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Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos: Gefährliche Liebschaften - Kapitel 34
Quellenangabe
typefiction
authorde Laclos, Choderlos
titleGefährliche Liebschaften
publisherHyperion Verlag
addressMünchen
volume2
translatorFranz Blei
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060526
projectid144177dc
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Hundertvierundzwanzigster Brief

Der Pater Anselm an den Vicomte von Valmont.

Ich habe, Herr Vicomte, den Brief erhalten, mit dem Sie mich beehrten, und gleich gestern begab ich mich, Ihrem Wunsche gemäß, zu der fraglichen Persönlichkeit. Ich habe ihr den Gegenstand und die Motive der Schritte, die Sie bei ihr unternehmen zu dürfen baten, auseinandergesetzt. So fest ich sie auch in dem früher gefaßten guten Entschlüsse fand, habe ich ihr doch vorgestellt, daß sie vielleicht durch eine Weigerung Ihrer glücklichen Umkehr hinderlich sei und sich sozusagen der göttlichen Vorsehung widersetze, worauf sie sich entschloß, Ihren Besuch zu empfangen, unter der Bedingung jedoch, daß er der letzte ist, und hat mich beauftragt Ihnen zu sagen, daß sie kommenden Donnerstag, den 28., zu Hause sein wird. Sollte Ihnen dieser Tag nicht passen, so möchten Sie sie davon benachrichtigen und einen andern bestimmen. Ihr Brief wird angenommen werden.

Indessen, Herr Vicomte, erlauben Sie mir, Sie zu erinnern: schieben Sie es nicht ohne gute Gründe hinaus, damit Sie sich rascher und vollständiger dem lobenswerten Vorhaben widmen können, das Sie bekundeten. Bedenken Sie, daß der, der den Augenblick der Gnade zu benutzen zögert, sich der Gefahr aussetzt, daß ihm die Gnade wieder entzogen wird; und wenn auch die göttliche Güte unendlich ist, so ist ihre Spendung doch durch die Gerechtigkeit geregelt; und daß der Augenblick kommen kann, wo sich der Gott der Barmherzigkeit in einen Gott der Rache verwandelt.

Wenn Sie mich auch weiter mit Ihrem Vertrauen beehren, bitte ich Sie zu glauben, daß alle meine Sorge Ihnen gehören wird, so wie Sie es von mir wünschen; wie sehr ich auch beschäftigt sein mag, so wird meine wichtigste Angelegenheit stets die Pflicht des heiligen Dienstes sein, dem ich mich ganz besonders geweiht habe; und der schönste Augenblick meines Lebens ist der, wo ich meine Bemühungen durch den Segen des Allmächtigen von Erfolg gekrönt sehen werde. Schwache Sünder, die wir sind, wir können nichts aus uns selbst. Gott aber, der Sie zu sich zurückruft, kann alles, und Sie verdanken seiner Güte den ständigen Wunsch sich mit ihm zu verbinden, und ich schulde ihr das Mittel, Sie ihm zuzuführen. Mit seiner Hilfe hoffe ich Sie bald zu überzeugen, daß allein die heilige Kirche in dieser Welt das echte und dauerhafte Glück geben kann, das man vergeblich in der Verblendung der menschlichen Leidenschaften sucht.

Ich habe, mit höchster Achtung, die Ehre zu sein.

Paris, den 25. Oktober 17..

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