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Gegen den Strom

Paul Heyse: Gegen den Strom - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
booktitleGesammelte Werke, 3. Reihe, Band I
authorPaul Heyse
year1924
publisherJ. G. Cottasche Buchhandlung Nachfolger / Verlagsanstalt Hermann Klemm
addressStuttgart - Berlin-Grunewald
titleGegen den Strom
pages523-711
created20020916
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1907
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Paul Heyse

Gegen den Strom

Eine weltliche Klostergeschichte


Erstes Kapitel.

Es war zu Anfang der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts.

Am Nachmittag eines heiteren Apriltages fuhr der alte gelbangestrichene Omnibus des Gasthofs »Zum blauen Engel« von dem Stationshäuschen der Lokalbahn nach der kleinen Stadt Windheim, die in einer weitgedehnten Tiefebene seit Menschengedenken weltentrückt sich eines idyllischen Daseins erfreute. Ein breiter Chausseedamm, über dem Moor und Heideland etwas erhöht, mit Pappeln und Ebereschen eingesäumt, verband das Bahnhöfchen mit der Stadt, die etwa zehn Minuten entfernt lag. Es war nicht ratsam erschienen, mit der Bahn näher heranzurücken, da der Grund weit umher sumpfig war und durch Überschwemmungen zuweilen völlig unter Wasser gesetzt wurde. Denn an der Ostseite, nah am Mauerring, strömte ein ziemlich breiter Fluß von Norden her an dem alten Nest vorbei. Nach der Stadtseite wurde seinem Übertreten durch einen ziemlich hohen Uferdamm gewehrt, während rechtshin die Wiesen ohne einen solchen Schutz bis an den Fluß herantraten. Nur krüppelhafte Weiden bildeten hier eine Art Brustwehr, und stellenweise hatte man, wo es am dringlichsten war, die Lücken zwischen ihnen mit Faschinengeflecht notdürftig ausgefüllt.

In dem Omnibus, der schläfrig auf der gutgehaltenen Fahrstraße hinschwankte, saßen nur zwei Reisende, eine schöne, noch jugendliche Dame in einfachem Reiseanzug vom elegantesten Zuschnitt und ein junger Mann, in dem ein kundiger Beobachter sofort den Handlungsreisenden erkannt haben würde, auch wenn er nicht auf dem Sitz neben sich ein mit Wachstuch überzogenes Musterköfferchen stehen gehabt hätte.

Die Dame blickte, nachdem sie die höfliche Verbeugung ihres Gegenüber mit einem kaum merklichen Kopfnicken erwidert hatte, mit stillen Augen an ihm vorbei in das flache Gelände, wo nichts Merkwürdiges oder gar Hübsches zu sehen war, da über die fahlgrüne, mit saurem Graswuchs bedeckte Ebene sich nur hie und da kleine Torfpyramiden erhoben, aus schwarzen Sumpflachen manchmal ein Sonnenstrahl widerglänzte, oder an trockenen Stellen eine kleine Anstellung von rötlicher Erika sich hervortat.

Desto eifriger studierte der Reisende Gesicht und Gestalt der schönen Fremden, die feinen, regelmäßigen Züge, die stahlgrauen. manchmal ins Schwärzliche sich verdunkelnden Augen und den nicht zu kleinen, aber charaktervollen Mund, der selten lächelte, dann aber besonders reizend erschien. Unter einem schwarzen Hut, über dem eine reiche Straußenfeder nickte, kam ein schlichtgescheiteltes Haar von aschblonder Farbe hervor, während die zarten Brauen und Wimpern goldblond erglänzten. Ein weiches braunes Zobelpelzchen umschloß hoch hinauf ihr weißes Kinn, die linke Hand hielt ein rotes Juchtentäschchen auf dem Schoß, die rechte eine langgestielte Lorgnette von Schildpatt, die sie dann und wann zu den Augen emporhob.

