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Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 23
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Der Feigenbaum und der Weißdorn.

Eine Fabel aus dem Französischen,
die bei Voltaire's Aufnahme in der Symbol z. d. N. S. zu Paris 1778 vorgelesen ward.

Ein schöngebauter Weißdorn trotzte
Dem Feigenbaum, der um die Frühlingszeit,
Noch kaum belaubt, doch schon von Früchten strotzte,
Und that mit seinen Blüthen breit.
Wo sind denn deine Blüthen? frug
Der Weißdorn ihn – und wo – erwidert jener –
Ist deine Frucht? – Dagegen bin ich schöner,
Versetzt' der Strauch, und das ist mir genug.
So laß uns denn im Frieden leben,
Erwiderte der Feigenbaum:
Dir hat Natur für's Auge Reiz gegeben,
Mir gab sie Früchte für den Gaum.

Die Fabel gilt den Männern, deren Schriften
Der Welt bald Nutzen, bald Vergnügen stiften:
Der unterhält, der unterrichtet sie.
Die gütige Natur, in ihren Gaben allen
Gleich mütterlich, gibt dem die Gabe zu gefallen,
Und jenem die des Unterrichts, daß nie
Ein Kind von ihr das andere beneide;
Nur ihrem liebsten Sohne Voltaire – gab sie beide.

*

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