Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Aloys Blumauer >

Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 84
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
Schließen

Navigation:

Schwesterngesundheit,

ausgebracht bei einer Tafelloge z. w. E. 1784.

Die Zeit, wo, Schwestern, uns und euch
Ein Geist der Gleichheit wehte,
Wo sich kein Frosch in seinem Teich
Mehr als ein andrer blähte,
Die gold'ne Zeit, wenn ihr sie kennt,
Dort in dem alten Testament,
Die soll durch uns auf Erden
Einst wieder Mode werden.

Wir könnten aus Arkadien
Die Mode zwar verschreiben!
Allein ein Maurer, Schwesterchen,
Muß bei der Bibel bleiben?
D'rum, Schwestern, denkt mit uns euch fein
In jene Lebensart hinein,
Die unsre ersten Hirten,
Die Patriarchen, führten.

Die Mädchen lebten da fortan
Ein paradiesisch Leben:
Sie durften sich um einen Mann
Gar nicht viel Mühe geben;

Wenn gleich kein Baron Abraham,
Kein Herr von Isaak um sie kam,
So gab's doch an der Tränke
Oft Männer und Geschenke.

Und kamen nicht sogleich im Trott
Die Männer angeritten,
So durfte man wohl auch zur Noth
Den nächsten besten – bitten:
Miß Ruth, zum Beispiel, macht' es so;
Sie legte sich zu Botz aufs Stroh,
Und ist doch, wie wir lesen,
Die Unschuld selbst gewesen.

Auch pflegte sich das Glück der Eh'
Nicht so geschwind zu enden;
Denn Schnellkraft für Jahrhunderte
Lag in der Männer Lenden:
Was jetzo kaum ein Fünfziger
Mehr kann, hat als Fünfhunderter
Durch Buben, stark wie Riesen,
Herr Abraham bewiesen.

Die Hausfrau wußte da nicht viel
Von Zwang und Etikette,
Und ging, so lang es ihr gefiel.
Mit ihrem Mann zu Bette;
Und war sie nun des Dinges satt,
So konnte sie, wie Sara that,
Dem Manne nach Belieben
Ihr Mädchen unterschieben.

Den Namen Schwester selbst erfand
Der Patriarchen größter;
Er war gen Pharao galant,
Und hieß sein Weibchen Schwester:
Und seit der Zeit wird jedes Weib,
Dem der Gemahl zum Zeitvertreib
Mehr Brüderchen vergönnet,
Ein Schwesterchen genennet.

Wohlfeil war alles desperat:
Man zahlte keine Zinsen,
Und kauft' ein ganzes Majorat
Um eine Schüssel Linsen;
Das schönste Weib sammt Unterrock,
Galt höchstens einen Ziegenbock,
Und Jungfern sah man bersten
Um einen Scheffel Gersten.

O lebtet ihr nur, Schwesterchen,
In diesen goldnen Tagen,
Es würden da die zärtlichen
Vapeurs euch nicht mehr plagen:
Ihr wäret glücklich für und für:
Statt Männerherzen würdet ihr
Zuweilen Butter rühren,
Um euch zu divertiren.

Es würd' euch da kein Dorat zwar
Von Kuß und Liebe schreiben;
Doch würdet ihr nicht ganz und gar
Ununterrichtet bleiben;
Ihr kämet darum doch an's Ziel,
Und lerntet beides ohne viel
Französische Strapatzen
Von Tauben und von Spatzen.

Ihr dürftet da, vom Zwange frei,
Nicht sorgsam kalkuliren,
Wie weit es Wohlstandsregel sei,
Den Busen zu verschnüren:
Denn in dem Stand der Unschuld war
Es Mode, bloß in Haut und Haar
Herumzugeh'n auf Erden,
Um drob nicht roth zu werden.

D'rum laßt uns bald mit Sack und Pack
In diese Länder reisen:
Bei Meister Jubals Dudelsack
Läßt sich's vortrefflich speisen;
Dann wollen wir ohn' Unterlaß
Aus Vater Noah's vollem Faß
Ein lautes Salve geben,
Und singen – ihr sollt leben!

*

 << Kapitel 83  Kapitel 85 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.