Je länger die Fahrt dauerte, desto unbezähmbarer wurde die Neugier des jungen Mannes. Auch der Stationsdiener, der dem Kutscher geholfen hatte, den großen Rohrkoffer auf das Dach des Omnibus zu heben, hatte sich gewundert, wer die vornehme Dame sein möchte, die in diesem entlegenen Weltwinkel Geschäfte hatte. Auf dem Koffer standen die Buchstaben H. v. R. Was Adliges mußte sie also sein. Aber das sah man schon an ihrem ganzen Benehmen und der feinen Toilette.

Nachdem der junge Musterreiter eine Weile unruhig auf seinem Sitz hin und her gerückt war, ohne die Aufmerksamkeit der Fremden auf sich zu lenken, wagte er sich endlich mit der Bemerkung heraus, für die Jahreszeit sei der Frühling schon weit vorgeschritten. Die Erlen und Weiden auf dem Uferdamm drüben trügen schon volles Laub, es sei freilich eine sehr warme, windgeschützte Gegend. Ob gnädige Frau schon früher einmal hierhergekommen sei?

Nur ein leichtes Kopfschütteln war die Antwort.

Dann erlaube er sich, seine ergebensten Dienste anzubieten, nicht sowohl in betreff seiner Waren. Er reise zwar für das bedeutende Geschäft Seligmann und Söhne in Seiden und Wollstoffen, aber die gnädige Frau werde gewiß in Paris arbeiten lassen. Er selbst komme zweimal im Jahre, in der Frühlings- und Herbstsaison, hierher, doch nur mit Mittelware für die weibliche Bevölkerung des Städtchens. Natürlich, so ein Provinznest mit kaum achttausend Einwohnern –! Wenn aber »Frau Gräfin« einen Führer zu den Sehenswürdigkeiten wünsche – deren es freilich nicht gar viele gebe – indessen die Umgegend habe ihre Reize –

Sie danke sehr. Sie bedürfe keines Führers.

Hm! Nun dann – übrigens sei man im »Blauen Engel« gut aufgehoben, einfach aber reinlich. Die Wirtin, eine sehr tüchtige Frau und gute Köchin, habe nach dem Tode ihres ersten Mannes den Oberkellner geheiratet, der zehn Jahre jünger sei und sie nicht glücklich mache – ein etwas leichter Herr – übrigens halte sie die Zügel des Hausregiments fest in Händen, wenn sie auch sonst gegen ihren Mann – hm! man wisse ja – ältere Frauen müßten, wenn sie klug wären, durch die Finger sehen –

Er schwieg, da sie nicht das geringste Zeichen gab, daß seine Mitteilungen sie interessierten. In diesem Augenblick machte der schwerfällige Omnibus eine scharfe Wendung. Die Fremde schien draußen, wo bisher nur die sumpfige Öde sich ausgedehnt hatte, etwas zu erblicken, was ihre Aufmerksamkeit erregte, denn sie erhob sich ein wenig von ihrem Sitz und trat vor das gegenüberliegende Fenster.

Gnädige Frau sehen da das berühmte Wahrzeichen des bescheidenen Städtchens, den Nonnberg mit dem ehemaligen Sankt Annenkloster. Im Siebenjährigen Krieg – oder nein, doch wohl im Dreißigjährigen – soll es vom Schwedenkönig zerstört worden sein, da die Katholischen sich dort festgesetzt hatten. Die Nonnen sind ausgetrieben worden, lange Jahre hat das halb niedergebrannte Gebäude als Ruine bestanden – hab's selbst noch als solche gesehn – sehr romantisch – großartige Bellevue – bis vor fünf, sechs Jahren der ganze Berg von ein paar Herren angekauft wurde, keine Jesuiten oder sonst Pfaffen, nun, die ließen das Kloster ausbauen und sperrten das Tor zu. Schade drum! War 'ne große Attraktion für Touristen, ein Stern im Bädeker wegen der kleinen alten Kirche, die ganz erhalten ist. Jetzt lassen sie niemand 'rein, aber vielleicht – ich kenne die Hausverwalterin, Klostervögtin, wie sie's nennen – hat mir vorigen Herbst Stoff zu zwei Kleidern abgekauft –

