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Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 118
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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An Fräulein M. von B*.

In ein Exemplar des ersten Bandes meiner travestirten Aeneis geschrieben.

Ein Autor, Theure, der mit Ehren
Und als ein echtkathol'scher Christ
Sein Kindlein will zur Welt gebären,
Hat vordersamst, wie es gebräuchlich ist,
Nach einem guten Freund sich umzusehen,
Der bei der Taufe zu Gevatter ihm zu stehen
Und für das Kindlein gut zu sagen sich entschließt.
Ich hätte gern in meinen Kindesnöthen
Um dieses gute Werk, o Theure, dich gebeten,
Wüßt' ich nicht, daß mein Kind so voller Schelmerei
Und ein so ungezog'ner Junge sei,
Für den, nach christlichen Gebräuchen,
Kein Mann, geschweige denn ein Mädchen deinesgleichen,
Mit Ehren sich verbürgen kann.
Denn ach, gesetzt, ich spräche dich drum an,
Wie könntest du zu all' den Schelmereien,
Mit denen ich, sein Herr Papa,
Mir selbst zum Skandalum, so reichlich ihn versah,
Vor aller Welt ihm deinen Namen leihen?
Wie für den ausgelassenen
Leichtfert'gen Buben Bürge stehn,
Der bis an's Ohr in lauter Schalkheit stecket,
Und schon so früh die armen Mönche necket:
Der über Bilderchen und Amulette lacht,
Und selbst dem Papst ein Fäustchen macht:
Dem, wenn er böse wird, zu einem Nasenstieber
Sanct Christoph selbst zu groß nicht ist,
Und der sich manchmal so vergißt,
Daß er, obschon ein Kind, doch seine Amme lieber
Als ein Marienbildchen küßt;
Der, wenn er auf dem Steckenpferdchen reitet,
Mit seiner Peitsche links und rechts
Zuhaut, und ohne Schonung des Geschlechts
Den Narr'n und Närrinnen aus ihre Schellen deutet;
Der selbst mit deinen Schwesterchen
In Eva, sind sie auch so schön,
Und nicht so gut wie du, als wie mit Bäuerinnen,
Ja gar mit überirdischen Göttinnen
Als wie mit Höckerweibern spricht?
Nein – sicher müßtest du dich schämen
Den kleinen Wechselbalg im Angesicht
Der Welt in deinen Schutz zu nehmen.

Allein bei all' dem prätendirt
Der Knabe noch, daß er dir angehöre,
Ja, daß er dir zum Theil sein Dasein schuldig wäre.
Weil du, als man ihn accouchirt,
So gütig warst, mit eignen Händen
(In allen Züchten zwar) für ihn dich zu verwenden.
So keck auch die Behauptung scheint,
So muß ich doch, damit der Junge mir nicht weint,
Ihm schon willfahren, und dir ihn
Als meiner Frau Gevatterin –
Doch ganz im Stillen – dediziren,
Und ihn, so schlimm er ist, dir anrecommandiren.
So nimm dich denn des kleinen Wildfangs an:
Der Himmel wird für das, was du in deinem Leben
Für einen bösen Jungen einst gethan,
Dir künftig lauter gute geben,
Und ich will dann sie auch dir aus der Taufe heben.

*

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