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Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos: Gefährliche Liebschaften - Kapitel 31
Quellenangabe
typefiction
authorde Laclos, Choderlos
titleGefährliche Liebschaften
publisherHyperion Verlag
addressMünchen
volume2
translatorFranz Blei
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060526
projectid144177dc
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Hunderteinundzwanzigster Brief

Der Vicomte von Valmont an den Pater Anselm. (Feuillantiner im Kloster der rue Saint-Honoré.)

Ich habe nicht die Ehre, Ihnen bekannt zu sein, Ehrwürden: aber ich weiß von dem vollen Vertrauen, das Frau Präsidentin von Tourvel in Sie setzt, und ich weiß auch, wie würdig Sie dieses Vertrauens sind. Ich glaube also, ich darf mich ohne allzu große Zudringlichkeit an Sie wenden, um von Ihnen einen sehr wichtigen Dienst zu erlangen, eines Ihres heiligen Amtes wahrhaft würdigen, wobei sich das Interesse der Frau von Tourvel mit dem meinigen vereint.

Ich habe wichtige Papiere in Händen, die sie betreffen, die niemandem anvertraut werden können, und die ich nur in ihre Hände legen will und darf. Ich habe keinen Weg, sie davon in Kenntnis zu setzen, weil Gründe, die Sie vielleicht von ihr wissen, die Ihnen mitzuteilen mir aber, glaube ich, nicht erlaubt sind, sie zu dem Entschluß bewogen haben, alle Korrespondenz mit mir abzubrechen: ein Entschluß, den ich, ich gestehe heute gerne, nicht tadeln kann, da sie Ereignisse nicht voraussehen konnte, die ich selbst nicht im entferntesten erwartete und die nur übermenschlicher Kraft zuzuschreiben sind, die man notwendigerweise darin erkennen muß.

Ich bitte Sie also, mein Herr, ihr meine neuen Entschlüsse bekanntzugeben und sie für mich um eine Privatunterredung zu bitten; wenigstens zum Teil möchte ich meine Verfehlung gut machen durch meine Entschuldigungen; und als letztes Opfer vor Ihren Augen die einzigen vorhandenen Zeichen eines Irrtums oder eines Fehlers vernichten, dessen ich mich ihr gegenüber schuldig gemacht habe.

Nur nach dieser vorläufigen Sühne wage ich es, das erniedrigende Geständnis meiner langen Verirrungen zu Ihren Füßen niederzulegen; und Ihre Fürsprache für eine noch wichtigere Aussöhnung zu erbitten, die unglücklicherweise noch schwieriger ist. Darf ich hoffen, mein Herr, daß Sie mir diese so nötige und kostbare Sorge angedeihen lassen? und daß Sie meine Schwäche zu unterstützen geruhen und meine Schritte auf einen neuen Pfad führen werden, dem zu folgen ich ersehne, den ich aber, errötend gestehe ich es, noch nicht kenne.

Ich erwarte Ihre Antwort mit der Ungeduld der Reue, die wieder gut machen will, und bin, glauben Sie mir bitte, mit ebensoviel Dankbarkeit als Furcht

Ihr unterwürfiger usw.

P. S. Ich ermächtige Sie, für den Fall, daß Sie es für passend finden, diesen Brief Frau von Tourvel mitzuteilen, die ich mein ganzes Leben lang pflichtschuldigst achten werde, und in der ich nie aufhören werde die zu ehren, deren sich der Himmel bedient hat, um durch den rührenden Anblick ihres Beispiels auch meine Seele zur Tugend zu führen.

Schloß . . ., den 22. Oktober 17...

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