Die Fremde erwiderte auch jetzt keine Silbe. Dem jungen Mann wurde immer unbehaglicher zu Mut. Doch rollte der Wagen eben dumpf polternd über die alte Holzbrücke, unter der der Fluß geräuschlos hinglitt, und lenkte nach dem Stadttor ein, das noch etwa fünfzig Schritt entfernt war. Über seinem Bogen lief ein aus Fachwerk und derben Bruchsteinen erbauter altersgrauer Umgang hin, der mit einigen Türmchen malerisch bekrönt, die alte, vielfach zerbröckelte Stadtmauer überdachte, hie und da von Schießscharten durchbrochen. Der Graben an ihrem Fuß war ausgefüllt, und in seinem Grunde wucherte Strauchwerk, Brennessel und Efeu lustig in die Höhe. Auch die Bäume, mit denen der Uferdamm bepflanzt war, hoben ihre grünen Zweige freundlich in die Luft. Das schönste aber war der Anblick des im Hintergrunde aufsteigenden Berges, der allerlei Gebäude hinter einer hohen Mauer trug und mit seinen grauen Dächern und dem spitz zulaufenden Türmchen geheimnisvoll herniederwinkte.

Nun rasselte der Wagen unter der Torwölbung durch über ein Pflaster, das gleichfalls an uralte Zeiten erinnerte, lenkte dann in die Hauptstraße ein, die ziemlich gerade von Nord nach Süd laufend das Städtchen in zwei ungleiche Hälften schied, und dann unten zur Linken nach dem mehrbelobten Gasthof zum »Blauen Engel«, vor dessen Tür, des Omnibus wartend, der Wirt stand, ein knabenhafter Kellner hinter ihm, er selbst ein noch jugendlicher Mann mit einer geckenhaften Miene und Haltung, in einem geschniegelten Anzug mit blauseidener Krawatte.

Sobald der Wagen hielt, sprang der Handlungsreisende hinaus, der Dame beim Aussteigen behilflich zu sein, wobei er dem Wirt einen bedeutungsvollen Blick zuwarf, ihn auf etwas Vornehmes aufmerksam zu machen. Die Fremde aber stieg den hohen Tritt leichtfüßig hinab, ohne seine Hand anzunehmen, und richtete an den submissest herantretenden Wirt die Frage, ob sie wohl für ein paar Tage bei ihm Quartier finden könne.

Mit der Versicherung, daß es ihm eine große Ehre sein werde, bejahte das der Wirt und belud sich selbst mit ihrem Handgepäck. Sie warf aber noch, eh' sie die Stufen betrat, einen Blick zu der altertümlichen in Holz geschnitzten Figur hinauf, einer plumpen Engelsgestalt in halber Lebensgröße mit derben roten Wangen, einem blauen, steiffaltigen Kleide und großen weißen Flügeln, die an einem festen eisernen Stabe über dem Eingang schwebte. Darunter war ein Schild befestigt mit der Aufschrift in Goldbuchstaben: Gasthof zum blauen Engel von Isidor Hegelmüller. Das Haus hatte ein sehr niedriges Erdgeschoß, darüber etwas hervorragend ein oberes Stockwerk, die ganze Fassade mit weißer Ölfarbe sauber getüncht. Es war nur fünf Fenster breit, rechts daneben lag ein geräumiger Hof mit Ställen, Remisen und anderen Wirtschaftsgebäuden, gegen die Straße durch eine niedrige Mauer abgegrenzt.

