Schwäche zur Last zu legen, es überhaupt für ein Unvermögen zu halten, sondern schrieb es einem entschiedenen Willen des Prinzen zu, den er von dem Augenblicke an gefaßt habe, wo ihn Hébert und Simon gezwungen hätten, eine schimpfliche Aussage gegen die Königin zu unterzeichnen (5. Oktober 1793). Die oben gegebene Schilderung seines Äußeren soll nicht im mindesten auf den Prinzen passen. Das leitende Mitglied jener Kommission, das sich sehr teilnehmend erwiesen, wurde wenige Tage nachher nach Brest geschickt, und kehrte erst nach dem Tode des Gefangenen zurück. Weit vorgeschritten kann übrigens damals die Krankheit des Prinzen nicht gewesen sein, da man ihm erst vier Monate später einen Arzt schickte. Letzteres ist wohl infolge eines Besuches geschehen, den ein Beamter am 16. März 1795 bei ihm machte. Hier zeigte er sich wieder anders, sah niemand an, starrte vor sich hin, antwortete aber wenigstens mit ja. Er aß und trank mit Appetit, spielte mit einem kleinen Hunde des Besuchenden, hielt sich viel am Fenster auf, zeigte sich übrigens höchst phlegmatisch, niedergeschlagen und entmutigt.

Der eigentliche Totenschein beweist gar nichts. Er beruht auf dem Zeugnisse des Tempelwächters Stephan Lasne, der sich als »Nachbar«, und eines Employé Remi Bigot, der sich als »Freund« des Verstorbenen meldet. Die Akte ist vom 12. Juni, vier Tage nach dem angeblichen Tode des Prinzen, drei Tage nach der Sektion des Leichnams. Welche Bürgschaft gibt es, daß dieser Bigot, von dem man gar nichts weiß, den Prinzen auch nur jemals gesehen? In betreff Lasnes aber, welcher 1834 noch lebte, gegen einen Prätendenten (Richemont) als Zeuge auftrat und bezeugte, daß der Prinz in seinen Armen gestorben sei, wird von der Gegenseite behauptet, er sei erst vierzig Tage vor dem Todesfall in den Tempel gekommen und habe den Prinzen vorher bloß einmal im Garten spielen sehen. Auch soll er behauptet haben, daß das Kind, wie er in den Tempel gekommen, sich ganz wohl befunden habe, während es notorisch seit Monaten völlig siechte und schon im April ein Arzt zu ihm gesendet wurde, die Krankheit aber seitdem sich immer verschlimmerte. So mangelhaft steht es mit den Zeugnissen über einen Todesfall, dessen Konstatierung schon wegen der schwebenden Unterhandlungen mit der Vendée und dem Auslande so wichtig war!

Es ist ferner gewiß, daß gleich bei dem (behaupteten) Tode des Prinzen Gerüchte verbreitet waren, er sei nicht gestorben, sondern entflohen, und wenn man auch annehmen mag, daß diese Gerüchte zunächst in dem Enthusiasmus ergebener Anhänger der Dynastie ihren Grund hatten, so scheinen sie doch durch einzelne Maßregeln der Regierung bestärkt worden zu sein. Ein Herr Morin de la Guérivière reiste, als er ungefähr zehn Jahre alt war, unter dem Schutze eines Herrn Jenais-Ojardias. In Thiers vertraute Ojardias, weil er noch eine Reise vorhatte, auf die er den Knaben nicht mitnehmen wollte, diesen einem Freund, namens Barge-Real, an. Die Gendarmen, die den Knaben vom Aussteigen aus dem Wagen an umgeben und bis an sein Quartier begleitet hatten, hörten Barge-Real sagen, er betrachte das Kind als ein dépôt sacré. Sogleich werden die Behörden unterrichtet, finden sich ein, nehmen ein Protokoll auf und machen Herrn Barge-Real für das Dableiben des Knaben verantwortlich. Sobald Ojardias zurückgekehrt ist und sich ausgewiesen hat, wird die Maßregel durch einen noch vorhandenen, vom 10. Juli 1795 datierten Befehl des Konventdelegierten Chazal aufgehoben, und darin heißt es ausdrücklich: »je vous autorise à lever les ordres qui retenaient l'enfant dans la maison de Barge-Real, ainsi que ceux qu'on aurait pu donner contre la liberté d'Ojardias.« Ein Beweis, daß die Maßregel hauptsächlich gegen den Knaben gerichtet war. Morin ist später ein feuriger Anhänger eines falschen Dauphins, des Richemont, geworden, und wahrscheinlich hat sein eigenes Erlebnis den Grund zu dieser seiner Richtung gelegt. – Weiter soll noch im Jahre 1800 ein Knabe, den man für den Dauphin gehalten, in Chalons verhaftet und nach Vire gebracht worden sein. Ein angebliches Signalement desselben, was vom 10. September 1800 datieren soll, bezeichnet ihn direkt als Louis-Charles de France, und versichert, er habe auf dem rechten Schenkel eine Art eingedrückten Wappens gehabt, worin drei Lilien gewesen wären, darüber die Königskrone und um dasselbe die Anfangsbuchstaben seiner Taufnamen, seines Vaters, seiner Mutter, seiner Tante Elisabeth. Ferner soll auch ein Herr Léon-Louis Maillard, der nach 1840 gelebt hat, um die Zeit des angeblichen Todes des Prinzen, auf Befehl des Sicherheitsausschusses verhaftet worden sein, weil man ihn für den Dauphin gehalten. Auch soll sich in den Archiven des Gerichtshofes von Angoulême eine gerichtliche Entscheidung befunden haben, welche, lange nach dem 8. Juni 1795, die Freilassung eines verhafteten Kindes verfügt habe, weil erwiesen worden, daß es nicht der Dauphin sei. Weniger Gewicht wollen wir darauf legen, daß die Proklamationen und sonstigen Manifestationen der Vendee noch einige Zeit nach der Bekanntmachung des Todes Ludwig XVII. denselben ignorieren und von der Voraussetzung seines Lebens ausgehen.

