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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 136
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Der Küster und sein Esel.

Ein reicher Küster hatt' einmal,
Nebst vielen Ochsen, Schafen, Schweinen,
Auch einen Esel in dem Stall:
Seit Bileams Zeiten gab's so keinen;
Denn so wie jener, ward auch der
Im ganzen Dorf berühmter, als sein Herr.
Des Esels Kraft bestand im Schreien, das zu stillen
Unmöglich war, wenn er begann,
Und wenn er in der Heerde ging, so hörte man
Vom Blöcken, Grunzen, Wiehern, Brüllen
Der ganzen Heerde nichts, als sein Iha!
So oft man nun ihn auf der Gasse sah,
Entstand im Dorf ein allgemein Geflüster,
Man lief und sah dem Wunderthiere nach,
Und niemand war, der nicht vom Küster,
Und seinem Wunderesel sprach.
Das Aufsehn, das der Esel machte,
Gefiel dem Küster sehr; er dachte:
So lang die Welt von meinem Esel spricht,
Vergißt sie sicherlich auch meiner nicht.
Damit nun fernerhin von ihm gesprochen werde,
Macht' er den Esel gar zum Führer seiner Heerde,
Und wies den ersten Platz in seinem Stall ihm an.
Der neue Führer nun begann
Sein Amt mit ungemeiner Freude,
Schrie alle Morgen Rind und Schaf
Und Schwein und Widder aus dem Schlaf
Und führte sie stolzirend auf die Weide.
Das Dorf fand diesen Einfall schön,
So lang er neu noch war, und lachte;
Der faule Küster aber dachte:
Wenn Küh' und Ochsen auf den Ruf des Esels gehn,
So werden auch die Menschen ihn verstehn,
Und ließ auch, um nicht mehr zur Messe selbst zu läuten,
Den Esel dies durch einen Schrei bedeuten.
Das Kirchspiel fügte sich und lief
Lautlachend zum Gebet, so oft der Esel rief.
Am Ende ward dem Volk das Lärmen doch zuwider,
Die guten Leute wünschten sich
Die Thurm- und Rinderglocken wieder. –
Der Esel legte sich auch endlich wirklich nieder,
Schrie immer schwächer und verblich.
Der Küster weinte bitterlich
Um seinen Freund; denn, ach! dahin gefahren
War mit dem Esel nun sein ganzer Ruhm,
Und seine Stelle zu ersetzen, waren
Die andern Esel alle viel zu dumm.
Doch endlich glückt' es ihm, ein Mittel auszufinden,
Um der Vergessenheit sich zu entziehn:
Er ging in der Verzweiflung hin.
Ließ seinen todten Esel schinden,
Ließ sich die Haut auf eine Trommel binden,
Und trommelte, damit sein Ruhm
Bei der Gemeinde nicht verfiele,
Im ganzen weiten Kirchenspiele,
So lang er lebte, drauf herum.

*

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