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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 132
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Das Lied von Belgrad.

1789.

Im Ton: Marlborogh s'en va-t-en guerre etc.

Wir sahn den Kaiser wieder
Gesund in unserm Wien;
Der Türke liegt danieder
Es schlug Held Coburg ihn,
Und Belgrad danken wir,
O großer Laudon, dir.
Wir sahn u. s. w.

Laßt uns Te Deum singen
Drei ganzer Tage lang,
Und Dankesopfer bringen
Bei Glas und Glockenklang:
Drei Tage, so wie die,
Erlebten wir noch nie;
Wir sahn u. s. w.

Eilt wack're Patrioten
Zum Jubelfest herbei!
Sonst ward die Lust geboten,
Heut aber ist sie frei.
Laßt uns nur glücklich sein.
Wir wollen uns schon freu'n!
Wir sahn u. s. w.

Juhe! seht, Köpf' und Fenster
Sind schon illuminirt,
Zur Stunde der Gespenster
Wird heut noch jubilirt,
Und ganze Schaaren ziehn
Schon durch die Gassen hin;
Wir sahn u. s. w.

Es ist kein Ton der Freude,
Den man nicht heute hört,
Und allem Gram und Leide
Ist Thür und Thor gesperrt:
Der Türk am Heidenschuß
Allein heut trauern muß. Die daselbst befindliche Statue eines Türken zu Pferde war die ganze Nacht über mit einem Flor behangen und mit Fackeln beleuchtet.
Wir sahn u. s. w.

Es feiert das Te Deum
Die ganze Bürgerschaft
Zum halben Jubiläum
Von Belgrads Wanderschaft,
Das heute fünfzig Jahr
In Türkenhänden war.
Wir sahn u. s. w.

Es wimmeln alle Straßen
Von Menschen ohne Zahl;
Ganz Wien mit allen Gassen
Ist nur ein großer Saal,
Wo Jedermann sich heut
Nach seiner Weise freut.
Wir sahn u. s. w.

Seht, die Studenten weihen
Schon Belgrads Schulen ein,
Und singen laut in Reihen
Bei türkischen Schalmeien,
Den Türken zum Verdruß,
Das Veni Spiritus.
Wir sahn u. s. w.

Dort eilt ein Trupp von Knaben
Mit dankbar frohem Sinn,
Weil sie nicht Pferde haben,
Auf Steckenpferden hin,
Wo Laudon wohnt, und schrei'n
Ihr Vivat und juchhei'n.
Wir sahn u. s. w.

Hier raufen ein Paar Bassen,
Die erst mit Ahl und Pfriem
An ihren Leisten saßen,
Mit frohem Ungestüm
Das Haar einander aus,
Und flechten Roßschweif d'raus,
Wir sahn u. s. w.

Das frohe Posthorn schallet,
Daß Erd' und Himmel hallt,
Und mit den Peitschen knallet
Frohlockend Jung und Alt,
Und jeder singt damit
Den Türken dieses Lied:
Wir sahn u. s. w.

»Verloren hat den Schimmer
Des Mondes Doppelhorn.
Held Laudon schlug's in Trümmer,
Und macht in seinem Zorn
Für uns zum Ohrenschmaus
Zwei Dutzend Hörner d'raus.«
Wir sahn u. s. w.

Auf tausendfache Weise
Ergießt die Freude sich.
Die Jungen und die Greise
Frohlocken brüderlich;
Und aller Freude Lauf
Löst in den Wunsch sich auf:
Wir sahn u. s. w.

»Der Türke liegt danieder,
Woran ihm Recht geschieht;
Nun kommt der Friede wieder,
Und all' sein Segen mit:
Dann macht der liebe Gott
Auch größer unser Brod!«
Wir sahn u. s. w.

*

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