Unter den mehrfachen Personen, welche sich für Ludwig XVII. ausgegeben haben, ist jedenfalls der Uhrmacher Naundorff diejenige, hinsichtlich deren am wenigsten und eigentlich juristisch gar nicht konstatiert ist, daß sie sich diese Eigenschaft betrügerisch anmaßte, um deren ganzes Wesen und Treiben vielmehr ein ungelöstes Rätsel sich verbreitet. Es scheint gewiß, daß es, ungeachtet wiederholte genaue Untersuchungen über seine Lebensverhältnisse gerichtlich angestellt worden, unmöglich gewesen ist, seine Schicksale wesentlich weiter als etwa bis zu dem Jahre 1812 zurückzuverfolgen. Damals siedelte er von Berlin nach Spandau über und wurde hier zum Bürger aufgenommen, ohne daß die gesetzlich vorgeschriebene Erkundigung nach seiner Herkunft und seinen früheren Verhältnissen stattgefunden zu haben scheint. Ebenso soll er ohne solchen Nachweis getraut worden sein. Daß französische Regierungsorgane zweimal behaupten wollen, die Herkunft Naundorffs aus untergeordneten Verhältnissen sei in Preußen konstatiert worden, stellt die Sache gerade nur günstiger für ihn. Denn einmal werden diese Angaben dadurch aufgehoben, daß sie einander selbst widersprechen. Nach der einen Angabe nämlich wäre »Karl Wilhelm Naundorff« der Sohn des Schlossers Karl Naundorff gewesen und 1786 zu Neustadt-Eberswalde geboren worden, hätte frühzeitig die Uhrmacherkunst erlernt und diese bis 1806 betrieben. Bei der Einnahme Spandaus durch die Franzosen wäre er in ein Freikorps getreten, welches diese daselbst organisiert hätten(?). Hier hätte er die Bekanntschaft eines Offiziers namens Maressin gemacht, der ihm glauben zu machen gesucht hätte, daß er der Dauphin oder doch mit demselben sehr genau bekannt gewesen sei. Mit diesem sei er 1810 wieder nach Spandau gegangen, wo er sein Gewerbe wieder aufgenommen habe. Maressin habe ihn beredet, sich für Ludwig XVII. auszugeben, habe ihm die nötige Lokalkenntnis beigebracht, und sei ihm dann nach Frankreich vorausgeeilt, um ihm den Weg zu bahnen. Inzwischen sei Naundorff in Spandau geblieben, und habe daselbst 1812 das Bürgerrecht erlangt. Nach der anderen, sich gleichfalls für authentisch gebenden Erzählung wäre Naundorff einer in dem preußischen Polen lebenden jüdischen Familie entsprossen. 1810 sei er nach Berlin gekommen und daselbst zwei Jahre geblieben. Er sei mit Holzuhren hausieren gegangen, und habe die Witwe eines Soldaten, Christine Harfert, fälschlich für seine Frau ausgegeben. 1812 sei er nach Spandau gezogen und Bürger daselbst geworden. Bei seiner Verheiratung im Jahre 1818 habe er angegeben, daß er der augsburgischen Konfession angehöre und 43 Jahre alt, also 1775 geboren sei. Diese Erzählungen widersprechen einander vielfach. Außerdem behaupten beide eine Herkunft, deren Nachweisung den preußischen Behörden nicht die mindeste Schwierigkeit gemacht und das ganze Beginnen Naundorffs zu einem reinen Wahnsinn gestempelt haben würde. Der zweiten Version widerspricht auch ein amtliches Schreiben des Ministers von Rochow, worin dieser unter dem 27. August 1840 erklärt, die preußische Regierung habe niemals behauptet, daß Naundorff von jüdischer Abkunft sei, und kenne auch keinen Umstand, der zu solcher Behauptung Grund geben könnte. Gewiß ist nur, daß Naundorff, nachdem er von ungefähr 1810–1812 in Berlin gelebt, sich 1812 nach Spandau wendete, dort das Bürgerrecht erwarb, die Uhrmacherprofession trieb, und so lange er in Spandau lebte, ein von seinen Mitbürgern geachteter und auch in höheren Kreisen gern gesehener Handwerker war. Unter diesen Umständen bleibt seine genaue Kenntnis der französischen Sprache, seine Fertigkeit im Sprechen und Schreiben derselben, seine Vertrautheit mit allen Einzelheiten der Revolutionsgeschichte, seine allgemeine, sichtbar seinen Verhältnissen überlegene Bildung jedenfalls auffällig. Doch hören wir seine Geschichte, wie er sie selbst erzählt.

Wir müssen mit dem Namen anfangen. Er nennt sich Charles Louis, während der Prinz, der er zu sein versichert, allgemein Louis Charles genannt wurde. Er behauptet nun, er sei Charles Louis getauft worden; nach dem Tode seines älteren Bruders aber habe der König, um den Schmerz seiner Gemahlin etwas zu mildern, gesagt: »Le Dauphin sera toujours Louis.« Hierauf habe man die betreffenden Worte umgeändert. Er habe aber, zuerst als er aus Preußen an seine Familie geschrieben, die ursprüngliche Namenstellung wieder angenommen. Er legt eben darauf ein großes Gewicht, daß er von diesem Familiengeheimnisse gewußt habe, während seine Konkurrenten sich durch die Almanache usw. hätten täuschen lassen. Der Punkt ist allerdings nicht ganz unwichtig. Ist der Prinz wirklich Charles Louis getauft und von 1785–1789 genannt worden, so würde der Prätendent allerdings eine genaue Kenntnis auch kleiner bourbonischer Familienverhältnisse an den Tag legen. Doch wäre die Sache immer kein Familiengeheimnis gewesen, und man begreift auch nicht recht, warum er von der späteren Disposition seines Vaters abgegangen. (Freilich war deren Grund jetzt weggefallen.) Ist aber seine Angabe unrichtig, so sieht sie stark wie ein unglücklicher Versuch aus, einen begangenen Fehler durch eine Notlüge zu verdecken, und zerstört eigentlich von vornherein allen Glauben. Nun ist es uns freilich bedenklich, daß uns wenigstens, in allen genealogischen Handbüchern aus den Jahren 1785 bis 1789, deren Ansicht wir uns verschaffen konnten, nur die Bezeichnung Louis Charles vorgekommen ist. Freilich wäre es möglich, daß der Prätendent, der in jedem Falle die Sache nur vom Hörensagen haben konnte, sich in derselben irgendwie geirrt hätte, oder daß die genealogischen Almanache in diesem Punkte einen Fehler enthielten. Jedenfalls begreift man nicht recht, wie er darauf gekommen wäre, gerade in diesem Punkte eine so leicht zu vermeidende Ungenauigkeit zu begehen, oder von der allgemeinen Meinung abzuweichen.

