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Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 122
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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An Herrn Blumauer.

Von Joseph Edlen von Retzer.

Ein deutscher Druck der Hand, Freund! sei mein Dank
Für deinen launigen Gesang.
Zufrieden mit dem Beifall edler Seelen,
Soll heuchlerische Mißgunst dich nicht quälen;
Verhöhn' des Aberglaubens Zischen, Joseph sitzt
Nun auf dem Throne, der die Wahrheit schützt.
Die Heuchelei, die Hölle in dem Herzen,
Den Himmel in dem Munde, mag in deinen Scherzen
Verbrechen finden; sie mag, boshaft dumm,
Das Pferd von Troja mit dem Papste Roms vergleichen.
Ein Blick von Joseph wird der Mißgunst Nacht verscheuchen;
Ein Blick von ihm macht selbst die Bosheit stumm.
Kühn kannst du, Freund, der Wahrheit treu, bekennen,
Daß manches Glied von uns'rer heiligen Klerisei
Gerade wie dein Eremit aus Argos sei;
Allein, des Papstes Ankunft Troja's Pferd zu nennen,
Fiel niemals dir, nur unserm Pöbel bei;
Er frage nur, wie alt dein Pferd von Troja sei,
Und sieh', er wird erröthend dir bekennen,
Daß dein Gedanke nicht so neu,
Und daß nicht du, nur er, Pasquins Trompete sei.
Das Roß von Troja brachte nur Verderben
Und Unheil in die Stadt: entfernt von List,
Kam Pius nur, Theresens Erben
Zu segnen, ihn, der vieler Völker Vater ist.
Der dir, Verfolgter Christ! zur Strafe
Die Juden wieder Menschen werden hieß,
Der seiner Kirche Sohn, nicht Sklave,
Betrog'ne Mädchen aus dem Kerker riß,
Und Mönche, für die Welt verloren,
Zu Bürgen machte, halb der Menschheit Grab
Vertilgte, Böhmens Volke, frei geboren
Wie seine stolzen Herr'n, die Freiheit wieder gab,
Der, wie einst Gott, die Menschen nach dem Werke,
Nicht nach dem Glauben mißt;
Den segnen, der dies that, und seiner Reiche Stärke
Als Fürst bewundern, und als Fürst und Christ,
Ihn und sein Volk beneiden, so kam Pius, kehrte
Auch so nach Rom zurück und lehrte
Selbst Schwache nun, daß Rom für einen Staat,
Wo Nestor Kaunitz wacht, nichts Fürchterliches hat.
Der Pöbel, welcher rasend ihm entgegen eilte,
Ist selber Schuld, daß Pius seine Gläubige
Mit Segen und vollkomm'nem Ablaß tödtete, Bei den häufigen Segensprechungen verwundeten sich verschiedene Leute, und ein schwangeres Weib blieb todt auf dem Platze. Beweis, daß Segensprechungen auch ein Gegenstand der Polizei sei.
Da der Apostel einst auch ohne Ablaß heilte
Und Wunder wirkte. Doch, mein Freund!
Der kluge Pius, dem, als Fürst und Papst, vereint
Der Weise mit dem Pöbel huldigte,
Gleicht dem trojanischen Rosse wenig,
So wenig, als einst die andächtige
Frau Maintenon, – obgleich ein König
Sie liebte, und ein frömmelnder Abbé
Mit diesem Gleichniß schmeichelte Der Abbé Choisy dedizirte seine Uebersetzung des Thomas von Kempis der Madam de Maintenon, Maitresse Ludwigs XIV., und ließ sie voran in Kupfer stechen, wie sie vor einem Kruzifix auf den Knieen lag, mit der Unterschrift: Audi Filia, Concupiscet Rex dekorum tuum.
Der Mutter Kirche, welcher man
Ein Bischen Eigensinn ganz leicht verzeihen kann;
Und gibt es ja was Aehnliches, das man
Von deinem Roß und unsrer Kirche sagen kann,
So ist es dies: Sie hegt, gleich deinem Rosse,
Der Schurken viel in ihrem Schooße.

*

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