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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 169
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Nikolai's Reise,

ein Lied nach der bekannten Melodie: Es waren einmal drei Schneider g'west etc.

Herr Nikolai macht den Schluß, o je,
Als ein berühmter Kritikus, o je,
Er reiste sich mit Extrapost
Im Sommer so, wie bei dem Frost.
Au weh, au weh, au weh!

Ungleich bequemer sicherlich, o je.
Als wenn den ganzen Tag man sich, o je,
Aus dem Postwagen nicht sehr wohl,
Bald rütteln, schütteln lassen soll.
Au weh, au weh, au weh!

Drauf setzt er ohne allen Lohn, o je.
Sich ins Pirutsch mit seinem Sohn, o je.
Und reiset so Feld überzwerch,
Von Leipzig hin nach Wittenberg.
Au weh, au weh, au weh!

Hier trinkt er Kuckuk, nicht gar gut, o je,
Mit seinem Sohne wohlgemuth, o je,
Und find't, als alles ausgeleert,
Es wäre nicht den Kuckuk werth.
Au weh, au weh, au weh!

Vom Leipz'ger Rastrum schweigt er still, o je,
Und trinkts, wenns niemand saufen will, o je,
Daselbst zu einer jeden Frist,
Weils sein gewohnter Löschtrunk ist.
Au weh, au weh, au weh!

Nun sieht er staunend Naumburgs Dom, o je,
Erwähnt die Bischöfe in Rom; au weh!
Besucht in Jena Groß und Klein,
Und läßt hier sieben Wunder sein.
Au weh, au weh, au weh!

Ein Donnerwetter macht ihn naß, o je,
Darüber staunt er freilich baß, au weh!
Gelangt in den Thüringer Wald;
Darüber wird ihm eisekalt.
Au weh, au weh, au weh!

Nun läßt er sich in Judenbach, o je!
Forellen schmecken ganz gemach; o je!
Doch Koburgs späte Nachtmusik
Stört ihn in seinem ganzen Glück.
Au weh, au weh, au weh!

Der Wegemesser bricht entzwei; au weh!
Drum lernet, was ein Hemmschuh sei, o je!
Im Kloster Banz ist Placidus
Der einz'ge Mann nach seinem Fuß.
Au weh, au weh, au weh!

Hierauf reist unser tapfrer Held, o je,
Von Bamberg weg nach Pommersfeld, o je!
Beweist, daß Utz ein Dichter sei.
Und lernt uns kennen Huhn und Ei.
Au weh, au weh, au weh!

Das Fette liebt Herr Nikol nicht, o je,
Er ist aufs Magre abgericht. Au weh!
Und liebt den Staub und dürren Sand;
Drum reist er in sein Vaterland.
Au weh, au weh, au weh!

Zu Nürnberg, einer großen Stadt, o je,
Wo jene Katz ein'n Kragen hat, o je!
So wie ein Rathsherr wohlgemuth,
Gefiel es ihm vortrefflich gut.
Au weh, au weh, au weh!

Doch droht er ihr mit allem Plack, o je,
Ihn ärgert der erwünschte Sack, au weh!
Der über jenem Kunststück hängt,
Und hätte ihn so gern verdrängt.
Au weh, au weh, au weh!

Er ruft sogar den Tacitus, o je,
Und ist ein rechter Sceptikus; au weh!
Die steinernen Figuren auch
Bestimmet er zu besserm Brauch.
Au weh, au weh, au weh!

In Wien verstund er sich so fein, o je
Und gut auf Ratzerdorfer Wein, o je,
Und trank der ganzen Welt zum Tort;
Und reiste endlich drüber fort.
Au weh, au weh, au weh!

Herr Nikol schickt auf Reisen sich; o je,
Denn das versteht er meisterlich, o je!
Nur brav Pränumeranten her!
Er schreibet euch gewißlich mehr.
Au weh, au weh, au weh!

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