Seine Erinnerungen aus dem frühesten Knabenalter sind psychologisch korrekt. Sie knüpfen sich an einzelne bekannte geschichtliche Vorgänge, die aber von der Art waren, daß sie großen Eindruck machen mußten, z. B. die Flucht der königlichen Familie in den Schoß der Nationalversammlung, die Flucht nach Varennes, die geheime Unterredung der Königin mit Mirabeau, deren einziger Zeuge er gewesen und dann an einzelnes für die Geschichte Unerhebliche, was aber von der Art war, daß es sich wohl dem Gedächtnis eines Kindes einprägt, besonders wenn das Besinnen darauf durch äußere Umstände geweckt wird. Bei jenen größeren Ereignissen erinnert er sich eben an das, was einem Kinde daran besonders interessant ist. Eine gesuchte Vertrautheit mit Dingen, deren Bewahrung unwahrscheinlich wäre, legt sich nirgends dar und diese ganzen Erzählungen sind so gehalten, daß, wenn sie erdichtet sind, die Erdichtung mit großer psychologischer Feinheit bewerkstelligt ist, ja eine Geistesstufe beurkunden würde, wie sie uns sonst in den Raisonnements des Prätendenten, in denen er sich als ein gebildeter und wohlwollender Mann, aber keineswegs als besonders scharfsinnig und geistvoll zeigt, nicht wieder begegnet. Lebhafter und zusammenhängender werden die Erinnerungen von der Haft im Tempel an, knüpfen sich aber auch hier besonders an die Vorgänge, bei denen der Prinz selbst von seinen Eltern gebraucht wurde. Besonders bemerkenswert ist dabei, mit welcher Genauigkeit und wie lebensvoll er nicht nur alle Einrichtungen der von der königlichen Familie in diesem, noch in der Kaiserzeit zerstörten Gebäude bewohnten Gemächer, bis in die kleinsten Einzelheiten, wie es nur einem mehrjährigen Bewohner derselben möglich scheint, schildert, sondern auch den besonderen Gebrauch, den die Bewohner von jedem Winkelchen, etwa zur Hintergehung ihrer Wächter oder sonst gemacht hätten, angibt. Es wird von seinem Hauptverteidiger in dieser Beziehung ein eigenes Faktum referiert, was wir als einen Punkt hervorheben, an den sich eine Verifizierung knüpfen könnte. Ein gewisser Bulot, ein Klempner, der von 1792 bis 1797 die Lampen im Tempel zu besorgen gehabt hatte und von irgendeinem Zweifel an dem Tode des Prinzen nichts wissen wollte, ward während des Aufenthaltes des Prätendenten in Paris in Gegenwart des Herrn Bourbon Leblanc und eines Republikaners Fougère mit dem Prinzen zusammengebracht, ohne daß er ahnte, mit wem er zu tun habe. Das Gespräch ward auf den Tempel geleitet. Bulot erging sich in seinen Erinnerungen darin, als ihn bei einer Unrichtigkeit der Prätendent unterbrach und zu seinem Erstaunen berichtigte, dann aber eine so lebendige und minutiöse Schilderung des Gebäudes, wie es 1792 gewesen, begann und dabei so viele besondere Umstände anführte, daß die Augen des Alten sich mit Tränen füllten, er auf die Knie sank und schluchzend ausrief: »Vous ne pouvez être que le fils de Louis XVI.« Ist diese Geschichte wahr? Oder hat der Prätendent seine genaue Kenntnis des Tempels eben aus den Mitteilungen jenes Bulot geschöpft? Das müßte sich ermitteln lassen, wenn besonders Fougère noch lebt. Über die Zeit, während welcher er der Aufsicht des rohen Simon anvertraut war, geht er – was sich psychologisch motivieren läßt, da diese Zeit für ihn nicht bloß leidensvoll, sondern auch erniedrigend war, folglich zu denjenigen Unglückszeiten gehörte, bei denen die Erinnerung am ungernsten verweilt – rasch hinweg und sagt von ihm: »Cet homme grossier m'a fait bien du mal, mais il fut moins cruel que beaucoup d'autres.« Es ist kein unfeiner psychologischer Zug, daß er nur eine verletzende Erinnerung aus jener Zeit aufbewahrt: wie er Simon mit seiner Frau in dem Bett seines Vaters habe schlafen sehen, zu dessen Füßen sein eigenes stand. Die Frau Simon war seiner Angabe nach bei seiner Flucht beteiligt. Diese selbst soll hauptsächlich von Josefine, Hoche, Pichegru und Frotté veranstaltet worden und das vornehmlichste Werkzeug derselben Simons Nachfolger, der Kreole Laurenz, gewesen sein, dessen Anstellung Josefine durch Barras vermittelt habe. Die Rettung des Prinzen aus dem Tempel wird an sich nicht so unwahrscheinlich dargestellt; aber nach und nach, an sehr verschiedenen Stellen der Erzählung, kommen Nebenumstände zutage, welche die Geschichte immer verworrener machen, so daß es uns noch jetzt nicht ganz klar geworden ist, wie man eigentlich den ganzen Hergang angesehen wissen will. Der Prinz wird nämlich von seinen Rettern anfangs gar nicht aus dem Tempel hinaus, sondern bloß in ein verborgenes Gemach unter dem Dache geschafft, wo er noch viele Monate bleibt, während sie allerdings der Regierung glauben machen, er sei geflüchtet. Die Regierung will seine Flucht verbergen und schiebt einen stummen Knaben an seine Stelle unter, den Josefine dem Barras verschafft hat. Es wäre also der gewesen, den die Kommissäre am 19. Dezember 1794 sahen. Man läßt jetzt nur eingeweihte Personen oder solche hinein, die den Prinzen nicht kannten. Gleichwohl verbreitet sich das Gerücht, der wirkliche Prinz befinde sich nicht im Tempel. Nun beschließt man, das stumme Kind sterben zu lassen und mischt Substanzen in seine Speisen, die es krank machen. Desault gibt ein Gegengift und erklärt zugleich seinem Freund Choppart, das Kind, was er behandle, sei nicht der Sohn Ludwigs XVI. Darüber sterben Desault und Choppart. Die Regierung aber, ängstlich geworden, vertauscht den stummen Knaben, der nicht sterben will, mit einem aus den Pariser Hospitälern genommenen schon von Haus aus kranken. Ferner war nach der Flucht des Prinzen ein anderer Knabe in sein Versteck gebracht worden, den man abgerichtet hatte, seine Rolle zu spielen und in demselben Verhältnis, in welchem man diesen in den Tempel hineingebracht hatte, brachte man den stummen Knaben heraus, welchen hochgestellte Personen gegen bedeutende Summen einem beauftragten auswärtigen, uneingeweihten Freunde des Prinzen als diesen ausliefern ließen. Der Beauftragte Jean Paulin bringt ihn Josefinen, die mit Schrecken den Irrtum erkennt. An die Stelle des dritten, aus dem Hotel-Dieu entnommenen Kindes, dessen Mutter eine Gärtnerin aus Versailles war, hatte man im Hospital ein gesundes Kind untergeschoben und es war damals in den Zeitungen als eine Art Wunder erwähnt worden, daß im Hotel-Dieu ein sehr krankes Kind in 42 Stunden geheilt worden wäre. Indes das wirklich kranke Kind, das man für den Prinzen ausgab, starb am 8. Juni, und an ihm wurde die Leichenöffnung vorgenommen, deren Bericht dem Konvent erstattet wurde. Früh am Morgen des Tages, wo die Beerdigung stattfinden sollte, nahmen die im Rettungskomplott begriffenen Personen den Leichnam aus dem Sarge und brachten den wirklichen Prinzen an dessen Stelle. Die Leiche wurde im Tempelgarten begraben und Napoleon soll sie später ausgraben lassen und an ihrer Übereinstimmung mit dem1 Leichenbefund erkannt haben, daß die Sache wirklich so stehe, wie ihm Josefine erzählt hatte. Denn der Sarg, in welchem die Behörde die Leiche glaubte, wurde nach dem Margaretenkirchhof gefahren. Die Freunde des Prinzen hatten aber in der Kutsche einen mit Makulatur gefüllten Koffer angebracht. Während der Fahrt vertauschten sie den Inhalt des Sarges und des Koffers, ließen den Sarg mit der Makulatur begraben und nahmen den Koffer mit dem Prinzen wieder zurück. Dieser ward als Mädchen gekleidet in einen anderen Wagen gebracht und nun einem Asyl zugeführt. – Außerdem kommen noch mehrere Kinder vor, welche auf Reisen geschickt wurden, um die Verfolger des Prinzen auf falsche Spur zu leiten. Aus diesen verschiedenen Werkzeugen gegenseitiger sehr verworrener Täuschungen leiten die Anhänger des Prätendenten zum Teil die falschen Prätendenten her. Wenn aber auch das alles manchen Verdacht gegen die ganze Geschichte erweckt, so muß man sich doch auch wieder sagen, daß diese Unwahrscheinlichkeiten für eine Erfindung nicht nötig waren, daß die Absicht, zu täuschen, den Hergang ganz leicht viel plausibler hätte erzählen können, und daß das Unwahrscheinliche doch durchaus nicht unmöglich ist. Es war eine Angelegenheit, wo alle einander täuschen wollten und das tiefste Geheimnis walten mußte. Da konnten allerdings Mittel und Wege eingeschlagen werden, die ihr Seltsames und unter anderen Umständen Unwahrscheinliches haben. Auch die Lebensumstände des Prätendenten haben besonders von der Zeit an, wo er die Vendée verläßt, bis zu der Zeit, wo er in Preußen auftritt, ihr sehr Abenteuerliches und einzelnes Unklare und Unwahrscheinliche; Unmögliches, als unwahr Erwiesenes nichts.

siehe Bildunterschrift

Ludwig XVI. von Frankreich.
Stich von Gabrielli, nach einem Gemälde von Miery. Porträtsammlung der Nationalbibliothek Wien

