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Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos: Gefährliche Liebschaften - Kapitel 53
Quellenangabe
typefiction
authorde Laclos, Choderlos
titleGefährliche Liebschaften
publisherHyperion Verlag
addressMünchen
volume2
translatorFranz Blei
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060526
projectid144177dc
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Hundertdreiundvierzigster Brief

Der Vicomte von Valmont an die Marquise von Merteuil.

Ich weiß wirklich nicht, meine schöne Freundin, habe ich Ihres Brief und das kleine Briefmuster darin falsch gelesen oder schlecht verstanden. Das aber kann ich Ihnen sagen, daß ich das Briefmuster sehr originell und sehr geeignet gefunden habe, Effekt zu machen: Deshalb habe ich es einfach abgeschrieben und es, wiederum ganz einfach, an die himmlische Präsidentin geschickt. Ich habe keine Sekunde verloren, denn das zärtliche Briefchen ist gleich gestern abend abgeschickt worden. Ich habe das vorgezogen, weil ich erstens ihr sowieso versprochen, ihr gestern noch zu schreiben, und dann dachte ich auch, sie würde an der ganzen Nacht nicht zuviel haben, um sich zu sammeln und über dieses »große Ereignis« nachzudenken – sollten Sie mir auch ein zweites Mal diesen Ausdruck vorwerfen.

Ich hoffte, Ihnen heute morgen die Antwort meiner Vielgeliebten schicken zu können, aber es ist fast Mittag, und ich habe noch nichts bekommen. Ich werde noch bis fünf Uhr warten, und wenn ich dann noch keine Nachricht habe, gehe ich mir sie selbst holen; denn nur der erste Schritt ist schwer, besonders wenn es sich um eine Sache der Lebensart handelt.

Jetzt möchte ich, wie Sie sich denken können, sehr gern das Ende der Geschichte von dem Herrn Ihrer Bekanntschaft hören, der unter so starkem Verdacht stand, er könne, wenn's nötig, eine Frau nicht opfern. Ist er jetzt nicht gebessert? Und hat ihn seine großmütige Freundin nicht in Gnaden aufgenommen?

Nicht weniger verlangt mich nach Ihrem Ultimatum, wie Sie so politisch sagen! Es drängt mich ganz besonders zu wissen, ob Sie auch in diesem letzten Schritt noch Liebe finden. Ach ja, es ist welche darin, und viel sogar! Aber zu wem? Ich will mich aber auf nichts berufen, und erwarte alles von Ihrer Güte.

Adieu, meine reizende Freundin; ich werde diesen Brief erst um zwei Uhr schließen, in der Hoffnung, darin die ersehnte Antwort beifügen zu können.

Zwei Uhr nachmittags. Immer noch nichts; die Zeit eilt; ich habe kein Wort mehr hinzuzufügen. Aber werden Sie auch dieses Mal die zärtlichsten Küsse der Liebe zurückweisen?

Paris, den 27. November 17..

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