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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 129
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Die Autorpolitik.

Ich kenn' ein Künstchen,
Das spielt gar gern
Mit blauen Dünstchen;
Das lehrt die Herrn,
Genannt Autoren –
Versteht sich die
Mit langen Ohren –
Sich weislich wie
Genies zu tragen.
In unsern Tagen
Macht Politik
Des Autors Glück:
Sagt ihnen leise
Ihr Genius,
Dem jeder Weise
Doch folgen muß.
Erst thun sie dünne,
Bemühen sich,
Wie eine Spinne,
Vorsichtiglich
Um ein paar Säulen,
Zu diesen eilen
Sie flugs hinan,
Und hängen dann
Mit Heuchelfädchen
So fest, wie Klettchen,
An sie sich an.
Und nun beginnen
Sie ihr Gespinnst;
Doch erst gewinnen
Durch manchen Dienst,
Sie sich behende
Ein Dutzend Hände,
Die ihr Gespinnst
Mit Klatschen heben,
Und Spinneweben
Für Leinwand geben.
Ist das gescheh'n,
So läßt die Spinne
Mit frohem Sinne
Der Welt sich seh'n,
Sieht selbst das Scheiblein,
Das sie sich spann.
Wie ein schön Weiblein
Den Spiegel, an,
Wird stolz, und setzet
Am Bravoschrei'n
Ihr Ohr, und setzet
Sich mitten d'rein.
Aus Neugier laufet
Nun Alles hin,
Besieht und kaufet
Sich das Gespinn,
Zählt fleißig jeden
Der dünnen Fäden
Und hängt es hin;
Denn brauchen, leider!
Kann's weder Schneider,
Noch Nähterin.

Und dieses Heer
Der kleinen Männer
Thut oft noch mehr,
Es täuschet Kenner,
Läßt nimmermehr
Sich nah besehen,
Geht auf den Zehen,
Weit weg, einher,
Und läßt nur gerne
Sich in der Ferne
Von ihnen sehn.
Den Hügelchen
Des Maulwurfs gleichen
Sie dann, und reichen
So halb besehn
In eb'ner Ferne,
Als an die Sterne,
Und mancher wähnt,
Der sie nicht kennt,
Er säh' den Zwergen,
Den Riesen an;
D'rum hört noch an,
Wie so ein Mann
Die Kleinheit bergen
Und täuschen kann,
Ein Dutzend Schergen,
In deren Hand
Des Volks Verstand
Und Ton ist, walten
Auch hier, und halten
Dem Laienchor
Ein Gläschen vor,
Da scheint dem Blicke
Die kleinste Mücke
Ein Elephant;
Denn, wie bekannt,
Gibt's wenig Augen,
Die ohne Glas
Das rechte Maß
Zu finden taugen.
Die Herren, klein
Von Geiste, scheu'n
Das Kopfgeschüttel
Von einem Büttel
Gar jämmerlich;
D'rum müh'n sie sich,
Die bösen Drachen
Durch manchen Brief
Und Autorkniff
Recht zahm zu machen;
Sie hängen dann
Flugs ihrem Blättchen
Gar manches Nötchen
Voll Weihrauch an,
Woran die Götzen
Ihr Näschen letzen.
Oft selbst im Text
Streicht, wie behext,
Manch Autorfüßchen
Vor jedem Haus
Gewaltig aus.
Auf so ein Grüßchen
Erfolgt, wie man
Leicht denken kann,
Ein Gegengrüßchen;
Denn, wie bekannt,
Wäscht eine Hand
Die andre wieder:
Wer Weihrauch streut,
Dem streut man wieder
Aus Dankbarkeit.
Wenn all' die Grüße
Und Gegengrüße
Hans Hagel hört.
So horcht und sperrt
Er Maul und Augen,
Die Galantrie
Von Wahrheit nie
Zu sondern taugen,
Gewaltig auf,
Und wettet d'rauf,
Das, was nicht selten
Als Kompliment
Gesagt ist, könnt'
Im Ernste gelten:
Nimmt nun den Mann
Ohn all' Gefährde
Zum Halbgott an,
Fällt hin zur Erde,
Und betet an.
Denn die Monarchen,
Die ruhig schon
Auf ihrem Thron
Wie Götter, schnarchen,
Sehn's nur zu gern,
Wenn ihre Knaben
Altäre haben,
Weil kleine Herrn
Die größern heben,
Und ihrem Thron
Mehr Stufen geben.

Um diesen Lohn
Hat mancher schon
Bei großen Dichtern
Gedient, die dann
Vor Splitterrichtern
Den kleinen Mann
Gar mächtig schirmen,
Und himmelan
Ihr Thrönlein thürmen.
O hört mich an,
Ihr großen Dichter,
Die Zeit ist Richter!
Behängt euch nicht
Mit dem Gezücht
Von Dichterlingen;
Fand je ein Spatz
Wohl in den Schwingen
Des Autors Platz?
Er sieht vom Hügel
Der Sonne Schein,
Hebt seine Flügel –
Und fliegt allein.

*

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