Nach der Rettung aus dem Tempel will der Prätendent erst einige Zeit in Paris bei einer Schweizerin untergebracht worden sein. Dann kam er in die Vendée auf das Schloß des Herrn Thor de la Sonde, wo er aber längere Zeit krank war. Nach seiner Genesung war der günstige Zeitpunkt vorüber. Seine Erinnerungen aus dem einsamen, aber stillheiteren Aufenthalt in der Vendée sind sehr dürftig und unklar, was sich psychologisch wohl begründen ließe. General Charette besuchte ihn einmal, und später ward er dem General de Frotté anvertraut. Besondere Sorge für ihn trug auch der Marquis des Brizes, und bei diesem traf er ein junges Mädchen, Marie; und einen Jäger, dessen wahrer Name Graf von Montmorin und der dann längere Jahre sein treuester Führer und Beschützer war. Aus der Vendée gingen sie nach Venedig, dann nach Triest, dann nach Rom, wo Papst Pius VI. sie in geheimen Schutz nahm. Anderem Schutz konnten sie sich nicht vertrauen, weil teils die Oheime Ludwigs XVII. von dessen Freunden für seine erbittertsten Gegner gehalten wurden, teils auch keine europäische Macht, außer höchstens das ferne Rußland, das Vertrauen erweckte, daß sie den Prinzen nicht politischer Konvenienz opfern könnte, teils endlich die Ermordung desselben besorgt ward, wenn irgendwie sein Aufenthalt bekannt würde. In Rom will der Prätendent erst in einem Kloster verborgen gewesen sein, dann mit seinen Beschützern ein einsames Landhaus bezogen haben. Hier kam auch die Schweizerin wieder zu ihnen, die inzwischen einen Uhrmacher geheiratet hatte. Dadurch lernte der Prinz deutsch und die erste Kenntnis der Uhrmacherkunst. Nach der Gefangennahme des Papstes (1798) trafen sie Verrat und Verfolgung. Ihr Haus brannte ab; die Schweizerin und deren Mann starben plötzlich an einem Tage. Der Marquis de Brizes und die junge Marie wurden vergiftet – wo und wie bleibt unklar; der Prinz, für England eingeschifft, ward auf dem Meere gefangen, nach Frankreich gebracht und eingekerkert. Er verleugnete seine Herkunft nicht, wies aber alle Versuche zurück, ihn die Namen seiner Beschützer bekannt zu machen. In ein anderes Gefängnis gebracht, soll er eine Behandlung erfahren haben, wie nur raffinierte Grausamkeit und List sie ausdenken konnten. Man habe sein Gesicht mit Instrumenten zerstochen, die einem Bündel Nadeln glichen, und als er im Blute geschwommen, habe man ihn mit einem, in eine besondere Feuchtigkeit getränkten Schwamm gewaschen. Er habe davon unter furchtbaren Schmerzen ein dickgeschwollenes, kupfernes Gesicht bekommen und längere Jahre wie ein Mensch, der soeben die Blattern bestanden, ausgesehen. Mit der Zeit hätten sich aber die Spuren jener Untat fast ganz verloren.

Endlich 1803 gelang es Montmorin, durch Josefine und Fouché die Befreiung des Prinzen zu erwirken und man beschloß, daß er nach Ettenheim zu dem Herzog von Enghien gehen solle. Vorher ward er, um sich etwas zu erholen, in einem anderen Asyl untergebracht. Dies habe sein Oheim Ludwig verraten, worauf sie flüchten müssen. In der Gegend von Straßburg ward er wieder verhaftet, in die Zitadelle, dann in einen völlig finsteren Kerker in Vincennes gebracht. Hier schmachtete er bis gegen das Jahr 1809, wo er abermals durch Montmorin befreit und in Sicherheit gebracht wurde. Sein damaliger Kerkermeister, der später ins Ausland gegangen, soll dort, wie Herr Appert in der Schweiz erfahren, als er vor Gericht befragt wurde, wo er die Jahre 1804 bis 1808 zugebracht, erklärt haben, er habe damals den Sohn Ludwigs XVI. bewacht. Auch der bekannte deutsche Flüchtling Stromeyer soll jenen Mann gekannt und dasselbe von ihm gehört haben.

Nach seiner abermaligen Befreiung fiel er in eine schwere Krankheit, während welcher die Polizei seine Spuren in Deutschland verfolgte. Endlich hergestellt, reiste er im Frühjahr 1809 mit Montmorin nach Frankfurt am Main. Er erfuhr von ihm, daß Josefine seine seitherige Haft zugelassen habe, weil Napoleon ihr die Thronfolge ihres Sohnes Eugen in Aussicht gestellt, daß sie aber auf seine Befreiung gewirkt habe, sobald sie die Gewißheit erlangt, daß der Kaiser mit einer Scheidung umgehe. Sie nahmen nun die Richtung auf Böhmen und trafen nach einer langen Reise in einer im Elbetal gelegenen Stadt einen Mann, der sie zum Herzog von Braunschweig führte, von welchem sie Empfehlungsschreiben für Preußen erhielten. Nachdem sie in einem an der österreichischen Grenze gelegenen Städtchen »Semnicht« (Sebnitz?) gerastet, in Dresden aber keinen Einlaß gefunden hatten, gelangten sie auf einem großen Umwege nach Preußen und gerieten dort sogleich unter das Schillsche Korps. Bei diesem blieben sie, bis sie Schill, in Gefahr ereilt zu werden, unter einer Eskorte, die ein Graf von »Veptel oder Vetel« (Wedel?) führte, abreisen ließ. Sie wurden überfallen. Montmorin fiel, der Prinz ward verwundet, verlor das Bewußtsein und fand sich in einem Hospital wieder, von wo er, noch immer im Zustande der höchsten Erschöpfung, nach Wesel transportiert wurde. Hier ward er mit anderen Gefangenen von den Scharen Braunschweigs und Schills zu den Galeeren verurteilt und langsam auf Toulon zu transportiert. Unterwegs fiel er in neue Krankheit und mußte in ein Hospital gebracht werden, wo er einen Schillschen Husaren, Friedrichs, fand. Mit diesem entfloh er und beide schlugen sich glücklich durch Frankreich durch bis nach Westfalen. Hier ward sein treuer Gefährte von Gendarmen verhaftet; er selbst von einem mitleidigen Hirten unterstützt, entkam nach Sachsen und saß, allerdings in hilf- und ratloser Lage, in der Gegend von Wittenberg, an der Heerstraße auf einem Stein, der die Inschrift führte: Dr. Martin Luther. Es kam eine Extrapost, deren Inhaber ihn mitnahm. Erst jetzt untersuchte er auf Anlaß des letzteren den Tornister jenes Friedrichs und fand darin 1600 Francs in Gold. Sein jetziger Reisegefährte wollte von Weimar sein, was jedoch bei viel späteren Erkundigungen die dortigen Behörden nicht bestätigt haben, und nannte sich Karl Wilhelm Naundorff. In dessen Wagen und auf dessen Paß kam er nach Berlin.

Seine Absicht, in ein Regiment einzutreten, schlug fehl und er fing an, für Uhrmacher zu arbeiten. Jetzt machte ihn der Magistrat jene unausbleiblichen Schwierigkeiten, welche die moderne Zivilisationsstufe bezeichnen und er will sich nun auf den Rat einer Madame Sonnenfeld, an die ihn der in seinem ganzen Treiben rätselhafte, seitdem aber spurlos verschwundene Naundorff gewiesen hatte und die nun bis an ihren Tod seine Wirtschaft besorgte, an den Polizeipräsidenten Le Coq gewendet haben. Er habe ihm Papiere als Beweisstücke vorlegen können, die in den Kragen eines durch all diese Fährlichkeiten glücklich geretteten Überrockes eingenäht gewesen. Der Präsident erkannte die Handschrift Ludwigs XVI. und Marie Antoinettes. Das Schreiben der letzteren nahm der Präsident mit, um es dem Fürsten Hardenberg vorzulegen, worauf der Prinz es nicht wieder zu sehen bekommen hat. Herr Le Coq riet ihm nun, da es in Berlin nicht möglich sei, ihm ohne Beibringung der nötigen Dokumente das Bürgerrecht zu verschaffen, sich in einer kleinen Stadt in der Nähe niederzulassen und den Namen zu behalten, auf den sein Paß laute. Er schickte ihm ein Patent als Uhrmacher auf diesen Namen, gab ihm auch Geld und empfahl ihm, wenn der Magistrat seines künftigen Aufenthaltsortes nach seinen Papieren fragen würde, nur zu erklären, daß sie bei ihm deponiert seien.

