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Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos: Gefährliche Liebschaften - Kapitel 69
Quellenangabe
typefiction
authorde Laclos, Choderlos
titleGefährliche Liebschaften
publisherHyperion Verlag
addressMünchen
volume2
translatorFranz Blei
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060526
projectid144177dc
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Hundertundneunundfünfzigster Brief

Der Vicomte von Valmont an die Marquise von Merteuil. (Bei ihrem Erwachen.)

Nun, Marquise, wie sind Ihnen die Freuden der letzten Nacht bekommen? Sind Sie nicht ein wenig müde davon? Geben Sie nur zu, daß Danceny entzückend ist! Er verrichtet Wunder, der Junge! Das haben Sie nicht von ihm erwartet, nicht wahr? Alles was Recht ist, ein solcher Rival verdient wohl, daß Sie mich ihm opferten. Im Ernst, er ist wirklich voll guter Eigenschaften! Und vor allem: wie viel Liebe, Beständigkeit und Zartgefühl! Ach, wenn Sie je von ihm so geliebt werden wir seine Cécile, darin brauchen Sie keine Rivalinnen mehr zu fürchten: er hat es Ihnen diese Nacht bewiesen. Vielleicht könnte mit sehr viel Koketterie eine andere Frau ihn Ihnen für einen Augenblick wegnehmen: ein junger Mensch versteht es nicht recht, sich solchen provokanten Lockungen zu entziehen. Aber ein einziges Wort der Geliebten genügt, wie Sie sehen, diese Täuschung zu verscheuchen. Sonach fehlt Ihnen nichts weiter, als daß Sie diese Geliebte sind, um vollkommen glücklich zu sein.

Sicher werden Sie sich darin nicht täuschen, denn Sie haben ein zu sicheres Gefühl, als daß dies zu fürchten wäre. Indes aber hat meine von Ihnen anerkannte aufrichtige Freundschaft in mir den Wunsch für Sie reifen lassen, einmal die Probe von heute nacht zu machen. Sie ist das Werk meines Eifers und hatte Erfolg. Aber bitte keinen Dank; ist nicht der Rede wert; nichts war leichter als das.

Was hat es mich denn gekostet? Ein leichtes Opfer und etwas Geschicklichkeit. Ich habe eingewilligt, mit dem jungen Mann die Gunst seiner Geliebten zu teilen; schließlich hatte er aber doch genau so viel Recht auf sie wie ich, und es lag mir so wenig an ihr! Der Brief, den die junge Person ihm geschrieben hat – den habe ich ihr diktiert; aber nur, um Zeit bei ihr zu gewinnen, die wir besser zusammen anwenden konnten. Der Brief, den ich beigelegt habe, o, das war nichts, beinahe nichts: ein paar Bemerkungen, freundschaftliche, um die Wahl des neuen Liebhabers zu lenken. Aber zur Ehre der Wahrheit: sie waren unnötig – der junge Mann schwankte keinen Augenblick.

Und dann will er auch in seiner Unschuld heute zu Ihnen kommen und Ihnen alles beichten; und sicher wird Ihnen dieser Bericht viel Vergnügen machen! Er wird zu Ihnen sagen: »Lesen Sie in meinem Herzen« – er schreibt es mir nämlich; und Sie sehen wohl, das macht alles wieder gut. Ich hoffe, wenn Sie dann darin lesen, was er will, lesen Sie wohl auch, daß so junge Liebhaber ihre Gefahren haben; und außerdem, daß es besser ist, mich zum Freund als zum Feind zu haben.

Adieu, Marquise, bis zum nächsten Mal.

Paris, den 6. Dezember 17..

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