Eine Schar müßiger Gaffer hatte sich eingefunden, darunter viele Weiber, die mit offenbarer Bewunderung die seltene Erscheinung einer eleganten Fremden anstarrten. Diese aber trat nun in den breiten Flur, der durch die ganze Tiefe des Hauses bis an eine Tür im Hintergrunde lief. Unten im Hausgang an der Tür zur Linken las sie die Aufschrift »Gastzimmer«, an der gegenüber »Speisesaal«. An das Gastzimmer schloß sich die geräumige Küche, durch deren offene Tür nur eine Magd sichtbar war, die zu dieser Stunde in ihre Nachmittagsruhe versunken müßig am Herde saß.

Ganz hinten stieg man die Treppe zum oberen Stockwerk hinauf. Der Wirt, immer in devotester Haltung, voran, sich entschuldigend, da er den Weg weisen müsse. Der Handlungsreisende, der dicht hinter ihnen blieb, fragte, ob seine Nummer fünf frei sei. Als er dessen versichert war, empfahl er sich droben und verschwand am Ende des Korridors, der auch hier das Haus durchschnitt. Der Wirt aber öffnete die Tür zu einem Vorderzimmer rechts von der Engelfigur und bat die Dame, gefälligst einzutreten.

Durch die beiden mit weißen Gardinen verhängten Fenster, die nach der Straße gingen, drang das grelle Sonnenlicht dieses Apriltages, auf den alten Möbeln lag zwar Staub, doch sah das Bett in dem tiefen Alkoven sauber aus, und die Dielen waren frisch gescheuert und mit Sand bestreut. Über dem mit einem bunten Wollstoff bezogenen Sofa hing unter Glas in einem Goldrahmen eine kalligraphisch verschnörkelte Schrift, die besagte:

Zur Erinnerung an den hohen Besuch Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich,
welche am 20sten Mai 188* in diesem Zimmer eine Stunde zu verweilen geruht hat.

Der Wirt sah mit schmunzelnder Befriedigung, daß die Fremde dies historische Dokument überflog.

Es sei der ehrenvollste Tag seines Lebens gewesen, wo er die Gnade gehabt, Ihrer Majestät in diesem Zimmer ein Glas Wasser zu servieren. Allerhöchstdieselben hätten einen Abstecher nach ihrer Stadt gemacht, um die Klosterruine zu besichtigen, deren Kirche ein berühmtes Architekturdenkmal sei, und hätten sich sehr anerkennend darüber geäußert, auch ihren hohen Namen eigenhändig in das Fremdenbuch seines Gasthofs eingetragen. Die gnädige Frau werde sich in diesem Raume gewiß wohlbefinden. Wenn im Augenblick etwas beliebt werde –

Die Fremde schüttelte den Kopf. Sie bedürfe nichts als frisches Wasser.

Das werde er sofort durch das Mädchen heraufschicken. Im Hause sei außer dem Pikkolo nur weibliche Bedienung. Wenn die gnädige Frau etwa einen Gang zum Kloster hinaus beabsichtige – gewöhnlichen Fremden sei der Zutritt zwar verschlossen, die jetzigen Besitzer, sehr gutsituierte Herren, lebten nicht viel anders, als ob sie wirkliche Klosterbrüder wären –, es seien ihrer sechs und kämen wie richtige Emeriten (das Wort Eremiten hatte sich auf seiner Zunge ein wenig verwandelt) niemals in die Stadt hinunter, aber wenn sie etwa auch mit einer Reisenden von Instinktion keine Ausnahme machen sollten, – auch von der Höhe vor dem Tor sei die Aussicht sehr belohnend, und man könne um den Mauerring herum nach dem rückwärts gelegenen Bergwald gelangen, von dem der Nonnberg nur der Ausläufer sei.

Die Dame hatte ihn ruhig angehört, dankte aber für seine Begleitung und sagte, sie wünsche zunächst ein wenig zu ruhen.

Gleich darauf erschien eine junge Magd mit dem frischen Wasser und dem Fremdenbuch, in das sie ihren Namen eintrug: Baronin Helene von Rittberg aus Mecklenburg. Als sie dann von dem Wasser getrunken hatte, das einen etwas erdigen Geschmack hatte, ließ sie sich auf dem Sofa nieder und versank in ein Sinnen, das nicht das heiterste zu sein schien.