Er blieb nun unangefochten bis 1812 in Berlin, wo er nach Spandau übersiedelte und dort in der Tat auf ein bloßes Zertifikat des Herrn Le Coq, was lediglich seine tadellose Aufführung bescheinigt, am 8. Dezember zum Bürger aufgenommen wurde. Die näheren Umstände und Aktenstücke darüber, wenn sie echt sind, sind in der Tat kurios. Der Spandauer Magistrat schreibt ihn übrigens Nauendorff. Er befand sich in Spandau in günstigen Verhältnissen, nährte sich gut und wurde von dem Bürgermeister Kattfus und anderen distinguierten Personen ausgezeichnet. Bei den politischen Wendungen erwachten seine Hoffnungen wieder; er schrieb an Le Coq und Hardenberg, erhielt aber keine Antwort. Nach der Eroberung von Spandau schrieb er an den König von Preußen, die Kaiser von Rußland und Österreich und abermals an Hardenberg und Le Coq; immer fruchtlos. Jene Souveräne sollen schon 1809 und 1811 teils durch Montmorin, teils durch Thor de la Sonde von seiner Existenz unterrichtet worden sein. 1815 kam ein französischer Offizier namens Marsin oder Marassin, um den sich Naundorff schon 1812 Verdienste erworben, aus der russischen Gefangenschaft zurück durch Spandau, suchte ihn auf, ward von ihm gepflegt und widmete sieh, als er ihm sein Geheimnis anvertraut, seiner Sache. Er beschloß nun, diesen nach Frankreich vorauszuschicken und gab ihm Geld und Papiere mit, unterrichtete aber zugleich die Herzogin von Angouleme von der bevorstehenden Ankunft seines Emissärs. Dieser Marassin verschwand aber. Er soll in Rouen verhaftet und dann, nachdem ihm ein gewisser Mathuriu Bruneau, eine Kreatur der Polizei, substituiert worden, beseitigt worden sein. 1818 schrieb der Prätendent an seine (prätendierten) Oheime und an den Herzog von Berry und erbot sich, auf die Krone zugunsten seiner Oheime und der Herzoge von Angoulême und von Berry sowie ihrer Nachkommen auf den Fall zu verzichten, daß bei dem Tode des letzten der genannten Prinzen ihr ältester Nachkomme 25 Jahre alt sei. Im Gegenfall behielt er sich die Ausübung der höchsten Gewalt bis zu dem Tage vor, wo der Repräsentant des Herzogs von Berry sein 25. Jahr erfüllt haben würde. Alles blieb ohne Antwort.

1818 starb seine treue Sonnenfeld und er beschloß nun, jeder höheren Laufbahn zu entsagen und sich bürgerlich zu verheiraten, schrieb aber doch vorher, abermals fruchtlos, der Herzogin von Angoulême, seiner prätendierten Schwester, von dieser Absicht, und da seine Familie nichts von sich hören ließ, so heiratete er am 18. Oktober ein braves, junges, armes Bürgermädchen, Johanna Einert. Von Beibringung eines Geburtsscheines will er dispensiert worden sein. Als er Vater wurde, erwachte in ihm der Gedanke an seine Abstammung mit neuer Kraft und er schrieb 1819 an die Herzogin von Angoulême, 1820 auch an den Herzog von Berry. Nur von letzterem will er eine anerkennende Antwort empfangen haben. Hardenberg ließ ihn nochmals ohne Antwort.

Um diese Zeit entschloß er sich, weil eine städtische, an die Bürgermeisterwahl eines Herrn Daberkow geknüpfte Wirre, an der er teilgenommen, nicht nach seinen Wünschen abgelaufen – er nimmt an, daß Daberkow deshalb nicht bestätigt worden, weil er ihn vor der Verfolgung, welche jetzt gegen ihn beschlossen worden, beschützt haben würde – nach Brandenburg überzusiedeln, wo er 1822 Bürger wurde.

Nun beginnen seine neuen Drangsale, deren Grund er in seinen erneuerten und fortgesetzten Anliegen an die in Frankreich regierende Familie sucht, so unwahrscheinlich auch die niedrigen Intrigen und gemeinen Verbrechen sind, die dazu nötig gewesen wären. Er kauft ein Haus, wird aber in einen frivolen Prozeß darüber verwickelt, der ihn an Preußen fesselt, der lange hinausgezogen wird und den er erst gewinnt, wie er aus anderen Ursachen in Haft gekommen. Er wohnt anfangs bei dem ehemaligen Postmeister Schernebeck; dieser wird bestohlen und der Verdacht auf Naundorff gelenkt, dem es gelingt, die Täterin in der Tochter des Bestohlenen zu entdecken. Es wird ein Mordversuch auf diesen Schernebeck gemacht, der inzwischen ausgezogene Naundorff abermals verdächtigt und wieder ist die Tochter die Täterin. Er selbst erleidet durch einen Uhrendiebstahl großen Schaden. Dann brennt in seiner Nachbarschaft des Nachts das Theater ab; er steigt in der Angst mit den Seinigen heraus und als er in seine Wohnung zurückkehrt, ist sie aller wertvollen Sachen beraubt. Er wird auch dieser Brandstiftung bezichtigt, ohne daß sich etwas auf ihn bringen ließe. Da werden ein paar Personen, welche falsches Geld ausgegeben, zur Untersuchung gezogen und der eine davon gibt Naundorff als den Verfertiger desselben an, während nach der Versicherung Naundorffs aller Wahrscheinlichkeit nach der Vater des einen Angeklagten, der schon 1805 in dergleichen Sachen bestraft worden, der Schuldige gewesen. Er wird verhaftet und die Untersuchung, wie Naundorff behauptet, durch einen Justizrat Schulz mit großer Härte und Parteilichkeit geführt. Es scheint gewiß, daß bei dieser Untersuchung über seine eigentliche Herkunft nichts zu ermitteln gewesen ist. Nach der strengsten Untersuchung hat man doch keine hinreichenden Gründe gefunden, ihn in der Hauptsache zu verurteilen, hat ihn aber, weil er sich während der Untersuchung als »frecher Lügner« gezeigt, indem er sich für einen geborenen Prinzen ausgegeben und darauf hingedeutet habe, daß er zu den Bourbons gehöre, in das Korrektionshaus gewiesen. Hier zieht er die Aufmerksamkeit eines Barons von Seckendorff, der die Oberaufsicht über die Anstalt hatte, auf sich und gewinnt dessen Teilnahme, die sich ihm auch weiterhin bewährt hat. Dieser verschafft ihm einen Nachlaß an seiner Detentionszeit und er wird 1828 entlassen, wobei ihm aber auferlegt wird, Brandenburg und die Nähe Berlins zu meiden. Sein kleiner Wohlstand ist inzwischen vollends zugrunde gegangen, seine Familie im tiefsten Elend. Ein Unterkommen in Gassen, was ihm Seckendorff vermittelt, schlägt fehl und er wendet sich nach Krossen. Hier gewinnt er mühselig kaum den notdürftigsten Unterhalt. Da nimmt sich der Syndikus und Justizkommissär Petzold seiner an und geht sehr bald und gänzlich in seine Sache ein, schreibt für ihn an Fürsten und Gesandte, betreibt eine Revision seiner Untersuchung, läßt sich durch die persönlichen Bedrohungen eines Prinzen Carolath nicht irre machen und scheint in der Tat von der Unschuld und dem Rechte seines Klienten völlig durchdrungen gewesen zu sein. Aber dieser Gönner stirbt 1832, nachdem er nach dem Genuß einer Tasse Bouillon von Kolik und Erbrechen befallen worden. In seine Geschäfte tritt einstweilen Herr Lauriscus, der schon seither bei ihm gearbeitet, ein und verspricht, die ihm ganz genau bekannten Angelegenheiten Naundorffs fortzuführen; aber vier Wochen später stirbt auch dieser plötzlich. Die Papiere werden mit Beschlag belegt und der Prinz hat nichts davon zurückerhalten können. Er ist nun in gänzlicher Verlassenheit und da er zudem eine anonyme Warnung erhält, daß man damit umgehe, ihn auf eine Festung zu schaffen, so entschließt er sich gegen Ende des Juli 1832, nach Frankreich zu gehen.

