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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 134
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Schwesterngesundheit.

ausgebracht bei einer Tafelloge z. w. E.
1783.

Wir sitzen gleich den Mönchen hier
Bei immer festverschlossner Thür
In unserm Speisesaale,
Und keine von euch, Schwestern, wird
Von Maurern jemals invitirt
Zu ihrem Freudenmahle.

Allein verdenkt uns dieses nicht;
Wir stehen auch in Eid und Pflicht,
Gleich andern Ordensgliedern,
Und hatten auch zu jeder Zeit
Noch manche kleine Aehnlichkeit
Mit andern Ordensbrüdern.

Ein jeder neue Orden wird
Durch eine Bulle confirmirt:
Die ward auch uns bescheeret.
Nur hat der Papst, der uns zu Lieb
Die Confirmirungsbulle schrieb,
Die Feder umgekehret.

Die Ordensleute betteln gern,
Und pflegen oft die großen Herrn
Mit Geben zu ermüden;
Auch wir verstehen diese Kunst:
Doch flehn wir nur um eure Gunst,
Und sind damit zufrieden.

Die Mönche schwören dreimal laut,
Und schwören, Freiheit, Geld und Braut
Auf Lebelang zu lästern:
Auch Maurer schwören einen Eid,
Doch den nur der Verschwiegenheit
Zum Besten ihrer Schwestern.

Die Mönche sind bei Tafeln stumm,
Und haben oft Silentium;
Wir haben's auch zu Zeiten:
Doch darf bei uns, wenn's einer bricht,
Der Thäter darum eben nicht
Gleich auf dem Boden reiten.

Die Mönche senden Sammler aus,
Und schicken sie von Haus zu Haus
Um Wein und Schmalz und Kälber;
Auch Maurer sammeln so wie die,
Doch nur aus eignem Sack, und nie,
Wie jene, für sich selber.

Auch einen Prokurator hält
Sich jedes Kloster auf der Welt,
Und lebt von seiner Gnade;
Der Mann wird auch bei uns gewählt,
Doch trinkt er nicht von unserm Geld,
Wie jener, Chokolade.

Und jedes fette Kloster hat
Auch einen eignen Küchenrath
Bei allen Eßgelagen;
Bei uns ist dieses Aemtchen schwer,
Denn unsrer sorgt für noch was mehr
Als bloß für unsern Magen.

Der Mönch liebt volle Gläser sehr:
Auch wir verstehn mit dem Gewehr
Sehr gut zu manövriren;
Doch laden wir nur dann es voll,
Wenn wir auf unsrer Schwestern Wohl
Im Feuer exerciren.

*

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