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Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos: Gefährliche Liebschaften - Kapitel 67
Quellenangabe
typefiction
authorde Laclos, Choderlos
titleGefährliche Liebschaften
publisherHyperion Verlag
addressMünchen
volume2
translatorFranz Blei
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060526
projectid144177dc
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Hundertundsiebenundfünfzigster Brief

Cécile Volanges an den Chevalier Danceny.

(Dem vorhergehenden Brief beigelegt.)

Wie kommt es, mein lieber Freund, daß ich Sie nicht mehr zu sehen bekomme, wo ich doch nicht aufhöre, Sie herbeizuwünschen? Möchten Sie nicht mehr so gerne wie früher? Ach! jetzt bin ich wirklich traurig! Trauriger als damals, wo wir ganz getrennt waren. Der Kummer, den ich sonst von andern erlitt, kommt jetzt von Ihnen, und das tut mir viel mehr weh.

Seit ein paar Tagen ist Mama nie zu Hause, wie Sie wohl wissen, und ich hoffte immer, Sie würden versuchen, diese freie Zeit auszunützen; aber Sie denken überhaupt nicht an mich; ich bin recht unglücklich! Sie haben mir so oft gesagt, daß ich es wäre, die weniger liebte! Ich wußte wohl, es war umgekehrt, und jetzt ist hier der Beweis. Hätten Sie mich besuchen wollen, dann hätten Sie es auch gekonnt; denn ich bin nicht wie Sie, ich denke nur daran, wie wir zusammenkommen können. Sie verdienten wohl, daß ich Ihnen gar nichts von all dem sage, was ich für Sie getan habe, und mit wieviel Mühe. Aber ich liebe Sie zu sehr, und ich habe eine solche Lust, daß Sie mich besuchen, daß ich mich nicht enthalten kann, es Ihnen zu sagen. Und dann werde ich nun wohl sehen, ob Sie mich wirklich lieben.

Ich habe es so gut angestellt, daß der Türhüter für uns ist, und daß er mir versprochen hat, jedesmal wenn Sie kämen, will er Sie immer herein lassen, als wenn er Sie nicht sähe. Und wir können uns ganz auf ihn verlassen, er ist ein sehr anständiger Mensch. Es handelt sich also bloß noch darum, daß Sie im Hause niemand sieht, und das ist ganz leicht, wenn Sie erst abends kommen, wo überhaupt nichts mehr zu fürchten ist. Seitdem Mama täglich ausgeht, legt sie sich schon alle Tage um elf Ühr schlafen. Somit hätten wir viel Zeit.

Der Türhüter hat mir gesagt, wenn Sie so kommen möchten, sollten Sie statt an der Tür an sein Fenster klopfen, und er würde gleich öffnen. Und dann werden Sie die kleine Nebentreppe schon finden; und da Sie kein Licht haben können, werde ich meine Zimmertür offen lassen, was Ihnen immer etwas Licht geben wird. Sie müssen acht geben, daß Sie kein Geräusch machen, besonders wenn Sie an Mamas Türe vorbeikommen. Bei der Tür meiner Kammerfrau hat es nichts zu sagen, weil sie mir versprochen hat, daß sie nicht aufwachen will. Sie ist auch ein gutes Mädchen! Und wenn Sie wieder fortgehen, machen Sie es gerade so. Jetzt wollen wir sehen, ob Sie kommen.

Mein Gott, warum klopft mir doch das Herz so, während ich Ihnen schreibe? Soll mir denn ein Unglück passieren, oder ist es die Hoffnung, Sie wiederzusehen, die mich so aufregt? Was ich sicher fühle ist, daß ich Sie nie so stark geliebt habe, und mir nie so stark gewünscht habe, es Ihnen zu sagen. Kommen Sie doch, mein Freund, mein Lieber, daß ich Ihnen hundertmal sagen kann, daß ich Sie liebe, daß ich Sie anbete, daß ich niemals einen andern als Sie lieben werde.

Ich fand Mittel, Herrn von Valmont wissen zu lassen, daß ich ihm etwas zu sagen hätte; und da er Ihr guter Freund ist, wird er sicher morgen kommen, ich werde ihn bitten, Ihnen diesen Brief gleich zu geben. Somit erwarte ich Sie morgen abend, und Sie müssen bestimmt kommen, wenn Sie Ihre Cécile nicht unglücklich machen wollen.

Adieu, mein lieber Freund, ich küsse Sie von ganzem Herzen.

Paris, den 4. Dezember 17.., abends.

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