Fast ohne Mittel gelangt er nach Dresden. Er sucht hier eine Audienz bei der königlichen Familie, erhält aber die polizeiliche Weisung, Sachsen zu verlassen. Den Grund sucht er in Intrigen des Paters Kunitz, gesteht aber selbst, daß sein Paß nur auf Berlin gelautet. Ein Mann, den er zufällig kennengelernt, verschafft ihm durch List einen Paß vom französischen Gesandten. Die Wohltätigkeit eines Freiberger Geistlichen, den er ebenso zufällig auf der Reise kennengelernt hatte, gibt ihm die nötigsten Geldmittel zur weiteren Reise, die ihn dann, meist in Gesellschaft polnischer Flüchtlinge und unter mancherlei Abenteuern, Unfällen, angeblichen Verfolgungen und wundersamen Rettungen, endlich nach Frankreich bringt. Man erfährt jetzt und nur dunkel, daß ihn bereits Verbindungen erwarteten, und daß ihm namentlich ein Rendezvous mit der Herzogin von Berry zugedacht war, die sich damals in der Bretagne befand. Indes alles schlug fehl und er fand für gut, zuerst in die Schweiz zu gehen, von wo er dann unter anderem Namen am 26. Mai 1833 in Paris anlangte. Hier lebte er anfangs in gänzlicher Verlassenheit und Dürftigkeit, aus der ihn zuerst die Schwägerin eines Herrn Albouys zog, der auf Zeitungsnachrichten hin bereits mit dem Syndikus Petzold korrespondiert hatte. Durch diese wurde er einer Madame de Ramboud, die von der Geburt des Prinzen an bis zum 10. August 1792 um ihn gewesen war, sowie dem Herrn und der Frau Marco de St. Hilaire, die ihn gleichfalls als Kind gekannt hatten, zugeführt. Die erstere soll anfangs ungläubig gewesen, auf den Anblick einiger Kennzeichen aber, von denen nur sie wußte und auf die Antworten, die ihr der Prinz auf geschickt gestellte Fragen gegeben, zur Überzeugung und feurigsten Anhänglichkeit übergegangen sein. Auch die St. Hilaires hätten erst vorsichtig geprüft, bevor sie sich ergeben. Wir können nun nicht auf alle die Einzelheiten eingehen, die sich auf die Personen beziehen, welche nach und nach in ihm den Sohn des königlichen Märtyrers erkannten. Einige Jugendbekannte, die seitdem an das Interesse anderer Gewalten geknüpft worden, wichen ihm dagegen aus, und diejenige Legitimistenpartei, welche bewußt oder unbewußt die Legitimität nur als politisches Mittel für ihre eigenen Interessen schätzte, wollte nichts von ihm wissen. Unter denen, die ihn anerkannten, heben wir noch besonders den Herrn von Bremont hervor, welcher von 1788 bis zum 10. August 1792 Privatsekretär Ludwigs XVI. gewesen war und dessen gerichtliche Vernehmung vorliegt; ferner den Herrn de Joly, einen der letzten Minister Ludwigs XVI.; endlich jenen alten Maurer des Tempels, Josef Paulin, welcher notorisch bei den Bemühungen zugunsten der königlichen Familie sehr beteiligt gewesen und dessen Zeugnis einige wichtige Umstände aus der Rettungsgeschichte bestätigt haben soll. Manche mögen sich freilich auch aus eigennützigen Beweggründen an ihn gedrängt haben und die Nichtbefriedigung derselben wird als der Grund des Abfalles einzelner bezeichnet.

Vielfach bemühten sich der Prätendent und seine Anhänger, die Herzogin von Angoulême für ihn zu gewinnen. Wenn man annimmt, was aber von der Seite des Prätendenten in Abrede gestellt wird, daß sie ihn wirklich für einen Betrüger hielt, so müssen ihr seine unausgesetzten Anliegen allerdings sehr lästig gewesen sein und kann man die unmutige Art, mit der sie alles zurückwies, wohl begreifen. Wenn es aber wahr wäre, daß von ihrer Seite aus zur Prüfung der Eröffnungen, die er sich vorbehalten hatte, ihr persönlich zu machen, eine Konferenz zu Prag vorgeschlagen ward, während er Dresden vorzog, so muß man wohl fragen, warum sie nicht auf letzteres einging. Sie hatte in Dresden nichts zu riskieren, wohl aber er in Prag. Sie war auch 1834 in Dresden, verließ es aber plötzlich, als sie erfuhr, daß der Prätendent auch dahin kommen werde.

Die Familie des Prinzen kam in bessere Lage, seit er Anhänger gefunden. Eine Nichte der Frau von Rambaud, die Baronesse de Genérés, entschloß sich 1834, selbst nach Krossen zu gehen, um sich der Pflege und Erziehung seiner Kinder zu widmen. Im April dieses Jahres führte sie die Familie nach Dresden, wo sie mehrere Jahre unangefochten lebten und angeblich schon durch ihre bourbonischen Züge die Teilnahme mancher Personen gewannen. Namentlich interessierte sich der Karlsbader Arzt de Caro sehr für sie und ihre Sache. Auch werden die Generale von Gablenz und von Leyser, der Kammerherr von Schorlemer, ein Herr von Lengerke als Gläubige genannt; ja der letztere versichert sogar, daß Herr von Lindenau un vrai croyant sei. Solche Einflüsse mögen es vermittelt haben, daß ein Sohn auf die Militärakademie aufgenommen wurde. Die sächsische Regierung soll auch französische Reklamationen abgewiesen haben. Den 1837 eintreffenden preußischen Reklamationen konnte sie freilich nicht so völlig ausweichen, so wenig man absehen kann, auf welchen Grund hin Preußen diese Frau und ihre Kinder als seine Untertanen hätte reklamieren können, zumal es 1836 den Vater (in der Schweiz) verleugnet gehabt haben soll. Die sächsische Regierung lieferte sie auch nicht aus, sondern begnügte sich, die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis zu verwehren, überließ aber – wenn die Worte des von Dr. Meerbach (Merbach) unterzeichneten ministeriellen Erlasses richtig wiedergegeben sind – »à l'epouse et aux enfants de Louis-Charles duc de Normandie se nommant Naundorff, horloger de Crossen«, ihren weiteren Aufenthalt zu nehmen, wo sie wollten. Sie gingen in die Schweiz und später zu ihrem Gatten und Vater nach England.

