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Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos: Gefährliche Liebschaften - Kapitel 57
Quellenangabe
typefiction
authorde Laclos, Choderlos
titleGefährliche Liebschaften
publisherHyperion Verlag
addressMünchen
volume1
translatorFranz Blei
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060526
projectid097c69ad
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Fünfundfünfzigster Brief

Die Marquise von Merteuil an den Vicomte von Valmont

Aus Danceny etwas herauszubekommen! Wenn er etwas gesagt hat, war das einfach Großtuerei. Ich kenne niemanden, der in der Liebe so dumm ist wie er, und ich fange an, mir meine Güte für ihn vorzuwerfen.

Wissen Sie, daß ich schon fürchtete, durch meine Beziehungen zu ihm kompromittiert zu sein? Und noch dazu ohne den geringsten Vorteil! Aber ich werde mich rächen, das verspreche ich ihm.

Als ich gestern Frau von Volanges abzuholen kam, wollte sie nicht mehr ausgehen: sie fühlte sich nicht ganz wohl. Es bedurfte meiner ganzen Kunst, sie zu überreden, und ich sah schon den Moment kommen, Danceny zu sehen, ehe wir weg waren; was um so blöder gewesen wäre, als Frau von Volanges ihm am Tage vorher gesagt hatte, daß sie nicht zu Hause sein würde. Die Kleine und ich, wir standen auf Kohlen. Endlich! Die Kleine drückte mir so zärtlich-glücklich die Hand, als sie mir adieu sagte, daß ich trotz ihrer Absicht, Schluß zu machen, auf einen wunderreichen Abend riet.

Aber meine Angst sollte noch kein Ende haben. Kaum waren wir eine halbe Stunde bei Frau von L***, da wird Frau von Volanges plötzlich unwohl, ganz ernstlich unwohl und will natürlich nach Hause zurück. Das wollte ich um so weniger, als ich Angst hatte, daß wir da ja nicht nur sicher die jungen Leute überraschten, als daß ich selbst mit meiner Überredung zu dem Spaziergang in einen schlimmen Verdacht kommen würde. So übertrieb ich der guten Dame schlechtes Aussehen, was glücklicherweise wirklich keine Übertreibung war, und hielt sie so anderthalb Stunden hin, erlaubte ihr nicht, heimzugehen, was ihr nur noch schlimmer bekommen würde usw. Als wir dann endlich zur festgesetzten Stunde zurückkamen, glaubte ich aus der gewissen verschämten Art, die ich bemerkte, hoffen zu können, daß meine große Mühe nicht umsonst war.

Ich wollte natürlich alles wissen und blieb bei Frau von Volanges, die sich sofort zu Bett legte; und nachdem wir bei ihr zu Abend gegessen hatten, verließen wir sie rasch und unter dem Vorwand, daß sie der Ruhe bedürfe, und gingen auf das Zimmer der Tochter. Diese hat ihrerseits alles getan, was ich erwartet hatte: das Gewissen betäubt, erneute Schwüre ewiger Liebe – mit einem Wort: sie hat sich mit dem besten Willen ausgeliefert. Aber dieser Esel von Danceny ist nicht einen Schritt weiter gegangen! Er steht dort, wo er vorher war! Man kann sich wahrhaftig mit diesem Menschen zerstreiten; denn die Versöhnung ist so ungefährlich!

Die Kleine versichert zwar, daß er mehr wollte, daß sie sich aber zu verteidigen verstanden hätte. Ich möchte wetten, daß sie aufschneidet, oder daß sie ihn entschuldigen will, und davon habe ich mich beinahe überzeugt. Es lag mir nämlich wirklich daran zu wissen, worin die Verteidigung besteht, deren sie fähig ist. Und ich einfache Frau habe – ein Wort gibt das andere – sie dahin gebracht, wo ... Nun – Sie können es mir glauben: nie war ein Mädchen empfänglicher für eine Überrumpelung durch die Sinne. Das Mädel ist wirklich entzückend und verdiente einen besseren Liebhaber. Aber sie wird wenigstens an mir eine gute Freundin haben. Ich versprach ihr, sie zu bilden, und ich werde mein Wort halten. Ich habe oft das Bedürfnis empfunden, eine vertraute Freundin zu haben, und die kleine Volanges wäre mir lieber als irgendeine – aber ich kann nichts mit ihr machen, solange sie nicht ... und das muß sie sein. Und das ist ein Grund mehr, sie dem Danceny endlich zu geben.

Adieu, Vicomte. Kommen Sie morgen nicht zu mir, oder wenn, dann nur des Morgens. Ich gab dem Chevalier nach zu einer Abendunterhaltung in seinem Pavillon.

Paris, den 4. September 17..

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