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Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos: Gefährliche Liebschaften - Kapitel 92
Quellenangabe
typefiction
authorde Laclos, Choderlos
titleGefährliche Liebschaften
publisherHyperion Verlag
addressMünchen
volume1
translatorFranz Blei
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060526
projectid097c69ad
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Neunzigster Brief

Der Vicomte von Valmont an den Chevalier Danceny.

Wenn Ihre Angelegenheit nicht so rasch vorwärts geht wie Sie es wünschen, mein Freund, so müssen Sie sich nicht nur an mich halten. Ich habe hier mehr als ein Hindernis zu übersteigen. Die einzigen sind nicht die Wachsamkeit und Strenge Madame von Volanges'; auch Ihre junge Freundin macht mir welche. Sei es nun Schüchternheit oder Kälte, sie macht nicht immer das, was ich ihr zu tun rate; und ich glaube doch besser als sie zu wissen, was tun.

Ich hatte ein bequemes und sicheres Mittel gefunden, ihr Ihre Briefe zuzustellen, und auf diese Art sogar das Wiedersehen zu ermöglichen, das Sie wünschen: ich konnte sie aber nicht dazu bestimmen, sich dessen zu bedienen. Ich bin um so betrübter darüber, als ich keine andern Mittel sehe, Sie ihr zu nähern; und selbst für Ihre Korrespondenz fürchte ich immer, daß wir alle drei uns einmal kompromittieren werden. Sie können sich denken, daß ich nicht so weit gehen möchte.

Es täte mir jedoch sehr leid, wenn das geringe Vertrauen Ihrer kleinen Freundin daran Schuld trüge, Ihnen nicht nützlich sein zu können; vielleicht wäre es gut, wenn Sie ihr darüber schrieben. Sehen Sie zu, was Sie tun wollen, es liegt bei Ihnen allein zu entscheiden; denn es genügt nicht, seinen Freunden zu dienen, man muß es auch auf ihre Art sein. Das könnte Ihnen übrigens noch einen Beweis mehr verschaffen, Sie ihrer Gefühle für Sie zu überzeugen; denn die Frau, die noch einen eigenen Willen hat, liebt nicht so sehr wie sie sagt.

Nicht daß ich glaube, daß Ihre Geliebte unbeständig ist; aber sie ist noch sehr jung; sie fürchtet sich noch sehr vor ihrer Mama, die, wie Sie wissen, Ihnen nur schaden will; und vielleicht wäre es gefährlich, zu lange zu warten. Beunruhigen Sie sich jedoch nicht über ein gewisses Maß deswegen, was ich Ihnen da sage. Ich habe keinen Grund zum Mißtrauen; es ist nur freundschaftliche Sorge.

Ich schreibe Ihnen nicht länger, weil ich für mich einiges zu tun habe. Ich bin noch nicht so weit wie Sie, aber ich liebe gerade so, und das tröstet; und sollte ich auch für mich nichts erreichen, wenn es mir nur gelingt, Ihnen nützlich zu sein, so werde ich meine Zeit wohl angewendet finden.

Adieu, mein Freund.

Schloß . . ., den 26. September 17...

Ende des ersten Bandes

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