Dieser soll schon während seines Pariser Aufenthaltes mancherlei Attentaten ausgesetzt gewesen sein, über welche viel Näheres, aber nichts Entscheidendes oder sonderlich Interessantes vorliegt. Außerdem hatte er viel mit Prozessen zu tun, wobei allerdings zu bemerken, daß die französische Regierung, nachdem sie gegen alle anderen Prätendenten sofort mit Klagen auf Betrug eingeschritten, gegen diesen Prätendenten, ungeachtet er sich selbst an die Kammern wendete und ein eigenes Journal für seine Sache unternahm, im rechtlichen Wege nichts tat, allen seinen Bemühungen, die Sache vor Gericht zu bringen, vielmehr auswich und als endlich ein Prozeß durchaus nicht mehr zu umgehen war, ihn 1836 polizeilich aus dem Land schaffte und den Rechtsstreit durch eine Art Kabinettsjustiz beseitigte. Erst dann begann man einen Prozeß gegen seine Anhänger, der im Sande verlief. Von einer Klage, die der Redakteur seines Journals von dem Zuchtpolizeigericht gegen ihn erhoben, war er völlig freigesprochen worden. In London war er wieder Attentaten ausgesetzt, fand keine sehr einflußreichen Gönner und geriet nach und nach in mancherlei Geldbedrängnis, zumal er jetzt einen, seinen Verbindungen angemessenen Hausstand führte und viel Geld auf mechanische Experimente verwendete. Er wollte namentlich ein Geschütz erfinden, welches alle Kriege unmöglich machen sollte, weil es keinen Widerstand zuließ. Zuletzt ließ er sich in Delft nieder, wo er am 10. August 1845 starb. In der Totenliste ist er nach dem Stande eingetragen worden, den er in Anspruch nahm. Er hinterließ zwei Söhne und zwei Töchter. Sein Äußeres trug, nach einem in Stahlstich vorhandenen Porträt zu schließen, den bourbonischen Stempel. Sein Charakter wird sehr gerühmt und jedenfalls scheint er ungemein wohltätig und dienstfertig gewesen zu sein. In betreff seiner geistigen Begabung können wir den Lobreden seiner Anhänger nicht völlig beistimmen, haben jedenfalls keine Äußerung von ihm gefunden, welche über eine wohlmeinende Mediokrität und jene stereotypen Dinge hinausginge, die man in dem alten Frankreich dem »guten Menschen und König« in den Mund zu legen pflegte. Seine Haltung war die längste Zeit – wenn wir nicht von der Voraussetzung des Betruges ausgehen – anspruchslos; sie war würdig, einfach und maßvoll. Nur zuletzt, wie alles mehr und mehr fehlschlägt, wird er abenteuerlicher und es ist uns aufgefallen, daß er erst spät mit Geschichten von großen Geldsummen, die für ihn niedergelegt worden sein sollen, ihm aber vorenthalten würden, herausrückt, wovon anfangs gar keine Rede gewesen. Doch könnte es sein, daß er erst spät, etwa durch Bremont, davon Kunde erhalten. Die Neigung zu mechanischen Erfindungen kommt dagegen schon früher vor.

siehe Bildunterschrift

Ludwig XVII. von Frankreich.
Stich von Meunier, nach einem Gemälde von Wappers. Porträtsammlung der Nationalbibliothek Wien

Keinerlei Gewicht legen wir auf seine Angaben über allerlei Geheimnisse der französischen Geschichte, von deren Vorgängen er einen großen Teil auf sich bezieht und um sich gruppiert. Viele von den hieher gehörigen Dingen sind so unwahrscheinlich, daß er und seine Sachwalter durch ihre Anführung seiner Sache sicher mehr Schaden als Nutzen gebracht haben. Indes alle diese Angaben sind so, daß sie wahr sein könnten, ohne zu beweisen, gerade Naundorff sei Ludwig XVII. gewesen, und daß er das sein könnte, wenn auch jenes alles bloß in seiner oder seiner Sachwalter Einbildung beruhte. Wir erwähnen sie daher nur als Kuriosa. Die ganze Französische Revolution wird in der Hauptsache teils den Ränken der Engländer, teils Ludwig XVIII. zur Last gelegt. Dieser verrät und hintertreibt alle Pläne zugunsten der königlichen Familie; ihm ist kein Mittel zu schlecht, um das Ziel seines Ehrgeizes anzubahnen; er steht mit Robespierre, mit Barras, mit Napoleon in stetem Verkehr, sie täuschend und von ihnen getäuscht, aber stets gegen seinen Bruder und Neffen wirkend. Er bewirkt die Vermählung der Schwester des Prinzen mit dem Herzog von Angoulême, um ihr Interesse von dem ihres Bruders zu trennen. Um des Prinzen willen und meist durch die Intrigen seines Oheims erfolgt, wie teils offen behauptet, teils wenigstens zur Vermutung gestellt wird, das Gemetzel von Quiberon, der Tod Hoches und Frottes, die Erdrosselung Pichegrus, die Erschießung des Herzogs von Enghien, der Tod der Kaiserin Josefine, ja sogar die Ermordung des Herzogs von Berry. Auch für Mirabeaus Tod läßt man Ludwig XVIII. als den geheimen Anstifter merken. Ebenso hat niemand anderer als er die Flucht des Königs vereitelt. Er hat Robespierre gestürzt, mit welchem er lange im engsten Verkehr gestanden, sobald er erkannte, daß dieser sich selbst auf den Thron schwingen und sich mit der Prinzessin Maria Therese verbinden wolle. Die Prinzessin Elisabeth fiel, weil sie ihrem Bruder versprochen hatte, seinem Sohn dereinst alle Greuel des Grafen von der Provence zu offenbaren. Malesherbes' ehrwürdiges Haupt sank unter dem Mordbeil, weil ihm das geheime Kodizill des Königs vertraut worden. Durch einen untergeschobenen Brief Ludwigs XVI. bewirkte dessen Bruder den Rückzug der Preußen. Daß Napoleons Schiff ihn mitten durch die englischen Geschwader glücklich aus Ägypten zurückbrachte, hat nicht sein Glücksstern, sondern der Einfluß Ludwigs XVIII. bewirkt, der in ihm einen Monk zu finden glaubte. In vielen Memoiren wird einer geheimnisvollen Mordszene zu Vitry aus dem Jahre 1795 gedacht, wo eine Bande in das Haus eines Herrn von Petitvall einbrach, alle Personen, die ihr begegneten, ermordete, es aber dabei nur auf Papiere abgesehen zu haben schien und von der Justiz ignoriert wurde. Auch das soll mit der Flucht des Dauphin zusammenhängen. Cambacérès dagegen hielt sich bei Napoleon und Ludwig XVIII., weil er dasselbe Geheimnis besaß, aber es als Schutzwaffe zu gebrauchen wußte. Ebenso Fouché, Talleyrand. Selbst die berufene Fualdesgeschichte hat keinen anderen Schlüssel, und das rätselhafte Benehmen der Madame Manson wird durch nichts anderes erklärt, als durch dieses Geheimnis. Duroc und Fouché waren die Gehilfen Josefinens bei der zweimaligen Befreiung Ludwigs XVII. aus der Gewalt Napoleons gewesen, und Papiere, welche dieses Staatsgeheimnis enthielten, waren der unbestechlichen Rechtlichkeit des Herrn Fualdes vertraut; diese Papiere wollte die Regierung haben, hat sie aber, wie es scheinen will, doch nicht erlangt. Ebenfalls mit Ludwig XVII. hängt die geheimnisvolle Unterredung des prophetischen Bauers Martin mit Ludwig XVIII. (1816) zusammen. Dies alles findet sich in ausführlicher Darstellung erzählt und verfochten in jenem von uns vielfach angeführten Werke des Herrn Gruau de la Barre, einem Werke, was an sich schon in seinem Umfange, seiner Ausstattung und als erst nach dem Tode des arm verstorbenen Helden desselben, schwerlich im Wege buchhändlerischer Spekulation erschienen, zu den Rätseln dieser rätselhaften Geschichte gehört. Dasselbe enthält auch eine Menge von uns nicht erwähnter Briefe, Aussagen, Aktenstücke, Angaben, welche, wenn man auf ihre Echtheit bauen könnte, jedenfalls erweisen würden, daß Ludwig XVII. nicht im Tempel gestorben, teilweise auch, daß es mindestens höchstwahrscheinlich sei, Naundorff sei Ludwig XVII. gewesen. Aber wer bürgt für die Echtheit? Und doch zu welchem Zwecke sollte in so hoffnungsloser Sache und nach dem Tode des Prätendenten, dessen Kinder noch weit weniger Aussicht haben dürften als er, das alles geschmiedet worden sein? Im übrigen gibt es noch manche Personen in Europa, welche imstande sein müßten, die Hauptfragen, um die es sich in der Sache handelt, mit Bestimmtheit zu beantworten. Man sollte denken, es seien jetzt gar manche Rücksichten weggefallen, welche früher zum Schweigen banden, und so wenig die Sache unter den gegenwärtigen Umständen praktische Bedeutung hat, so wäre es doch im Interesse der geschichtlichen Wahrheit zu wünschen, daß nachgeforscht und das Gefundene veröffentlicht würde. Mit jedem Jahre wird die Nachforschung natürlich schwieriger. Übrigens müßte sich, wenn die Angaben des Buches wahr sind, in den geheimen Archiven Englands, des Kirchenstaates, Rußlands, Österreichs, Preußens viel Auskunft über das Verhältnis finden. Es handelt sich auch nicht bloß um jenen Naundorff und seine Ansprüche. Auch wenn er ein Betrüger oder partiell Wahnsinniger war, folgt noch nicht, daß alles von ihm und seinen Anhängern Beigebrachte rein erlogen und wertlos sei. Er konnte eben dadurch, daß ihm Kunde von manchen geheimen Beziehungen geworden, zu seinem Betrug oder seinem Wahn gebracht worden sein. Die Personen, die ihn zum Werkzeug brauchten, konnten in solche Geheimnisse eingeweiht sein und auch wenn die Hauptsache falsch war, konnte doch in dem zu ihrer Unterstützung Beigebrachten viel Wahres sein. Die Schrift des Herrn Gruau de la Barre dient übrigens auch zu einer Art Kommentar zu einer ganzen Reihe apokrypher oder suspekter Memoiren, von denen jener Herr behauptet, daß ihre Verfasser etwas von der Wahrheit gewußt hätten, aber nicht die ganze Wahrheit besaßen oder sie nicht sagen wollten und für deren scheinbare Widersprüche, Halbheiten, Unwahrscheinlichkeiten allerdings manche Erklärung gefunden wäre, wenn wir uns seinem Leitfaden ohne Skrupel vertrauen könnten.

