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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 152
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Der evangelische Bauernjunge in der katholischen Kirche.

Vater, hörts nur Wunder an!
Wann is nur erzählen kann,
Was darnächst an Feiertägen
In der großen Stadt is g'schegen:
Waas nit, wo i z'erst anheb,
Was ihm vor an Namen geb;
Sag enk, solche Sagen g'schegen,
Es vergeht am 's Hörn und Segen.

Mitten war a Haus o Hee!
Das geht enk so weit in d' Höh,
Vater! wett' um unsern Schimmel,
D' Rauchfang glangen bis an Himmel,
Und da drina gehts erst zu,
Da a Madel, dort a Bue:
Ans thut seufzen, 's andre schrain,
Nix als lauter Narradain:
Goldne Männer schwarz und gre
Stenga Bockstare in der Höh,
Hat dermeni Mandl gebn,
Ochs und Esel a darnebn,
Nackete am ganzen Leib,
Und a schön aufputztes Weib,
Große Männer, klani Kindel,
Allerhand so gspassigs G'sindel;
Aber alli saan so frum,
's red't und dait, und schaut kaans um;
Aber 's gfallt mir gar nit recht,
Daß a Schind'r und Hengersknecht
In das schöne Haus hingengen,
Dorten schinden, köpfen, hengen:
A! den habens dir recht zugricht,
Grauß am, wann mans nur ansicht,
Hab'n ihn gaselt, und angenagelt,
Daß ihm 's Herz im Leib hat gwagelt,
Alles ging so wunderli,
I wust gar nit, wo i bi;

Oben kommt durch d' Mauer g'schlofen
A weiß Mandl, das war b'soffen,
Hebt er glei zum grainen an,
That sie giften wie a Han;
Flucht enk d' Höhl, und Teufel zoma,
That sie vor kaan Menschen schoma,
Macht am recht um's Herz so schwar,
Dacht nur, wan i draußen war:
Kunnt sein Spaß recht ernstli machen,
That a nit a Bissel lachen.

Neben meiner war a Waib,
Hat an dirren hagern Laib,
I hät's gar gern wissen mögen,
Obs auf d' Wochen nit wird regen:
Hat was mitma Schnierl than,
Lauter schwarzi Kügerl dran,
Die konnt mehr als Biern braten,
Is a Hex, habs glai darathen.

Mitma Stangl kummt a Mann,
Kunti! was der Kerl kann:
Das war a kurioses Wesen
Den saans alli schuldi g'wesen,
A Zauberei am Stangel hing.
Das macht alleweil kling kling:
Wann ers am nur hin that recken,
Mußt' er glai a Geld drain stecken:
Hab dem Vogel gar nit traut,
Weil er so verzwickt ausschaut,
Is enk schlau um d'Leut rumg'schlichen,
Aber, bin ihm glai ausg'wichen.

A Kastel in am Winkel war,
Und da drina hock'n a Paar,
Das hat zwar verdächti g'schina,
Hab g'mant, 's sein zwa Madel drina;
's andre schien wohl wie a Mann,
Aber 's hat an Kitl an.
Die zwa kunten ihre Sachen
Mit anand recht hamli machen.

Ruckwärts that der Hausherr stehn
Im an Eck recht wunderschön:
Hint und vorn a lauter Borten,
Es war gar ka Herr so dorten,
Bildt si a an Baz'n ein
Wie halt große Herren sein,
Hat er nur a Bissel g'spiert,
Daß sie wer nit frum aufführt,
That er wegen gringa Sachen
An abscheuliches Prozmaul machen,
Kurz, der Kerl is a Haad,
Sagt zum andern, glei seids stat.

