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Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos: Gefährliche Liebschaften - Kapitel 75
Quellenangabe
typefiction
authorde Laclos, Choderlos
titleGefährliche Liebschaften
publisherHyperion Verlag
addressMünchen
volume1
translatorFranz Blei
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060526
projectid097c69ad
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Dreiundsiebzigster Brief

Der Chevalier Danceny an Cécile Volanges. (Dem folgenden Brief beigelegt.)

Meine Cécile! Wie ich Valmont beneide! Morgen wird er Sie sehen. Er wird Ihnen diesen Brief geben, und ich werde mich nach Ihnen sehnen in Klage und Jammer. Meine Liebe, meine zärtliche Liebe, bedauern Sie mich in meinem Schmerz und besonders bedauern Sie mich des Ihren wegen, den zu ertragen mich der Mut verläßt.

Wie ist das schrecklich, schuld an Ihrem Unglück zu sein! Ohne mich wären Sie glücklich und zufrieden. Werden Sie mir verzeihen? Ach sagen Sie es mir, daß Sie mir verzeihen, und sagen Sie mir, daß Sie mich lieben, daß Sie mich immer lieben werden. Ich muß es immer wieder hören. Nicht, daß ich daran zweifle; aber es ist so schön, es immer wieder zu hören, je sicherer man es weiß und fühlt. Sie lieben mich, nicht wahr? Ja, ich weiß, Sie lieben mich! Ich vergesse nie, daß es das letzte Wort war, das Sie mir sagten – es ist in meinem Herzen aufgehoben und tief eingegraben!

In jenem Augenblick des Glückes, – wie weit war ich davon, das schreckliche Schicksal zu ahnen, das uns erwartete. Aber wir müssen die Mittel finden, es wieder gut gegen uns zu machen. Wenn ich meinem Freunde glaube, liegt dies in dem Vertrauen, das er verdient und das Sie ihm schenken müssen.

Es tut mir leid, daß Sie eine so schlechte Meinung von ihm haben – ich sehe darin den Einfluß Ihrer Mama, um derentwillen und ihr zu gefallen ich diesen wirklich liebenswürdigen Menschen einige Zeit vernachlässigte und der heute alles für mich tut, der daran arbeitet, uns zu vereinigen, wo Ihre Mama uns getrennt hat. Ich beschwöre Sie, meine liebe Cécile, seien Sie ihm ein bißchen gnädiger. Bedenken Sie, daß er mein Freund ist, und daß er der Ihre sein will, daß er mir das Glück verschaffen kann, Sie zu sehen! Wenn Sie diese Gründe nicht bestimmen können, Cécile, so lieben Sie mich nicht wie ich Sie liebe, so lieben Sie mich nicht mehr, wie Sie mich geliebt haben. Aber ich weiß, das Herz meiner Cécile gehört mir und mir fürs Leben, und wenn ich auch die Schmerzen einer unglücklichen Liebe befürchten muß, so weiß ich doch, daß es nie die Schmerzen einer verratenen Liebe sein werden.

Leben Sie wohl, meine Innigstgeliebte! Vergessen Sie nicht, daß ich leide und daß es nur an Ihnen liegt, mich glücklich zu machen. Erhören Sie den Wunsch meines Herzens und seien Sie geküßt von Ihrem treuen

D.

Paris, den 11. September 17..

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