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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 107
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Schwesterngesundheit,

ausgebracht am St. Johannisfeste 1783.

Das erste, Schwestern, was ich heut
Bei dieser großen Fei'rlichkeit
Euch werde bitten müssen,
Ist, daß ihr uns verzeiht, daß wir
Euch heut schon wiederum die Thür
Zu unserm Mahl verschließen.

Und dennoch lieben wir euch mehr,
Und sind um zehnmal artiger,
Als uns're Väter waren;
Denn hört nur, liebe Schwesterchen,
Wie die bei den Mysterien
Mit euch einst sind verfahren.

Gesetzt einmal, wir hielten euch
Den Weibern in Egypten gleich.
Wie würdet ihr nicht zittern!
Ihr müßtet, ohne was zu seh'n,
Im Vorhof Mäus' und Käferchen,
Statt eure Möpschen, füttern.

Man sah euch in Italien zwar
Der Isis opfern, doch da war
Der Eifer schon erloschen,
Und wo das Weibsvolk opferte,
Das waren nur verdächtige,
Geheime Winkellogen.

So hat auch einst in Persien
Ein König Artaxerxes. zwar Aspasien
Zum Priesteramt gelassen:
Doch mußte sie dafür zum Lohn
Sowohl vom Vater als vom Sohn
Sich initiiren lassen.

Die art'gen Herrn, die Gallier
Verleideten's euch noch weit mehr,
Den Priesterrock zu tragen;
Denn die darein sich kleiden ließ,
Die mußte Evens Apfelbiß
Auf Lebelang entsagen.

Und die, so schon verehlicht war.
Die durfte nur einmal im Jahr
In Hymens Armen lachen:
Sagt, heißt das nicht die Priesterschaft
Euch recht mit Vorsatz ekelhaft,
Ja gar unmöglich machen?

Auch bei den alten Deutschen war't
Ihr nichts als Hexen schlimmer Art,
Behextet Küh' und Kälber.
Man sieht euch zwar das arme Thier
Nicht mehr verschrei'n; allein dafür
Behext ihr nun uns selber.

Zu Rom und auch in Gräcien
Ließ man euch nur die weiblichen
Mysterien verwalten:
Dergleichen habt ihr ja noch heut,
Und haltet noch dazu sie weit
Geheimer als die Alten.

Drum wünscht euch uns're Arbeit nie,
Denn wahrlich, Schwestern, sie ist die
Beschwerlichste aus allen:
Sie ist, damit ich's euch gesteh',
Die Kunst, euch mehr als andere
Profane zu gefallen.

Denn seht, nur euch zur Sicherheit
Pflegt man uns die Verschwiegenheit
So sehr an's Herz zu legen,
Und daß der Maurer seinen Hut
Vorsichtig nie vom Kopfe thut,
Geschieht bloß euretwegen.

Nur euretwegen üben wir
Im Schweigen uns: euch haben wir
Gehorsam zugeschworen.
Für euch nur, Schwestern, perorirt
Man uns so oft, und exercirt
Im Dulden uns're Ohren.

Für euch gewöhnet williglich
Der Maurer an die Binde sich,
Und thut Verzicht auf's Sehen:
Zu eurem Vortheil lernen wir
Behutsam klopfen an der Thür,
Eh' wir in's Zimmer gehen.

Nach eurer Vorschrift, Schwestern, sind
Wir Suchende so lange blind.
Als wir auf Reisen gehen,
Und euch zu Lieb läßt man erst dann,
Wenn man es nicht mehr ändern kann,
Das Licht uns Armen sehen.

Für euch nur endlich feuern wir
Aus den Kanonen, welche hier
In voller Ladung stehen:
Drum laßt die Arbeit uns, und seid
Zufrieden, wenn ihr jederzeit
Da erntet, wo wir säen.

*

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