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Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos: Gefährliche Liebschaften - Kapitel 78
Quellenangabe
typefiction
authorde Laclos, Choderlos
titleGefährliche Liebschaften
publisherHyperion Verlag
addressMünchen
volume1
translatorFranz Blei
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060526
projectid097c69ad
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Sechsundsiebzigster Brief

Cécile Volanges an Sophie Carnay.

(N.B. In diesem Briefe gibt Cécile Volanges genaue Details von all dem, was aus dem 60. Brief und den darauf folgenden bereits bekannt ist – weshalb dieser Teil unterdrückt wurde. Zum Schlüsse spricht sie über den Vicomte von Valmont, was hier folgt.)

... Ich versichere Dir, er ist ein ganz außergewöhnlicher Mensch. Mama hat sehr viel Schlechtes von ihm gesagt, aber der Chevalier Danceny spricht sehr viel Gutes von ihm, und ich glaube, er hat recht. Ich habe nie einen gewandteren Mann gesehen. Als er mir Dancenys Brief gab, war es mitten in einer Gesellschaft und niemand hat etwas davon bemerkt; ich habe solche Angst gehabt, denn ich war auf nichts vorbereitet; aber jetzt werde ich immer aufpassen. Ich habe schon ganz gut begriffen, wie ich es machen muß, um ihm meine Antwort zu geben. Man kann sich sehr leicht mit ihm verständigen, denn er sagt mit den Augen alles, was er will. Ich weiß nicht, wie er das macht: er schreibt mir in dem Brief, von dem ich Dir erzählte, daß er vor Mama so tun wolle, als kümmere er sich gar nicht um mich, und man glaubt wirklich immer, daß er nicht daran denkt – und doch, so oft ich seinen Blick suche, bin ich sicher, daß er mich gleich sieht.

Es ist hier eine gute Freundin von Mama, die ich noch nicht kannte und die auch Herrn von Valmont nicht zu leiden scheint, obschon er sehr aufmerksam zu ihr ist. Ich fürchte, er wird sich bald bei dem Leben langweilen, das man hier führt, und daß er wieder nach Paris geht; und das wäre sehr unangenehm. Er muß doch ein gutes Herz haben, daß er hierher kam, um seinem Freunde und mir zu helfen. Ich möchte ihm so gern meine Dankbarkeit dafür beweisen, weiß aber nicht, wie es anfangen, um mit ihm zu sprechen; und wenn sich auch die Gelegenheit dazu finden möchte, würde ich mich so schämen, daß ich nicht wüßte was sagen.

Nur mit Frau von Merteuil kann ich offen von meiner Liebe reden. Vielleicht würde ich mich auch vor Dir, der ich alles sage, genieren, wenn ich mich mit Dir mündlich davon unterhielte. Selbst mit Danceny fühlte ich oft, wie mich ganz gegen meinen Willen eine unbestimmte Furcht zurückhielt, ihm alles zu sagen, was ich dachte. Ich werfe mir das jetzt vor, und ich würde alles in der Welt darum geben, wenn ich es ihm sagen, nur ein einziges Mal sagen könnte, wie sehr ich ihn liebe. Herr von Valmont hat mir versprochen, wenn ich mich nur von ihm leiten ließe, würde er uns sicher Gelegenheit verschaffen, uns wiederzusehen. Ich will alles tun was er verlangt, aber ich kann mir nicht denken, daß es möglich sein sollte.

Adieu, meine liebe Freundin, ich habe keinen Platz mehr zum Schreiben. Deine Cécile.

Auf Schloß . . ., den 14. September 17..

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