Viel beschäftigt er sich auch mit den Konkurrenten seines Helden. Wir wollen erst kürzlich angeben, was über diese die seither verbreitete Meinung aussagt und dann die Version mitteilen, die der Prätendent oder Herr Gruau de la Barre davon beibringt. Zuerst kommt ein Jean Marie Hervagault vor, welcher der Sohn eines Schneiders zu Basse-Los gewesen und daselbst am 20. September 1781 geboren sein soll. 1796 seinen Eltern entlaufen, gab er sich für den Sohn irgendeiner vornehmen Familie, bald dieser, bald jener und zuletzt für Ludwig XVII. aus, fand bei dem legitimistischen Provinzialadel willigen Glauben und beste Aufnahme, ward zwar wiederholt als Landstreicher verhaftet, jedoch auf Reklamation seines Vaters wieder entlassen, zuletzt aber 1802 zu Rheims als Betrüger zu vierjähriger Haft verurteilt. Politischen Plänen blieb er fremd. Doch ließ ihn Napoleon nach Bicêtre setzen, wo er 1812 gestorben sein soll. – Mathurin Breuneau soll 1784 zu Vezins geboren sein, der Sohn eines Holzschuhmachers. Er entfloh 1795, trieb sich umher, ward 1803 als Vagabund verhaftet, ging zur Schiffsartillerie und desertierte nach Amerika. Von da kam er erst 1816 zurück, und zwar mit einem Passe, der ihn als Charles de Navarre bezeichnete. Er gab sich nun für Ludwig XVII. aus und spielte diese Rolle auch vor Gericht und im Gefängnisse fort, fand auch Anhang und Beistand. 1818 verurteilte ihn das Zuchtpolizeigericht von Rouen zu siebenjähriger Einsperrung, die er seit 1821 auf dem Fort Mont-St.-Michel verbüßte. Später ward er entlassen und soll zu einem Handwerk zurückgekehrt sein. – Die vornehmste Haltung bewahrte Henri Etelbert Louis Hektor Hebert aus der Gegend von Rouen, nach Angabe der Polizei früher auf der Präfektur in Rouen angestellt, dann Inhaber einer Glasfabrik zu Lesuire. Er selbst nannte sich Ludwig Hektor Alfred Baron von Richemont, Herzog von der Normandie und richtete 1828 und 1829 Bittschriften an die Kammern, worin er Anerkennung seiner Titel und Rechte verlangte. Seiner Erzählung nach wäre er von Kléber erzogen worden und dessen Adjutant gewesen, nach 1808 nach Amerika gegangen, 1814 zurückgekehrt und von Ludwig XVIII. gut aufgenommen, von der Herzogin von Angoulême aber abgewiesen und in Österreich 1812 verhaftet worden, wo er mit Silvio Pellico und Witt von Dörring im Gefängnis bekannt geworden sei. Es bleibt immer ein merkwürdiger Umstand, daß das letztere wenigstens lange vor seinem Prozeß und in ganz unbefangener und absichtsloser Weise von Witt von Dörring bestätigt worden ist. Sie hatten sich auf der Zitadelle von Mailand getroffen. Dasselbe gilt von Pellico. Hebert verfocht seine Sache in Flugschriften und Memoiren. 1834 ward er vor die Assisen gestellt und zu zwölfjähriger Einsperrung verurteilt, entkam aber nach London, wo er in günstigen Verhältnissen lebte, wiederholt aber (1838 und 1843) mit Attentaten zu kämpfen hatte. Er starb in einem Jahre mit Naundor ff, 1845. – Der letztere oder sein Biograph behauptete nun und suchte es in einer sehr ausführlichen Vergleichung der Aussagen dieser drei Personen, der Berichte über sie und anderer Umstände wahrscheinlich zu machen, daß Hervagault, Bruneau und Hebert nur eine und dieselbe Person gewesen seien und nur den ersteren Namen mit Recht geführt hätten. Hervagault sei das Kind gewesen, was Frotté und Paulin am 4. Juni 1795 in den Tempel schafften und was die Rolle des Prinzen spielen sollte, wenn nach dessen Flucht sein Versteck entdeckt würde. Er sei auch gerettet und zu Charette gebracht worden, der ihn eine Zeitlang für den Prinzen gelten ließ, um diesen noch mehr zu sichern. Später sei er in die Gewalt der Regierung gefallen und wurde nun ein Polizeiagent, erst im Dienste Fouchés, dann Ludwigs XVIII., dann Ludwig Philipps. Sie alle erkannten die Nützlichkeit, einen falschen Dauphin zur Hand zu haben, um ihn dem rechten entgegenzustellen. Sie ließen ihn gelegentlich kommen und verschwinden, wie es ihnen paßte und unter neuer Maske auftreten, wenn die alte verbraucht war. Daneben schwindelte er auch auf eigene Hand. Merkwürdig ist jedenfalls ein Brief, aus welchem, wenn er echt ist, erhellen würde, daß Hervagault 1808, wo er in Bicêtre sein sollte, auf der Fregatte Kalypso nach Amerika gefahren wäre, von wo bekanntlich Bruneau 1816 zurückkam. Bruneaus Auftreten fällt in die Zeit, wo sich Naundorff von Spandau aus lebhaft um Anerkennung bemühte und zunächst soll er gegen dessen Sendboten Morassin gebraucht worden sein. Hebert oder Richemont trat um die Zeit auf, wo sich Naundorff selbst nach Frankreich begeben hatte. Man wollte durch diese falschen Dauphins, die als solche leicht zu erkennen waren, den echten dekreditieren. Man ließ sie, wo nötig, verurteilen, aber stets wieder aus dem Gefängnis entkommen. So erklärt Herr Gruau de la Barre die Sache.

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