Hinten war a großer Boden,
Stunden alti Männer droben,
Klani Bubmer a dabei
Was nit, an zween oder drei,
Und a Madl unter ihna,
Die hats trefli machen kina,
A jed's hat an Zedl g'hat,
Schwarze Haken, krum und grad,
D'r ane hat das Maul aufg'rissen,
D'r andre hat in Prigel bissen.
A jeder hat was anders g'macht.
Aner hat zant, der andre g'lacht,
Triebens, als obs narrisch waren,
Thaten wie die Kälber plaren:
's Madel streckt die Gurgel 'raus,
Zwitscht enk grad als wie a Maus,
Die andern haben durch die Nasen
Gnaurt, und wie die Halter blasen,
An alter Mann beim Kasten saß
Voller Hölzl klan und groß,
S' oft er hat a Holz angriffen,
So hat a Hörnl im Kasten pfiffen.
Aner hat a Butten g'habt,
Da hat er drauf nur ummer tapt,
Zwickts, und zweckts mit Händ und Füßen,
Daß die Butt'n schrain hat müssen;
Oft steht aner an der Sait,
Der den andern allen dait,
S' sollen a weni stille schwaigen,
Thaten d' Narren na mehr schraigen;
Hab'n auf a kupfers Häf'n klopft,
Da habi d' Ohren glei zug'stopft,
D' andern, die beim Häf'n saßen,
Hab'n in 'n langen Trachter blasen,
S' hat grewellt auf jeden Schlag,
Hab' g'mant s'is der jüngste Tag,
Allen Leuten kummt a Graus,
S' sehen dumm und damisch aus:
D' Weiber thaten fast verzagen,
Seufz'n, und than auf d' Mieder schlagen.

Vorn stund a mächtiger Mann,
Hat 's Hemmet über d' Hosen an;
Der kunts recht bagschierli machen,
Daß man si möcht närrisch lachen,
That bald knien, und bald stehn,
Rechts und links und ruckwerts zehn,
Bald that er sie umadrahen.
Und bald wie die Hahna grahen:
A goldnes Ding gar wunderschön
Das hebt er über Kopf in d' Höh:
's kunt d' alten Weiber recht daschrecken,
Daß sie d' Arsch hint außi recken;
Der Mann trinkt a recht gern an Wein
Die Buebma schenk'n ihm fleißi ein:
Hungri is er a wohl g'wesen,
Drum hat'r a Papirl gessen;
Aber es war a gaiziger Mann,
Gab seinen Kindern nix davon,
Müessen nur so sinnli schauen,
Wie er that 's Papirl kauen:
Sobald er hat was türkisch g'sagt,
Hat er den Becher ins Tischtuch packt,
Und hernach that er nur kraisten,
Und den Buebma'n was vorfaisten,
Weil er hat 's Papirl g'schlükt;
Hats ihm brav in d' Därmer zwickt,
That sie gar nit schön aufführen,
D' Buebma muestens freili g'spüren,
Kaner kunt enks mehr ausstehn,
S' muesten um a Glutpfann gehn,
Und mit Pech und solchen Sachen
Hinter ihm am Rauken machen.
Oepper daß er blind sein mag,
Weil er ihm beim hellen Tag
Unten, oben, vorn und hinten
So viel Leuchter laßt anzünden!
Thörisch mueß er a wohl sein,
Weils so stark vom Boden schrain,
Weil die Buebma öfters daiten,
Und ihm vor den Ohren läuten.
Und sie hab'n ihm hint und vorn
Wie 'ra Huern d' Haar abg'schorn;

Endli nahm der G'spaß an End,
Da kriegt er a Bierst'n in d' Händ
De that er ins Scherbel tauken,
Und damit die Leut ausjauken.
Vater! wier ka Narr nit sain,
Geh enk nimmer ins Haus hinain,
Denn wie leicht könnt am der Mann
Oeppa so a G'spassel than,
Und derwischet an bein Flügeln,
That an sein hübsch uma prügeln.
Weit davon ist gut für'n Schuß;
Wer nit kummt, hat kaan Verdruß!
Laß sie Hockus Pockus treiben,
Und die Narren bleiben.

*

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