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Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 96
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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An Alxinger;

bei Zurücksendung eines weißen Schnupftuches.

Hier schick' ich dir den seltnen Freund zurücke,
Dem nie ein Freund auf Erden glich.
Der, wenn er bei dir war – so wenig als die Ficke
Von deinem Rock – von deiner Seite wich,
Der, wenn du oft in heißen Prüfungstagen
Dein schweres Dichterkreuz, woran
Du nun als Heiland hängst, den steilen Berg hinan
Bis hin zur Schädelstadt des Ruhms getragen,
Den blut'gen Schweiß, der dir dabei entrann,
Wie Sankt Veronika, dir von der Stirne wischte,
Den treuen Freund, in dessen Schoos,
Wenn dir das Schicksal Schmerz in deine Tage mischte,
So manche Thräne deines Kummers floß,
Der jeden deiner Seufzer hörte,
So willig stets an deine Lippe kam,
Und all den Unrath von dir nahm,
Der dir den Kopf so manchen Tag beschwerte;
Den Freund, der, wenn was zu vergessen war,
Bei dir den treuen Mentor machte,
In manchen Fällen für dich dachte.
Wo du vergaßest, ja, vor dem sogar
Kein Fleckchen an dir sicher war;
Kurz, den Getreuen, der sich würdig machte,
Am schönsten Mädchenbusen nun
Für seine Dienste auszuruhn,
Und den du, ob du gleich ihm viel zu danken hast,
So schändlich jüngst bei mir vergaßet,
Den so verdienten Freund, o Lieber! schicke
Ich dir – in deinem Schnupftuch – hier zurücke.

*

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