Nicht lange aber, so richtete sie sich entschlossen auf, nahm ihren Sonnenschirm wieder zur Hand und ging langsam die Treppe hinab.

Als sie sich dem Gastzimmer näherte, hörte sie den Wirt sagen: Sie ist 'ne Baronin, 'ne Beauté, sag' ich dir, wir müssen uns Ehre machen. Du mußt für ein feines Souper sorgen, Frau, laß gleich ein junges Hähnchen abstechen und ein paar Tauben und schick die Line nach frischem Salat.

Die Wirtin, deren hagere dunkle Gestalt die Fremde nur flüchtig sah, erwiderte, ohne sich in ihrem Geschäft mit dem Wäschekorb stören zu lassen: Schon gut, Isidor. Überlaß das nur mir, und mach nicht wieder Dummheiten. Solche Damen verstehen keinen Spaß, gerade wenn sie schön sind, und übrigens –

Das weitere verhallte, da die Reisende die Tür erreicht hatte und die Stufen hinunterging. Die Straße, die sie nun betrat, war wie ausgestorben, obwohl die Zeit der Nachmittagsruhe längst vorüber war. Vor den Haustüren saßen hie und da alte Leute, die sich sonnten, oder etwa eine Frau, die ihren Salat lieber im Freien putzte. Man konnte nichts Friedlicheres sehen als die langen Zeilen dieser durchweg einstöckigen Häuschen, alle sehr sauber getüncht und vielfach mit Fenstern aus Spiegelglas geziert, vor denen Blumentöpfe standen. Auch vor den vielen kleinen Läden waren die Schaufenster mit großen Spiegelscheiben versehen, was zu dem dürftigen Kram dahinter einen prahlerischen Kontrast machte. Ein wenig ansteigend lief die Straße schnurgerade nach Norden und erweiterte sich in der Mitte zu einem viereckigen Marktplatz, wo ein paar Buden aufgeschlagen waren mit altem Winterobst und jungem Gemüse. Hier aber hoben sich zwei größere Gebäude aus dem niederen Häuserwinkel empor, beide durch kleine Türme und Kreuze darauf als Kirchen bezeichnet. Eine alte Frau beschied die Fremde auf ihre Frage, ob denn die Stadt nicht mit einem Gotteshause genug habe, die Kirche links gehöre den Protestanten, die zur Rechten sei die katholische. Die beiden Konfessionen vertrügen sich aber aufs beste miteinander, ja sie heirateten auch oft über Kreuz, und die Pfarrer kämen Abends im »Blauen Engel« verträglich zu einem Spielchen zusammen.

Das gefiel der Fremden sehr, da sie aus einer unduldsamen Gegend stammte. Sie erfuhr auch, daß rechts an der Morgenseite zumeist die katholischen Familien wohnten, im Schatten der alten Stadtmauer und des einst wehrhaften Umgangs darauf. Gegenüber hätten sich erst später die Lutherischen angesiedelt und bald so vermehrt, daß sie den Mauerring durchbrechen mußten, um mehr Luft für ihre Ausbreitung zu gewinnen. Durch eine Seitengasse, die ins Freie hinauslief, sah man, wie der Boden drüben gelinde anstieg und zu einem Gelände sich erhob, von dessen Rande einzelne Häuser und zerstreute Baumgruppen herabsahen. In dem Zwischenraum, erklärte die redselige alte Frau, lägen Felder und Beete, die mit allerlei Korn- und Gemüsepflanzungen bedeckt seien, und wo der Kohl gezogen werde, um den die Stadt weit und breit berühmt sei. Überhaupt sei es eine sehr hübsche und fruchtbare Gegend.

Langsam schritt die Fremde die breite Straße vollends hinan, an kleinen, dunklen Seitengassen vorbei, bis sie an das offene nördliche Tor gelangte.

Hier stand sie aufatmend still.

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