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Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 127
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Joseph der Zweite.
Beschützer des Freimaurerordens.

Seht, in Josephs großen, weiten Staaten,
Wo, vermählet durch der Weisheit Hand,
Duldung sich und edle Freiheit gatten,
Und die Nacht der Vorurtheile schwand,

Hebt in heller, nun entschlei'rter Klarheit
Eine Brüderschaft ihr Haupt empor,
Die im Stillen Wohlthun nur und Wahrheit
Sich zu ihrer Arbeit Zweck erkor.

Joseph, dem in seinem Herrscherkreise
Nichts zu groß ist, das sein Geist nicht faßt,
Nichts zu klein, das er, nicht minder weise,
Ordnet und in seine Plane paßt;

Joseph, der so eben von den Horden
Träger Mönche seinen Staat befreit,
Schätzt und schützt dafür nur einen Orden,
Der sich ganz dem Wohl der Menschheit weiht:

Einen Orden, den man oft verkannte,
Weil er in geheim sein Gutes übt,
Und erst jüngst aus einem Staat verbannte,
Wo ein Exmönch nun Gesetze gibt;

Einen Orden, dem der Arme Segen
Fluch der Frömmler, Hohn der Laie spricht,
Der indeß im Stillen sich dagegen
Einen Kranz von edlen Thaten flicht:

Einen Orden, den der Mönch zu schmähen
Oder zu verdammen nie vergißt,
Weil sein Zweck nicht müßig betteln gehen,
Sondern Thätigkeit im Wohlthun ist:

Einen Orden, den der Heuchler scheuet,
Weil er ihm die schwarze Seel' entblöst,
Wider den der Schurke tobt und schreiet,
Weil er ihn von sich zurücke stößt:

Einen Orden, den als Staatsverräther
Und Verführer man schon oft bestraft;
Während er der Unschuld treue Retter,
Und dem Staate gute Bürger schafft.

Dieser Orden ist's, den, frei vom Wahne,
Joseph seines Schutzes würdig fand,
Und zu seinem weisen Herrscherplane,
Wie ein Glied zur Kette, mit verband;

Weil mit ihm der Orden, festen Blickes,
Und von einem gleichen Geist belebt,
Zu dem großen Zweck des Menschenglückes
Hand in Hand hinan zu dringen strebt.

Drum, ihr Brüder, lasset uns im Stillen
Nicht durch Worte, sondern auch durch That
All' die großen Hoffnungen erfüllen,
Die von uns der große Weise hat!

Laßt uns dankbar unsern Schützer preisen,
Und ihm zeigen, daß die Maurerei
Werth der Achtung eines jeden Weisen,
Werth des Schutzes eines Josephs sei!

Br. B***r.

*

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